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#1360455 - 30.10.18 14:05 Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange
fabianovic
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 97
Dauer:17 Tage
Zeitraum:22.9.2018 bis 8.10.2018
Entfernung:900 Kilometer
Bereiste Länder:frFrankreich

Für September/Oktober hatte ich mal wieder einen längeren Urlaub mit meinem Chef ausgehandelt und hatte vom ersten September bis zum 14. Oktober freibekommen. Die ersten drei Wochen verbrachte ich mit meiner Freundin in der Normandie. Hier waren wir mit Auto, Fahrrad und Zug unterwegs und sind auch ein paar hundert Kilometer geradelt.
Am 21. September ging es für meine Freundin mit dem Auto zurück nach Deutschland und für mich erst einmal mit dem Zug nach St. Quentin.

Hier bin ich in einer günstigen Absteige untergekommen. Das erstaunliche dort war, dass man ab 4.00 Uhr morgen frühstücken konnte, was ich nicht getan habe.
Ich war nur bis St. Quentin gefahren, da ich die Nacht nicht in Paris verbringen wollte. Ich hatte nicht so rechte Lust auf Metropole.

So schaute ich mir St. Quentin an und ging als erstes mal zum Friseur,



der mir einen Topp-Haarschnitt verpasste.
Er empfahl mir auch ein Restaurant fürs Abendessen, was mich dann aber nicht so begeistert hat.

Ansonsten hat St. Quentin eine beeindruckende Basilika zu bieten...







...sowie einige Häuser im Stil des Art déco.





22.09.2018; St. Quentin – Paris – Auxerre (mit dem Zug) – Merry-sur -Yonne



Von St. Quentin ginge es mit dem TER nach Paris zum Gare du Nord.
Am Gare du Nord war am Samstag Vormittag die Hölle los. Mir kam es jedenfalls so vor, da ich jetzt drei Wochen in irgendwelchen Nestern und kleinen Städtchen in der Normandie verbracht hatte.



Nun musste ich mit dem Fahrrad weiter zum Gare du Brecy.
Als ich das letzte mal vor vielen Jahren in Paris war, wäre das noch fürchterlich gewesen. Inzwischen ist Paris zur Fahrradstadt geworden und so war die Fahrt durch die Innenstadt ein wirkliches Vergnügen. Erst einmal ging es in ein nettes Café für ein spätes zweites Frühstück.





Das Seine-Ufer ist beidseitig zur Fahrradstraße umgebaut, so dass ich da noch ein wenig auf und ab gondelte bevor ich zum Bahnhof fuhr.









In Auxerre kam ich am Nachmittag an und drehte nur eine schnelle Runde durch die sicherlich sehenswerte Innenstadt.







Hier beginnt oder endet der Canal du Nivernais, den ich nun fast 180 km entlangradeln sollte.





Der Canal du Nivernais verbindet die Seine mit der Loire, wird aber nur noch von Touristenbooten genutzt, die hier zahlreich rumschippern.

Ich fahre an diesem Nachmittag noch knapp vierzig Kilometer am Kanal entlang und miete mir dann ein kleines Hüttchen auf dem Campingplatz in Merry-Sur-Yonne.







Der Campingplatz wird von Engländern geführt und hat aber trotzdem das beste Camping-Platz-Restaurant in dem ich je gegessen habe.

Ich befinde mich ja nun im Burgund und so gibt es erst einmal ein halbes Dutzend Schnecken.



Anschließend ein wirklich köstliches Boeuf Bourgingon.



Statt Dessert gönne ich mir einen leckeren Talisker (Whisky)



23.09.2018; Merry-sur -Yonne – Clamecy

Nach einem doch eher bescheidenen französischem Frühstück breche ich zu einer Kurz-Etappe auf. Der Wetterbericht verspricht für heute Regen und ordentlich Gegenwind. So fahre ich bei trübem, aber noch trockenem Wetter am Vormittag nur etwa 25 km bis Clamecy.







In Clamecy hatte ich auf Tripadvisor schon ein Hotel mit gutem Restaurant ausgemacht, welches auch am Sonntag Abend geöffnet hat.



So mietete ich mich schon am frühen Mittag im Hotel zur Post ein. Da ich um ein ruhiges Zimmer bat, bekam ich ein ziemlich düsteres Zimmer zum winzigen Innenhof gelegen. Beim Duschen bemerkte ich dann auch Schimmel an der Decke im Bad. Sollte ich um ein anderes Zimmer bitten?
Ich beließ es dabei und dachte, dass das für eine Nacht auszuhalten sei. Naja, der Tag war noch nicht um.

Nach der Dusche und einer kurzen Ruhepause begab ich mich zum Sightseeing in die historische Altstadt von Clamecy. Wie meistens, schaue ich mir erst einmal die Kirche (Collegiale Saint Martin) an.





Die Innenstadt ist durchaus sehenswert, aber zum Teil auch ziemlich runtergekommen und ärmlich.
Der Regen treibt mich dann irgendwann in die einzige geöffnete trostlose Bar des Ortes auf einen Pastis.



















Für den Abend hatte ich mir einen Tisch im Hotel-Restaurant reserviert.













Das war schon gehobene Küche zu allerdings auch gehobenen Preisen. Ich erinnere mich vor allem an die Foie Gras und den köstlichen Rotwein.

Angenehm, dass ich danach nur noch eine Treppe hoch in mein Bett musste.
Da lag ich dann auch schon relativ früh am Abend und versuchte zu schlafen.
Doch dann hörte ich ein plätscherndes Geräusch. Was kann das wohl sein? Ich stand auf und bekam direkt ein paar Tropfen ab. Es tropfte aus dem Badezimmer über mir durch die Decke! Was für ein Scheiß! Jetzt hieß es dann doch nach einem anderen Zimmer fragen. Also runter zu Rezeption. Dort schien mir, dass denen durchaus bewusst war, was für eine Bruchbude man mir vermietet hatte. Man gab mir sofort ein anderes Zimmer. Am vorgerückten Abend war dann nur noch die Suite frei, die ich dann bezog.

24.09.2018; Clamecy – Cercy-la-Tour

Auf ein Frühstück im Hotel verzichtete ich heute. Beim Bäcker holte ich mir ein Pain au Raisin und trank einen Grand Créme in einer Bar.



