Radreise & Fernradler Forum
Radreise & Fernradler Forum
Wer ist online?
16 Mitglieder (Gitanesraucher, NoMotorNeeded, Uli S., KaivK, joese, Genußradler-HB, MarcS, 6 unsichtbar), 101 Gäste und 296 Suchmaschinen sind im Forum unterwegs.
Details
Erweitert
Rund ums Forum
Regeln
Die Regeln für dieses Forum
Nutzungsbedingungen
Vereinbarungen für die Benutzung
Das Team
Wer steht hinter dem Forum?
Verifizierung
Offenlegung deiner Identität
Beteiligte Homepages
Radreise-Seiten, die das Forum eingebunden haben
Mach mit!
Dieses Forum für deine Homepage
RSS Feeds RSS
Eine Übersicht öffentlicher RSS Feeds
Plauderecke
Zum Unterhalten und Plauschen
Die Geschichte
Die Geschichte des Forums
Spende
Unterstütze das Forum
Radreise-Wiki
Partnerseiten
Statistik
27591 Mitglieder
92889 Themen
1437357 Beiträge

In den letzten 12 Monaten waren 3162 Mitglieder aktiv. Die bislang meiste Aktivität war am 23.01.20 13:09 mit 2187 Besuchern gleichzeitig.
mehr...
Themenoptionen
#1449604 - 19.11.20 14:18 Main, Tauber, Altmühl
Gerhard O
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 343
Dauer:8 Tage
Zeitraum:12.8.2020 bis 19.8.2020
Entfernung:483 Kilometer
Bereiste Länder:deDeutschland

Entlang an Main, Tauber und Altmühl

Im August ergab sich für mich die Möglichkeit, nochmal für einige Tage auf Radtour zu gehen. Die Coronalage in Deutschland hatte sich etwas stabilisiert. Auch in Baden-Württemberg und Bayern waren Zeltplätze und Restaurants wieder offen.

In meiner Winterplanung für die Tour Mai/Juni waren schon Tauber– und Altmühlradweg enthalten. Warum sollte ich das jetzt nicht in Angriff nehmen? Für die Anfahrt von zu Hause aus war der Weg für eine Kurzreise zu weit, aber es gibt ja die Deutsche Bahn! Wo könnte die Reise starten? Meine Wahl fiel auf Frankfurt/Main, denn da komme ich mit der Bahn gut hin. Eine preiswerte Schnellzugverbindung mit Fahrradmitnahme konnte ich aber kurzfristig nicht buchen. Das Quer-durchs-Land-Ticket bleibt als Alternative, noch dazu vollkommen flexibel. Für die Rückreise bleibt ohnehin nur diese Fahrkarte, denn ich wußte nicht, bis wann ich wie weit komme.

Reisebeginn war der 12. August und am 24. August mußte ich wegen Arztterminen spätestens zurück sein.

Die Bildergalerie (hier klicken) zeigt alle meiner Bilder der Tour.

Tour Übersicht (hier klicken)


Tag 1: Mittwoch, 12.8.2020
Frankfurt Hbf – Kahl, 33km

Das Abenteuer ‚Deutsche Bahn‘ konnte beginnen. Das Quer-durchs-Land-Ticket gilt wochentags ab 9.00 Uhr und den ersten Zug nach 9 Uhr Richtung Köln wollte ich nehmen. Um 8.30 Uhr war ich auf dem Rad



und wenige Minuten später am Bahnhof. Am Oberhausener Hauptbahnhof gibt es einen(!) Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn. Hier wollte ich mit Hilfe meiner VISA-Karte das Ticket ziehen. Das genaue Verhalten des Automaten kann ich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen. Ich erinnere mich nur noch an Meldungen wie ‚Bitte warten‘, ‚Karte nicht lesbar‘, ‚Bitte wiederholen‘, ‚Bitte warten‘ und plötzlich nach mehreren Minuten kam eine bedruckte Karte aus dem Apparat. Was die Karte bedeutete, erriet ich nicht, aber eine Fahrkarte für mich oder mein Fahrrad war es keinesfalls! Auf dem Display stand immer noch: ‚Bitte warten‘! Ich wartete …. …. und wartete ….. und die Meldung wechselte auf: ‚48 Euro erfolgreich abgebucht‘. Danach warf der Automat meine VISA-Karte aus und wechselte in den ganz normalen ‚Warte auf Kunden‘-Modus. Eine Fahrkarte hatte ich immer noch nicht! Was nun? 48€ in den Wind schreiben und nochmal versuchen? Zum Infoschalter gehen? Eine evtl. Störungsnummer ausfindig machen und anrufen? Und während ich noch überlegte, sprang der Drucker wieder an und es kamen 2 Karten aus dem Schlitz: meine Fahrkarte und meine Fahrradkarte! Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Vom Erreichen des Automaten bis zum erfolgreichen Abschluß hatte ich allerdings 15 bange Minuten.

