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#1126545 - 03.05.15 14:30 Project Into the East 2: Es kommt immer anders
Menelus
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abwesend abwesend
Beiträge: 74
Dauer:1 Monat, 28 Tage
Zeitraum:2.2.2015 bis 1.4.2015
Entfernung:3000 Kilometer
Bereiste Länder:mmMyanmar (Burma)
thThailand
Externe URL:https://www.youtube.com/watch?v=0JR98w9tdOo

Diese Tour ist als eine Art Fortsetzungstour zum Vorjahr zu verstehen. Den Reisebericht dazu findet ihr hier: Into the East 2014. Auch diesmal sind jede Menge stehende und bewegte Bilder entstanden, jedoch hab ich nur Myanmar ausgiebig genug gefilmt, um daraus einen kompletten Videoclip zu machen.
Video Into the East – Myanmar

GPS-Track Bangkok – Three Pagoda Pass (Fahrrad)
GPS-Track Mandalay – Bagan – Myaydo (Fahrrad)
GPS-Track Mandalay – Kalaw – Inle Lake (Fahrrad)
GPS-Track Yangon – Mae Sot – Mae Sariang – Doi Inthanon – Li (Fahrrad
GPS-Track Mae Sariang – Mae Hong Son – Pai – Chiang Mai – Mae Sariang (Motorrad)



Vorwort

Ein abgeschlossenes Bachelorstudium und erstes Mastersemester später standen die Winterferien an und damit die fest eingeplante Asientour-Fortsetzungsreise. Ich hatte lange überlegt, ob ich mir schon vorher mein geplantes neues Rad zulege, habs aber erstmal nur bei dem neuen Brooks-Sattel belassen ;-)
Die Reise sollte als Warmup ein paar Tage in Thailand starten, dann vom Norden Myanmars nach Süden und durch den Norden Thailands nach Laos. Real lief es etwas anders ab, doch dazu später mehr. Insgesamt sind es knappe 3000 km mit dem Rad und 800 km mit einem Motorroller in den 2 Monaten geworden.

Teil 1: Warmup in den westlichen Nationalparks von Bangkok

02.02.-04.02. Frankfurt - Bangkok (Flugreise). 04.02. – 09.02. Bangkok – Kanchanaburi – Thong Pha Phum – Sangkhlaburi – Three Pagoda Pass – Bangkok (520 km)

Letztes Jahr hatte ich Jürgen und Irina, zwei Radler aus Berlin bzw. Würzburg, auf meinem Weg nach Kambodscha kennengelernt. Wir wollten dieses Jahr einige Teile Myanmars zusammen erkunden, doch die erste Woche hatte ich für mich allein. Da mich die Weihnachtszeit konditionell ziemlich nach unten gerissen hat, wollte ich von Bangkok aus gemütlich nach Westen fahren und die dortigen Nationalparks etwas durchradeln.

Der Hinflug mit Emirates war wie schon im Vorjahr problemlos, trotz 3 Kilo Übergepäcks. Letztes Jahr war ein Zelt in Asien unnötig, dieses Jahr, da es nach Myanmar ging, wollte ich nicht darauf verzichten. Auch eine neue Spiegelreflex sorgte für mehr Gewicht. In Bangkok hatte ich in Flughafennähe mein Stammresort, was mich nachts um 1 per Transfer vom Flughafen abholte. Für den ersten Tag war Jetlag ausschlafen geplant, aber schon ab 7 war an Schlaf nur noch sporadisch zu denken. Also packte ich irgendwann, aß noch ein Omelett zum Frühstück und startete kurz nach 12 gemütlich in Richtung Innenstadt. Kilometer sollten am ersten Tag nicht viele auf dem Tacho stehen, die Durchfahrt Bangkoks ist nicht der Brüller und ich musste mich an die Hitze gewöhnen. In der Nähe der Kao San Road hatte ich ein weiteres Hotel vom Vorjahr gebucht. Ein Highlight des Tages war ein abendliches Couchsurfing-Treffen in der Innenstadt, wo sich cirka 30 Leute, darunter (natürlich) sehr viele Backpacker trafen. So konnte ich mich mit 2 Leuten, die aus Myanmar kamen, über ein paar Einzelheiten austauschen. Drei Bier später fiel ich gegen Mitternacht ins Bett.
Vor 8 saß ich am nächsten Tag wieder im Sattel und kämpfte mich aus dem Bangkoker Gewühl. Nach 25 km wurde es ruhiger, auch, da nun einige ruhigere Nebenstraßen parallel zum Highway existent waren. Bis auf die Zeit zwischen 14-16 Uhr fand ich die Temperaturen erträglich, dies sollte sich aber auf der Reise noch ändern.

Während ich am ersten Tag die 130km bis Kanchanaburi durchfuhr, wurde es in den nächsten Tagen weniger, da die Beinschwere zunahm. Memo an mich: Weniger faul sein im Winter. Aber besser jetzt ein Konditionshänger als später in Myanmar! Auf der Strecke befanden sich mehrere Aussichtspunkte, wie z.B. Wasserfälle, diese trugen wegen der Trockenzeit jedoch wenig Wasser. Da der Transfer nach Mandalay, wo ich meine beiden Radbuddies treffen wollte, bereits in ein paar Tagen geplant war, übersprang ich viele Sightseeing-Spots und blieb auf der Strecke. Aber nicht immer. Ich hatte vor der Reise einen GPS-Track gefunden, der eine ruhige Tour durch den Nationalpark und am Fluss entlang versprach, anstatt auf der Hauptstrasse. Dies ging ein paar Kilometer gut, bis die Strasse zu einem Feldweg wurde und schließlich in einer Sackgasse endete. Ich hatte keine Ahnung wo der Track-Ersteller durch ist, für mich hieß es wenden und 250 Höhenmeter wieder herauf. Damit war ich dann den Vormittag beschäftigt.

Mein Zelt habe ich diese Tage (und überhaupt in Thailand) nicht verwendet, da sich immer Übernachtungsmöglichkeiten boten. Sangkhlaburi und damit auch die nahe Grenze Myanmars war an diesen letzten Tag in Sicht, bisher hielten sich (bis auf die Sackgasse) die Höhenmeter sehr in Grenzen. Das sollte sich am Tag vor Sangkhlaburi ändern, nach schnellen 40 km mussten die ersten Hügel besiegt werden, für die letzten 30 km ging es richtig heftig zur Sache: Die Steigungen waren jenseits von Gut und Böse, selbst die lokalen Busse fuhren mit Schrittgeschwindigkeit nach oben. Die Thais streckten mir schiebenden Radfahrer immer ihre hochgestreckten Daumen raus, während sie gemütlich vorbeizuckelten … hey, eine Wasserflasche hätte es auch getan, den meine waren irgendwann leer!

