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#1332138 - 16.04.18 13:47 Donauradweg 2017 Teil 3 Serbien/Bulgarien
eschneider
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 41
Dauer:9 Tage
Zeitraum:4.8.2017 bis 12.8.2017
Entfernung:473 Kilometer
Bereiste Länder:bgBulgarien
rsSerbien

Freitag 04.08.2017 38 km 701 Höhenmeter sonnig und heiß schmunzel


35 A Camping Toma - Donji Milanovac E+T: 15, - Ü: 8 €

Link zur Etappe:
https://www.naviki.org/de/naviki/static/map/way/12842941/



Heute geht es nur 38 km weiter nach Donji Milanovac, einer Kleinstadt im Osten Serbiens.

Top Beschilderung des EU6 in Serbien:


Donji Milanovac befindet sich am rechten Ufer der Donau, ganz in der Nähe des Eisernen Tores.
Unterwegs dorthin liegt unterhalb der Haupstraße eine kleine Schlucht namens Boljetinsko Brdo.

Die Boljetinsko Brdo Schlucht:



Link zum Lageplan:
https://lh3.googleusercontent.com/-8BV5a...0804_101135.jpg

In den Sedimenten aus der Kreidezeit wurden Fossilien von neuen Ammonitenarten und Fossilien von Rochen gefunden.
Zunächst geht es auf einem Nebenweg lange bergab bevor die Schlucht vor mir liegt. Durch die Enge der Schlucht ist es angenehm kühl und schattig hier.
Das kleine Bachbett ist allerdings ausgetrocknet um diese Jahreszeit. Ich mache eine Pause und sehe mir in Ruhe die Felsformationen mit den einzelnen Sedimenten an. Fossilien finde ich aber leider nicht.
Nach ca. 2 Stunden mache ich mich wieder auf den Weg.
Der Rückweg zur Hauptstraße ist zwar nicht so lang wie der Hinweg zur Schlucht, aber dafür wesentlich steiler. Ich komme in Schweiß gebadet oben an und bin froh heute nur noch eine kurze Strecke fahren zu müssen.
Zunächst geht es aber weiter bergauf in brütender Hitze ohne Schatten.
Aber auch diese Quälerei lohnt sich. Man hat immer wieder eine herrliche Aussicht auf die Donau,

..


die hier durch eine der imposantesten Taldurchbrüche Europas fließt, dem sog.

„Eisernen Tor“.
Das Eiserne Tor ist ein Durchbruchstal an der Donau. Es liegt in den südlichen Karpaten, genauer zwischen den Serbischen Karpaten und dem Banater Gebirge, an der Grenze von Serbien und Rumänien. Bis zu seiner Entschärfung 1972 im Zusammenhang mit dem Kraftwerk Eisernes Tor 1 galt es als der für die Schifffahrt gefährlichste Flussabschnitt der Donau, der nicht ohne ortskundige Lotsen passiert werden konnte. Jahrzehntelang wurden die Schiffe flussaufwärts mit Lokomotiven getreidelt.

Die letzten 3-4 km nach Donji Milanovac geht es bergab und ich kann mich im Fahrtwind wieder etwas erholen.



Ich finde schnell ein Hostel in der Stadt für 7,65 € die Nacht allein in einer Holzhütte ohne Mückenschutzgitter.
Am Abend in einem Restaurant spricht mich noch ein 72 Jahre alter Holländer namens Christian an, der auch mit dem Fahrrad ans Schwarze Meer fahren will. Respekt!!
Ist allerdings etwas steif im Gespräch, aber war eine nette Unterhaltung.

Quartier vor Ort gesucht:
In einem Hostel im Ort übernachtet Mehrbettzimmer oder Holzhütte für Einzelpersonen




Samstag 05.08.2017 40 km 251 Hm heiß und sonnig schmunzel


36 A Donji Milanovac - Tekija E+T: 7, - Ü: 10 €

Link zur Etappe:
https://www.naviki.org/de/naviki/static/map/way/12842962/




Die Nacht in der Holzhütte im Hostel war ok. Weniger schlimm, als ich befürchtet hatte wegen der Viecher. Anti Brumm, mein schweizer Anti-Mückenspray, scheint zu wirken.
Früh morgens geht es weiter Richtung Tekija.
So oft habe ich wohl noch nie an einer Strecke gehalten, um Fotos zu machen.
Mal weitet die Donau sich zur Breite eines Sees aus und gibt den Blick frei auf grüne Wälder.