Heute ging es den ganzen Tag am Canal du Nivernais entlang. So schaffte ich dann auch etwa 110 km. Die Strecke entlang des Kanals ist fast durchgehend asphaltiert und leicht zu fahren.









Am Kanalufer wurden irgendwann viele Kirsch- und Walnussbäume gepflanzt. Für Kirschen war es jetzt zu spät, aber für die Walnüsse war es genau die richtige Zeit. Und auch hier im Burgund war ein absolutes Nussjahr. Ich hätte die Nüsse säckeweise einsammeln können. Ein paar Hände voll mussten aber reichen.



So langsam ging es hinauf zum höchsten Punkt des Kanals. Nun folgten die Schleusen dicht aufeinander.







Die Gegend hier ist eher dünn besiedelt und mit wenig Infrastruktur ausgestattet. Und an einem Montag hat in Frankreich eh fast alles geschlossen.
Trotzdem wagte ich im kleinen Dörfchen Mont-et-Marré dem Wegweiser zu einem Restaurant vom Kanal weg hoch ins Dorf zu folgen.
So landete ich in dem recht einfachen Lokal „Le Béroalde“. Der Patron machte mir aber ein vorzügliches Omelette mit Speck und etwas Salat dazu. Einen Viertel Roten gab es selbstverständlich auch dazu. Zum Café spendierte er mir einen wirklich guten Pflaumenschnaps der viele Jahre in einem Holzfaß gelagert hatte. So was macht doch viel mehr Spaß wie im teuren Restaurant am Vorabend.



Bester Dinge schwang ich mich wieder aufs Rad und fuhr weiter den immer langweiliger werdenden Kanal entlang. Immerhin war das Wetter inzwischen richtig gut.











Und zum Teil war es ja auch ganz schön, wie man auf den Fotos sieht.

Am späten Nachmittag erreichte ich Cercy-la-Tour. Hier hatte ich mir einen Campingplatz ausgesucht. Die erste Nacht im Zelt. Es ist ein kleiner kommunaler Campingplatz. Man stellt einfach sein Zelt auf und am frühen Abend öffnet kurz die Rezeption, an der man dann bezahlt. Für mich waren das 4,23 €.



Der Campingplatz war nicht besonders schön und kaum belegt. Der Platzwart war aber ein symphatischer junger Mann mit dem ich eine Weile auf Englisch plauderte. Keine Ahnung, was den hierhin verschlagen hatte. Cercy ist nämlich ein ziemlich trostloses Nest. Als ich Ihn nach Sehenswürdigkeiten fragte, lachte er nur.
Es gibt im oberen Ortsteil eine überlebensgroße Madonnenstatue, von da hat man einen schönen Ausblick. Das war´s aber auch schon.





Am Abend ging ich in den einzigen geöffneten Imbiss. Hier war der Treffpunkt der örtlichen Drogenszene zu der wohl auch die Wirtin gehörte. Trotz allem ließ ich mich dort nieder und bestellte einen Hamburger mit Pommes und ein Bier. Bier habe Sie nicht, und wollte mich zu Wein überreden. Dann fiel Ihr aber ein, dass sie zum Nachbarn gehen könnte. Sie ging tatsächlich mit einem leeren Bierglas aus dem Imbiss heraus und kam mit einem vollen zurück. Ich dachte mir, wenn ich das Abendessen heil überstehe, kann mich nichts mehr umbringen.





Das Essen habe ich heil und auch ohne üble Nachwirkungen überstanden.

Der Abend war kühl, so dass ich mich schnell mit einer Dose Bier in meinen kuscheligen Schlafsack verzog.







25.09.2018; Cercy-la-Tour – Digoin

Am Morgen waren es nur drei Grad. Ich hatte nicht besonders gut geschlafen und genoss es noch eine Weile in meinem sehr gemütlichen Schlafsack liegen zu bleiben.

Als die Sonne herauskam wurde es schnell wärmer und ich fuhr noch ein kurzes Stück bis Champvert am Kanal entlang.



Hier stößt man auf den Eurovelo 6, der hier an der Loire entlangführt. So brauchte ich nicht wie eigentlich geplant den Canal du Nivernais bis zum Ende fahren.

Der EV6 verläuft allerdings nur selten wirklich an der Loire. Den Fluss bekommt man nur ab und zu zu sehen.



Ich quälte mich bei Gegenwind durch die nicht sehr inspirierende und ausgetrocknete Landschaft. Von hinten kam dann ein Radler aus North-Wales angerauscht. Wir fuhren ein kurzes Stück zusammen. Er war in Wales gestartet und seit etwa drei Wochen unterwegs. Vorher war er sechs Jahre lang kein Fahrrad mehr gefahren. Aber er meinte seine Muskeln würden sich erinnern und dann zog er auf und davon. Für mich etwas deprimierend, da ich mich nicht sehr fit fühlte.
In Bourbon-Lancy steuerte ich im kleinen Kurviertel erst einmal ein Restaurant an.
Das Wetter war sonnig und warm, so dass man draußen auf der Terrasse sitzen konnte.
Ich bestellte wie gewohnt, dass Mittagsmenu mit einem Viertel Roten



Ausgeruht und gestärkt ging es nun ein Stück über eine alte Bahntrasse an den Canal latéral. Die ist im Prinzip der schiffbare Teil der Loire. Aber auch hier sind nur kleine Touristenboote unterwegs.
Also wieder mal am Kanal entlang. Gähn.





In Digoin führt der Kanal dann auf einer beeindruckenden Brücke über die Loire.





Digoin selber ist nicht besonders bemerkenswert und wie viele Orte in der französischen Provinz etwas runtergekommen. In der Innenstadt gab es keinen einzigen Lebensmittelladen und auch kein mich anlockendes Restaurant. Der Imbiss vom Vorabend reichte mir noch.





Am Rande der Innenstadt am Loireufer gibt es einen Campingplatz. Hier schlug ich mein Zelt auf.



