Re: Hamburg - Nordkap im Sommer 2011

von: StarBonn

Re: Hamburg - Nordkap im Sommer 2011 - 12.02.12 22:56

Teil 4 Heimreise

Nun endlich komme ich dazu, vom letzten Teil meiner Reise zu berichten:

Zunächst verbrachte ich knapp 30 Stunden am Nordkap und damit ungefähr 10 mal soviel Zeit wie der typische Nordkap-Bustourist. Es war beeindruckend, diesen Ort in einem Moment völlig ruhig zu erleben, im nächsten Moment total überlaufen. Ich war zu dieser Zeit einfach nur glücklich und geschafft, knüpfte Kontakte zu ein paar weiteren Nordkapradlern und erteilte Neugierigen bereitwillig Auskunft über meine Fahrt. Auch das obligatorische Nordkap-Foto durfte natürlich nicht fehlen:



Ich hatte leider weiterhin wenig Glück mit dem Wetter, es war nach wie vor windig und kalt und bis auf wenige Momente war der Nordkapfelsen in dichten Nebel gehüllt. Wenn auch das Touriprogramm (Museen, Shops, Bars...) gewöhnungsbedürftig war, ich genoss den Trubel um mich herum nach einem Monat mehr oder weniger in der skandinavischen Einsamkeit.


Das Nordkap-Zentrum



Die Nacht am Kap war mit Abstand die kälteste, zudem drohte Wasser ins Zelt zu laufen. Wenigstens hatte ich in der Kuhle zwischen Straße und Parkplatz einen windgeschützten Ort erwischt.



Einige Tage schon hatte ich mir Gedanken über die Rückreise gemacht. Ursprünglich war es immer mein Plan, mit der Hurtigruten über Trondheim und Oslo zurückzufahren, aber nicht nur die Anschläge in der norwegischen Hauptstadt, sondern auch die undurchsichtige Preisstruktur der Fährlinie ließen mich diesen Plan überdenken. Ich erfuhr vom finnischen Busunternehmen "Eskelisen Lapin Linjat" (Link), das in der Sommerzeit jede Nacht um 1 Uhr eine Fahrt vom Nordkap nach Rovaniemi anbietet. Farradmitnahme ist dabei kein Problem. Der Bus fährt zunächst nach Honningsvag und von dort früh morgens um 5 weiter. Man kann in der Zeit im Bus bleiben und schlafen. Die Fahrt kostet knapp 130 Euro + 10 Euro für das Rad. Achtung: Es wird angeboten, mit norwegischen Kronen zu zahlen, allerdings ist der Wechselkurs extrem ungünstig.



Angekommen in Rovaniemi nahm ich Kontakt auf zu einem finnischen Ehepaar, das ich in Norwegen kennengelernt hatte. Sie luden mich sofort ein, in ihrem Haus zu übernachten, Sauna inklusive. Ich genoss das Sommerwetter am Polarkreis, besuchte mehrere Museen und plante die Weiterreise.


In Rovaniemi

Ich bekam Lust, auch in Finnland noch ein paar Tge zu radeln und entschied mich auf eine Empfehlung hin für die Strecke von Jyväskylä über Lahti nach Helsinki, die tatsächlich, abgesehen von der Einfahrt nach Helsinki, sehr schön war. Die Strecke von Rovaniemi nach Jyväskylä legte ich per Nachtzug und Bus zurück.


Die Straße gehörte mir die meiste Zeit allein

In Helsinki nahm ich mir wieder zwei Tage Zeit für eine ausführliche Besichtigung. Ich hatte auch keine Wahl: Bis Mitte August hatte ich meine Wohnung zwischenvermietet und es war noch zu früh, um heimzukehren. Von daher machte es mir auch nichts aus, dass die Fährfahrt von Helsinki nach Travemünde noch einmal 28 Stunde dauerte, ich genoss es wie eine kleine Kreuzfahrt.


In Helsinki


Soumenlinna




Die Fähre bot allen erdenklichen Luxus


Ankunft in Travemünde

Bei strömendem Regen, einem von nur drei komplett verregneten Tagen auf meiner Tour überhaupt, nahm ich am 14. August, genau sechs Wochen nach meiner Abfahrt, die letzte Etappe von Travemünde nach Hamburg in Angriff.

Die Tour hat mir genau das geboten, was ich erhofft hatte. Wetter, das besser kaum hätte sein können, eine sturz- und fast pannenfreie Fahrt, Begegnungen mit vielen netten Menschen, zu denen ich heute zum Teil noch Kontakt habe, und Erinnerungen, die ich mein Leben lang behalten werde.

Jeder Leser, der jetzt vielleicht daran denkt, auch mal eine änliche Tour zu starten, sollte sofort mit der Planung beginnen. Ich beantworte gerne eure Fragen.

Allen eine schöne Radsaison 2012!