Meinen Zug um 9.33 Uhr habe ich trotzdem noch ohne Hetze erreicht und ich war fast allein im Abteil.



Aber nur bis Duisburg, danach wurde es voller. Beim Umsteigen in Köln erhielt ich von einer Schaffnerin den Hinweis: „Sie müssen abpacken. Der Zug hat 6 Fahrradplätze und auf dem Bahnsteig stehen schon 10 Fahrräder“!

Ab Koblenz wurde es noch voller. Im Maximum hatte ich 13 Räder im Fahrradabteil gezählt.



Kurz vor 15 Uhr war ich pünktlich in Frankfurt und um 15.15 Uhr war ich auf dem Mainradweg.



Auf bekannten Wegen (Radreise 2020 + Radreise 2016) fuhr ich den Main aufwärts.



Biergärten ignorierte ich, denn ich war noch von zu Hause aus gut versorgt, und wollte schnell bis zum Camping Kahl kommen. Schließlich wußte ich nicht, ob ich wirklich unterkomme oder einen Ausweichplatz finden muß.



Der Campingplatz am Kahler Badesee ist ein volkseigener Betrieb von der Gemeinde betriebener Platz. Ich stellte mich an der Rezeption an und wartete. Vor mir war ein Mann mit einer Dauerkarte für den Badesee. Nach sorgfältiger Prüfung der Badegästebelegungsliste wurde ihm dann mitgeteilt, daß er trotz gültiger Eintrittskarte nicht an den See könne, weil laut Coronaverordnung die maximale Anzahl der Badegäste erreicht wäre.

Für mich und mein Zelt gab es noch einen Platz am See – inclusive Badeberechtigung! Meine Anmeldung beschäftige 2 Angestellte und ich bekam so viel Papier (im DIN A4 – Format) ausgehändigt wie noch nie auf einem Campingplatz. Zum Schluß wurde ich noch darauf hingewiesen, daß da ein Passierschein dabei ist, den ich unbedingt beim Verlassen des Platzes, z.B., um im Restaurant essen zu gehen, dabei haben muß. Ohne diesen Schein kann ich den Platz nach 20 Uhr nicht mehr betreten! Nach nur 20 Minuten an der Rezeption war ich schon eingecheckt! teuflisch

Ein Übersichtsplan des Campingsplatzes gehörte nicht zu meinen Unterlagen. Hierfür gab es nochmals einen Angestellten mit Auto, der mir meinen Stellplatz zeigte!

Es gab mehrere Reiseradler auf dem Platz, (auch coronamotivierte Erstreisende) mit denen ich mich nach dem Abendessen noch bis zum Einbruch der Dunkelheit bei isotonischen Getränken auf Hopfen- und Malzbasis unterhalten habe.


Tag 2: Donnerstag, 13.8.2020
Kahl - Collenberg, 77km

Morgens beim Zusammenpacken sah es noch nach schönem Wetter aus.



Am Bistro auf dem Platz konnte ich um 8 Uhr meine Pfandflaschen vom Vorabend abgeben und ein einfaches Frühstück bekommen.

Ich machte mich auf den Weg. Im Gegensatz zu mir hatten die Vögel auf den Feldern noch Hunger und suchten nach Futter.



Inzwischen waren dunkle Wolken aufgezogen und bei Aschaffenburg fing es leicht zu regnen an.



Die Stadtbesichtigung ließ ich ausfallen. Es genügte mir, unter dem Stadttor stehend, dem Regen zuzusehen.



Bald konnte ich trocken weiterfahren, aber in Wörth regnete es schon wieder. So suchte und fand ich ein Restaurant zum Mittagessen und wartete dort, bis der Regen aufhörte.

Miltenberg sollte das Ende meiner Tagesetappe sein.



Es war aber erst 15 Uhr und eigentlich zu früh, den Tag zu beenden. Freudenberg und Wertheim haben ebenfalls einen Zeltplatz und so wählte ich Wertheim als Tagesziel aus. Wertheim konnte ich gut über den Mainradweg erreichen.

Mehrere Kilometer vor Wertheim in Collenberg erblickte ich am Wegesrand einen Campingplatz – sogar mit Gaststätte. Obwohl es erst 16 Uhr war, beschloß ich spontan, hier zu bleiben. Beim Anmelden erfuhr ich, daß die Gaststätte nur am Wochenende geöffnet hat. Der Platzwart erklärte mir bereitwillig den Weg zum Bistro im Ort, und dort aß ich eine Riesenpizza für wenig Geld.


