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#1445282 - 28.09.20 20:34 "Rund" um die Ostsee
georgk
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 185
Dauer:1 Monat, 10 Tage
Zeitraum:22.6.2016 bis 31.7.2016
Entfernung:3000 Kilometer
Bereiste Länder:deDeutschland
eeEstland
fiFinnland
lvLettland
ltLitauen
plPolen
seSchweden
chSchweiz
Externe URL:http://www.kradolfer.info/Veloreisen/

Eine Art «Reisetagebuch»
Nach einigen Gruppen-Touren habe ich mich selber wieder einmal für einer längeren Velotour aufgemacht und umrunde die Ostsee bzw. das baltische Meer. Mit dem Zug nach Kiel, dann mit einer Fähre nach Kleipeda (Litauen). Von dort dann per Velo nach Riga (Lettland) und weiter nach Tallin (Estland). Dann abwechselnd mit Fähren und Velo über Helsinki, Turku, Stockholm nach Südschweden und nach Danzig in Polen. Zum Schluss ein Abstecher nach Dresden und dann weiter bis Fulda.
Ich mache diese Tour erstmals mit einem E-Bike, was mich (altersgerecht) etwas schont und mir erlaubt, trotzdem 4-6 Stunden im Tag zu radeln.

22.6. Der Start
Mit der Anreise hat alles bestens geklappt.
Der EC Zürich – Hamburg ist auf die Minute genau angekommen und das Umsteigen an der Station Dammtor war ausgesprochen angenehm. Auf dem gleichen Perron fuhr nach kurzem Warten mein Zug nach Kiel ein. Weiter geht es morgen Abend mit der Fähre nach Klaipeda und dann beginnt endlich die Radtour um die Ostsee.

Ich bin gut in meiner ersten Unterkunft in Bordesholm angekommen. Wegen der Kieler Woche war keine zahlbare Unterkunft in Kiel zu finden. Morgen fahre ich die 25 km nach Kiel zur Fähre mit dem Velo.


Kiel im Abendlicht


23.6. Kiel
Bald hat die Warterei ein Ende. In einer halben Stunde darf ich hinter einem Shuttle zur Fähre fahren. An der Küste in Kiel ist ein grosser Rummel. Kilometerlange Stände, wie auf einem Markt. Dazwischen Bahnen und Karussells. Das ist also die Kieler Woche. Von den Segelregatten habe ich nichts gesehen. Heute war es um die 30 Grad. Gut, dass ich nur 35 km gefahren bin.
Die Fahrt mit der Fähre dauert etwa 20 Stunden. Ein paar andere Velofahrer sind auch noch auf der Fähre.

24.6. Klaipeda
Beim Frühstücksfernsehen auf der Fähre sehe ich in den Nachrichten, dass Grossbritanien für den EU-Austritt gestimmt hat. Knapp zwar, aber ich konnte es nicht verstehen.
Ich bin gut in Litauen angekommen. Das Hotel ist angenehm, zu Fuss 15 Minuten vom Zentrum. Es ist immer noch sehr heiss und ich sitze in einer Gartenwirtschaft zum Z’nacht. Auch hier ist ein Volksfest zur Sonnenwende im Gang. Zum Glück nicht so riesig wie in Kiel.



Morgen mache ich einen Veloausflug auf die Kurische Nehrung (ohne Gepäck).

25.6. Kurische Nehrung
Ich bin also den litauischen Teil der Nehrung abgefahren. 108 km mit einem Akku, alles im sparsamen Eco-Modus (1 von 4). Die Strecke war nicht besonders spannend. Meistens im Wald und auf der Rückseite der Dünen. Am Morgen war die Strecke im Schatten, aber auf dem Rückweg habe ich etwas viel Sonne gehabt. Ich hätte nach der Hälfte umkehren sollen. Wenigstens scheinen die Akkus ausdauernd.