...



Dann wieder zwängt sie sich durch enge Schluchten mit bis zu 300 Meter hohen Felswänden.







Vor allem an der engsten Stelle kurz vor dem Städtchen Tikija.
An dieser schmalsten Stelle ist sie gerade mal 150 Meter breit, dafür aber unheimliche 90 Meter tief. Hier befindet sich auf der rumänischen Seite auch das Kloster Mraconia.









Als ich noch die Aussicht auf das Kloster genieße, kommt Christian, der Holländer von gestern Abend, die Steigung hochgeschoben. Den Rest der Strecke fahren wir dann zusammen und genießen gemeinsam die herrliche Landschaft hier an der Donau in Serbien.











Er hält tapfer mit an den Steigungen. Ich bin beeindruckt, er ist immerhin noch 6 Jahre älter als ich. Ich nehme mir vor mit 72 noch genauso fit zu sein wie er. Christian besteht allerdings darauf bei der ersten Gelegenheit irgendwo in einem Restaurant was zu trinken. Kein Problem, machen wir auch in Tekija mit einem herrlichen Panoramablick auf die Donau.



Danach ist er dann weiter nach Turnu Severin auf die rumänische Seite der Donau. Ich bin dann erstmal auf den Campingplatz for free. Es ist Samstag und viele Rumänen und Serben sind heute hier am diesem schönen Strand der Donau.







Im Strandrestaurant kann man gut essen und trinken. Ich spreche mit einem älteren Serben ein paar Worte in Deutsch, die er noch aus seiner Zeit als Gastarbeiter in der BRD konnte.
Dann versuche ich noch eine Schiffstour durch die prächtige Schlucht zu buchen, um diese grandiose Natur auch mal aus der Donauperspektive zu sehen.
Es gibt auch einen Anleger in Tekija für ein Hotelschiff aus Kladovo, aber anmelden und bezahlen muss man sich vorher dafür in Kladovo und dieser serbische Ort ist 20 Kilometer entfernt. Klappt alles nicht mehr heute, zu kompliziert.
Ein Donaufischer, dessen Vater angeblich in München arbeitet, hat mir für 15 € angeboten mich mit seinem Fischerboot zwar nicht durch die ganze Schlucht, aber wenigstens bis zur engsten Stelle, die noch in Sichtweite vom Strand liegt, zu fahren.
Aber auch das geht nicht, weil ich keine 15 € in bar mehr übrig habe und einen Bankautomaten gibt es in Tekija nicht. Also, wird nix mit sight seeing per Boot. Abends gehe ich in ein Restaurant oberhalb des Strands essen und wie schon so oft, erlebe ich einen grandiosen Sonnenuntergang.




Im Restaurant treffe ich noch ein französisches Radfahrerpaar. Sie haben noch kein Quartier für die Nacht und fragen den Kellner nach einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit. Und siehe da, die Köchin des Restaurants hat in ihrer Pension noch zwei Zimmer frei für die Nacht und ich entschließe mich spontan für 10 € die Nacht lieber in der Pension zu übernachten, statt am lauten Strand für 0 €. So können wir noch ein wenig weiterreden und wir haben ein sicheres Dach über dem Kopf.

Quartier in Tekija gesucht:
Im Restaurant “Panorama” nach Zimmer gefragt und eins bekommen.
Kostenloser Campingplatz an der Donau mit Dusche und Strandbar ist auch vorhanden.







