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#578947 - 28.12.09 00:43 Alaska - Yukon Territories - British Columbia
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 955
Dauer:
Zeitraum:
Entfernung:0 Kilometer
Bereiste Länder:caKanada
usVereinigte Staaten von Amerika

Bilder gibt es hier: Fotopedia

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Jörg Gondermann

Vision Limited

Von Neugier und Wissen

Ein be-denk-liches Reisetagebuch

Alaska - Yukon Territories - Britsh Columbia

Viertausend Kilometer Erfahrung mit Rad, Truck, Bahn und Kleinlaster

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Ich habe gelernt, dass Erinnerungen wertvoller sind als alle Reichtümer der Welt.

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November 2008

Ich weiß, dass es ein harter Kampf wird.

Freundin, Kinder, Freunde, Athleten, Vorgesetzter, Familiengerichte, Jugendämter, Ex - alle beanspruchen meine Ressourcen. Erwarten, dass ich Leistung und/oder Geld bringe - in welcher Form auch immer. Soziale Verantwortung in einer Wachstumsgesellschaft heißt, einen einmal erreichten Lebensstandard für Kinder und deren KM (terminus technicus der Anwälte für Kindsmütter) mindestens halten zu müssen. It's the law!

Freiwillig weniger arbeiten und weniger verdienen? It's not usual!

Und doch: Ich werde jetzt meinen Traum leben, mein Leben träumen. Ich werde den ganzen Scheiß der letzten Jahre hinter mir lassen. Ich werde mir einen Erinnerungs- und Gefühls-Fundus in Kopf und Herz aufbauen, einen Reichtum, dessen Dividenden ich mir jederzeit auszahlen lassen kann. So was wie den Zieldurchlauf meines ersten Ironman-Rennens in Österreich. Das war Glück pur! Wenn ich abends meine Tagesration Glück noch nicht gefunden habe, denke ich an solche Momente.

Also: Es wird gehen. Im Sinne meines Glückes schwinge ich jetzt den Hammer, ich Schmied - suae quisque fortunae faber est. Die Zeit der Ausreden ist vorbei.

"Into the Wild" hat mich inspiriert. Der Junge hat's richtig gemacht. Ein wenig zu konsequent vielleicht. Ich werde auch in Alaska beginnen, aber nicht da bleiben - auch wenn es eine Option ist, die ich einkalkulieren muss.

Alaska - Mythos, Inspiration und Herausforderung.

Knapp siebenhunderttausend Einwohner verteilen sich auf eine Fläche, die knapp fünfmal so groß ist wie Deutschland. Und von diesen Einwohnern wohnen mehr als die Hälfte in den zehn größten Städten. In Alaska gibt es nichts außer Öl und Landschaft. Und im Sommer Mücken. Jetzt herrschen in Fairbanks Minus zwanzig Grad - tagsüber! Im Sommer gibt es ein Zeitfenster von Mai bis September, in dem die durchschnittliche Temperatur im positiven Bereich liegt. Durchschnitt heißt Statistik. Statistik heißt "wahrscheinlich". Es ist also ebenfalls "wahrscheinlich", nur eben weniger, dass es im Mai/Juni auch mal ziemlich kalt sein kann in Alaska.

Egal - ich muss mich mit der Wahl meines Zeitfensters zwischen Kälte und Mücken entscheiden. Gegen Kälte kann ich mich schützen, gegen Mücken kaum. Die Viecher nagen bei mir an der Psyche. Wenn ich von Leuten höre, die ihren Urlaub in Skandinavien oder Mecklenburg oder an der Donau wegen der kleinen Blutsauger abbrechen, kann ich das nachempfinden. Aber in der Kälte Rad fahren - das mache ich doch gerne. Wieviele Winterkilometer bin ich schon im Deister gefahren, teilweise sogar durch den Schnee schiebend. So schlimm wird's schon nicht werden...

Also: Alaska im Frühjahr.

Im Juli beginnen ja auch die Amis, in den Urlaub zu fahren und bevölkern die Highways mit ihren Recreational Vehicles, den Wohnmobilen, die hierzulande wahrscheinlich eine Omnibus-Zulassung benötigen.

Und wenn ich dann schon mal da bin, nehme ich gleich auch Kanada mit. Damit dürfte dann der erste Teil der Panam geschafft sein. Auf der Karte sind das von Anchorage nach Vancouver rund viereinhalbtausend Kilometer. Sechs Wochen Urlaub - viereinhalbtausend K's - das ist auch für einen Langstreckentriathleten eine Hausnummer. In den einschlägigen Foren habe ich gelesen, dass diese Entfernungen mit dem Reiserad nicht in "Kilo"- sondern in "Mega"-Metern gemessen werden. Danach wären das vierkommafünf Megameter. Die einen schaffen ständig neue Bäbbelchen für Insider auf ihren Klamotten, damit sie "in" oder "hip" sind und es ja auch jeder merkt, die anderen schaffen neue Maßeinheiten, die außerhalb der Gilde für Achselzucken sorgen, auch um "in" zu sein.