Tag 3: Freitag, 14.8.2020
Collenberg - Bad Mergentheim , 74km

Schon um 7.30 Uhr war ich unterwegs und fuhr im nächsten Ort (Dorfprozelten) den ersten Bäcker an.



Hier bekam ich aber kein Frühstück. Auf meine Frage, wo es denn einen Bäcker mit Frühstücksmöglichkeit gäbe, bekam ich zur Antwort:
„Weiß ich nicht. Hier im Ort jedenfalls nicht, vielleicht in Wertheim.“
Hungrig fuhr ich weiter, aber schon nach nur 300m fiel mein Blick auf eine Bäckerei mit Tischen und Stühlen und einer Kundenschlange bis auf den Gehweg.

Nach einer knappen halben Stunde war ich gut gestärkt bereit zur Weiterfahrt.

Aus dem Wasser und den Wäldern stieg Nebel auf. Das deutete auf einen schönen Tag hin.



Will man wie ich vom Mainradweg zum Tauberradweg fahren, verläßt man am besten vor Wertheim den Mainradweg und wechselt die Mainseite. Die Wertheimer Altstadt sieht man dann nicht, aber immerhin die Burg von unten.



In Wertheim mündet die Tauber in den Main und hier bog ich auf den ‚Lieblichen Tauberradweg‘ ab.



Der Radweg verläuft weitgehend eben, aber ein paar knackige Steigungen gibt es schon! Ein Abstecher zum Kloster Bronnbach ist empfehlenswert. Da ich aber auf früheren Reisen schon zweimal dort war, verzichtete ich darauf.

Die Sonne schien immer heißer vom Himmel. Um die Mittagzeit entdeckte ich kurz vor Tauberbischofsheim einen schattigen Biergarten. Der richtige Ort und die richtige Zeit für eine Pause mit Weizenbier und Wurstsalat.

Wenig später war ich in Tauberbischofsheim.



Tauberbischofsheim hat eine nette Altstadt, die ich langsam und mit kleinen Umwegen durchquerte.



Den Weg an Main und Tauber bis hier hin hatte ich früher schon mal gefahren. Ab jetzt erkundete ich neues Terrain. Lauda war für mich ein bekannter Ort aus meiner beruflichen Tätigkeit, aber körperlich war ich dort noch nie!



An Bad Mergentheim konnte ich mich kaum erinnern. Hier hatte ich vor Jahren schon mal bei einer Radtour übernachtet. Wie man hier nachlesen kann hatte es aber geregnet. Von der Stadt selbst sind bei mir keine Erinnerungen im Gedächtnis hängen geblieben und Bilder hatte ich auch nur wenige gemacht.



Bei der diesjährigen Tour war aber bestes Wetter.



Der Campingplatz liegt einige Kilometer außerhalb der Stadt und die Fahrt dorthin war ein kleines Abenteuer. Die Zufahrtsstraße zum Zeltplatz war wegen einer Baustelle gesperrt. Ich getraute mich nicht, auf dem frischen Teer durch die Baustelle zu fahren. Ich hatte Angst, kleben zu bleiben. Einheimische Radfahrer zeigten mir einen Radweg durch die Felder und meinten, daß ich auch auf diesem Weg zum Campingplatz komme.

Ich fuhr den Weg und nach einiger Zeit kam ein Wegweiser: ‚Zum Campingplatz‘. Ein abenteuerlicher Trampelpfad führte durch die Wiesen und dann befand ich mich wieder auf der gesperrten Straße. Diesmal traute ich mich (zwangsläufig), über den klebrigen Teer zu fahren.

Der Platzwart war außer sich, als er erfuhr, daß die Zufahrt zum Campingplatz gesperrt ist.
„Es war ausgemacht, daß die Zufahrt Tag und Nacht fahrbar und geöffnet ist!“ und anschließend war er längere Zeit am Telefonieren.

Das Restaurant am Platz war wegen Besitzerwechsel geschlossen. Bier gab’s beim Platzwart und so lebte ich aus meiner Packtasche. Abends erschien noch eine Radfahrerin, die sich mutig durch die Baustelle getraut hatte.

Sie wollte ebenfalls an der Tauber entlangfahren und sich in Rothenburg mit Freunden treffen. Der Platzwart hatte schon Feierabend und somit gab es kein Bier mehr. Ich konnte aber mit Rotwein aus meiner Packtasche aushelfen und wir saßen bis zum Einbruch der Dunkelheit gemütlich beisammen.