Sangkhlaburi ist bekannt für seine Wooden Mon Bridge und den versunkenen Tempel. Ich überlegte, ob ich hier eine geführte Tagestrekkingtour mitmachen sollte, entschied mich jedoch für den nächsten Tag fürs Weiterfahren: Nur 25 km entfernt winkte die Grenze Myanmars, der 3-Pagoda-Pass. Nun sei hierzu gesagt, dies ist kein offizieller Grenzübergang, sondern nur eine Art Aussichtsplattform nach Myanmar rein: Man gibt seinen Pass ab und darf für einen Tag in das dahinter liegende Dorf. Alle, die ich vorher fragte, bestätigten mir auch: Kein Grenzübergang für Ausländer. Da ich nun aber einmal hier war, probierte ich es trotzdem. Hat es funktioniert? Ratet! Natürlich nicht! Die Mitfahrt direkt zurück nach Bangkok, hatte von hier leider auch nicht funktioniert, daher ging es nach Sangkhla zurück und von dort mit einen klapprigen Local-Bus nach Kanchanaburi. Ein weiterer Bus brachte mich wieder nach Bangkok. Spät am Abend buchte ich in meiner Unterkunft den Flug nach Mandalay für den nächsten Tag.



Teil 2: Myanmar, ein andere Welt

10.02. Bangkok - Mandalay (Flugreise). 10.02. – 23.02. Mandalay - Bagan - Mount Popa - Meiktila - Kalaw - Inlesee (780 km). 24.02. Inlesee - Bagan (Busreise)

Schon der Flughafen Mandalay bot ein völlig anderes Feeling. Die Passagiere unseres Air-Asia-Fluges waren die einzigen in der Abfertigungshalle und dementsprechend leer war es. Nach einigem Warten baute ich auch hier mein Rad wieder zusammen, das ich in Bangkok wegen der Plastikpackstation etwas mehr zerlegen musste als sonst. Prompt wurde es bestaunt und von mehreren fotografiert: Nabendynamo, wasserdichte Packtaschen – Das kannte man hier nicht.

Auf dem Weg zur Stadt bemerkte ich gleich, dass die Straßen rustikaler gebaut waren, aber das war nicht überraschend. Abends traf ich auf Irina und Jürgen und wir hatten uns erstmal viel zu erzählen. Allerdings stellte sich hier auch schon heraus, dass wir viel unabhängig voneinander fahren werden. Die beiden hatten, im Gegensatz zu mir, minimalstes Gepäck und konnten damit einen Stundenschnitt erreichen, den ich selbst im Windschatten nicht halten konnte. Außerdem wollten sie am nächsten Tag bereits weiter, ich jedoch noch einen Ruhetag einlegen. Die nächsten Tage also erstmal allein weiter …

Das Nennenswerte zum Anschauen in Mandalay, außer abends auf irgendeiner Dachterrasse das Asienfeeling einzusaugen, war zum einen der Mandalay-Hügel, der einen phänomenalen Blick auf die Umgebung bietet (gute Sicht vorausgesetzt) und auf dem sich eine ganze Ansammlung an Pagoden befand. Zum anderen gab es etwas außerhalb wieder eine kilometerlange Holzbrücke zu besichtigen.

Die nächsten Tage war ich dann damit beschäftigt, wozu ich hergereist bin: Radfahren, mit dem Ziel Bagan. Die Menschen sind hier nett, fast schon niedlich. An einem vermeintlichen Straßenstand verstand die Frau kein Wort von dem, was ich sagte (ich wollte Mittagessen). Verstanden hatte sie aber grundsätzlich, was mein Begehr war und wollte mir einfach alles hinstellen, was sie hatte, bis ich dankend Einhalt gebieten musste. Geld wollte sie am Ende gar keines, ich ließ trotzdem ein paar Scheine liegen (und hoffe, das war keine Beleidigung). Im Übrigen vermute ich, das dies gar kein „Straßenrestaurant“ war sondern tatsächlich eine absolut einfache Behausung einer Familie (die Straße war in der Tat nur 3 Meter entfernt).

Ihr kennt doch alle sicher Comicszenen, in denen der fahrende Held von irgendetwas abgelenkt ist und dann volle Kanne gegen ein Hindernis rauscht!? Ja? Dann kommen wir zu meiner Story:
Schon vom ersten Tag an zeigte sich mir Myanmar als das Land des Lächelns: Ich sah an jeder Ecke lachende Menschen, radelte ich vorbei, wurde das herzliche Lachen meistens noch viel breiter und alles winkte mir zu. Oft grüßte es von links oder rechts, wenn ich von einem Roller überholt wurde, oder wurde die üblichen Sätze gefragt "Wer do you go?", "Where do you come from?" und so weiter. Am heutigen Tag passierte mich eine junge (und hübsche!) Burmesin auf ihrem Roller, bremste ab und schaute sich mein Gebilde an, auf dem ich saß. Unsere Blicke trafen sich und ein unglaublich bezauberndes Lächeln wehte zu mir herüber, gefolgt von einem leisen „Mingalar bá“.
Jetzt stell dir so etwas Mal in Deutschland vor! Jemand Fremdes läuft an dir vorbei und lächelt dich einfach nur an. Einfach so. Fast undenkbar. Mir zumindest passiert so etwas äußerst selten.
Zurück nach Myanmar. Nach Sekunden? schauten wir mal wieder nach vorn zum Verkehr und ... oh Schreck: Ausweichmanöver meinerseits nach rechts, ihrerseits nach links. Wir wären tatsächlich beinahe in einen parkenden Wagen gekracht. Das hätte ein Bild gegeben.