Die Kurische Nehrung

Morgen geht es schon nach Lettland. Alles der Küste entlang nach Liepäje.

26.6. Liepäje
Heute war es nicht mehr ganz so heiss und am Nachmittag hat es etwas abgekühlt.
Die 96 km bin ich fast ‚geflogen’und, war in etwa 4 Stunden am Ziel.



Der Riesenunterschied zum normalen Tourenvelo ist einerseits das regelmässige Tempo und dass es weniger anstrengend ist. Im Tour-Modus (2 von 4) habe ich 1,2 Akkufüllung gebraucht, was mit dem ganzen Gepäck am Velo recht wenig ist. Liepäje ist eine Mischung zwischen alt und neu.


Faszinierend sind Holzbauten, die wohl aus dem 19. Jh. stammen.

Im Zentrum sieht es sowjetisch aus und einige alten Kirchen sind stehen geblieben.
Ausser der Sonnencreme ist hier alles recht billig. Morgen geht es nach Ventspils (Windau).

27.6. Ventspils
Am Vormittag hatte es etwas geregnet und es war recht kühl. Bis ich losfuhr unterhielt ich mich mit einem deutschen Ehepaar, welche ebenfalls reiseradelt. Ich kannte sie schon von der Fähre. Beim Start hatte der Regen aufgehört und am Mittag schien wieder die Sonne. Unterwegs habe ich viele Störche gesehen. Einmal hat ein Viech ca. 100 m vor mir die Strasse überquert. Es könnte ein Bieber gewesen sein. Da meine Unterkunft fast am Stadtrand liegt, habe ich Besichtigung von Ventspils per Velo gemacht.


Das herausgeputzte Zentrum von Ventspils

Montags hat vieles geschlossen, so auch die Burg. Der Ort ist ziemlich verschlafen, aber wenigstens hat die Gaststätte geöffnet, die mir mein Gastgeber empfohlen hat.

28.6. Kolka
Weiter geht es nach Kolka, an der Spitze der Halbinsel. Es war ein schöner aber nicht heisser Tag. Ich bin entlang der Küste gefahren, allerdings immer 2 – 3 km im Landesinneren. Es war waldig, wie in Schweden.



Zum Meer bin ich dann halt zweimal abgebogen. Spannend war ein riesiges Teleskop mit 32 m Durchmesser mitten im Wald nicht weit von der Strasse.





Hier hatten einst die Russen den Westen ausgeforscht. In der Nähe sind einige grosse Wohnblocks mit mehreren hundert Wohnungen dem Zerfall preisgegeben. Es sieht gespenstisch aus, ähnlich wie in Tschernobyl. Das Teleskop wird heute von einer Universität weiter betrieben.
Das Kap Kolka, wo ich übernachte, liegt in einem Nationalpark und ist für seinen wilden Wellengang bekannt, wenn es kräftig windet. Heute war das Meer ruhig wie ein Ententeich.

30.6. Riga
Jetzt bin ich also Riga eingetroffen. Die Stadt gefällt mir auf den ersten Blick. Recht lebhaft und eine Mischung zwischen alt und neu. Ein grosser Teil der heutigen Strecke war auf Velowegen, manchmal etwas holprig, dafür ohne Verkehr.
Durch die Innenstadt zieht sich ein langer Park, der als gute Orientierungshilfe dient. Die Pizza heute war kein Hit, dafür hatte ich LIVE-Rockmusik und konnte am Abend noch draussen sitzen.















1.7. Riga
Vorhin gab es ein kurzes kräftiges Gewitter, aber ich war dann gerade in meinem Zimmer und habe meine Weiterreise organisiert. Mangels Unterkünften in den Schären, fahre ich mit dem Schiff von Turku nach Stockholm und bin nur zwei Tage in Finnland. Eine Übernachtung auf Gotland habe ich auch schon gebucht. So ohne Zelt muss alles etwas besser organisiert sein, umso mehr als auch die Akkus aufgeladen sein wollen.