Tag 4: Samstag, 15.8.2020
Bad Mergentheim - Rothenburg ob der Tauber , 55km

Ich war gerade auf dem Weg zum Sanitärgebäude, als hinter mir aus dem Zeltbereich ein lautes ‚Knack‘ vernehmbar war. Ein kurzer Blick zurück zeigte aber nichts Auffälliges. Später, beim Zeltabbau, fand ich eine gebrochene Zeltstange. Ich hatte hierfür eine Reparaturhülse mit und somit war dieser Schaden ärgerlich, aber kein Grund, die Tour abzubrechen.

Meine Zeltnachbarin Karin war gleichzeitig mit mir abfahrbereit und so wurde sie meine Reisebegleiterin für den heutigen Tag. Um an die Tauber zu kommen, mußten wir zurück nach Bad Mergentheim. Dort fanden wir dann schnell eine Bäckerei für unser Frühstück.

Auf dem Tauberradweg ging es weiter Richtung Markelsheim



und weiter nach Weikersheim.



Am Marktplatz machten wir eine Pause und schauten uns den Schloßpark und die Stadtkirche an.



Durch den Gänsturm verließen wir die Stadt.



Wir folgten weiter dem Tauberradweg. In Röttingen überlegten wir, einen Biergarten für die Mittagspause zu suchen. Es war aber noch nicht Mittag und alle in Frage kommenden Gasthäuser hatten noch geschlossen.



Erst in Creglingen fanden wir dann etwas Passendes und kehrten ein.



Zeit hatten wir genug, denn die geplante Tagesstrecke bis Rothenburg war recht kurz und leicht zu fahren. Hin und wieder blieben wir auch stehen, nur um die Landschaft zu betrachten.



Zwischenzeitlich hatte Karin die Nachricht bekommen, daß der bevorzugte Campingplatz Tauberidyll belegt wäre und ihre Freunde auf den Nachbarplatz Tauberromatik ausgewichen wären. Tauberidyll liegt am Weg und wurde daher von uns zuerst erreicht. Diesen Platz hatte ich mir als Ziel erwählt, weil er ein kleines Bistro hat. Wie schon befürchtet, hat man auch mich zum nächsten Platz weitergeschickt. Dort hat Karin ihre Freunde getroffen und ich bin ebenfalls untergekommen.

Da es auf diesem Platz keine Gastronomie gab, bin ich abends noch 2 km zum nächsten Biergarten gefahren.

Die beiden Campingplätze und der Biergarten liegen kurz vor Rothenburg im Stadtteil Detwang. Vom Stadtkern Rothenburg kann man von hier aus nichts erkennen!


Tag 5: Sonntag, 16.8.2020
Rothenburg - Gunzenhausen, 86km

In Detwang gibt es keinen Bäcker und so machte ich mich wieder mal hungrig auf den Weg. Bald tauchte auf dem Hügel vor mir die Silhouette von Rothenburg auf.



Rothenburg hatte ich früher schon mal besucht und daher keine Stadtbesichtigung eingeplant. Außerdem führte mein Radweg an der Altstadt vorbei und ich freute mich, den Berg, auf dem die Stadt liegt, nicht erklimmen zu müssen. Zu meinem Erstaunen führte der Weg aber ständig bergauf bis ich vor der Stadtmauer war.



Als mein weiterer Weg mich vor ein Stadttor führte, beschloß ich, hier in der Stadt nach einen Bäcker zu schauen.



Schon nach wenigen 100m hatte ich meinen Frühstücksplatz gefunden.

Weil Rothenburg durchaus auch zweimal besucht werden darf, schloß sich eine kleine Stadtrundfahrt an.



Daß die ganze Stadt mit Kopfstein gepflastert ist, habe ich in Kauf genommen.



Durch das Galgentor verließ ich die Stadt wieder.



Als nächstes wollte ich den Altmühlradweg fahren. Zwischen der Tauber und der Altmühl liegt ein Höhenzug, den es zu überqueren gilt. Vor Wachsenberg wurde der Weg so steil, daß ich überfordert war. Zum ersten mal in diesem Jahr mußte ich schieben! Den Altmühlursprung erreichte ich danach durch leichtes Bergabrollen auf mäßigem Gefälle.



Die Altmühl verläßt diesen See als kleiner Bach.



Zur Mittagszeit erreichte ich Leutershausen. Das Stadttor deutete auf eine Stadt mit Tradition hin, wo ich fränkische Küche erwarten konnte.



Ein Schild an der Hauptstraße wies auf einen Biergarten im Hinterhof hin. Ich suchte noch nach einem Abstellplatz für mein Rad, als sich ein weiterer Reiseradler zu mir gesellte. Wir saßen dann an einem gemeinsamen Tisch und tauschten Erfahrungen aus. Zum Essen hatte ich mir eine einheimische Spezialität ausgesucht: Stadtwurst. Dazu gab’s natürlich auch einheimisches Bier.