Auch hier war nicht mehr viel los, das Camping-Restaurant hatte schon geschlossen. Immerhin konnte ich mir zwei Dosen Bier kaufen und zum Frühstück Baguette und Croissant bestellen.
So begnügte ich mich am Abend mit etwas Roquefort, altem Baguette und dem Bier.

In der Ferne hörte man die ganze Nacht den LKW-Verkehr dröhnen. Aber mit Ohropax wurde es dann doch eine einigermaßen erholsame Nach für mich.

26.09.2018; Digoin – Saint-Jean-Saint-Maurice-sur-Loire

Meine bestellten Backwaren holte ich beim Platzwart ab, packte meine Sachen zusammen und fuhr zum Frühstück ans Ufer der Loire hinunter, da dort schon die Sonne schien.

Anschließend überquerte ich noch einmal auf der Kanalbrücke die Loire.



Hier verließ ich den EV6 wieder, um nun am Canal du Roanne entlangzufahren. So langsam wurde ich zum Experten für französische Kanäle.

Vom Kanal weg ging es dann hinüber zu einer alten Bahntrasse die schnurgerade durch den Wald führte. Das war ja jetzt fast noch spannender als der Kanal!



Bei Pouilly endet auf der Karte und bei Komoot die Bahntrasse, aber Sie scheint nun bis Roanne als Radweg fertiggestellt zu sein. Es war jedenfalls so ausgeschildert.
In Pouilly hatte ich mal wieder vergeblich auf ein nettes kleines Restaurant gehofft, bekam aber immerhin beim Bäcker ein Stück kalte Pizza.
Ich entschied mich für die geplante Route und fuhr hier wieder an den Canal du Roanne hinüber. Nach der eher öden Bahntrasse, dann doch lieber Kanalradeln. Hier war es dann sogar ganz hübsch und ich kam noch an einem sehr schönen romanischen Kirchlein vorbei.









In Roanne endete dann nun endlich die Kanalradelei. Bisher war ich ohne Karte gefahren und hatte nur bei Bedarf bei Komoot nachgeschaut. Viele Möglichkeiten sich zu verfahren gab es ja nicht.
Nun besorgte ich mir für die nächsten Streckenabschnitte die IGN Karten in 1:100.000. Ich finde diese Karten deutlich besser als die Michelin-Karten.

Ich radelte etwas durch die hübsche Altstadt und ließ mich in einem Café nieder. Hier wirkte es schon etwas südfranzösisch und mediterran.



Hinter Roanne genoss ich es durch die hügelige Landschaft zu fahren und kam am Nachmittag im wunderschönen kleinen Ort Saint-Jean-Saint-Maurice-sur-Loire an. Hier hatte ich mir eine Ferienwohnung gemietet. Der Ort liegt hoch oberhalb der Loire, die dort angestaut ist. Der Stausee hatte wegen der extremen Trockenheit einen sehr niedrigen Wasserstand.
Die Wonhung war ein ganzes Häuschen über zwei Geschosse. Ich hatte genug Platz um mein feuchtes Zelt zum Trocknen auszubreiten.













In der Nachbarschaft gab es ein hübsches Restaurant in dem ich am Abend sehr ordentlich gegessen habe. Leider war ich der einzige Gast.








Teil 2 folgt in Kürze.
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#1360472 - 30.10.18 14:52 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
Keine Ahnung
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 8167
Danke schon einmal für Teil 1. Ich bin immer noch am Überlegen, wohin mich meine Radreise nächstes Jahr führen soll. Jeder weitere Reisebericht macht mir die Entscheidung schwerer. Es gibt so viele schöne Möglichkeiten ... lach
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1360478 - 30.10.18 15:06 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
Juergen
Moderator
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Beiträge: 8024
....... unglaublich wein wein
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1360487 - 30.10.18 15:37 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
Gerhard O
Mitglied
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Beiträge: 210
Ein schöner Bericht mit schönen Bildern!

Reiseberichte aus Frankreich lese ich immer gerne. Ein vernünftiges Restaurant zur rechten Zeit zu finden ist offensichtlich nicht einfach. Oft hatte ich den Eindruck, ich wäre einfach zu doof dafür. Hier sehe ich, daß es anderen genauso geht. traurig

Gespannt warte ich auf den zweiten Teil.

Gruß
Gerhard
___
lieber ein gemeiner Berg als ein hinterhältiger Wind
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#1360491 - 30.10.18 15:59 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: Gerhard O]
fabianovic
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Beiträge: 97
In Antwort auf: Gerhard O

Ein vernünftiges Restaurant zur rechten Zeit zu finden ist offensichtlich nicht einfach. Oft hatte ich den Eindruck, ich wäre einfach zu doof dafür. Hier sehe ich, daß es anderen genauso geht. traurig

Hallo Gerhard,
Wahrscheinlich sind wir beide gleich doof! lach
Insgesamt habe ich es kulinarisch aber doch ganz gut erwischt.
Schöne Grüße
Fabian
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#1360501 - 30.10.18 16:34 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
BeBor
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Beiträge: 5521
In Antwort auf: fabianovic
Insgesamt habe ich es kulinarisch aber doch ganz gut erwischt.

Dein Beitrag inspiriert mich jedenfalls zum Nachdenken darüber, über den Wechsel von weitgehender Gaskocher-Selbstversorgung zu Inanspruchnahme von lokalem Bewirtungsangebot nachzudenken.

Bernd
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#1360502 - 30.10.18 16:40 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
Martina
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In Antwort auf: fabianovic
In Antwort auf: Gerhard O

Ein vernünftiges Restaurant zur rechten Zeit zu finden ist offensichtlich nicht einfach. Oft hatte ich den Eindruck, ich wäre einfach zu doof dafür. Hier sehe ich, daß es anderen genauso geht. traurig

Hallo Gerhard,
Wahrscheinlich sind wir beide gleich doof! lach


Ich kenne das Problem auch, habe aber den Eindruck, nach mehreren Frankreichurlauben bildet sich ein gewisser Instinkt heraus. Außerdem werden auch in Frankreich die Bäckereien mit ein paar Tischen, an denen man zumindest eine Kleinigkeit essen kann zahlreicher. Last but not least ist es m.E. keine Schande, das Internet zu befragen. Die letzten Urlaube mussten wir jedenfalls nicht mehr hungern.