Sonntag 06.08.2017 43 km 436 Hm heiß und Gewitter mit
Regen und Sturm traurig

37 A Tekija - Hinova RO E+T: 17, - Ü: 30 €

Link zur Etappe:
https://www.naviki.org/de/naviki/static/map/way/12842979/


Ich breche früh auf und fahre ohne Frühstück bis zum Grenzübergang nach Turnu Severin. Unterwegs gibt’s nochmal schöne Ausblicke auf die Donau. Am Ufer jede Menge kleine Anglerplätze mit Grillgelegenheit.








Vor dem Grenzübergang bin ich im Zweifel, ob ich bis Korbovo durchfahren soll, um vielleicht doch noch eine Schiffsreise durch die Donauschlucht zu buchen. Irgendwie kann ich mich nicht entscheiden.





Ich lasse es dann doch und treffe stattdessen eine junge Französin, die von Sofia bis Belgrad mit dem Rad unterwegs ist.
Wir unterhalten uns eine ganze Weile und tauschen Reiserfahrungen aus. Ich beneide sie sehr, weil ich weiß, dass sie das schönste Stück Donauradweg vor sich hat.
Unmittelbar vor der Grenze zu Rumänien sehe ich dann noch dieses serbische Schild.



bravo „You are leaving Serbia. Don‘t cry because it’s over - smile because it happened.
We wish your bike to always have tires full of air, and chain always ready to transfer your dreams to roads and paths. Have a nice rolling in beautiful Romania bravo

Am liebsten würde ich wieder zurückfahren.

Mit gemischten Gefühlen fahr ich dann doch über die Grenze nach Rumänien. Das Umfeld ist nicht gerade einladend.




Viel Industrie um das Kraftwerk am Staudamm. Umspannwerke soweit das Auge reicht. Die Strecke nach Turnu Severin ist aber weniger schlimm als ich vorher befürchtet habe. Der Seitenstreifen der Straße ist ganz gut zu befahren und so komme ich, trotz des enormen Verkehrs, sicher in Turnu Severin an.



Ich suche mir im Zentrum ein schönes Straßencafé am Rande des Parks und frühstücke erstmal. Danach ist etwas Sightseeing angesagt
Und ich entdecke dieses Theater und eine orthodoxe Kirche






Ich fahre weiter durch die Stadt auf einer breiten, 4.spurigen Prachtstraße mit Fahrradweg auf beiden Seiten. Auf der anderen Seite kommt mir ein Paar mit einem Tandem entgegen Die beiden Studenten kommen aus Deutschland und fahren die komplette Route EU 13 (Iron Curtain Trail).
Das ist die Route entlang des ehemaligen „Eisernen Vorhangs“ der während der Zeit des „Kalten Krieges“ die Grenze zwischen Ost und West bildete. Die Älteren werden sich noch daran erinnern.
Sie sind schon seit 5 Monaten unterwegs und sind bisher 5000 km gefahren. Eine Alpenüberquerung war dabei, Griechenland, Mazedonien, Albanien, Rumänien und einige andere Länder. Ich erzähle ihnen von der schönen Strecke, die vor ihnen liegt - ein Teil des EU 6 und des EU 13 in Serbien sind identisch -.



Sie freuen sich sehr über das, was vor ihnen liegt.
Nach einer Weile fahre ich weiter in Richtung eines Campingplatzes kurz hinter Turnu Severin.
Ich finde zwar das Gelände, aber der Platz ist geschlossen und die Gebäude sind verfallen.
Also weiter bis Negotin ??? Das wären allerdings noch ca. weitere 50 km, zusätzlich zu den 45 km, die ich schon hinter mir habe. Lang, aber machbar.
Dachte ich zumindest. Es zieht sich immer mehr zu und ein Gewitter ist im Anmarsch.

..


Der Gegenwind beginnt langsam stürmisch zu werden. Als die Wolken schon ziemlich dunkel und bedrohlich nah sind, komme ich an einem Haus vorbei, in dem Zimmer zu vermieten sind. Nichts wie rein, denn es fängt bereits an zu tröpfeln.
Kurze Zeit später tobt ein Gewitter mit Sturm und Platzregen.
Gut, dass ich nicht weitergefahren bin. Das Zimmer ist sauber aber für 30 € ziemlich überteuert.
Ich versuche zu verhandeln, aber unter den gegebenen Umständen weicht er keinen Cent vom Preis ab. Ich bleibe hartnäckig und schlage ein Frühstück heraus. Die nicht gerade engagierte Ehefrau macht mir abends eine Fischsuppe, für 10 €, die ich alleine im Garten esse. Nicht gerade der Börner. Wenigstens ist genug zu trinken im Kühlschrank.