3.7. Ainazi
Um 8 Uhr habe ich gefrühstückt und draussen regnete es. Kurz vor neun hatte es aufgehört und ich startete die Etappe. Schon nach 30 Minuten begann es wieder richtig zu schütten. So habe ich dann meine Regensachen montiert und bin weitergefahren. Nach zweieinhalb Stunden war ich trotzdem ziemlich durchnässt. Einfach eine Spur weniger als ohne Regenkleider. Dafür hörte es auf zu regnen, aber es blieb bewölkt. Die 120 km habe ich in 5 Std. Fahrzeit geschafft und war am Ziel schon fast wieder trocken.
Das Dorf Ainazi liegt zwischen Hauptstrasse und Meer direkt vor der Grenze nach Estland, wo ich morgen weiterfahre.

4.7. Pärnu
Für heute hatte ich nur 70 km geplant und so stand ich um 13 Uhr schon im nächsten Hotel. Ein Bau, etwa 80 Jahre alt und vielleicht ein ehemaliges Sanatorium oder ähnlich. Das Zimmer ist relativ neu, aber sonst ist alles ziemlich alt. Nicht einmal einen gedeckten Platz für mein Velo haben sie hier.
Das Wetter ist wieder besser.
Störche habe ich bisher täglich gesehen. In Pärnu wimmelt es von Restaurants, aber sonst merkt man nicht, im bedeutendsten Badeort von Estland zu sein. Am kommenden Wochenende ist hier ein Musikfestival, dann ist vielleicht etwas mehr los.



Die Daten vom Strand: Wasser 18 und Luft 20 Grad, dazu ein kräftiger Wind vom Meer her. Alles andere als gemütlich. Es gibt natürlich immer einige, die trotzdem ins Wasser gehen. Der Strand ist schön breit. Hier machen viele Finnländer ihre Ferien im Süden! Es ist für sie gut erreichbar und viel günstiger als in Finnland.

5.7. Haapsalu
Für die Weiterfahrt bin ich früh aufgestanden und bei wolkenlosem Himmel um 8 Uhr losgefahren. Es war noch recht kühl und mehrheitlich musste ‚ich‘ mich, mit Gegenwind aus einander setzen. Die Landschaft ist abwechslungsreich. Nur noch wenig Wald, dafür Weiden mit Kühen und viel Landwirtschaft. Wenn ein Bauer gemäht oder das Gras eingeholt hat, sind ihm jeweils Störche gefolgt und haben sich einige Happen gesichert.



Da niemand in meiner Herberge war, habe ich noch eine Runde (mit Bier) gedreht. Die Dorfstrasse umrundet eine alte Festung mit Turm. Einige Touristen spazieren noch herum.

6.7. Tallin
Ich bin nun schon über 1000 km geradelt und langweilig ist es mir bis jetzt noch nicht geworden. Auch heute ist wieder schönes Wetter und der Wind blies kräftig von hinten. Die Landschaft war abwechslungsreich und auch die Störche sind immer noch da.
Tallinn ist eine moderne Stadt geworden. Viele Neubauten stehen in den Aussenquartieren und in der Altstadt sind die meisten Gebäude renoviert zum Teil elegant mit alten Mauern verbunden. Vieles von meinem letzten Aufenthalt vor etwa 20 Jahren erkenne ich nicht mehr. In der Nähe meines Hotels liegt die Strasse mit dem «Schachhaus», welches von der Stadt zur Verfügung gestellt wird. Dieses kam mir noch bekannt vor. In einem Raum hat es ein Mini-Museum zu Ehren von Ex-Weltmeister Paul Keres, dessen 100. Geburtstag gerade gefeiert wird. Es gibt eine 2-Euro Münze mit seinem Konterfei! Keres wurde sogar zum estnischen Sportler des 20. Jahrhundert gewählt.
Am Abend sitze ich hier in der Nähe des Hauptplatzes immer noch draussen bei einem Bier. Der Touristenschwarm, der täglich von Kreuzfahrtschiffen ausgespuckt wird, hat sich wieder zurückgezogen.
Morgen werde ich wieder einmal ausschlafen.













