von: Shimpagnolo
Re: Steifer Rahmen - 25.10.07 20:27
In Antwort auf: biker tom
Praktisch jedes Material, das oft genug hin- und hergebogen wird, dürfte irgendwann brechen, weil es dabei schleichende Strukturveränderungen gibt.
Nein, das hängt vom Material und der Spannungsamplitude ab. Das Ganze lässt sich anschaulich in der sogenannten Wöhlerkurve aufzeigen wie sie z.Bsp. hier in Kapitel 3 beschrieben ist. Die y-Achse ist die Spannungsamplitude, die x-Achse die Anzahl Zyklen bis zum Anriss. Es gibt 2 verschiedene Typen:
Typ 1: Ferritische Stähle (aus denen normale Stahlrahmen bestehen) können bei ausreichend kleiner Spannungsamplitude beliebig viele Zyklen ertragen = dauerfest
Typ 2: Austenitische Stähle ("Edelstahl") und Aluminiumlegierungen sind nicht dauerfest, dh irgendwann brechen diese auch bei kleinster Spannungsamplitude. Das ist aber nur von theoretischer Bedeutung, da dies bei einer ordentlichen Konstruktion berücksichtigt wird und die Auslegung z.Bsp auf 100 Mio Zyklen gemacht wird, also die praktische Nutzungsdauer weit überschreitet.
Das sogenannte "Weichtreten" ist früher vor allem bei gemufften Stahlrahmen vorgekommen. Wenn die Muffe nicht sauber verlötet war und das Lot z.Bsp. nur am äussersten Rand war sah das Ganze von aussen zwar noch in Ordnung aus, tatsächlich war die Verbindung aber geschwächt und nach einiger Zeit haben sich Risse gebildet bis hin zum völligen Versagen der Verbindung. Das hat aber nichts mit weicher werdendem Material zu tun, sondern ist auf einen Fertigungsfehler und die mangelnde Kontrollierbarkeit von Muffenverbindungen zurückzuführen.
Gruss
Joachim