Ich hatte erwartet, das Myanmar wenig besiedelt ist und es viel Freifläche gibt, aber die namenlosen Siedlungen lagen an den Straßen dicht beieinander. Menschen waren nie weit entfernt. So bin ich am ersten Abend bis in die Dunkelheit gefahren, bis ich einen Übernachtungsplatz fand, am zweiten Abend fand ich einen Platz eher, wartete aber bis zur Dämmerung. Das mich irgendjemand beim Aufbau sah, schien unvermeidlich, Probleme bekam ich hier jedoch keine. Am zweiten Morgen wurde ich beim Zusammenbau sogar die ganze Zeit von einem Burmesen gefilmt.
Nun gibt es Menschen mit erhobenem Zeigefinger, die sagen werden, Wildcamping ist in Myanmar verboten! Das ist absolut richtig und das kann ich auch nicht Schönreden. Jedoch war die Übernachtung in einem Zelt manchmal die einzige machbare Lösung. Den es kommen noch weitere Einschränkungen dazu: Privatpersonen ist es untersagt, fremde Touristen aufzunehmen. Sie würden unschöne Probleme bekommen, falls man sie dabei erwischen würde. Des Weiteren gibt es kein dichtes Hotelnetz und von den Vorhandenen dürfen nicht alle Hotels Ausländer aufnehmen. Gibt es noch die Mönche. Theoretisch ist es auch Ihnen untersagt, Ausländer aufzunehmen, andererseits lehnen sie auch ungern Hilfsgesuche ab. Manchmal funktioniert eine Übernachtung in einer Pagoda, manchmal wird man weitergeschickt. Die Situation ist in der Tat schwierig! Was bleibt also, wenn es dämmert und weit und breit keine Infrastruktur ist? Das Wild-Campen.
Zum späten Vormittag am 3. Tag war ich schließlich zeitgleich mit Jürgen und Irina in Bagan, die einen Abstecher nach Monywa gemacht hatten (und die keine Empfehlung aussprechen konnten). Hier verweilten wir zwei Tage, bevor es weiter ging.



Das Budget meiner Reisebekanntschaft war etwas höher, unter anderem auch, da sie sich zu zweit ein Zimmer teilen konnten. Das hinderte mich jedoch nicht, den Pool in ihrer Hotelanlage zu benutzen :-) Generell muss ich zur Übernachtung in Myanmar sagen, ist diese sehr teuer im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern. Der Grund liegt in der Regierung: Nur lizenzierte Hotels dürfen Ausländer beherbergen, diese Lizenz soll nicht gerade billig sein.
So, zurück zu Bagan: Was gibt es hier? Pagoden, tausende von Pagoden! Früher soll es einmal knapp 6000 Pagoden gegeben haben (Wer baut den so viel und waruuum???). 1975 wurden viele Pagoden durch ein schweres Erdbeben zerstört. Zwar ist es inzwischen zu vielen Restaurationen und teilweise der vollständigen Neuerrichtung zerstörter Pagoden gekommen, jedoch wurden dabei historische Baupläne nicht immer beachtet.
Beeindruckend ist auf jeden Fall der Sonnenaufgang und -untergang auf diesem Tempelfeld. Die beste Aussicht hat man entweder von einer der großen Pagoden (man findet diese, indem man einfach den Pferdetaxis und anderen Radfahrern folgt) oder indem man mit einem Heißluftballon über das Tempelmeer aufsteigt. Kostenpunkt: Mehr als 300 Euro!
Eine gechartete Bootstour vom Hafen aus kann ich nicht empfehlen. Man zahlt 20 Euro für 2 Stunden und diese besteht darin, Flussaufwärts zu fahren und sich dann wieder abwärts treiben zu lassen. Für dasselbe Geld haben wir später am Inlesee einen ganzen Tag bekommen. Manche Hotels bieten hingegen Kombipakete (Bootstour + Trekkingtour) an, diese wiederrum sollen sehr gut sein!



Nach 2,5 Tagen war genug gefaulenzt und es ging weiter! Ich fuhr zeitig los und wähnte mich vorn, jedoch holten mich nach 20 km die beiden ein und ich zog eine Weile im Windschatten mit. Jedoch merkte ich nach weiteren 20 km, wie mich die Kraft verließ, die beiden hatten wirklich ein scharfes Tempo. In Kyauk Padaung konnte ich wieder aufschließen. Wir wollten hier übernachten, aber keines der Hotels hatte eine Lizenz. Da winkte uns der soeben befragte Guesthousebesitzer nach hinten und bedeutete uns, die Fahrräder im Hinterhof zu verstecken. Daraufhin bekamen wir für den üblichen burmesischen Preis von 10 Dollar ein Zimmer. Am Nachmittag war eine Taxifahrt zum Mount Popa und dessen Besteigung geplant, welcher 1500 m in die Höhe ragte. Mit Mount Popa meinten die Einheimischen jedoch den etwas südwestlich gelegeneren Taung Kalat Nebengipfel, der nur 740 m in die Höhe ragt, auf dessen Gipfel sich eine Pagoda mit vielen Affen befindet und dessen Besteigung über 777 Stufen erreicht wird. Hier wird man oft von selbsternannten Reinigungskräften um Donations gebeten, aber sobald man über das Geländer schaut, liegt links und rechts der Plastikmüll in Massen. Wir wollten - selbstverständlich - dann noch auf den richtigen Berg, aber hatten schon zu viel Zeit verloren und hätten es nicht mehr bis zur Dunkelheit geschafft. Also ließen wir uns nur auf halbe Höhe bis zum Ende der Straße fahren und wanderten dort etwas umher. An dieser Stelle ist auch ein sehr schönes (und teures) Resort samt Restaurant, von dem man einen guten Blick auf das Tal und die Affenhügel-Pagoda hat (Der richtige Name der Pagoda ist Tuyin Taung).
Am nächsten Tag sind wir gemeinsam los, aber nach der ersten Steigung fuhr ich wieder mein eigenes Tempo. Das Ziel war Kalaw, und dazu stand die erste große Bergetappe bevor. Ich nutzte in der Nacht davor wieder mein Zelt. Ein alter Bauer begrüßte mich, als ich gerade am Aufbauen war, konnte zwar kein Wort Englisch, aber schien mir verstehen geben zu wollen, das er mich zu sich einladen wollte. Da ich dem Mann nicht in Schwierigkeiten bringen wollte, wenn er mich verbotenerweise beherbergen würde, lehnte ich dankend ab, auch nachdem er mehrmals sein Angebot wiederholte. Nun, stattdessen half er mir beim Zeltaufbau und verabschiedete sich schließlich. Nachdem ich im Zelt lag, bedauerte ich meine Entscheidung. Wahrscheinlich habe ich hier ein magisches Erlebnis ausgeschlagen.
Am Tag danach wollte ich eigentlich nur bis zum Beginn des Anstiegs fahren, aber ich kam sehr gut voran und traf sogar auf die pausierenden beiden anderen. Wolken kamen auf, es war an dem Tag auch nicht so heiß und so stieg ich 13 Uhr wieder auf und bewältigte den Aufstieg, von 400 auf 1300 m. Es ging langsam, aber stetig bergauf, da der Straßenanstieg moderat war, war es auch weniger anstrengend als gedacht. So schaffte ich es vor Sonnenaufgang, zu den anderen am Hotel aufzuschließen.