8.7. Tallin
Heute war ich noch in einem ehemaligen Kloster. Gegründet von Dominikanern um 1246, die dann etwa 400 Jahre später von Lutheranern verjagt wurden.
Die dazugehörige Kirche ist immer noch in Betrieb. Die lebten damals recht einfach, nur der Prior hatte einen eigenen Raum.

9.7. Finnland, Helsinki bis Lohja
Tallinn liegt nun schon fast hinter mir. Ich bin am Hafen und warte auf die Fähre. Momentan liegt hier eine Nebelbank und das Schiff taucht wie aus dem Nichts auf.
Gestern war schönes Wetter und ich habe eine kleine Wanderung in der Stadt gemacht. Gestern ist auch noch der Deutsche Radler in Tallinn eingetroffen, mit dem ich in Lettland drei Tage unterwegs gewesen bin.
Helsinki, welches ich schon kenne, habe ich rechts liegen gelassen und bin vom Hafen aus Richtung Turku losgefahren. Es dauerte allerdings, bis ich alle Vororte durchquert hatte. Überall Velowege und alles angeschrieben, aber jeweils nur mit den umliegenden Ortsteilen und nicht die Hauptrichtung. Mit GPS und Handy habe ich den Weg dann gefunden. Die Natur gefällt mir besser, als im Baltikum. Die Birkenwälder sind heller und dazwischen immer wieder Seen.



Ich bin hier in dem Teil von Finnland, wo noch eine schwedische Sprachminderheit lebt. Die Ortsschilder und Strassen-bezeichnungen sind häufig zweisprachig angeschrieben. Für morgen habe ich mir schon einmal die Ortschaften bis Turku herausgesucht, damit ich den Weg leichter finde.

10.7. Turku
Heute habe ich mein Tagesziel etwas zügiger angefahren als sonst. Ich habe den Regenwolken ein Schnippchen geschlagen und sitze am Nachmittag im Hafen von Turku bei meinem täglichen Bier. Die Sonne scheint und natürlich bin ich viel zu früh für die Fähre. Am Vormittag bin ich meistens auf der niedrigsten Stufe gefahren, nur bei den Steigungen eins höher. Bei einer „Abkürzung“ wurde es zweimal so steil, dass ich abstieg und die Schiebehilfe testete. Der 1. Akku hielt 75 km, so dass ich danach trotz Gegenwind und hügeliger Landschaft, die 120 km nach Turku locker schaffte.
Im Gasthaus, wo ich übernachtete, war gestern Abend eine Hochzeit im Gang. Die Musik war nicht so laut, so dass ich trotzdem schlafen konnte.
Morgen bin ich also schon in Schweden und am Abend auf der Insel Gotland, wenn alles klappt.




11.7. Stockholm – Nynashamn – Visby
Die kleine Kabine auf der Fähre von Turku nach Stockholm war eigentlich gut, geschlafen habe ich aber nicht viel, bzw. ich bin immer wieder erwacht.
Von Stockholm habe ich dieses Mal nicht viel gesehen. Ich finde die Strasse nach Nynashamn in der Nähe des Hafens schnell und bin um 07:00 Uhr schon unterwegs.
Eine Vielzahl von Velofahrern kommt mir in den Vororten von Stockholm entgegen. Die meisten wohl auf dem Weg zu ihrer täglichen Beschäftigung. Heute nehme ich es sehr gemütlich. Für die 68 km und 500 hm benötige ich genau 4 Stunden Fahrzeit.
Jetzt bin ich auf der Fähre nach Gotland, eine richtige Familienfähre. Morgen schaue ich mir etwas Gotland an und gegen Abend fahre ich wieder zurück aufs Festland.