Durch das Tor auf der anderen Seite der Stadt verließen wir dann den Ort.



Städte mit mittelalterlichem Flair gibt es an der Altmühl aber mehrfach, wie z.B. Ornbau.





Der Altmühlradweg ist meist gut und manchmal auch originell ausgeschildert!



Am Altmühlsee angekommen, konnte man von irgendwelchen coronabedingten Badebeschränkungen nichts mehr erkennen – die Liegewiesen waren voll.



Am Camping Herzog am Altmühlsee beendete ich meine heutige Etappe. Essen wollte ich im Restaurant auf dem Platz, aber alle Tische waren belegt und am Eingang hatte sich schon eine Warteschlange gebildet.

Am Seeufer hatte ich beim Vorbeifahren mehrere Imbißmöglichkeiten gesehen. Dort wollte ich jetzt mein Glück versuchen. Ich wurde aber enttäuscht. Das kulinarische Angebot erschöpfte sich in Höchstleistungen wie Fritten mit Ketschup und Bratwurst. Dafür war ich nicht nach Franken gefahren.

Ich spazierte also an der Altmühl entlang zurück zum Campingplatz.



Die Gaststätte hatte sich inzwischen deutlich geleert und ich konnte dort problemlos essen – nicht gerade typisch fränkisch, aber gut.


Tag 6: Montag, 17.8.2020
Gunzenhausen - Eichstätt, 75km

Um 7.30 Uhr saß ich wieder auf dem Rad und um 8 Uhr beim Frühstück in Gunzenhausen. Es war gut und so reichlich, daß ich ein Croissant für unterwegs mitnehmen konnte.



Der Radweg ab Gunzenhausen führte durch ebenes und optisch wenig reizvolles Gelände. Der Himmel hatte sich zugezogen und trug ebenfalls zur gedämpften Stimmung bei. Neben dem Weg blühten viele von diesen gelben Blumen. Da es sonst nichts zu knipsen gab, habe ich halt Blumen fotografiert.



Bei Windsfeld fand ich einen Rastplatz mit Wasserspender. Hier wollte ich mein Croissant essen. Ein Schild wies aber darauf hin, daß das Wasser wegen Corona nicht fließt!



Da war ich jetzt eigen: kein Wasser – keine Pause!

Bei Treuchtlingen hatte man einen optischen Blickfang an den Weg gestellt: eine alte Dampflok.



Die Stadt selber ist da eher arm an Sehenswürdigkeiten.



Mein Aufenthalt in der Stadt verlängerte sich aber aus einem anderen Grund – es fing an zu regnen. Ich stellte mich unter ein Vordach des örtlichen Schwimmbades und wartete auf besseres Wetter. Das gab mir Gelegenheit, endlich das Croissant zu verspeisen. Dabei konnte ich Badegäste im Regen beobachten (Coronavorschriften: Baden in der Halle möglich – zum Umziehen raus in den Regen!)

Nach etwa 40 Minuten hörte der Regen auf und ich fuhr weiter. Der weg wurde etwas abwechslungsreicher, aber auch welliger.



Die Altmühl fließt hier durch die Ausläufer der Fränkischen Alb. In einem engen Tal liegt Pappenheim.



Ich überlegte, ob ich durch die Altstadt zur Burg hochfahre, ließ es dann aber (Faulheit siegt!) und fotografierte die Burg nur von unten.



Immer wieder sind links oder rechts die weißen Kalksteinfelsen der Alb zu sehen.



Der Radweg selbst hingegen verläuft relativ eben.

Bei Altendorf erinnert ein Gedenkstein daran, daß hier in der Nähe mehrere Versteinerungen des Urvogels Archaeopteryx gefunden wurden.



Immer wieder säumen Kalksteinfelsen den Weg.



Einige davon werden auch für Kletterübungen genutzt.



In Eichstätt sollte meine Tagesetappe zu Ende gehe. Seerosen am Ortseingang begrüßen den Radfahrer.



Der Weg führte mitten durch die Altstadt. Neben der Besichtigung der Gebäude interessierten mich vor allem die Gasthäuser, da ich wußte, daß es am Campingplatz keine Möglichkeit zu Einkehr gibt.



Der Campingplatz in Eichstätt wird genauso wie der am Kahler See von der Gemeinde betrieben, ist aber organisatorisch das genaue Gegenteil. Es gibt keine Rezeption und kein Aufsichtspersonal. Auf dem Platz steht ein Parkautomat und dort zieht sich jeder Camper für 10€ ein Parkticket, bezahlbar in Münzen oder EC-Karte (keine Scheine!). Dieses Ticket gilt für 24h für 1 Zelt oder 1 Wohnmobil, egal wie viele Personen. Die Dusche funktioniert mit Münzen. Personal kommt 1 mal täglich zum Reinigen der Sanitäranlagen. Kontrollen soll es geben, ich habe aber niemand gesehen.