Kalaw ist einer der wenigen Backpackerspots in Myanmar. Da diese Kleinstadt in den Bergen liegt, gibt es einige Trekkingtour-Anbieter, die 2- oder 3-Tagestouren runter zum Inlesee oder zurück anbieten. Wir sind jedoch nur einen Tag einen Teil der ersten Etappe gelaufen (die im Internet als Track downloadbar ist) und dann wieder umgekehrt. Dabei holte ich mir einen heftigen Sonnenbrand, weil ich die Höhensonne vergessen hatte (obwohl ich es doch besser wissen müsste...). Es ergab sich noch die Diskussion, am nächsten Tag die Höhlen bei Pindaya, 30 km nördlich, zu besuchen, oder direkt zum Inlesee runter zu fahren. Die Entscheidung fiel für Variante 2.

Sehr lange konnte ich hinter den beiden wieder nicht mithalten, trotz, dass es nur eine leichtere Hügeletappe mit zwei starken Abfahrten war. Mittags war ich am Eingang der Stadt und wurde erstmal um 10 Dollar erleichtert, "for cleaning the lake", wie sie mir sagten. Trotz dessen hatte der See leider jede Menge Plastikmüllplätze. Fraglich, wohin das Geld wirklich fließt. Interessanterweise kontrollierten sie, wie ich später feststellte, nur an der Hauptstraße die Ausländer, weiter östlich kam man ohne Kontrolle rein.
Der Inlesee war extrem überlaufen mit Touristen, es war neben Bagan DER Spot in Myanmar. Die Backpacker kamen in Nyaung Shwe unter, wobei es erstaunlich war, wie viele Hotels vollständig belegt waren. Die Leute mit etwas größerem Geldbeutel kamen in einen der Wasserhotels direkt am See unter. Wie schon erwähnt, war die Bootstour das Highlight des Ortes. Für 20 Dollar wurde ein ganztägiges Programm abgearbeitet, von einer Zigarettenfabrik, einem Bootsbauer, eine überteuerte Weberei, einem Silberschmied und natürlich Pagoden. Ich vermute allerdings speziell beim Silberschmied und der Weberei bloße Touristenshow. Das, was man als Produktionsstätte sah, stand in keinem Vergleich zu dem Showroom, wo völlig überteuerte Ware verkauft wurde (Kleidung für mehrere hundert Dollar in Myanmar!)
Am zweiten "Ruhetag" unternahmen wir eine kleine gepäcklose Radtour hinauf nach Taunggyi, der Hauptstadt des Shan-Staates. Der Eindruck war jedoch recht enttäuschend. Laut Osmand existierte hier eine Touristeninformation, auf unsere dortige Frage, was es in dieser Stadt interessantes gibt, gab man uns als Antwort ein erstauntes "Nothing!?" Auf der Suche nach einer schönen Aussicht kamen wir schließlich noch zu einer schönen Pagoda mit einem Cafe, die auch mal echten Kaffee anstant Instantkaffee zubereiteten. Leider - wie so oft in Myanmar - zerstörte auch hier jemand die ruhige Idylle. Diesmal war es ein Metallarbeiter, der mit seiner Flex just in dem Moment zu arbeiten anfing, als wir ankamen. Der Geräuschpegel in Myanmar ist grundsätzlich sehr hoch.



Nach 2 Tagen war es an der Zeit, weiter zu fahren, aber auch, sich zu verabschieden. Jürgen und Irina fuhren mit dem Bus nach Yangon und von da weiter südwärts, ich fuhr mit dem Bus zurück nach Bagan und wollte von da per Rad nach Yangon fahren. Ach ja, eine amerikanische Radlerin traf ich hier auch (erneut, ich hatte sie vorher schon in Bagan getroffen), aber sie musste in ein paar Tagen zurück fliegen, von daher deckten sich unsere Reisepläne leider nicht. Also ging es mit einem Nachtbus nach Bagan, wo ich früh um 5 ankam. Schlaf war im Bus nicht viel drin ...

Teil 3: Von Hitze, Krankheit und dem Kapitulieren

25.02. - 28.02. Bagan - Myaydo (325 km). 28.02. - 03.03. Myaydo - Pyay - Yangon (Ruhetage und Busreise)