12.7. Visby – Oskarshamn
Habe noch eine kleine Besichtigungstour auf der Insel gemacht. (65 km) Zuerst gegen den kräftigen Wind, aber bei schönem Wetter. Von Visby zu einer Klosterruine (12 Jh.) dann an die Küste zu einem alten Fischerdorf und mit Rückenwind zurück nach Visby, welches die vollständigste Stadtmauer in Europa haben soll.

Dort habe ich noch zwei Ruinen von Kirchen angeschaut, die zur Zeit der Reformation aufgegeben wurden. Alles ist recht herausgeputzt. In Visby waren recht viele Touristen unterwegs. Nach diesem Kurztrip nach Gotland geht es per Fähre nach Oskarshamn, wo ich übernachte.


13.7. Smaland
Diesen Tag habe ich eine lange Etappe gehabt (130 km). Ich bin auf den markierten Radwegen zickzack der Küste entlang Richtung Süden gefahren. Eine wunderschöne Gegend. Dafür bin ich jetzt im bisher teuersten Hotel meiner Reise. Ich sitze noch bei einem Bier und die Schwalben fliegen wie wild ums Haus. Die Jungen werden immer noch gefüttert und machen einen rechten Lärm. Unterwegs konnte ich an der Küste eine grosse Kolonie von Wildgänsen beobachten. Heute war ich seit langem wieder einmal kurzärmlig unterwegs. Der Wind war eher noch kühl, aber die Sonne schien den ganzen Tag.







In Kalmar habe ich mich kurz im Zentrum umgesehen. Ein riesiges Schloss am Meer, welches man wohl kennen sollte.

14.7. Karlskrona
Es gibt nicht so viel zu berichten. Die letzte Etappe in Schweden war kurz (67 km). Ich habe noch etwas von Karlskrona angeschaut. Es ist eher kühl aber wenigstens trocken. Gegen Abend folgt die letzte Fährenfahrt (nach Polen) auf dieser Reise.
Das Warten auf die Fähren ist insofern mühsam, als dass ich immer zu früh am Hafen bin.

15.7. Danzig
Am Morgen musste ich noch 30 km von der Fähre bis in die Innenstadt radeln, wo ich zwei Nächte bleibe. Letzte Nacht muss es in Danzig gewaltig gestürmt und geregnet haben. Überall herunter geschlagene Äste und Blätter und riesige Wasserlachen. Ganz schlimm war es bei einem Verkehrsknotenpunkt, der in einer leichten Mulde liegt. Die Ladenlokale waren überflutet worden, trotz 3 Stufen beim Eingang. Dutzende von Strassenbahnen standen herum, weil die Gleise unterspült waren und ein Tram ‚eingesackt‘ ist. Die 6-spurige Strasse war für Autos gesperrt und Reinigungsequipen versuchten dem Schlamm Herr zu werden. Ab Mittag schien wieder die Sonne.
Danzig ist sehr touristisch und hat eine schöne Innenstadt, welche beim Wiederaufbau nachdem 2. Weltkrieg nach alten Plänen gebaut wurde. Es war ja vollständig zerstört. Mein Hotel liegt mitten im Zentrum bei einem der Stadttore.















16.7. Danzig
Ich habe wieder einmal ausgeschlafen, spät gefrühstückt und dafür das Mittagessen ausgelassen.
Bei einem Bootsausflug zur Westerplatte, das ist dort, wo die Weichsel ins Meer fliesst, habe ich etwas für mein Geschichtswissen gemacht. Genau dort haben nämlich die Deutschen den 2. Weltkrieg begonnen. Am 1.9.1939 haben sie die Westerplatte von einem Schiff aus unter Beschuss genommen, weil dort die Polen ein grosses Munitionslager hatten. Heute erinnert ein riesiges Denkmal daran und zieht viele Besucher an.
Auf dem Rückweg habe ich unter meiner Uhr noch eine Zecke entdeckt, die sich in mein Handgelenk verbissen hat. Da hat sich meine Velotour – Pinzette wieder einmal bewährt. Das Viech habe ich sorgsam verpackt, wie es die Zecken-Webseite empfiehlt.
Morgen fahre ich weiter bis Slupsk, von dem ich noch nie etwas gehört habe.