Meine Inspektionsrunde durch die Stadt während der Anfahrt war erfolgreich gewesen. Ich wußte jetzt, wo es einen Biergarten gibt, der Schäuferla auf der Karte hat. Hierhin führte abends mein Weg, natürlich zu Fuß. Fränkisches Bier zum fränkischen Schäuferla ist ein Muß! Mit etwas Glück habe ich noch einen Platz bekommen, denn das Lokal war ausgebucht!


Tag 7: Dienstag, 18.8.2020
Eichstätt - Wallesau, 71km

Beim Zelt abbauen warf ich routinemäßig einen Blick auf meine Zeltstangenreparaturhülse. Mit staunenden Augen entdeckte ich einen Riß im Aluminium. Jetzt klingelten bei mir alle Alarmglocken. Sofort prüfte ich jedes einzelne Teilstück meines Zeltgestänges und fand 4 weitere Risse! Das Ende der Nutzungsdauer der Aluminiumstangen war erreicht (Schwingungsrißkorrosion), mein Vertrauen in das Zelt war erschüttert. Für einen weiteren Stangenbruch hätte ich kein Reparaturmaterial mehr gehabt. Ich beschloß, die Tour umzuplanen und auf kürzesten Weg nach Nürnberg zu fahren, um den dortigen Bahnhof zu erreichen.

Morgens ein kurzer Abstecher in die Stadt zum Frühstück und dann war ich wieder auf dem Altmühlradweg.



Die Strecke ist weiterhin abwechslungsreich. Kleine Orte und alte Wassermühlen liegen am Weg.



Bei Arnsberg (nicht das im Sauerland) grüßt eine Burg von den Bergeshöhen.



Bei Kinding verließ ich den Altmühlradweg und fuhr nach Greding. Hier erwischte mich ein Regenschauer und ich stellte mich unter einem Vordach unter. Andere Radfahrer suchten hier ebenfalls Schutz. Dabei erfuhr ich, daß ich von jetzt ab auf einem Eisenbahnradweg, der Gredlbahn, unterwegs bin.

Als der Regen aufgehört hatte, fuhr ich weiter. Der Weg war aber nicht eben, sondern es ging ständig leicht bergauf. Zur Mittagszeit hatte ich Thalmässing erreicht. Am Marktplatz gab es ein Restaurant und das nutzte ich für eine Pause. Noch einmal fränkisch essen, dachte ich. Die dort erhältlichen fränkischen Bratwürste mit Kartoffelsalat lösten bei mir jedoch keine Begeisterungsstürme aus.

Bei Alfershausen hatte ich den höchsten Punkt der Bahnlinie erreicht. Ein Kunstwerk wies darauf hin, daß hier die Wasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmehr (eigentlich Schwarzem Meer) verläuft.



Bei Wachsenberg hatte ich schon einmal diese Wasserscheide überquert, allerdings ohne es zu merken. Kein Schild hatte darauf hingewiesen. Die Landkarte zeigt aber: die Tauber fließt in den Main und somit in die Nordsee und die Altmühl mündet in die Donau. Das Wasser fließt also ins Schwarze Meer.

Mein Radweg hatte ab jetzt keine Steigung mehr.



Bei Seiboldsmühle bog ich von der Gredlbahn ab, um zu meinem Campingplatz bei Wallesau zu kommen. Dieser Weg hatte natürlich ein paar Anstiege.



Den Campingplatz in Wallesau hatte ich ausgesucht, weil ich von hier aus den Bahnhof in Roth oder den Bahnhof in Hilpoltstein leicht erreichen konnte. Sollten keine brauchbaren Verbindungen vorhanden sein, konnte ich auch bis Nürnberg zum Bahnhof fahren.

Eine Gaststätte hatte dieser Platz auch – und die Gaststätte war geöffnet!

Abends habe ich mittels der DB-App die Verbindungen geprüft. Roth hat die Auswahl gewonnen. Als die Verbindung klar war, habe ich noch meine Frau angerufen und vorgewarnt, daß sie morgen mit der vorzeitigen Heimkehr ihres ‚Göttergatten‘ rechnen darf!


Tag 8: Mittwoch, 19.8.2020
Wallesau - Roth, 10km



Um halb Acht Uhr war ich auf dem Weg nach Roth, denn ich wollte einen möglichst frühen Zug nach Nürnberg erreichen. Eine halbe Stunde dauerte die Fahrt in die Stadt. Ich hatte also genügend Zeit für ein ausgiebiges Frühstück in Roth. Für Unterwegs habe ich mir noch eine Brezel mitgenommen.