Es war noch stockfinster, als ich losfuhr. Zwar ging in einer Stunde die Sonne auf, dass ich heute trotzdem die Hälfte der Strecke im Dunkeln zurücklegen würde, wusste ich noch nicht. Sonnenbrand von den Vortagen und eine unzureichende burmesische Sonnencreme machten sich den Tag bemerkbar, hielten sich aber noch in Grenzen. An einem Straßencafe zeigte sich das Land in Vertretung eines netten Burmesen von seiner besten Seite: Einladung zum Essen, zahlen durfte ich nicht. Ab dem frühen Vormittag hatte ich inkognito, später immer offensichtlichere und schließlich sehr penetrante Polizeieskorten. Das stellte sich meist als Rollerfahrer dar, die sich als Polizist vorstellten (aber nie einen Ausweis etc. vorwiesen) und dann sagten, da geht's nach Minbu (das war die nächste große Stadt auf meiner Route). Mit der Bevölkerung hatte ich, besonders zur Pausenzeit, wieder netten Plausch und schließlich ging der Tag zu Ende. Die letzten Kilometer waren die Straßenverhältnisse so schlecht, dass ich nur kriechend vorwärts kam. Abendessen, wieder absolut nette Leute, ein paar Kilometer weiter, Tacho zeigte knappe 100 km an. Nach hinten geschaut, nach vorne, keiner zu sehen. Weg von der Straße, 100 m weiter, im Schutz hinter ein paar Bäume, war ein super Übernachtungsplatz. Ich stieg ab.
Möp Mööp! Wie hat der mich gesehen? Ein Motorroller holperte ran, mit einem aufgeregten Burmesen. "Police, no sleeping, noo sleeeeping!" Ich war mit meinen Kräften eigentlich durch, aber folgte gehorsam der Anweisung der Staatsgewalt. "Sleeping? Where?" Nach mehrmaligem Fragen lautete die Antwort 2-3 Meilen. Da war genau genommen ... nichts. An der Stelle war der "Polizist" auch schon wieder weg. Wäre ich hier umgekehrt und hätte erneut versucht, zu Campieren, hätte ich mir hier wohl einiges erspart. Aber ich fuhr weiter, irgendwas wird doch sicher kommen.
Neeeh verdammt! Überschwemmungsgebiet, Straße, links und rechts überschwemmte Felder und es wurde Dunkel. Da, ein Checkpoint. "Sleeping?" Man konnte mir nicht helfen, telefonierte mit irgendwem, nichts passierte. Ich fuhr dann weiter, fragte bei einer Pagoda, auch die konnten mich nicht aufnehmen, zeigten Geradeaus und riefen „Minbu!“. Die Auswirkungen des Telefonats folgten wenig später, eine 2er Motorroller-Eskorte war plötzlich hinter mir. Ich müsse weiterfahren, in 10 Meilen sei die nächste Stadt, da könne ich übernachten.
Ich kürze hier ab, diese Motorrollerpolizisten (und diesmal hatten sie tatsächlich Marken) hatten es nicht so mit Entfernungsangaben. Insgesamt musste ich noch 55 Kilometer durch die Nacht fahren. Machte ich Pause, drängten sie zum Weiterfahren und warteten mit eingeschaltetem Motor neben mir. Ich war irgendwann richtig sauer, was nur von meiner starken Müdigkeit geschlagen wurde. Ich wurde dann abgegeben an die nächste Eskorte (teilweise fuhren 4 Roller hinter mir her) und schließlich, irgendwann nach 23 Uhr waren wir tatsächlich in Minbu angekommen und sie lieferten mich in einem Hotel ab, dessen Preis ich nach kurzem Verhandeln zähneknirschend zahlte.
Nun denn, warum war das geschehen? Ich schrieb mit Jürgen und er meinte, dass meine Route wohl an einer der Konfliktzonen lag und sie deswegen so achtgaben. Auch die amerikanische Radlerin hatte von verstärkter Polizeieskorte berichtet, aber man machte sich ja keine Vorstellungen. Jedenfalls, mit den Kräften hatte ich mich weit überausgabt, die Tageskilometer sanken, die Hitze und der Sonnenbrand nahm zu. Am Tag danach konnte ich wieder in Ruhe campen, am zweiten Tag ließ ich mich eine Weile von einem TukTuk ziehen und schaffte trotzdem nicht so viel wie am Vortag. Ich stoppte an einer schönen Pagoda auf einem Hügel und diesmal konnte ich Bekanntschaft mit der Gastfreundschaft der Mönche machen.
Die Nacht fand ich kaum Schlaf und ich war mir nicht sicher, ob es pure Überhitzung oder tatsächlich etwas Fieber war, so heiß war mir. Ziemlich geschwächt setzte ich mich am Morgen aufs Rad und radelte die letzten 20 km zur nächsten Stadt. Mein Körper hatte mich bisher noch nie komplett im Stich gelassen, aber hier kapitulierte ich schließlich. Ich glaube zum ersten Mal aus gesundheitlichen Gründen. Ein Bus fuhr von hier nach Pyay und ich lies mich ohne Zögern dahin fahren. Waren zwar nur 80 km, aber besser da Pausieren als im Nirgendwo.
Ein Fahrradtaxi-Fahrer führte mich zu einem einfachen, preiswerten Guesthouse - für den Rest des Tages und den nächsten Tag machte ich eine Pause. Hier stieg mein Mut wieder, mittags gönnte ich mir eine knusprige Ente, die im Nachhinein betrachtet auch etwas komisch schmeckte, aber man wollte ja nicht geizen und aß auf. Morgen sollte es weiter gehen und dazu musste ich Nahrung zu mir nehmen!



Nachts, Stunden später. Ich hatte den Tiefpunkt meiner Reise erreicht, mir war hundeelend zumute. Diese verdammte Ente! Kopfschmerzen, Toilettengang aller 15 Minuten und unglaubliche Magenschmerzen vereinten diesen Moment zu einem einzigen "Das Leben ***** dich jetzt mal"-Moment. Ich wollte die ganze Nahrung wieder von mir geben, aber nicht mal dazu war ich fähig - außer Säure kam nichts heraus.
Der Morgen brach an und es wollte kein Ende nehmen, ich traute mich nicht mehr, etwas zu essen, das Krankenhaus hier wollte ich aber auch nicht probieren. Auf den nüchternen Magen kippte ich mir eine kleinere Flasche Whiskey, Glaube oder Wirklichkeit, es half. Da es schon die Tage vorher nicht so sonderlich lief, war meine Motivation am Boden und ich erreichte den Punkt wo ich ernsthaft einen Tourabbruch erwägte. Nachts um drei war dann der Strom in der ganzen Stadt weg und es fuhren cirka 50 Feuerwehrwagen vorbei (Lärmkulisse: Sirene + Feuerwehrleute, jeder bewaffnet mit einer Trillerpfeife, die benutzt wurde, egal ob die Strasse versperrt oder frei war). Ich erfuhr später, dass es vielleicht ein halbes Dutzend Wagen waren, welche aber bei uns am Fluss immer Wasser nachfüllten. 3 Kilometer von mir entfernt waren in der Nacht 4 Menschen durch ein Feuer umgekommen, ausgelöst durch eine defekte Klimaanlage.
Ich musste hier weg! Da es mir morgens wieder besser ging und ich ein vorsichtiges Frühstück vertrug, entschied ich mich zur Busfahrt nach Yangon. Mittags ging es los, die paar Kilometer radelte ich wackelnd zum "Terminal". Im Bus lief eine lokale Komikersendung (für mich schrien sich die Personen einfach nur an), alles im überfüllten Bus lachte, bis auf mich. Stunden später waren wir da ... außerhalb von Yangon. Yey, noch 20 km Radfahren! Diese Kilometer waren in meinem Zustand die wohl anstrengendsten, die ich jemals gefahren bin. Fand dann ein Zimmer, zu teuer, egal, meins. Licht aus, fertig und Klappe zu!

Teil 4: Vom Auf und Ab des Lebens, oder auch: Zu zweit erträgt es sich besser

03.03. - 15.03. Yangon - Kyaikto - Hpa An - Kawkareik - Mae Sot - Tha Song Yang (640 km). 15.03. - 16.03. Tha Song Yang - Mae Sariang (Per Anhalter, Songtau)

Eventuell muss ich mich für die emotionalen Worte im zweiten Teil des Vorkapitels entschuldigen. Aber einen Teil davon habe ich genauso aus meinem Tagebuch entnommen. Jedenfalls, nach dieser Story hatte ich es zumindest nach Yangon geschafft. Am nächsten Morgen kam Ben bei mir an, auch ein Deutscher, mit dem ich gemeinsam ein weiteres Stück radeln wollte. Als Doppelzimmer war nur noch ein Deluxezimmer frei, also fuhr ich 2 km zu einem anderen Hostel und schaute mir da ein Zimmer an ... zu Fuss in den 7. Stock. Ich war völlig fertig und durchgeschwitzt. Jaa und dann noch mit Gepäck? Bleiben wir mal beim Deluxezimmer. Ben hatte nix dagegen, er musste auch noch gegen den Jetlag ankämpfen.
Im Übrigen fing ich wieder an zu Essen. Das lustige war die Empfehlung der Hotelrezeption, als ich nach gutem und sauberem Essen fragte - sie schickten mich zu Lotteria, einem Abklatsch von McDonalds. Damit versuchte ich es aber tatsächlich und ... es funktionierte, ich päppelte mich mit FastFood auf :-D
Wir blieben 2 Tage in Yangon, bis wir eine Weiterfahrt wagten. Am letzten Nachmittag machten wir eine kleine Radtour durch die Stadt und Zuversicht durchströmte mich wieder ... die Beine hatten wieder Kraft! Yangon hat allerdings nicht viel zu bieten. Hier ist die größte Pagoda Myanmars. Kostenloser Eintritt für Locals, 8 Dollar für uns. Eeeeh, nein danke! Am morgigen Tag sollte schließlich es weiter gehen und es sah gut aus! Das Thema Abbruch war bei mir vom Tisch.