In solchen Momenten frage ich mich, was ich eigentlich bin. Ich mag keine Bäbbelchen auf meinen Klamotten, ich mag weiterhin "Kilometer" sagen, auch wenn es die beiden Silben im Wort "tausend" kostet, aber mir trotzdem ein Hilleberg-Zelt mit Bäbbelchen kaufen, weil ich diesen Leuten einfach vertraue. Vielleicht schaffe ich es ja auf dieser Reise, herauszufinden, was ich bin. Oder ob das überhaupt wichtig ist.

Allein schon dafür brauche ich mindestens sechs Wochen. Und für die viereinhalbtausend K's auch. Und für Alaska und Kanada auch.

Von Deutschland aus kann ich entweder nach Anchorage oder nach Fairbanks fliegen. Fairbanks wird donnerstags, Anchorage dienstags angeflogen. Bei nur sechs Wochen Urlaub muss ich mit jedem Tag disponieren. Von Vancouver aus kann ich samstags zurückfliegen, sechseinhalb Wochen für Fairbanks kriege ich nicht genehmigt, fünf Wochen von Fairbanks aus sind mir zu wenig, also bleiben fünfeinhalb Wochen von Anchorage aus.

Zusammengefasst ergibt das folgende Entscheidung: Mitte Mai von Frankfurt nach Anchorage, Ende Juni von Vancouver aus wieder zurück. Urlaub beantragen vom 18.5.2009 bis zum 26.6.2009. Ich kenne jetzt schon die Zweifel und Ausreden meines Vorgesetzten, die er sich einfallen lässt, um mir ein schlechtes Gewissen zu verursachen und die Wichtigkeit seiner Abteilung zu betonen und dass die doch immer funktionieren müsse und so weiter.

Den Jungs wird es egal sein, deren Mutter ist mir egal, das Lauftraining werde ich aufteilen. Sabine wird ihr Veto einlegen und mir vorwerfen, dass ich das doch erstmal mit ihr hätte abstimmen müssen. Es gibt Entscheidungen in diesem Leben, die einfach nur darauf warten, getroffen zu werden. Es gibt Wege in meinem Leben, die ich BEstimmen und nicht ABstimmen muss. Und dieser Weg gehört dazu.

Ja ja, ich bin nicht beziehungsfähig. Wie oft ich das jetzt schon gehört habe. Natürlich bin ich beziehungsfähig! Wenn meine Partnerin die gleichen Prioritäten setzt wie ich. Und zwar aus innen heraus und nicht über eine Anpassung aus Liebe, Angst oder sonstigen Gefühlen mir gegenüber. Ich käme nie auf die Idee, meine großen Prioritäten zugunsten eines fremden Menschen zu ändern. Ich will bei mir bleiben, mich auf mein Zentrum verlassen können und so eine feste Basis für alle Turbulenzen haben.

Von Anchorage nach Vancouver führen zwar nicht so viele Wege, aber es reicht für eine weitere weitreichende Entscheidung. Nehme ich den Denali-Nationalpark mit? Fahre ich über den Denali-Highway? Oder den kürzesten Weg über den Glenn- und Alaska-Highway? Von Anchorage nach Fairbanks sind es gut 600 km, mit Denali kommen nochmal rund 250 dazu. Bis zur kanadischen Grenze würden dann rund 1.350 km auf dem Tacho stehen. Und dann ist der kürzeste Weg nach Vancouver über den Cassiar Highway und den 99 South immer noch rund 2.900 km weit. Aber Banff und Jasper will ich auch fahren. Und dann über den Kettle Valley Railway Richtung Westen nach Vancouver. Also von der kanadischen Grenze im Norden nach Vancouver wären das rund 4.000 km. Undenkbar. Mein Rad wird voll beladen 60 Kilo wiegen und nebenbei käme ich auf gut 30.000 Höhenmeter.

OK - Jetzt mach ich mich nicht verrückt und fahre einfach mal los. In Nordamerika gibt es noch die Greyhound-Busse und Eisenbahnen fahren da auch. Außerdem fahren dort alle Leute Pick-Ups und einer wird mich schon mitnehmen, wenn es nötig ist.

<><><><><>

Fortsetzung folgt...
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#578948 - 28.12.09 00:46 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 955
Dezember 2008

"Ich werde nächstes Jahr im Frühjahr sechs Wochen nicht da sein und es wird mein Resturlaub, meine Überstunden und ein Großteil meines Jahresurlaubs drauf gehen. Und im Herbst sind zwei Wochen mit den Jungs eingeplant."

Ich sei nicht in der Lage, mich abzustimmen, sagt sie.

Immer wieder abstimmen, immer wieder Kompromisse schließen - das heißt: Pläne weichspülen. Das was den Kick bringt, aussondern, an die Gemeinschaft anpassen. Das ist nicht das was ich suche.

OK - dann bin ich eben nicht bindungsfähig.

Ich will doch auch gar nicht, dass sich irgendjemand mir anpasst. Ich weiß was ich kann, was ich mir zutrauen kann und was ich bereit bin, aufzugeben.

Was heißt schon aufgeben?