Martina
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#1360504 - 30.10.18 16:52 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: BeBor]
fabianovic
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Beiträge: 97
In Antwort auf: BeBor
In Antwort auf: fabianovic
Insgesamt habe ich es kulinarisch aber doch ganz gut erwischt.

Dein Beitrag inspiriert mich jedenfalls zum Nachdenken darüber, über den Wechsel von weitgehender Gaskocher-Selbstversorgung zu Inanspruchnahme von lokalem Bewirtungsangebot nachzudenken.


In Frankreich und Italien lohnt sich der Gedanke durchaus in Norwegen eher weniger lach
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#1360610 - 31.10.18 10:41 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: Juergen]
fabianovic
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Themenersteller
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Beiträge: 97
In Antwort auf: Juergen
....... unglaublich wein wein

ja ja ich weiß, ich sollte besser ins Gourmet-Forum wechseln
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#1360627 - 31.10.18 12:00 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
fabianovic
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Themenersteller
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Beiträge: 97
Teil 2

27.09.2018; Saint-Jean-Saint-Maurice-sur-Loire – Aubusson d´Auvergne

Die Nacht in meiner Unterkunft war herrlich ruhig, so dass ich am Morgen gut erholt Richtung Auvergne starten konnte.

Durch hügelige Landschaft ging es nun stets bergauf und bergab. Das gefällt mir doch besser als am Kanal entlang. Endlich gibt es mal Aussichten und Abfahrten, Steigungen natürlich auch.







Und sogar richtig fiese Steigungen.



Nach diesem heftigen Anstieg wurde ich in Saint-Marcel-d´Urfé im Relais d´Urfé mit einem einfachen aber guten und günstigen Mittagsmenu belohnt.
Nach ein paar Worten auf französisch sprach mich die Wirtin auf Deutsch an. Unüberhörbar kam Sie aus Bayern und betreibt nun in diesem abgelegenen Nest mit Ihrem Mann dieses hübsche kleine Lokal. Hier gingen auch die Handwerker essen. Diese nahmen am Tresen erst einmal drei bis vier Pastis als Aperitif zu sich.





Das Menu mit vier Gängen einem Viertel Wein und Café kostete gerade einmal 12,50 € und war absolut reell.

Weiter ging es durch die schöne spätsommerliche Landschaft.









In Aubusson fuhr ich hinunter an den Lac d´Aubusson. Ich hatte gedacht dort sei der Campingplatz, aber da ist nur eine Art Strandbad. Schade ich hatte mich schon auf Zelten am Seeufer gefreut.





Der Campingplatz lag ein paar Kilometer weiter an einem Bauernhof.
Diesmal war ich der einzige Gast. Beim mürrischen nicht sehr freundlichen Bauern zahlte ich fünf Euro. Die Sanitäranlagen waren verdreckt und es gab nicht einmal mehr Licht. Immerhin die Dusche war warm.
Ein paar gammelige Wohnwagen standen da noch herum und drei Zwergponys kümmerten sich darum den Rasen kurzzuhalten.



Nicht einmal besonders ruhig war es dort, da die Straße in einer engen Kurve um den Campingplatz herumführte und man hörte die ganze Zeit das Bremsen und Beschleunigen der allerdings nicht sehr zahlreichen Autos.

Zum Abendessen gab es heute Müsli, was anderes war nicht da.
Ende September war es dann auch um Acht Uhr schon dunkel, so dass mir nichts anderes übrig blieb als mich früh ins Zelt zu verkriechen. Nach der schönen Etappe heute, fühlte ich mich nun einsam und verlassen.

28.09.2018; Aubusson d´Auvergne – Égliseneuve-des-Liards

Ohne Frühstück brach ich auf, sobald es hell war.
Im kleinen Städtchen Courpière frühstückte ich in Ruhe beim Bio-Bäcker. Anschließend schaute ich mir die Stadt an. Sehenswert ist die Kirche Paroisse Saint Joseph de la Dore. Ja ja, ich hab eben eine Vorliebe für romanische Kirchen.







Hinter Courpière ging es nun bergauf oberhalb der Dore entlang und dann hoch nach Domaize.
Hier kehrte ich auf einen Café Crème in eine Heavy Metal Bar ein. Hier finden auch Konzerte statt und der Wirt verkauft alte Schallplatten. Witzig dass so was mitten in der Pampa existiert. Ich unterhielt mich ein wenig mit dem Wirt und fand erstaunlich wie schlecht sein Englisch war, da er sich doch hauptsächlich mit englischsprachiger Musik befasst.

Am Mittag wurde mir in Cunlhat in der Tourist-Info ein Restaurant etwas außerhalb am See empfohlen.







Das lag sowieso auf meinem Weg, also kehrte ich da auch ein. Wieder war es so warm, dass ich draußen sitzen konnte. Das Menu war wieder sehr günstig, aber leider bei weitem nicht so gut wie am Vortag.



Diesmal lag mir das Essen schwer im Magen und ich musste direkt einige steile Anstiege bewältigen.
Das schmeckte mir und meinen Beinen nun so gar nicht.





In Condat-lès-Montboissier war ich so erschöpft, dass ich mir auf dem Handy die nächste Unterkunft heraussuchte. Und so fuhr ich noch etwa acht Kilometer zur Auberge des Liards.
Dies ist ein wunderschön, auf etwa 750 m, gelegenes altes Gehöft. Schon als ich ankam, war mir klar, hier bleibe ich. Und so habe ich gleich für zwei Tage ein Zimmer gebucht.









Die Auberge wird von einem holländischen Ehepaar betrieben, das seit etwa zwanzig Jahren dort lebt. Vorher hatten sie lange Zeit in Afrika und Russland gelebt.
Ich bin froh hier gelandet zu sein und streife am Nachmittag etwas über den Hof und spiele mit Flash, dem Hofhund.











Nachdem die Sonne spektakulär hinter der der Vulkan-Auvergene untergegangen ist gehe ich zum Abendessen.