Um 6 ging es wieder los und Frühstück-2-Go stand bereits an der Rezeption. Ich schätzte meine Kraft auf 80% ein, die Fahrt aus Yangon war eine abgasige Angelegenheit, aber mit abwechselndem Windschatten legten wir einen super Stundenschnitt hin ... gegen 11 waren 85 km runtergeradelt, trotz kleinerer Pausen. Geil! Wir fanden ein Restaurant als Basis, fast leer, mit riesiger Innenfläche und einer Couchecke - Unseres!
Hochmotiviert starteten wir nach der Mittagshitze in ein neues Gefecht. 20 km weiter wackelte Bens rechtes Pedal etwas und ... fiel nach einigen Befestigungsversuchen schließlich raus. Gott, warum hasst du uns????
Die Reparaturversuche machten vor Ort die Situation noch schlechter, das Gewinde leierte immer mehr aus. Schweißen von Alu mit Stahl ging nicht. Ein findiger Burmese probierte schließlich folgende Lösung: Neues, größeres Gewindeloch in die Kurbel, Gegenstück am Pedal abgesägt, neues passendes Gewinde drangeschweißt. Es funktionierte!!! Uuund die Sonne ging am Horizont unter.

Es gab Hotels in dieser nicht verzeichneten Stadt. Aber keines hatte eine Ausländerlizenz und keines wollte uns nehmen. Auch die Mönche in der Pagoda schüttelten traurig mit dem Kopf. Aber, man war nun zu zweit, einmal gemeinsam WUSWRABA! und erstmal in Ruhe zu Abend gegessen. Da die Straße wesentlich besser war als bei meiner Polizeieskortenjagd (und den gegenseitigen Windschatten nicht zu vergessen), fühlten sich die Beine noch halbwegs frisch an. Weiter? Weiter!
Es war Vollmond und man konnte ziemlich gut sehen. Die Luft war kühl, einzig der Verkehr war immernoch enorm. Die ersten anderthalb Stunden, wäre ein Zeltplatz wegen Überschwemmungsgebiet nicht möglich gewesen. Aber diesmal passte es, als wir entschieden, das es genug sei und Strommasten auf begehbare Felder hinwiesen, dauerte es nur 1 Kilometer bis sich ein geschützter Platz hinter einem zerfallenen Strohhaus und Heuhaufen ergab.

Auch die nächsten Tage lief es einfach hervorragend. Tiefpunkt überwunden, die Euphorie folgte, hatte ich vor wenigen Tagen noch überlegt, abzubrechen, dachte ich jetzt über eine Verlängerung nach, um genug Zeit für Laos zu haben. Einzig die enorme Hitze behinderte tagsüber die Tour. In Hpa-An wurde ein eintägiger Ruhestop eingelegt, eine Stadt in Myanmar, die unbedingt empfehlenswert ist, den sie ist anders als die anderen burmesischen Städte: Es gab hier tatsächlich die Kombination aus Chillout, Ruhe und akzeptabler Infrastruktur. Eine willkommene Oase nach den vielen Tinitus produzierenden Kilometern. Am vorletzten Tag in Myanmar trafen wir noch zwei Langzeitradler, irgendwo im nirgendwo und tauschten unsere Wegerfahrungen aus. Einen weiteren französischen Radfahrer trafen wir im Guesthouse in Kawkareik, der letzten burmesischen Stadt vor der Grenze zu Thailand.
Dann, der letzte Tag, die letzten Kilometer waren nochmal richtig knackig! Es ging über eine alte Pass-Straße 800 Meter in die Höhe, bevor man sich nach Thailand rollen lassen konnte. Die Straße war grottenschlecht, teilweise war kein Asphalt mehr vorhanden, aber der Anstieg blieb ziemlich moderat. Ständig stand mal ein Fahrzeug quer oder blieb hängen. Dann kam es zur Vollsperrung für alle außer uns. Die Straße zwischen Kawkareik und Myawaddy hat eine Besonderheit: Sie ist nur in einer Richtung passierbar, so geht es einen Tag nach Thailand, den nächsten nach Myanmar. Irgendwo nicht sichtbar für uns bauten sie an dem neuen Highway, der dieses Jahr fertig werden soll. Vielleicht sind wir eine der letzten Radfahrer, welche die alte Passstraße noch verwendet haben.



Mehrere Checkpoints später passierten wir überglücklich die Grenze nach Thailand und kamen in Mae Sot an. Es war wie im Traum: Die Straßen waren auf einmal super, kein Hupkonzert mehr und es gab liebevoll ausgestaltete Läden. Wir konnten nicht anders und genehmigten uns in einem der ersten Gartencafes jeder zwei Smoothies, ich noch zusätzlich ein Eis. Das tat gut! Auch das finden einer preisgünstigen Unterkunft lief wie geschmiert. Ben scheint sonnentechnisch etwas abbekommen zu haben, den er verzichtete auf das Abendessen.