Pension Son & Jino Rumänien
Wegen Gewitter Pension vor Ort an der Strecke gesucht.
Mit 30 € pro Nacht überteuert, aber weit und breit kein Campingplatz.







Montag 07.08.2017 45 km 264 Hm schwül warm aber trocken schmunzel

38 A Hinova RO - Negotin E+T: 8 € Ü: 10 €

Links zur Etappe:
https://www.naviki.org/de/naviki/static/map/way/12842979/
https://www.naviki.org/de/naviki/static/map/way/12849746/
https://www.naviki.org/de/naviki/static/map/way/12846737/

Um 7 Uhr war Frühstück bestellt. Nichts war draußen gedeckt und die Tore waren verschlossen. Ich klopfe und rufe ca. 30 Minuten und werde langsam ziemlich sauer. Endlich öffnet die Besitzerin völlig verpennt und bietet mir an Frühstück zu machen. Ich lehne ab und bezahle sofort. Sie schließt auf und ich bin endlich weg. Kurze Zeit später die erste Hundeattacke, die meinen Adrenalinspiegel schlagartig noch höher ansteigen lässt. Ich schneide mir einen ca. 2m langen Stock von einem Baum ab, um die Hunde besser zu vertreiben.
Bis zur serbischen Grenze habe ich noch 5 weitere Hundeattacken, aber der Stock zeigt seine Wirkung. Oft muss ich ihn nur anheben und die Hunde drehen ab. Manchmal muss ich aber auch zuschlagen, damit sie nicht an meine Waden kommen. Viele Hunde bellen aber auch nur, oder bleiben einfach dösend in der Sonne liegen. Trotzdem, ist nicht mehr so entspannend, ich fahre mit erhöhter Wachsamkeit. Die Gegend ist langweilig und die Straße streckenweise sehr schlecht. Ich fahre fast nur an vertrockneten Sonnenblumenfeldern vorbei oder durch kleine verschlafene Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben ist. Neben den Hunden laufen hier auch Gänse, Schafe und sogar Pferde am Straßenrand entlang. Die Menschen sehen mir meist erstaunt hinterher aber Grüßen alle freundlich zurück. Nach 2 Stunden Fahrt sehe ich in einem kleinen Dorf ein winziges Lebensmittelgeschäft mit zwei Plastikstühlen unter einer überdachten Veranda. Ich halte an und trinke 2 Kaffee, eine Cola und esse 2 Joghurt und das alles für 2 €. Die drei Frauen im Geschäft sind sehr freundlich und hilfsbereit. Wir verständigen uns mit Händen und Füßen und sind sehr vergnügt dabei.
Nach dem desinteressierten Ehepaar der Pension tut mir das richtig gut.
Nach ein paar weiteren Kilometern überquere ich die Grenze und bin wieder in Serbien



und komme wenig später in Negotin an. Der Quartierbesitzer heiß Bojan und ist noch freundlicher, aufmerksamer und interessierter als die drei Frauen in dem kleinen rumänischen Dorf. Ich fühle mich sauwohl und sicher und beschließe spontan hier 2 Nächte zu verbringen.

Erste Eindrücke von Negotin: Flaniermeile mit orthodoxer Kirche





Negotin ist eine Provinzhauptstadt mit ca. 40 000 Einwohnern und liegt im Grenzgebiet zu Rumänien und Bulgarien. Die zahlreichen Dörfer in der Gegend von Negotin sind für ihre Weine im ehemaligen Jugoslawien und auf dem ganzen Balkan bekannt.