Obwohl ich der einzige Gast bin, wurde für mich gekocht.
Und zwar ein ganzes Menu, alles Bio, fast alles aus dem eigenen Garten, der Rest aus der Umgebung. Es war köstlich. Keine raffinierte Küche, aber alles sehr lecker! Allein schon der Tomatensalat aus diversen verschiedenfarbigen Kirschtomaten. Der Käse war auch vom feinsten.
Hab leider keine Fotos gemacht.
Dazu hatte ich interessante Gespräche mit Walter. Seine Frau Astrid hatte heute frei.

29.09.2018; Égliseneuve-des-Liards

Was für ein schönes Gefühle heute nicht weiterfahren zu müssen.
Erst einmal frühstückte ich reichlich, natürlich wieder alles Bio und selbstgemacht. Walter setzte sich zu mir und wir schwätzten miteinander bis halb elf. Hauptsächlich über Politik.



Walter musste dann doch irgendwann etwas auf dem Hof werkeln. Ich machte eine kleine Wanderung durch die heute neblige Umgebung, die aber so auch Ihren Reiz hat.















Danach war erst einmal ein Mittagsschlaf angesagt. Ich merkte, dass ich nicht richtig fit war und dass ich die Tour etwas gemächlicher angehen sollte.
So war es gut hier einen ganz entspannten ruhigen Tag zu verbringen.

Am Nachmittag macht ich dann noch einen kleinen Spaziergang hinunter ins Dorf.









Am Abend gab es wieder einen schönen Sonnenuntergang



Heute Abend kochte Astrid für mich.
Es gab einen Schweinebraten in einer Soße aus Apfelsaft.
Mit Astrid sprach ich mal Deutsch, mal Englisch und ab und zu auch ein paar Brocken Französisch.
Im Überschwang meinte ich zu Ihr, dass mein Französisch ja auch nicht so schlecht sei.
Beim Dessert fragte Sie mich dann auf Französisch, ob es mir geschmeckt hätte. Ich antwortete mit „Non merci“, weil ich verstanden hatte, ob ich noch etwas möchte. Sie meinte nur, sie hoffe, dass mein Französisch doch nicht so gut sei. Haben wir gelacht.
So ging auch der zweite Tag hier sehr schön zu Ende.
Die Auberge des Liard ist wirklich ein wunderbarer Ort mit tollen Menschen und ich hoffe hier noch einmal hinzukommen.

30.09.2018; Égliseneuve-des-Liards – Blesle

Heute ging es dann aber doch weiter. Nach dem Frühstück fuhr ich hinunter nach Sauxillange, wo Astrid und Walter auch in einer Ladencooperative engagiert sind. Sie haben, als der letzte Lebensmittelladen im Ort dicht machte, mit hundert anderen Leuten einen eigenen Laden aufgemacht, in dem jetzt Biowaren und Regionale Produkte verkauft werden. An diesem Sonntagmorgen stand Astrid im Laden und ich versorgte mich noch mit Bleu d´Auvergne und anderen Leckereien.

Meine eigentliche Route sollte durch die Vulkan-Auvergne über den Puy Mary (ca. 1700 m) führen.
Da ich mich immer noch nicht richtig fit fühlte hatte ich für heute nur eine relativ kurze Etappe von etwa 65 km geplant und mir schon vorab in einem Hotel in Blesle ein Zimmer gebucht.

Erst einmal ging es aber über Issoire nach Lempdes-sur-Allagnon. Hier machte ich einen kurzen Stopp und war fasziniert von diesem runtergekommenen Ort in dem am Sonntagmittag auch absolut Tote Hose war.

















Hinter Lempdes beginnt der Gorges d´Allagnon, den ich nun hochfuhr. Dieser Gorges ist nicht besonders spektakulär, aber mir gefiel es dort entlang zu radeln.









In Blesle kam ich am Nachmittag an. Das Hotel entpuppte sich als sehr hübsche kleine Herberge mit anscheinend sehr gutem Restaurant. Wieder beschloss ich direkt zwei Nächte zu bleiben. Das Wetter für den nächsten Tag war eh kalt, windig und regnerisch angesagt. So hatte ich dann auch Zeit mir Gedanken über die weitere Tour zu machen.





Blesle ist ein sehr schöner mittelalterlicher Ort, den ich mir in aller Ruhe anschaute.













Für ein im Ort gebrautes Craft-Beer kehrte ich in eine Brasserie ein...



..bevor ich pünktlich zum Abendessen wieder im Hotel war.
Auch das Restaurant war sehr gemütlich und es war wohl das beste Essen meiner Tour.











Sehr angenehm war, dass es viele offene Weine gab, so dass ich mir zu jedem Gang den passenden Wein bestellte. Auch angenehm war, dass ich mal nicht der jüngste Gast war und im Restaurant keine Friedhofsatmosphäre herrschte. Den Abend habe ich sehr genossen.
Leider hatte das Restaurant am nächsten Tag geschlossen.

01.10.2018; Blesle

Heute wurde es leider ein kalter trüber Tag. Ich schaute mit noch einmal den Ort an und ging etwas einkaufen. Mittags kehrte ich in die einzige geöffnete Brasserie ein, wo es ein einfaches und günstiges Menu gab. Wieder schütteten sich die Handwerker ordentliche Mengen von Pastis hinein.

Am Nachmittag drehte ich dann doch noch eine kleine runde mit dem Fahrrad...











...von der ich durchnässt und verfroren ins Hotel zurückkam.
Zum Glück hatte ich eine Badewanne, die ich mir erst einmal volllaufen ließ.
Den Rest des Abends verbrachte ich alleine auf dem Zimmer mit etwas Käse und Brot und allen möglichen Gedanken, wie es morgen weitergehen sollte.

Teil 3 in Kürze
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#1360633 - 31.10.18 12:21 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
Pixelschubser
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 334
Dein Bericht weckt wieder einmal das absolute Fernweh in mir – gestern hat es hier in der Vulkaneifel geschneit, das Wetter sieht heute immer noch trostlos aus – und ich vertrödele meine kostbare Bürozeit, um mir Routen für's nächste Jahr auszudenken. Dein Bericht befeuert meine Lust nur noch zusätzlich... weinend Ein dickes DANKE dafür!