Der Plan war dann, am nächsten Tag weiterzufahren Richtung Mae Sariang, aber auch mir ging es am Morgen schlechter. Durchfall, mal wieder! Ob es ein letzter burmesischer Gruß war oder zuviel Eis am ersten Tag in Thailand, wissen wir nicht mit Sicherheit. Also blieben wir für einen Tag. Abends sah es immernoch nicht gut aus, aber am Tag darauf probierten wir es trotzdem. Am Ende kamen wir nur 40 Kilometer auf absolut ebener Strecke voran, dann brachen wir erschöpft ab. Am nächsten Tag schafften wir etwas mehr, die Hitze war extrem schlimm und diesmal war es Ben, dem hundeelend zumute war. Wir einigten uns darauf, dass Ben eine Mitfahrt nach Mae Sariang nehmen würde, ich, der sich wieder halbwegs kräftig fühlte, wollte ohne Gepäck versuchen, durchzufahren.
Tja, zu früh gefreut, schon gegen Abend ging es auch mir schlechter und wir traten am nächsten Tag gemeinsam die Fahrt an, erst per Anhalter auf einem Pickup, schließlich die letzten 80 Kilometer durch den Dschungel mit einem Songtau (ein Thaitaxi mit offenem Verdeck und Seitensitzbänken). Auf dem Weg kamen wir mehrmals mit der Flüchtlingsproblematik der Burmesen in Berührung. Noch auf dem Rad passierten wir das größte Camp in Thailand, das mit Stacheldraht und militärischer Bewachung abgesichert war. Im Songtau schließlich saßen mehrere Burmesen, die ganz normal mit Visum durch Thailand reisten. Jedoch, an jedem Checkpoint wurden ausschließlich sie herausgeholt und scharf kontrolliert, bei uns guckte man nur mal kurz in den Pass oder machte sogar ein Posefoto mit uns.



Ihr dürft raten, was wir am nächsten Tag gemacht haben: Nichts! Auch wenn das Fasten und die Gemüsebrühe half, viel ging an dem Tag nicht. Überhaupt war auch in dem Ort nichts los, da wir uns in der Off-Season befanden. Die Situation nahm mich ziemlich mit, den Urlaub hatte ich mir anders vorgestellt. Nach einigem Kriegsrat entschlossen wir uns, für die nächsten Tage die Fahrräder stehen zu lassen und stattdessen mit Motorrollern weiter zu reisen. So könnten wir in relativ kurzer Zeit die nordwestliche Bergregion Thailands erkunden und gleichzeitig regenerieren.

Teil 5: Von Muskelkraft auf Motorbetrieben

17.03. - 22.03. Mae Sariang - Mae Hong Son - Pai - Chiang Mai - Mae Sariang (800 km, Motorroller)

Vom Rad aufs Motorrad umzusteigen fiel mir in dem Augenblick nicht schwer, ich freute mich wieder, dass es voran gehen konnte. Der erste Plan bestand darin, nach Mae Hong Son und wieder zurück zu fahren, jedoch verlängerten wir die Tour soweit, das wir daraus schließlich eine komplette Runde über Pai nach Chiang Mai und schließlich wieder über Chom Tong zurück nach Mae Sariang machten.
In Mae Hong Son hatte Jürgen einen Freund, in dessen Resort wir sehr kostengünstig unterkommen konnten. Aufgrund Off-Season war es offiziell geschlossen, aber wir wurden für Abendbrot und Frühstück einfach bei den Nachbarn, zwei Sozialarbeitern aus Holland und England, eingeladen. Eine weitere Bekannte von Jürgen wohnte in einem Longneck-Dorf, das wir auch besuchten. Longnecks sind sogenannte Giraffenhalsmenschen, die goldene Ringe am Hals tragen und jedes Jahr diesen Halsschmuck vergrößern. Dadurch werden die Schulterblätter nach unten gedrückt und optisch sieht es so aus, als hätten diese Personen einen extrem langen Hals. Der Besuch vor Ort war aber für uns recht bedrückend, denn die Atmosphäre war die eines Besuchsraumes in einem Gefängnis. Man bezahlte, um in das Show-Dorf hinein gelassen zu werden. Alles, was man vorfand, waren eine Reihe von Ständen, wo die Longnecks Tag für Tag diverse Souvenirs verkauften. Man lief 100 Meter nach hinten, dann war Ende: 24 Stände, dahinter oder sogar darin die Behausungen, das war das Longneckdorf. Irgendwie strahlten alle hier eine Art Hoffnungslosigkeit aus. Wir unterhielten uns mit ein paar der Verkäuferinnen, die ziemlich gut Englisch konnten. Eine beschwerte sich, dass die Besucher nur kamen, um Fotos zu machen, aber selten, um etwas zu kaufen. Also kauften wir etwas.
Uns beiden ging es auch in Mae Hong Son noch nicht wieder gut. Wir entschieden schließlich, der Regeneration des Körpers mit starken Antibiotika unter die Arme zu greifen. Die Nacht über war wieder häufiger Toilettenbesuch angesagt, ab dem nächsten Morgen hatten wir plötzlich beide unsere Ruhe. Wir hatten es überstanden!

Ehrlich gesagt war ich froh, einfach die rechte Hand nach unten drehen zu können und die Höhenmeter erledigten sich ohne Anstrengung. Serpentine über Serpentine schraubten wir uns mit hoher Geschwindigkeit bergauf und bergab, bremsten nur für Pausen ab oder wenn ein Polizeicheckpoint vor uns lag (die uns aber immer durchwinkten).
Vor einem der Checkpoints explodierte dann mein Hinterrad ... einfach so. Der Knall war der eines Gewehrschusses, die Polizisten 100 Meter vor mir schauten erstaunt auf. Dem Schutzengel sei Dank passierte es hier, so konnte ich kontrolliert ausrollen. Nicht auszudenken, wenn das beim Bergabfahren in der Kurve passiert wäre! Nachdem ein Polizei-Pickup mich zur nächsten Werkstatt gefahren hat, die Diagnose: Der Hinterreifen war völlig profillos und an einer Stelle war kein Gummi mehr. Nachdem das innere Metallgeflecht durchgescheuert war, genügte nur ein halbwegs spitzer Stein, um den Schlauch zum Platzen zu bringen. Hätte ich mal bei der Übergabe checken sollen. Passiert mir nicht wieder. Nie wieder! Für die Reparatur zahlte ich unter 20 Euro, die ich später auch wieder zurückbekam.

Was gibt es zu Pai, unserem nächsten Übernachtungsort zu sagen? Nur das der Ort teuer ist und es eine Art "Aussteigerinsel" für Touris ist, der Ausländeranteil ist hier extrem hoch. Es hielt uns hier nicht, wir fuhren am nächsten Tag nach Chiang Mai. Die Sicht war inzwischen richtig schlecht geworden, da die Thais ihre Felder, Wälder, einfach alles Mögliche verbrannten. In Chiang Mai sollte kurz vor unserer Ankunft sogar die höchste Smogwarnstufe ausgerufen worden sein. Hier machten wir noch einen Ruhetag, an dem wir mehr oder minder unser eigenes Ding machten. Für mich stand bald eine Entscheidung an, denn viele Tage hatte ich nicht mehr.