Unterkunft Negotin: 07.08 - 09.08.2017: 2x Ü a 10 €
Vorgebucht mit booking.com
Guesthouse Stanisavljevic Stojanke Radosavljević 10 19300 Negotin Serbien
Tel +381638266685






Dienstag 08.08.2017 0 km heiß schmunzel


Negotin - Negotin Ausflug: 6 € E+T: 29 € Ü: 10 €

Ich möchte die Weinkeller von Rajacke Pivnice bei Roglijevo besuchen.



Von Negotin aus sind es 25 km. Bojan mein Quartierbesitzer bietet mir an, mich mit dem Auto dorthin zu fahren und anschließend noch einen Freund in der Nähe zu besuchen, das Ganze für 6 € Spritgeld. Das Angebot kann ich nicht ablehnen.

Wein wurde in der Nähe von Negotin schon in der Römerzeit angebaut.
Damals waren die Bedingungen für den Weinbau sehr gut, und es war eine der wichtigsten Einnahmequellen der Bevölkerung in dieser Region. Nach aktuellen Schätzungen gibt es auf weinbebauten Hügeln in der Umgebung von Negotin etwa 1000 Hektar Weinbergfläche.
Die Weinkeller sind etwa 150 übermauerte Keller, in denen die Weinbauern während der Weinlese mit ihren Familien und Helfern gelebt haben. Heute sind noch etwa 10 % davon bewirtschaftet als Gästehaus. Es werden Touristen mit Bussen dorthin gebracht und in einem der Keller wird dann gegessen und Wein und Schnaps verkostet.









Der überwiegende Rest der Häuser verfällt leider.



Es findet sich kein Investor, der das ganze Dorf und die Gebäude wieder aufbaut und als Touristenattraktion vermarktet.

Die bewaldeten Hügel und Weinberge sind sehr reizvoll, absolut ruhig und laden zum Wandern ein.



Von geschichtlicher Bedeutung ist auch der direkt am Dorf-Rand gelegene Friedhof. Das Besondere daran sind die quer gelegten Steine auf den Grabsteinen.



Nach der Besichtigung von Rajacke Pivnice besuchen wir in Rajac Bojan’s Freund. Er bewohnt mit seiner Frau in 5-ter Generation ein ehemaliges Bauernhaus.

....



Er hat es mit seiner Frau liebevoll als Gasthaus hergerichtet. Einstige Kuh- und Schweineställe wurden als Gästezimmer, Aufenthaltsraum, Frühstücksraum, Werkstatt und Lagerraum umgestaltet.

Das ganze Anwesen ist eigentlich ein einziges Museum.
Ein Bett, in dem schon die Oma geschlafen hat, ist 100 Jahre alt.
Viele landwirtschaftliche Werkzeuge hängen an den Wänden.
Die Oma von Bojans Freund hat selber noch Seife hergestellt.
Ein 86 Jahre altes Stück hat er noch.
Es roch immer noch sehr gut.

Von ehemals 1350 Einwohnern wohnen hier nur noch ca. 250.
Viele Gebäude verfallen. Einige werden aber auch instand gehalten von Einwohnern, die im Ausland arbeiten und später zurückkehren wollen. Überhaupt arbeiten viele Serben im Ausland, weil sie im eigenen Land keine Arbeit finden oder die Arbeit zu schlecht bezahlt wird. Viele Autos in Negotin haben ausländische Kennzeichen, weil viele jetzt zuhause Urlaub machen.