Schien Schreeß us Kerpen: Martin



Geändert von Pixelschubser (31.10.18 12:26)
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#1360642 - 31.10.18 13:55 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
Juergen
Moderator
abwesend abwesend
Beiträge: 8024
Hoffentlich machst Du morgen nicht den Fehler, von Blesle über die D355 nach Le Bru zu fahren. teuflisch
Die fette Rampe hat mich den letzten Nerv gekostet. Aber alle im schönen Dorf sagten mir, da sei es schöner.
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1360647 - 31.10.18 14:19 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: Gerhard O]
bluesaturn
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 355
In Antwort auf: Gerhard O

Reiseberichte aus Frankreich lese ich immer gerne. Ein vernünftiges Restaurant zur rechten Zeit zu finden ist offensichtlich nicht einfach. Oft hatte ich den Eindruck, ich wäre einfach zu doof dafür. Hier sehe ich, daß es anderen genauso geht. traurig

Das geht uns auch immer so, egal, ob wir mit dem Auto oder dem Rad unterwegs sind. Ein wenig Planung erfordert das Abendessen immer. Ich empfehle, spätestens um 19 Uhr eine Lokalität aufzusuchen. Montags ist oft Ruhetag, wenn ich mich nicht irre, aber auch am Sonntag muss auch nicht alles geöffnet haben.
Das Notfallbaguette mit Käse tut es sonst auch.

Danke fuer den Bericht!
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#1360733 - 01.11.18 08:15 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
cyclerps
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 2644
Ich gebe jeder Radreise einen Titel entsprechend der Gegend wo diese statt findet.

Deine Reise würde wohl "Radreisen wie Gott in Frankreich" heißen.

Danke für deinen Appetitanregung Frankreich wieder zu bereisen. bravo
Gruss
Markus
Forza Victoria !
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#1360752 - 01.11.18 12:21 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
fabianovic
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 97
Hier kommt der dritte und letzte Teil

02.10.2018: Blesle – Brioude, Brioude – Langogne (mit dem Zug)

Ich hatte nun entschieden nicht hoch in die Vulkan-Auvergne zu fahren.
Bei kühlem, windigen Wetter fuhr ich die gut zwanzig Kilometer hinüber nach Brioude.

Die Basilique Saint-Julien war das Highlight meiner vielen Kirchenbesichtigungen. Es ist eine außergewöhnliche Kirche, in der alle Phasen der Romanik vereint sind.











Brioude selber ist ein hübsches kleines Städtchen. Aber heute pfiff der kalte Wind so unangenehm durch die Gassen der Altstadt, dass ich nur kurz eine Runde drehte und mich dann schnell in ein kleines Imbiss-Restaurant verzog. Ich war am frühen Mittag der erste Gast. Später füllte sich das kleine Lokal aber schnell und ich hatte mal wieder die richtige Wahl getroffen. Ohne Fotos kann ich mich leider gar nicht genau erinnern, was ich gegessen habe. Aber lecker war es!

Danach macht ich mich direkt auf zum Bahnhof. Hier hatte ich noch etwa eine Stunde Zeit, die ich in der Bahnhofhalle direkt neben dem warmen Heizkörper verbrachte.

Die Zugfahrt war dann wirklich toll. Durch das Tal der Allier hinauf führt zum Teil nur diese Bahnstrecke. Mit dem Fahrrad hätte ich dieses tolle Tal nie gesehen. Im ganzen Waggon saßen nur eine ältere Frau und ich. Immer wenn der Zug die Flussseite wechselte, wechselten wir auch unsere Sitzplätze, um die spektakulären Aussichten genießen zu können. Leider habe ich hier nur ein paar etwas verwackelte Handy-Fotos.







Und eine Menge Höhenmeter hatte ich mir auch erspart. Auf etwa 900 m stieg ich in Langogne aus.

Langogne ist auch wieder so ein hübscher aber etwas runtergekommener Ort, durch den sich leider der LKW-Verkehr quält. Ich kehrte nach einer schnellen Runde nur auf einen Kaffee ein.







Etwa drei Kilometer außerhalb hatte ich mir ein Zimmer im Chambres d´Hotes „Les Cremades“ gebucht. Dies ist eine Herberge in der hauptsächlich Wanderer übernachten, die auf dem Stevenson-Weg unterwegs sind. Diesen Weg hatte ich auch schon auf meiner Tour durch die Cevennen im Frühjahr gekreuzt.







Am Abend gab es hier ein deftige Abendessen. Salat mit einem Rilette. Grobe Bratwurst mit Gemüse. Käse natürlich. Ans Dessert erinnere ich mich nicht.
Ich saß mit einer französischen Wandergruppe zusammen, die aber alle etwas steif waren. Es wurde sich auch kaum bemüht mich ins Gespräch miteinzubeziehen. Es standen zwei große Karaffen Rotwein auf dem Tisch, die beiden Männer trauten sich unter dem gestrengen Blick ihrer Frauen kaum davon zu trinken. So kam es mir jedenfalls vor. Es war eine etwas unlockere Atmosphäre bei Tisch.

03.10.2018; Langogne – Les Vans

Am Morgen waren die Franzosen zum Glück schon fast fertig mit Frühstück als ich hinunterkam.
Heute ging es für mich erst einmal noch auf den ersten zwanzig Kilometern leicht bergauf nach La Bastide-Puylaurent, was auf etwa 1000 m liegt. Bis dahin war das Wetter noch grau und windig.









In La Bastide kehrte ich auf einen Kaffee ein während der letzte Regenschauer hinunterprasselte.
Hinter La Bastide geht es dann noch ein kurzes Stück bergauf, bevor eine grandiose vierzig Kilometer lange Abfahrt nach Les Vans beginnt.
Nun kam dann auch die Sonne raus und ich rauschte das Tal des Borne und des Chassezac hinab.











An einer schönen alten Kapelle (Chapelle de la Madeleine) machte ich Mittagsrast...



...und weiter ging es hinab. Die Straße lag zum Teil voll mit Maronen und der Autoverkehr tendierte gegen null.











In Les Vans hatte ich mir ein Zimmer in einem kleinen Chambres d´Hotes, dem „Coté Jardin“ reserviert. Dieses bietet auch ein Tables d´Hotes, also ein Abendessen an. Meistens lohnt sich das dieses Angebot anzunehmen, so auch hier. Es gab geschmorte Schweinebäckchen und eine Tarte mit Orangen-Crème-Brulée. Der Chef des Hauses ist ein ambitionierter Hobbykoch.

