Re: Radreise, Rhein Main mit Umwegen....

von: Franke on Tour

Re: Radreise, Rhein Main mit Umwegen.... - 17.11.20 21:26

So, auf geht es zur zweiten Etappe, bei denen es aber schon die ersten groben Planänderungen gab.
Wie geschrieben, bin ich Abends bei meiner Verwandtschaft angekommen und hatte eigentlich nur vor, diese eine Nacht dort zu verbringen und am Morgen gleich weiter zu fahren. Nach leckeren Abendessen und dem Wetterbericht, der noch mehr Regen voraus sagte, legte ich mich auch schon auf dem Sofa zur Ruhe. Als ich am nächsten Tag zu heißen Kaffee, Frühstücksei und Nutella aufwachte und es draußen im wahrsten Sinn des Wortes es in Bächen goss, nahm ich ganz schweren Herzens zwinker das Angebot an, den Tag noch dort zu verbringen. Ich hab die Zeit auch nicht untätig verbracht, sondern hab sogleich mein Fahrrad auf Vordermann gebracht und meine Ausrüstung nochmals zum trocknen aufgehängt.







Gegen Mittag rum klärte sich dann schließlich das Wetter auf und die Sonne kam heraus. Da meine Gastgeber noch auf Arbeit waren, genoss ich die Zeit, um ohne dem Gewicht der Taschen einen Teil vom Bodensee zu erkunden, ohne mich jedoch zu weit zu entfernen. Es ging nach Friedrichshafen und von dort dem Bodensee entlang nach Westen, um ein paar Kilometer weiter in etwas hügligeres Gelände zu fahren. Der nächste Halt war in der Ortschaft Berg, von wo aus ich mein nächstes Ziel sah. Eine einsame Kapelle etwas weiter östlich mit schönen Ausblick auf dem Bodensee, die Haldenbergkapelle. Musste zwar etwas herumsuchen um diese dann auch zu finden, hab es aber letztendlich geschafft.

















Das war bis dahin der schönste Tag der Reise. Tolles Wetter, tolle Aussichten und einfach gute Laune. Leider hat es am nächsten Tag nicht gehalten. Früh gab es wieder Regen in Strömen und als mich Mittags dann doch dazu durchgerungen hatte loszufahren um den Zeitplan nicht völlig zu ruinieren, kam die Nachricht, dass die Grenze nach Italien dicht ist. BÄM! So waren die Pläne nun völlig hinüber. Abbrechen wollte ich aber dennoch nicht, auch wenn ich den Tag dann doch noch einmal in Meckenbeuren verbrachte und zum ersten Mal in meinem Leben einen Netflix Tag eingelegt hab. Das nächste Ziel war schnell gefasst, anstatt Südlich, sollte es jetzt nach Norden gehen. Den Rhein entlang bis nach Rotterdam ans Meer. Kaum war der Entschluss gefasst, hab ich mich auch wieder besser gefühlt und so ging es am dritten Tag in Meckenbeuren gleich früh wieder los.


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Trotz frohen Mutes und guter Laune änderte dies nichts an dem kalten Wetter und meinem weiterhin treuen Begleite aus Etappe eins. Aber gewöhnte ich mich an ihn, wie an einen lästigen Verwanden den man eh nicht loswerden kann. Mein Weg führte mich wie schon am Tag zuvor nach Friedrichshafen, aber dieses Mal Richtung Osten, nach Lindau, Bregenz und von dort aus in die Schweiz. Falls man mehr Zeit mitbringen sollte und ein Bierliebhaber ist, kann ich das Kommprobier in Langenargen nur wärmstens empfehlen, und am besten dazu einen Taxiservice.
Es war so zwar nur ein kurzer Besuch in Österreich, aber ein Herzhafter.














Nach einem erneuten Wetterumschwung, dieses mal ins Positive, war es ein echt schöner Tag. Das Fahrrad spulte fast von selbst die Kilometer ab und die Reise machte mir mehr und mehr Spaß, bis es langsam Abend wurde und ich doch etwas bemerkte, was bei mir langsam ein Gefühl von Unbehagen aufkommen ließ.









Es fing nun langsam an zu dämmern, meine Beine wurden immer schwerer und auch ich wurde langsam immer müder. Und was mir dann so langsam in mir dämmerte war, ich hab schon seit sicherlich 30 oder 40 km keinen Platz gesehen, wo ich ein Zelt hätte aufbauen können. Entweder war es zu steil, zu bewohnt, zu einsehbar oder sonstiges. Nach ca. 130km bin ich dann schließlich in Memmern links abgebogen und einen Bergansatz hinauf, rechts weg und hab in einem Wald am erstbesten Fleck mein Zelt aufgeschlagen. Etwas schiefe Lage, etwas wenig Platz, aber besser wie nichts. Ich hätte auch gerne am See geschlafen, aber bei Wildcampen in Touristengebieten bin dann doch etwas zu vorsichtig und Campingplätze hatten zu dieser frühen Jahreszeit ebenfalls noch geschlossen.

Dennoch war es ein schöner Tag, mit tollen Wetter, Eindrücken und einem für mich zu dem Zeitpunkt neuen Kilometer Rekord am Tag.