Mittwoch 09.08.2017 63 km 267 Höhenmeter heiß schmunzel


39 A Negotin - Vidin E+T: 11,50 € Ü: 22 €

Link zur Etappe:
https://www.naviki.org/de/naviki/static/map/way/12848961/


Ich bin früh auf den Beinen, weil ich neugierig und noch mehr gespannt bin, was mich in Bulgarien erwartet. Bojan hat schon mit Kaffee auf mich gewartet.
Der Typ ist wirklich einmalig. Nach ca. 15 km bin ich das erste Mal in meinem Leben in Bulgarien. Die Grenzkontrolle war schnell erledigt. Personalausweis vorzeigen und fertig. Alle Grenzer sind sehr freundlich und wünschen mir eine gute Weiterfahrt. Die Fahrt nach Vidin ist kurz zu beschreiben.
Weite, sanfte Hügellandschaft rechts und links der guten Straße mit sehr wenig Verkehr. Landwirtschaft, soweit das Auge reicht Sonnenblumen und manchmal auch Weinreben. Es gibt kleine verschlafene Dörfer und etwas lebendigere kleinere Städtchen. Man hört ab und zu einen Hahn krähen ansonsten ist Stille.
Ältere Leute sitzen im Schatten und winken mir entweder lächelnd zu oder schauen verwundert oder erststaunt drein. Kühe und Ziegen laufen auch schon mal auf der Straße. Vereinzelt stehen auch Esel am Rand und grasen friedlich.
Oft ist die Straße gesäumt von Bäumen



und man gleitet einfach so im Schatten dahin. Herrlich zu fahren, und die Hunde sind auch friedlich. Das erste Mal seit drei Tagen sehe ich die Donau wieder.





In Vidin selber stehen viele unbewohnte, verfallene Häuser, alte bewohnte Häuser, Plattenbauten und neue Gebäude im krassen Gegensatz nebeneinander.



....



Das Hotel ist ein großes Gebäude in einem Park ca. 2 km vom Zentrum entfernt. Es ist sauber und hat sogar eine Klimaanlage.





Aber andere Gleichgesinnte werde ich hier wohl kaum treffen.

Ich sitze gerade an der sehr schönen Donaupromenade in Vidin, während ich dies schreibe und trinke ein 0,5 Liter Bier für umgerechnet 0,51 €.









Am Morgen frühstücke ich in Vidin und mache noch ein paar Bilder.
Dieses Nebeneinander von protzigen altkommunistischen Prachtbauten, liebevoll renovierten Altbauten und verfallenen Häusern ist irgendwie faszinierend.
So, noch einen Kaffee und dann geht’s nach Lom.
Schon spät, 09.15 Uhr nach bulgarischer Zeit.

Unterkunft Vidin: 09.08 -10.08.2017: 22 €
Vorgebucht mit booking.com
Stornierungskostenfrei bis 09.August 2017 17:59
Family Hotel Angelov Han 1 Drava Str ул. Драва 10 Bulgarien
Tel +35994604500






Donnerstag 10.08.2017 57 km 464 Höhenmeter heiß schmunzel


40 A Vidin - Lom E+T: 14 € Ü: 30 €


Link zur Etappe:
https://www.naviki.org/de/naviki/static/map/way/11901543/



Die Strecke von Vidin nach Lom ist anfangs sehr verkehrsreich aber gut zu befahren. Die Lkw-Fahrer sind rücksichtsvoll. Nach ca. 8 km geht es dann auf die Nebenstrecke 11. Weniger Verkehr aber immer noch Lkw’s, die auch hier Rücksicht nehmen und mindestens 1m Abstand halten beim Überholen.
Auf einer Stecke von ca. 5 km ist die Straße sehr schlecht.
Da sind selbst Pferdefuhrwerke schneller als ich wegen der vielen Schlaglöcher.
Danach wird es aber wieder besser. Es geht allerdings ständig rauf und runter.
Nach 4 Stunden bin ich endlich in Lom. Das Hotel ist ok,





aber trotz Klimaanlage sind 30 € überzogen. Naja, was soll’s.
Es gibt einen Strand und ich kann endlich mal wieder in der Donau baden.




Lom hat eigentlich nur eine breite Straße, die vom Hotel an der Donau wegführt ins Stadtzentrum.




Das Stadtbild ist geprägt von alten Häusern, von denen der Putz abbröckelt. Vieles sieht immer noch so aus wie in der ehemaligen DDR kurz nach der Wende.