17.7. Slupsk
Es ging 125 km über Land, was nicht besonders spektakulär war. Felder, Wälder, Dörfer und einige kleine Seen. Die Strassen sind die bisher schlechtesten, seit ich unterwegs bin. Besonders die Nebenstrassen bestehen teilweise nur noch aus Löchern. Slupsk schaue ich mir nach dem Essen an, zuerst habe ich Hunger.
Im Gegensatz zu Schweden hat es jetzt wieder Störche. Die Jungen sitzen noch in den Nestern,lassen sich füttern und schauen herum.







18.7. Mielno
Weiter geht es Richtung Meer und dann der Küste entlang nach Mielno, wo ich an einem „lustigen“ Ort lande. Mielno ist einer der vielen Ostsee-Badeorte, wo sich die Leute bei diesen eher kühlen Temperaturen anders unterhalten müssen. Darum hat es hier wohl den ganzen Sommer Volksfeststimmung, Stände und sogar einen Zirkus. Alles ist sehr günstig zu haben. Für 8 Franken habe ich einen gemischten Salat, eine Pizza und ein grosses Bier erhalten. Meine Pension liegt am einzigen Kreisel des Ortes. Tagsüber Staus in alle Richtungen, am Abend aber schon ziemlich ruhig.







Seit ich in Polen bin, habe ich ständigen Gegenwind, was durch das E-Bike entscheidend gemildert wird.

19.7. Gryfice
Es war ein ruhiger und etwas wärmerer Tag. Ich bin am Vormittag noch etwa 40 km entlang der Küste gefahren, das Meer habe ich aber fast nie gesehen. Dafür weitere Vergnügungspark-Dörfer, die hier für die Touristen bereit sind. Die Bahnen sind alle antiquarisch und viele von ihnen erinnern mich an meine Jugend. Es hat viele neue Radwege.
Gryfice heisst der Ort, wo ich übernachte. Die polnischen Dörfer haben alle so unaussprechliche Namen, die man sich fast nicht merken kann.






20.7. Stettin
Heute komme ich nach Stettin, das etwa gleich viele Einwohner wie Zürich hat. Es war ein idealer Velotag. Schönes Wetter und nicht zu heiss. Ich bin vor allem auf Nebenstrassen durch Pommern gefahren. Es hat unglaublich viele Dörfer. Selten liegt das nächste mehr als 4-5 km entfernt. Bei einem kleinen Umweg hat sich ein Feldhase gewundert, was ich hier mache.
Stettin ist sehr weitläufig. Von der Ortstafel waren es noch 12 km bis ins Zentrum, welches einer modernen europäischen Stadt gleicht. Es hat auch die gleichen Ladenketten, aber alles ist dem hiesigen Lohnniveau angepasst. Heute bin ich mit einem Akku 96 km gefahren!

21.7. Bad Freienwald
Morgens fahre ich noch 20 km Polen und komme dann auf den Oder-Neisse Radweg. Es ist ein schöner Radweg, ganz ohne Verkehr dem Fluss entlang. Mal auf, mal hinter dem Damm, alles geteert.
90 % der Reiseradler fahren mir entgegen, die meisten wohl mit dem Ziel Usedom.







Am Nachmittag war es schon fast etwas heiss und ich habe mir schon 10 km vor dem Ziel ein Bier genehmigt. Ich übernachte in einem kleinen Dorf, etwa 10 km von der Oder entfernt.
Übrigens bin ich nun schon mehr als 2200 km gefahren.