8.45 Uhr war ich am Bahnhof. Nun galt es eine Fahrkarte zu ziehen. Der Bahnhof hatte 2(!) DB-Automaten. Mein schon erprobter Kampf gegen die Maschine konnte beginnen. Der erste Automat weigerte sich anfangs, meine VISA-Karte zu lesen, akzeptierte sie dann aber doch. Als alle Daten eingegeben waren, kam die Meldung: ‘Drucker nicht bereit‘ und der Automat stellte sich auf Anfang.

Also gut, nehme ich den anderen Automaten – und, man glaubt es kaum, - in nur wenigen Augenblicken hatte ich die benötigten Fahrkarten. Jetzt wollte ich noch den Fahrplan ausdrucken. Die Eingaben wurden getätigt und als der Ausdruck beginnen sollte, kam die Meldung: ‚Ausdruck nicht möglich!‘

Ich war aber hartnäckig und versuchte wieder den ersten Automaten. Nachdem die Strecke eingegeben war und der Ausdruck beginnen sollte …. hat die Maschine den Verbindungsplan gedruckt. Der Drucker hatte sich in der Zwischenzeit von selbst repariert!

Die Rückfahrt verlief unspektakulär. Die Regionalzüge waren voll, aber die Radabteile waren nicht so überfüllt wie bei der Hinfahrt nach Frankfurt. Trotz viermaligem Umsteigen habe ich jeden Anschlußzug erreicht und war um 18.30 Uhr zu Hause. Es zieht sich eben, mit Regionalzügen quer durch Deutschland zu fahren, aber es geht!


Fazit

Die Radreise hat trotz Coronaeinschränkungen Spaß gemacht. Vor allem das Altmühltal ab Pappenheim flußabwärts ist landschaftlich sehr reizvoll. Schade, daß ich die Tour wegen des maroden Zeltes abbrechen mußte.

Noch ein Wort zur Bahn. Die Fahrkartenautomaten sind offensichtlich schlecht gewartet und technisch nicht in Ordnung. Dafür war das Personal bei dieser Reise ausgesprochen freundlich und entspannt. Was mir an den Regionalzügen besonders gefällt: Das Ein- und Ausladen der Räder ist wesentlich leichter und bequemer als in den Fernzügen.

Viel Spaß beim Lesen!
Gerhard
___
lieber ein gemeiner Berg als ein hinterhältiger Wind
Nach oben   Versenden Drucken
#1449690 - 19.11.20 21:38 Re: Main, Tauber, Altmühl [Re: Gerhard O]
Sonne_Wolken
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 74
Hallo Gerhard,

danke das du uns wieder mit auf die Reise genommen hast. Schade das du vorzeitig abbrechen musstest. Hoffentlich findest du Ersatz für die Zeltstangen.

Eine Reise nach Süden lohnt sich doch immer. Das Altmühltal kenne ich auch ein wenig, ist aber ewig her das ich dort war.
LG Jennifer
Nach oben   Versenden Drucken
#1449705 - 20.11.20 07:37 Re: Main, Tauber, Altmühl [Re: Gerhard O]
cyclerps
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 3546
Moin Gerhard,
schade das Du Dir nicht in Creglingen den Riemenschneider Altar angeschaut hast. Sollte man gesehen haben.
Die knackigen Anstiege an der Tauber lassen mich heut noch müd` werden. Zu guter letzt hab ich nach Rotenburg die Franzosensteige hochgedrückt..... .
Hinter Rotenburg, wenn man unter der Autobahnbrücke durchgefahren ist, hättest Du können ein Stück den Burgenradweg (ohne Anstieg zur Frankenhöhe) nehmen der wieder auf die Altmühlroute trifft...

Danke für den wie immer unterhaltsamen Beitrag.
Gruss
Markus
Forza Victoria !