Vorher schaute ich mir aber noch das Städtchen an. Auf meiner Tour war das der bisher touristischste Ort. Es nicht mehr viel los, aber die durchaus hübsche Innenstadt besteht vor allem aus Retaurants, Cafés, Outdoor- und Souvernirläden.







Am späten Nachmittag kam im Coté Jardin auch noch ein holländisches Paar mit Ihren Rädern an. Beide hatten auch nagelneue Räder mit Pinion-Schaltung und waren von Utrecht nach Barcelona unterwegs. So hatten wir uns viel zu erzählen und verbrachten den ganzen Abend zusammen, um über das Reisen, Literatur, Kunst, Politik und vieles mehr zu reden. Schon wieder waren es Holländer mit denen ich mich so gut verstand. Das war mal wieder ein inspirierender Abend.

04.10.2018; Les Vans – Saint-Martin-d´Ardèche

Am Morgen saßen wir dann noch einmal beim Frühstück zusammen. Auch die Wirtsleute frühstückten mit uns. Sie leben im Sommer in Les Vans und im Winter in den Savoyer Alpen, wo Sie auch im Tourismus tätig sind. Insgesamt war das ein sehr schöner Aufenthalt.

Von Les Vans ging es dann erst einmal wieder etwas hoch und ich kam im sehr schönen Ort Banne vorbei.







Mein heutiges Ziel war das „Les Volets Bleu“ ein Chambres d´Hotes in der Nähe von Saint-Martin-d´Ardèche, wo ich im Mai schon ein paar sehr schöne Tage mit meiner Freundin verbracht hatte.

Jetzt fuhr ich durch mir schon bekanntes Gebiet und es war ein bisschen wie nach Hause kommen.
In Barjac, wo wir im Mai noch lauter tolle Sachen auf dem Markt gekauft hatten, kehrte ich im „Le Diablotin Gourmand“ zum Mittagessen ein. Es gab ein vorzügliches Cous-Cous, daztu trank ich aber eine Cola. Das Weintrinken schon am Mittag hatte ich mir seit ein paar Tagen abgewöhnt.







Trotzdem tat ich mich etwas schwer nach dem guten Essen wieder in die Pedale zu treten. Es war jetzt sommerlich warm und es war jetzt ein stetes Auf und Ab.
Ich fuhr noch einen kleinen Schlenker durch das, wunderschön oberhalb der Ardèche gelegene Örtchen Aiguèze....










...bevor es über die Brücke hinüber nach Saint-Martin-d´Ardèche ging.





Julotte, die Betreiberin des „Les Volets Bleus“ war nicht zu Hause, aber ihr Hund Mocca begrüßte mich wie einen alten Bekannten. Julotte hatte mir einen Zettel geschrieben und der Zimmerschlüssel steckte. Ich war richtig froh da zu sein.





Julotte kochte am Abend für mich. Es gab unter anderem eine sehr leckere Tomaten-Tarte. Als ich dazu Pizza sagte, wollte Sie schon den Hund auf mich hetzen.
Es war noch eine Freundin zu Besuch und es wurde ein lustiger Abend. Julotte war ganz aufgeregt, da in den nächsten tagen ein Arte-Team vorbeikommen sollte um sie zu interviewen. Sie hat vor einigen Jahren ein Buch über Max Ernst geschrieben, der zeitweise auch in Saint-Martin-d´Ardèche gelebt hat.

05.10.2018; Saint-Martin-d´Ardèche – Orange

Am Morgen fuhr ich noch einmal nach Saint-Martin-d´Ardèche hinein und kaufte dort eine Flasche Bio-Olivenöl.
Es war eine tolle spätsommerliche Stimmung am Fluss.







Nun stand die Abschlussetappe nach Orange an. Ich nahm aber nicht den direkten Weg, das wären nur etwa 25 km gewesen, sondern fuhr erst einmal hoch zur Chartreuse de Valbonne, einer alten Klosteranlage. Wie so oft in Frankreich war die Anlage, entgegen den Angaben im Internet, für den Besucherverkehr geschlossen. So warf ich nur einen kurzen Blick durchs Tor.



Weiter ging es durchs Bergland und dann hinunter an die Cèze. Über La-Roque-sur-Cèze fuhr ich nach Bagnols. Dort kehrte ich zum Mittagessen ein. Es gab ein leider etwas trockenes Thunfischsteak.







Kurt später erreichte ich bei Codolet die Rhone.



Die Gegend war jetzt nicht mehr sehr interessant, aber es war nicht mehr weit nach Orange, was ich am Nachmittag erreichte. In Orange hatte ich mir für zwei Tage ein relativ nobles Appartement am Rande des historischen Zentrum gemietet.







Hier konnte ich endlich mal wieder selber kochen. Und so zog ich erst einmal los zum Einkaufen. In der Innenstadt von Orange ist es gar nicht so einfach einen vernünftigen Lebensmittelladen zu finden, da der Ort komplett touristisch ist. Supermärkte gibt es nur außerhalb.
Na ja für etwas Wein und Käse, Nudeln und Gemüse hat es dann noch gereicht.





06.10.2018; Orange

Erst einmal schlief ich lange aus und frühstückte in aller Ruhe. Ich genoss es hier mein eigenes, ganz komfortables, Reich zu haben. Am späten Vormittag ging ich dann hinüber zum römischen Amphitheater, um dieses zu besichtigen. Mein Französisch war nach fünf Wochen in Frankreich inzwischen so gut, dass die Frau am Ticketschalter, obwohl Sie nach meiner Nationalität gefragt hatte, weiter französisch sprach. Mit den anderen deutschen Besuchern sprach sie Deutsch.
Auf meiner ganzen Reise hatte ich kaum Deutsche getroffen, sondern hauptsächlich Holländer, Engländer und auch Kanadier. Orange scheint aber vor allem bei Deutschen beliebt zu sein. Auch in den Bars und Cafès war überall Deutsch zu hören. Aber erst einmal schaute ich mir nun das wirklich sehr beeindruckende Amphitheater an.