22.7. Frankfurt an der Oder
Jetzt funktioniert das Internet wieder!
Ich sitze auf dem Balkon meines Zimmers in der Pension Oderblick und kann direkt auf den Fluss schauen. Die Stadt ist nicht besonders attraktiv, Unkoordinierte Neubauten und hässliche Altbauten. Die Strecke (97 km) auf dem Oder-Neisse Radweg heute war recht schön.









23.7. Spreewald
Ich verlasse die Oder und mache ich mich auf den Weg Richtung Elbe. Ich bin jetzt also im Spreewald, den ich bisher nur aus den Spreewald-Krimis kannte. Es hat tatsächlich unzählige Kanäle und Nebenläufe der Spree und überall schöne Wälder, die mir immer wieder Schatten spenden. Die Pension in Vetschau ist angenehm und morgen Sonntag gibt es ab 7:30h Frühstück. Dann geht es weiter Richtung Elbe.
Meine Planung für morgen.





24.7. Meissen
Durch Wälder und Felder geht es Richtung Elbe. Bei Lichterfelde kommen grosse Bergbaumaschinen in mein Blickfeld und die Strasse ist beidseitig mit Zäunen und Warntafeln versehen.
Ich folge jetzt vor allem den Radwegweisern und stosse bei Nünchritz auf die Elbe.
Da ist es jetzt mit der Ruhe vorbei, ist doch der Elberadweg einer der meist befahrenen Flussradwege. Bis Meissen ist es nicht mehr weit. Dort treffe ich auf meine Frau und ihre kleine Radreisegruppe, die seit einigen Tagen auf dem Elberadweg unterwegs sind.





25.7. Dresden
Die Zeit in Dresden ist mit viel Sightseeing ausgefüllt und an einem Nachmittag machen wir noch einen kleinen Radausflug nach Königstein.









29.7. Erfurt
Während meine Frau und ihre Gruppe von Dresden mit dem Zug in die Schweiz fahren, möchte ich noch etwas mehr von Deutschland sehen. Nachdem ich gestern Abend südlich von Leipzig in einem schönen «Business»-Hotel untergekommen bin, geht es weiter Richtung Osten.
Auch heute hat wieder ein kräftiger Gegenwind mein Fortkommen behindert, so dass ich die letzten geplanten 22 km bis Gotha auf morgen verschieben muss. Im Zentrum von Erfurt habe ich in einem Hotel eingecheckt und danach eine Stadtbesichtigung (mit Pizza und Bier) unter die Füsse genommen.
Die Fahrt quer durch Sachsen und jetzt durch Thüringen ist sehr abwechslungsreich. Ich bin dem Saaleradweg etwa 30km gefolgt, was sehr angenehm war. Habe heute noch ein Zimmer am Werra-Radweg in Heringen im Thüringerhof gebucht. Das ergibt etwa 100 km zu fahren. Im booking.com sind wegen des Wochenendes fast alle Hotels der Gegend ausgebucht.









Auch meine weitere Planung habe ich nun abgeschlossen. Ich werde noch 2 Tage mit dem Velo fahren und dann von Fulda aus mit dem Zug heimreisen.
Ich muss dann nur 2x umsteigen, wenn alles klappt. In Fulda werde ich je nach Möglichkeit der Zugsverbindungen zum letzten Mal übernachten und dann am 1. August Zug fahren. (sofern das Velo überall Platz hat)

30.7. Heringen
Ich passierte Eisenach, dessen Zentrum sehr herausgeputzt ist.
Auf der Warburg war ich früher schon einmal und darum bin ich dann gleich weiter bis nach Heringen gefahren. Ganz in der Nähe hat es riesige unnatürliche Berge mit Rückständen vom Kali-Abbau, welche sich mehr als 200 m von der Umgebung abheben.