When nothing goes right -> go left!
Nach oben   Versenden Drucken
#1449737 - 20.11.20 11:12 Re: Main, Tauber, Altmühl [Re: Sonne_Wolken]
Gerhard O
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 343
In Antwort auf: Sonne_Wolken
Hoffentlich findest du Ersatz für die Zeltstangen
Das erfährst du im nächsten Bericht (hoffentlich noch vor Weihnachten grins)
___
lieber ein gemeiner Berg als ein hinterhältiger Wind
Nach oben   Versenden Drucken
#1449739 - 20.11.20 11:32 Re: Main, Tauber, Altmühl [Re: cyclerps]
Gerhard O
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 343
In Antwort auf: cyclerps
Moin Gerhard,
schade das Du Dir nicht in Creglingen den Riemenschneider Altar angeschaut hast. Sollte man gesehen haben.
Wirklich Schade! (ich habe gegoogelt) Das ist mir bei den Vorbereitungen durchgegangen, vermutlich weil die Kirche etwas abseits vom Tauberradweg liegt. böse
Dafür war ich an der Dorfkirche im Ort, aber die ist nicht erwähnenswert!
In Antwort auf: cyclerps
Hinter Rotenburg, wenn man unter der Autobahnbrücke durchgefahren ist, hättest Du können ein Stück den Burgenradweg (ohne Anstieg zur Frankenhöhe) nehmen der wieder auf die Altmühlroute trifft..
Den habe ich mit Absicht ausgelassen, weil er nicht am Altmühlursprung vorbei führt. Daß der andere Weg so steil ist, hatte ich allerdings auch nicht geahnt. traurig
___
lieber ein gemeiner Berg als ein hinterhältiger Wind
Nach oben   Versenden Drucken
#1449742 - 20.11.20 11:48 Re: Main, Tauber, Altmühl [Re: Gerhard O]
natash
Moderator Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 6490
Falls Du den Altar mal anschauen solltest und dann eh in der Gegend bist, es hat da auch noch das keltische Oppidum , von dem allerdings nicht mehr arg viel zu sehen ist. Ich fands trotzdem interessant.
Gruß
Nat
Nach oben   Versenden Drucken
#1449748 - 20.11.20 12:28 Re: Main, Tauber, Altmühl [Re: natash]
Gerhard O
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 343
In Antwort auf: natash
Falls Du den Altar mal anschauen solltest und dann eh in der Gegend bist, es hat da auch noch das keltische Oppidum , von dem allerdings nicht mehr arg viel zu sehen ist. Ich fands trotzdem interessant.
Gruß
Nat
Ich glaube, ich muß da wirklich noch einmal einen Urlaub verbringen.
___
lieber ein gemeiner Berg als ein hinterhältiger Wind
Nach oben   Versenden Drucken
#1449845 - 20.11.20 21:31 Re: Main, Tauber, Altmühl [Re: Gerhard O]
Sonne_Wolken
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 74
In Antwort auf: Gerhard O
In Antwort auf: Sonne_Wolken
Hoffentlich findest du Ersatz für die Zeltstangen
Das erfährst du im nächsten Bericht (hoffentlich noch vor Weihnachten grins)


Warst du schon wieder unterwegs? Oder planst du demnächst noch eine Tour? Bin gespannt.
LG Jennifer
Nach oben   Versenden Drucken
#1449848 - 20.11.20 22:03 Re: Main, Tauber, Altmühl [Re: Sonne_Wolken]
Gerhard O
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 343
In Antwort auf: Sonne_Wolken
Warst du schon wieder unterwegs? Oder planst du demnächst noch eine Tour? Bin gespannt.
Jetzt ist für mich Winter und das ist nicht meine Zeit, schon gar nicht im Lockdown!
Ich war im September noch einmal für einige Tage unterwegs. Am Bericht arbeite ich noch.

LG Gerhard
___
lieber ein gemeiner Berg als ein hinterhältiger Wind
Nach oben   Versenden Drucken
#1449866 - 21.11.20 08:02 Re: Main, Tauber, Altmühl [Re: Gerhard O]
wpau
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 142
Interessante Tour. Werde ich mir merken.
Meine Tour durch das Sauerland reichte mir als Corona Erfahrung und ich habe die Zeit mit Tagestouren überbrückt. Dieses Maske auf und Maske ab war nichts für mich.
Nun habe ich mit meinen 67 Jahren erst bemerkt, wie schön man mittlerweile nach Mülheim, Essen, Gelsenkirchen und andere Städte auf Bahnradwegen fahren kann.
Corona öffnet anscheinend den Horizont für Naherholung.
Nach oben   Versenden Drucken
#1449882 - 21.11.20 12:23 Re: Main, Tauber, Altmühl [Re: wpau]
Gerhard O
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 343
In Antwort auf: wpau
Dieses Maske auf und Maske ab war nichts für mich.
Maske ist lästig, aber man gewöhnt sich dran.
In Antwort auf: wpau
Corona öffnet anscheinend den Horizont für Naherholung.
Meinem Gefühl nach waren die Radwege noch nie so voll wie dieses Jahr!
Gruß
Gerhard

PS: Du bist Leidensgenosse?Kopf hoch und gute Besserung!
___
lieber ein gemeiner Berg als ein hinterhältiger Wind

Geändert von Gerhard O (21.11.20 12:26)
Nach oben   Versenden Drucken


www.bikefreaks.de