Evtl. kommt Nathan heute Abend in Lom an. Wäre schön mal wieder ein wenig Unterhaltung zu haben, denn Fernreisende Radfahrer habe ich seit Negotin nicht mehr getroffen und selbst das Personal in den Hotels spricht bisher kaum Englisch. Die Älteren sprechen nur die Landessprache. Junge Leute in den Cafes oder Restaurants
sprechen etwas Englisch, aber über „smal talk“ geht es nicht hinaus. Auf den Campingplätzen in Ungarn oder Serbien habe ich sehr viel schneller Kontakt gehabt.
Nathan ist wieder da. Er hat es tatsächlich geschafft die ca. 120 km von Negotin bis Lom in einem Tag zu fahren. Starke Leistung. Wir setzen uns abends noch auf ein Bier zusammen an die Donau



und beschließen die morgige Tour gemeinsam zu fahren.
Schön mal wieder einen Gesprächspartner zu haben.




Unterkunft Lom 10.08 - 11.08.2017: 30 €
Vorgebucht mit booking.com
Stornierungskostenfrei bis 2. August 2017 23:59
Kaleto Hotel 36 Dunavska Str. ул. Дунавска 36 Lom, 3600 Bulgarien
Tel.: +359 88 813 9991




Freitag 11.08.2017 75 km 699 Höhenmeter heiß schmunzel


41 A Lom - Oryakhovo E+T: 12 € Ü: 19 €


Link zur Etappe:
https://www.naviki.org/de/naviki/static/map/way/11901578/


Nathan und ich trinken morgens in einem Cafe im Zentrum von Lom



noch gemütlich einen Espresso und decken uns bei einem Bäcker mit Wegzehrung ein, bevor wir uns auf den Weg machen.
Die ersten Kilometer sind grausam. Ausfallstraße mit Lkw-Verkehr. Danach kommt ein Industriegebiet mit Lkw’s, die viel Staub aufwirbeln. Dazu kommen Steigungen und alte Kleintransporter mit Dieselmotoren, die jede Menge schwarze Rauchwolken ausblasen. Grausam!!! Nirgendwo mal eine Möglichkeit eine Pause zu machen in halbwegs schöner Umgebung. Irgendwann, als es gar nicht mehr anders geht, machen wir an einer Tankstelle 20 km vor dem Ziel Pause, um was zu trinken. Dort kann man wenigstens im Schatten sitzen.
Die letzten Kilometer gehen dann. Gute Straße mit Schatten aber immer noch viel Verkehr. Wir sind froh als wir endlich im Hotel in Oryakhovo sind.
Nathan hatte nicht wie ich vorgebucht, bekommt aber ohne Probleme ein freies Zimmer. Die Unterkunft ist frisch renoviert, sehr sauber, hat standardmäßig Klimaanlage und sehr freundliches Personal mit Englischkenntnissen.
Nach dem Duschen fahren wir abends rauf ins Dorf. Ohne Gepäck ist der steile Anstieg kein Problem. Wir finden ein kleines Familienrestaurant, wo die Oma noch selber kocht. Sehr lecker und sehr preiswert. Nathan findet die junge Bedienung sehr nett, traut sich aber nicht es ihr zu sagen.
Nathan hat am 15.08 Geburtstag und möchte ihn mit Freunden aus Bukarest feiern. Er kommt deshalb nicht weiter mit, sondern fährt morgen früh mit der Fähre rüber nach Rumänien und dann weiter nach Bukarest. Schade. War schön einen Gesprächspartner zu haben.
Nach dem Essen und dem einen oder anderen Bierchen sind wir Bett reif und hauen uns in die Kojen nach dieser schei…. Tour.
Die ersten 50 km des heutigen Streckenabschnitts kann man Radfahrern eigentlich nicht zumuten. Aber nun gut. Wir haben es geschafft. Auf der bulgarischen Seite gibt es halt keine Alternative.

Unterkunft Oryakhovo 11.08 - 12.08.2017: 19 €
Vorgebucht mit booking.com
By the River Hotel 8, Dunav str Oryakhovo, 3300 Bulgarien +359888236137
Stornierungskostenfrei bis 8. August 2017 23:59
Kreditkartennummer war notwendig bei der Buchung!