Solche Eingriffe in die Natur können wir uns in der Schweiz kaum vorstellen.
Morgen geniesse ich noch den letzten Velotag. Dann bin ich mehr als 3000 km geradelt, das reicht!

31.7. Fulda
In Philippsthal verlasse ich das Tal der Werra und fahre entlang der Grenze zwischen Thüringen und Hessen die letzte kurze Tagesetappe auf Radwegen, Nebenstrassen und einer stillgelegten Bahnstrecke mit dem längsten Rad-Tunnel, dem Milseburgtunnel in Deutschland durch die Rhön.
Nach dem Tunnel geht es bis Fulda nur noch bergab. Die Abklärung im Bahnhof ergibt, dass ich in anderthalb Stunden eine Zugsverbindung (inklusive Velo) mit zwei- oder dreimaligem Umsteigen bis nach Zürich habe, so dass ich noch gleichentags wieder einmal in meinem eigenen Bett schlafen konnte.

Fazit
Das E-Bike als Reiserad hat sich bestens bewährt. Durch den Verzicht auf Camping- und Kochutensilien konnte ich mein Gepäck auf zwei grosse Ortlieb- sowie eine Lenkradtasche beschränken.
Der Zusatzakku hat zwar das Gewicht meines Gepäcks erhöht, mich gleichzeitig aber auch entspannt reisen lassen.
Das Buchen der Zimmer im voraus, wäre vielleicht nicht immer nötig gewesen. Da ich aber auch Fährüberfahrten im voraus buchte, war dies einfach konsequent, damit ich meinen Zeitplan einhalten konnte.

Bildersammlung der Reise:

Teil 1: Runde um das baltische Meer

Teil 2: Brandenburg, Thüringen, Sachsen

Geändert von georgk (28.09.20 20:44)
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#1445292 - 29.09.20 07:29 Re: "Rund" um die Ostsee [Re: georgk]
UrbanCosmonaut
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 259
Hallo Georg! Einfach immer wieder faszinierend, wie unaufgeregt und entspannt Du Deine Touren angehst und scheinbar stets zufällig an wunderbaren Orten vorbei- und ankommst. Respekt vor der Leistung und Danke für die beeindruckenden Momente, die Du in den Bildern mit uns teilst!

Vivre le Moment
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#1445481 - 01.10.20 16:32 Re: "Rund" um die Ostsee [Re: georgk]
Erwin W.
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 84
Hallo Georg,
vielen Dank für den Reisebericht.Viele der Orte kenne ich von meinen Baltikum-Touren (1995, 2001, 2004, 2015, 2019). Trotzdem zieht es mich immer wieder dorthin.
Bist Du komplett alleine gefahren? Mir wäre das zu einsam, brauche einen der abends das Bier holen geht.
Gruß
Erwin
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#1448163 - 04.11.20 17:35 Re: "Rund" um die Ostsee [Re: Erwin W.]
georgk
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 185
Hallo Erwin

Obwohl ich in den letzten Jahren auch bei einigen Gruppenreisen teilgenommen habe, schätze ich die Unabhängigkeit und Flexibilität des Alleinreisens. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dabei viel leichter Kontakte zu anderen Reisenden oder auch zu Einheimischen entstehen. Zudem fotografiere ich sehr gerne, was nicht für jeden Begleiter spannend sein muss, wenn ich wegen eines interessanten Motivs bereits einige Minuten nach einem Stopp schon wieder anhalten will. Zudem liebe ich eine ausführliche Planung der Streckenführung, um dann unterwegs doch die eine oder andere Aenderung vorzunehmen. Halt nach Lust, Laune und Wetter!

Herzlichst, Georg


Hallo Georg,

dein Beitrag enthielt sehr viele unnötige Absatzmarken und damit Umbrüche mitten in den Sätzen. In den Hinweisen an die Beitragsschreiber steht deshalb:

Zitat:
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Mit der Bitte um Beachtung.

Geändert von Uli (06.11.20 09:41)
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