Die Bühnenwand ist 38 Meter hoch und wurde gerade eingerüstet, da sie in den nächsten Jahren saniert wird. Sonst werden hier Opern aufgeführt. In den Siebzigern und Achtzigern des letzten Jahrhunderts fanden hier allerdings auch Rockfestivals mit Frank Zappa den Rolling Stones und vielen anderen bekannten Künstlern statt.

Ansonsten fand ich Orange nicht so interessant, wie ich eigentlich erwartet hatte.
In der Kathedrale platzte ich in eine Hochzeit rein...





...schlenderte zum antiken Triumphbogen...





...und ließ mich am Amphitheater zum Aperitif nieder.



Den Abend verbrachte ich „daheim“ und kochte mir wieder ein paar Nudeln.

07.10.2018; Orange – Besancon (hauptsächlich Zug)

Die Heimreise mit dem Zug hatte ich mir in mehrere Etappen aufgeteilt. Heute ging es mit dem TER über Lyon und Dijon nach Besancon. Um noch etwas Bewegung zu bekommen stieg ich zwei Stationen vor Besancon in Saint-Vit aus und radelte die letzten dreißig Kilometer nach Besancon am Doubs entlang.



In Besancon kam ich im Hotel de Paris unter und ging direkt nebenan in der Brasserie du Commerce essen. Ich meine mich erinnern zu können, dass beide Lokalitäten im Oase-Reiseführer empfohlen werden.





In der Brasserie gönnte ich mir ein ordentliches Entrecote und zum Nachtisch gab es eine ziemlich gehaltvolle Schoko-Nuss-Torte mit Karamelleis. Uff, danach war ich bedient.
Zur besseren Verdauung machte ich einen kleinen Spaziergang durch das nächtliche Besancon und landete in einem Irish Pub wo es dann als Digestif einen Whisky und ein IPA gab.



Mit ordentlicher Bettschwere ging es zurück ins Hotel.

08.10.2018; Besancon – L´isle-sur-le-Doubs (Fahrrad) – Karlsruhe (Zug)

Das Hotel de Paris hat auch einen schicken Frühstücksraum mit einem ziemlich guten Petit Dejeuner, was alles andere als petit war.



Anschließend ging ich noch ein wenig durch die Stadt und kaufte den Cave Aux Fromages fast leer.
Ich glaube die Franzosen behalten den besten Käse für sich.







Es war ein herrlicher Herbstmorgen und die Stadt gefiel mir richtig gut.

Ich nutzte diesen sonnigen Herbsttag, um noch etwas am Doubs entlang zu fahren, bevor ich wieder in den Zug steigen würde. Es wurde einer der schönsten Etappen auf der Tour.













Ja, ins Jura müsste man auch mal wieder!

Nach etwa 75 Kilometern stieg ich dann in L´isle-sur-le-Doubs in den Zug und fuhr mit Umsteigen in Belfort, Mulhouse, Müllheim,Offenburg und Karlsruhe nach Karlsruhe-Durlach, wo ich noch für zwei Tage meine Eltern besuchte, bevor es endlich wieder heim nach Wuppertal ging.

Eine insgesamt fast sechswöchige Reise ging für mich zu Ende.

Leider fühlte ich mich während der gesamten Radreise nicht richtig fit. Auch ein anschließender Arztbesuch ergab nicht wirklich Aufschluss über die Ursache. So kam dann auch nur selten dieses euphorische Gefühl auf, dass sich sonst auf Radreisen bei mir einstellt.

Insgesamt habe ich natürlich eine Menge erlebt und gesehen. Ich denke, dass es im Frühling insgesamt schöner ist in Frankreich unterwegs zu sein, da dann alles blüht. Nach dem sehr heißen und trockenen Sommer war die Landschaft oft braungebrannt.
Ab und zu nervte der Mistral der kalt von Norden blies.
Das viele Fahren entlang der Kanäle fand ich etwas langweilig. Die Auvergne und die Cevennen sind dagegen wirklich tolle Gegenden zum Fahrradfahren. Hier war ich nicht zum letzten mal.

Meine kulinarischen Ausschweifungen und das reduzierte Radelpensum ließen mich mit ein paar Kilo mehr zurückkehren. Die habe ich aber auch schon wieder runter.

Bin gespannt was das nächste Fahrradjahr bringen wird.
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#1360759 - 01.11.18 13:15 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
Juergen
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Beiträge: 8024
In Antwort auf: fabianovic
Bin gespannt was das nächste Fahrradjahr bringen wird.
So eine Vorlage muss ich nutzen und endlich was zur Strecke Vichy-Montpellier schreiben. peinlich grins
Es gibt Serpentinen in der Auvergne, Foie Gras am Lot und Bahntrassen im Languedoc, die kein Mensch braucht. Klick wein

Danke für deinen Bericht, den ich mir fürs nächste Jahr noch genauer anschauen werde.
Jürgen
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1360797 - 01.11.18 19:14 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
amarillo
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Beiträge: 1091

Vielen Dank für diesen schönen Bericht,die tollen Fotos und die kulinarischen Einsprengsel. Ich könnte gerade losfahren. Frankreich liegt vor meiner Haustür.
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#1360849 - 02.11.18 08:00 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: Juergen]
fabianovic
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Beiträge: 97
In Antwort auf: Juergen
So eine Vorlage muss ich nutzen und endlich was zur Strecke Vichy-Montpellier schreiben. peinlich grins

Da wäre ich wiederum sehr interessiert dran.
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#1360867 - 02.11.18 10:32 Re: Frankreich im Herbst - Von Auxerre nach Orange [Re: fabianovic]
Hansebiker
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 1237
Unterwegs in Deutschland

Danke für den wunderschönen Bericht. Ich bin mit Jürgen am Doubs, Dessoubre, Ain und anderen Flüssen und Kanälen entlang gefahren und kann Deine Begeisterung teilen. (Auch was das Essen betrifft)
Aktuell planen wir für 2019 die dritte Jura-Tour. Da ist Dein Reisebericht sehr hilfreich.
Gruß aus der schönen Hansestadt Lübeck

https://deluebschebiker.blogspot.com/




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