Samstag 12.08.2017 112 km 1106 Höhenmeter heiß schmunzel

42 A Oryakhovo - Zagrazhden – Nikopol E+T: 15 € Ü: 25 €


Link zur Etappe:
https://www.naviki.org/de/naviki/static/map/way/12982002/



Schon um 6.00 Uhr sitze ich mit Nathan beim Frühstück mit Käse und Toast,
weil er gleich die Fähre über die Donau nach Rumänien nehmen will.
Danach ziehe ich wieder alleine weiter. Es geht sofort richtig zur Sache ohne langes Einfahren. Die Steigung zum Dorf hoch, diesmal mit Gepäck, bringt meinen Puls schnell bis zum Anschlag. Kurz darauf folgt die nächste Mördersteigung, bei der ich nach 2/3 der Strecke absteigen muss.
Das erste Mal seit Beginn meiner Tour muss ich wegen einer Steigung mein
Rad schieben und selbst das ist noch anstrengend genug. Bis ich oben bin habe ich fast alle Trinkvorräte verbraucht, denn die Sonne brennt bereits wieder gnadenlos vom Himmel. Nach der Schinderei werde ich auf dem Gipfel durch einen Panoramablick runter auf die Donau belohnt.







Nach diesem ersten harten Abschnitt kann ich mich auf einer flachen, guten Straße wieder erholen. Es ist absolut ruhig hier und ich fahre geruhsam im Schatten von Bäumen, die rechts und links die Straße säumen.


....

Nach 38 Kilometern kommt dann der nächste Anstieg mit schlechter Asphaltdecke durch langweiliges landwirtschaftliches Gebiet.
Im Dorf Zagrazhden fahre ich an den nahen Donaustrand in der Hoffnung dort etwas zum Übernachten zu finden. Fehlanzeige, kein Restaurant, keine Pension, nur vereinzelte Privathäuser und kleine Fischerhütten. Ich sehe nur ein paar Angler und bulgarische Touristen am Strand, die alle kein Englisch sprechen
Ich gönne mir eine Pause und nehme erstmal ein Bad in der Donau.
Da wild zelten am Strand für mich alleine nicht in Frage kommt beschließe ich ins Dorf zu fahren, um mir dort was zu suchen. Aber zuerst fülle ich in einem winzigen Geschäft meinen Getränkevorrat auf. Ich finde einen Hinweis an einem Haus mit der Aufschrift „Zimmer frei“. Leider ist niemand da und es steht auch nirgendwo eine Telefonnummer. Es ist bereits 14.00 Uhr, sehr heiß und ich habe noch keine Unterkunft. Ich werde leicht nervös und beschließe trotz der Hitze weiter zu fahren. In keinem der folgenden Orte finde ich eine Übernachtungsmöglichkeit, aber gottseidank immer eine kalte Cola, meinem Hauptnahrungsmittel an diesem heißen und anstrengenden Tag.
Ich beschließe bis Nikopol zu fahren trotz einer weiteren vor mir liegenden starken Steigung. Mit häufigeren Pausen schaffe ich auch diesen letzten schweren Abschnitt der heutigen Doppeltour. Am höchsten Punkt überlege ich noch kurz, ob ich hier wild zelten soll, allein wegen der schönen Aussicht auf eine Donauschleife.

...


Mit mehreren wäre das ein schöner Platz zum campen gewesen, aber alleine? Nee, lieber nicht! Also, weiter bis Nikopol.
Ich finde schnell ein Hotel in Nikopol, dusche, esse was und falle fix und alle
um 22.00 Uhr ins Bett. Morgen kommt eine kürzere Etappe. Das wird mir gut tun, nach zwei anstrengenden Touren mit vielen Steigungen

Keine Unterkunft gefunden in Zagrzhden.
Weiterfahrt bis Nikopol
Unterkunft in Nikopol: 12.08 - 13.08.2017: 25 €
Vor Ort gebucht: Hotel Gold 5480, 5940 Nikopol, Bulgarien
Telefon: +359 88 469 9948



Fortsetzung folgt
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#1332140 - 16.04.18 13:51 Re: Donauradweg 2017 Teil 3 Serbien/Bulgarien [Re: eschneider]
Keine Ahnung
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 7495
Prima, mit allen Bildern! zwinker

Danke für den Bericht!
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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