Teil 6: Erneut auf dem Rad

23.03. - 26.03. Mae Sariang - Chom Tong - Doi Inthanon - Li (383 km)

Die letzte Tagesetappe mit dem Roller stand an, morgen sollte es mit den Fahrrädern weiter gehen. Endlich! Tatsächlich? Die Gefahr ist hoch, dass man sich an die Gemütlichkeit und der motorisierten Hilfe gewöhnt. Die heutige Etappe mit dem Roller fuhren wir am nächsten Tag in entgegen gesetzter Richtung mit dem Rad ab, so wussten wir dann bereits, was uns erwartete. In Mae Sariang wurden wir im Guesthouse wie alte Bekannte begrüßt, Fahrräder und Gepäck war noch alles da und wir bekamen sofort ein Zimmer. Es war ein bisschen, als würde man zu Hause ankommen.
Also, zurück zum Thema: Heute wieder Radfahren! Noch im Dunkeln frühstückten wir, dann gingen wir unsere Bergetappe an. Der erste Gipfel war noch in der Morgenfrische erreicht, danach wurde es schwieriger, da die Hitze aufkam und noch für lange Zeit schnelle Abfahrten mit knackigen Anstiegen wechselten. Das geringere Gewicht bei Ben machte sich wieder bemerkbar, ständig konnte er Pause machen und lies mich aufholen. Kaum begannen wir dann unsere Mittagspause, verschwand die Sonne und es wurde sogar etwas kühler. Bei der anschließenden Abfahrt war auf einmal die Straße feucht. Es muss tatsächlich geregnet haben, interessant.

Den nächsten Tag ging es nur eine halbe Tagesetappe zum Fuß des Doi Inthanon, der höchsten Erhebung in Thailand. An dem Abend, als wir beim Abendessen saßen, fing es plötzlich an zu stürmen und zu regnen. Ungläubig checkten wir das Wetter und stellten fest, dass für die nächsten Tage Regen angesagt war. Für große Teile von Thailand. War die Regenzeit 6 Wochen zu früh? Eigentlich wollten wir den nächsten Tag ohne Gepäck rauffahren, aber ich glaubte nicht mehr daran. Nur Ben blieb hartnäckig und weckte mich am nächsten Morgen. Und tatsächlich: Regenprognose plötzlich auf den Nachmittag verschoben, ruhiges Wetter. Bin ich froh, dass ich mich geirrt hatte. Stunden später hatten wir es erschöpft geschafft: 2565 Meter, neuer Rekord für mich mit dem Rad! Die rasante Abfahrt wurde dann genossen, Einkauf auf einem der Früchtestände auf halber Höhe (Es gibt hier frische Erdbeeren, Tomaten, Aprikosen, was das Herz begehrt!) und die Besichtigung von zwei Wasserfällen.

Der ursprüngliche Plan sah nun vor, weiter nach Chiang Mai, Chiang Rai und schließlich zur Grenze nach Laos überzuwechseln. Für Ben machte das Sinn, er hatte noch über einen Monat Zeit, für mich leider nicht mehr. In 6 Tagen ging mein Flug zurück in die Heimat. Für eine Verschiebung des Fluges und Verlängerung konnte ich mich nicht mehr hinreißen lassen. Wieder einmal war es Zeit für einen Abschied. Wir fuhren noch zusammen nach Chom Tong, dann mussten wir uns trennen: Ich in Richtung Bangkok, Ben in Richtung Chiang Mai.



Teil 7: Conclusiones

27.03. Li - Pattaya (per Anhalter). 27.03. - 31.03. Pattaya (+Umgebung) - Bangkok (244 km). 01.04. Bangkok - Frankfurt (Flugreise)

Nachdem wir uns getrennt hatten, wollte mir noch offen lassen, ob ich die komplette Strecke per Rad fahre oder mir später einen Bus nehmen würde. Diese Frage erübrigte sich jedoch am Abend, als ich den Holländer Daan kennen lernte, der in der Nähe von Pattaya wohnte und mich am nächsten Morgen in seinem Pickup mitnahm. Die letzten Tage chillte ich am Pool in einer Hotelanlage, am Sai-Kaew-Strand etwas außerhalb der Stadt oder fuhr in der Gegend herum. Da ich auch gerne tauchen gehe, hätte ich diese Möglichkeit hier nutzen können, aber volle Tauchboote und ein teurer Preis hielten mich schließlich davon ab. Am Tag vor dem Rückflug ging es schließlich mit dem Rad zurück nach Bangkok, in dasselbe Hotel wie am ersten Tag, wo ich mich morgens per Transfer schließlich zum Flughafen bringen ließ.

Rückblickend müsste ich die Reise in zwei Teile aufspalten: Der erste Teil in Thailand und Myanmar war sehr schön, tolle Menschen kennen gelernt, neue Eindrücke aufgenommen, harte Touren bewältigt. Im zweiten Teil ging jedoch ziemlich viel schief, Krankheit, schlechte Straßen, zunehmende Hitze zerrten an der Motivation und letztlich ging dadurch einiges von meiner Ausgeglichenheit flöten. Aber: Ich hoffe jedoch, auch aus diesen schlechten Zeiten meine Lektionen herausgezogen und auch ein, zwei persönliche Grenzen kennengelernt zu haben. Vielleicht kann ich ja später sagen, dadurch gewachsen zu sein.

Myanmar selbst war keine Enttäuschung, aber auch nicht das absolute Traumland, wovon mir vorher alle berichtet hatten. Als Individualist steht man vor ziemlich schwierigen Herausforderungen. Ich hoffe, da ändert sich in den nächsten Jahren noch etwas. Die Menschen in dem Land hätten es verdient. Möglich, das ich auch meinen gewissen Komfort brauche und zu wenig Abenteurer in mir steckt.

Die Reise selbst hat mich zu einem gewissen Teil übersättigt. Ich war schließlich froh, wieder zuhause zu sein. Hatte definitiv zu große Pläne gehabt und war dann frustiert, als immer mehr dazwischen kam. Aktuell habe ich von einer neuen großen Tour für die Sommerferien abgesehen, nehme lieber kleinere Ziele in Angriff, lasse stattdessen alles auf mich zukommen und sehe dann weiter, wenn es soweit ist.



Geändert von Menelus (11.04.20 16:50)
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#1126606 - 03.05.15 19:09 Re: Project Into the East 2: Es kommt immer anders [Re: Menelus]
Keine Ahnung
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Da leidet man ja stellenweise richtig mit ... Ich kann mir recht gut vorstellen, dass die Reise einerseits sehr interessant war, gleichzeitig aber einiges abverlangt hat. Mir macht in diesen Ländern die Hitze immer sehr zu schaffen.

Auf jeden Fall war das ein interessanter Bericht - Vielen Dank!
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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