Sechs Wochen zelten - was gebe ich auf? Sechs Wochen Leben in der Natur - was gebe ich auf? Sechs Wochen Radfahren - was gebe ich auf? Sechs Wochen Fotografieren - was gebe ich auf?

Ich ahne, was da als Konsequenz auf mich zukommt...

Irgendwann aber muss ich doch mal anfangen - dafür habe ich mir dieses Monstrum von Fahrrad gekauft, dafür lerne ich seit zwei Jahren die spanische Sprache: Die Panamericana - Traum vieler Fahrrad- und Motorrad-Fahrer. Ich will im Norden anfangen, mich langsam an die fremden Kulturen gewöhnen. Und ich will mit dem Fahrrad fahren. Reisen mit dem Fahrrad ist für mich die entspannteste Art, Natur, Wetter, Menschen, Tiere und Landschaften zu erleben.

<><><><><>

Fortsetzung folgt...

Geändert von joeyyy (28.12.09 00:47)
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#578949 - 28.12.09 00:48 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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Beiträge: 955
19.5.2009

Nachdem ich gestern abend in Frankfurt nochmal am Main langspazierte und heute morgen dann vom Rhein-Main-Flughafen abflog, bin ich schon mal gut in Anchorage gelandet. Fahrrad, Gepäck, Zelt, etc. - alles heile. Mein Mobiltelefon funktioniert nicht - trotz Triband. Egal - es dauert ja sowieso mindestens einen halben Tag, bis jemand bei mir wäre. Und außerdem habe ich noch einen weiteren unnützen Gegenstand, mit dem ich im Notfall nach den Bären werfen könnte ;-)

Das was ich an Weite in der Landschaft aus dem Flieger raus gesehen habe, ist einfach gewaltig. Wir hatten Super-Wetter, konnten Gletscher sehen, im Meer und zwischen den Bergen. Das ist dann schon ein anderes Kaliber als in den Alpen. Schneebedeckte Tundra und Berge - soweit das Auge reicht.

Da wir über Whithorse in Kanada flogen, habe ich auch schon mal den Alaska-Highway von oben inspizieren können. Irgendwie ist da rechts und links noch ziemlich viel Schnee und ich weiß nicht, ob das in den nächsten Tagen wegtaut... Jedenfalls ist das hier nix mit 20 Grad und so. Aber trotz der Kälte kann ich es gut aushalten. Der Weg vom Flughafen zum Hostel, in dem ich heute noch übernachten werde, war angenehm - nur der Wind ist noch etwas kühl.

Der Hinflug war auch deshalb etwas ganz besonderes, da wir den Denali sehen konnten. Der zeigt sich nämlich normalerweise nur ganz selten. Das ist schon ein gewaltiger Brocken - und er steht fast allein in einer eher flachen Landschaft. Im Flieger saßen einige Leute, die ihn besteigen wollen. Das hebe ich mir aber noch etwas auf...

Die Leute hier in Anchorage sagen, dass ich am Wonderlake im Denali-Nationalpark auch jetzt schon ein richtig gutes Moskitonetz bräuchte - meins sei fast schon zu weitmaschig. Jedenfalls sei das "die Hölle". Hmm - nun überlege ich mir natürlich, ob ich meine geplante Route nicht noch ändere. Zumal der Park erst am 6. Juni öffnet und da oben noch mehr Schnee liegt.

Na ja - mal sehen, ich entscheide mich morgen, wenn ich da oben bin. Auf jeden Fall fahre ich den Denali-Hwy - der soll zum Schönsten gehören, was Alaska zu bieten hat.

Irgendwie halten die mich für einen "Crazy German", bei der Ankunft auf dem Flughafen haben sogar die sonst so grimmig schauenden Zollbeamten gelächelt. Einer von denen hat sogar meine Reifen mit einer Desinfektionslösung gereinigt, da der Dreck aus Europa runter sollte - wegen irgendwelcher Infektionsgefahren. Bei uns in Europa sind die Straßen und Wege offensichtlich mit SARS-, Vogel- und Schweinegrippe-Erregern nur so geteert. Ich wundere mich immer wieder, wie ein Land, das das freieste der Erde sein will, einen solchen Verfolgungswahn entwickeln konnte und ihn offensichtlich hegt und pflegt. Trotzdem sind die Menschen hier sehr nett und aufgeschlossen.

Nun denn - morgen geht's mit dem Rad los und dann melde ich mich erst in der nächsten Stadt wieder - keine Ahnung, welche das sein wird und wann ich da ankomme. Zumal "Stadt" hier in Alaska auch jede Fünfhundert-Seelen-Gemeinde sein kann.

Also: Jetzt soll's das erstmal sein. Ich gehe jetzt zum Wal-Mart und kaufe mir Trockenfutter, frisches Obst, Müsli und Schokolade für drei bis vier Tage. Die Leute hier im Hostel sagten, dass ich bis Whitehorse nicht mehr so eine große Auswahl haben werde - und das sind noch über 1.000 Kilometer.

<><><><><>

Fortsetzung folgt...

Geändert von joeyyy (28.12.09 00:55)
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#578951 - 28.12.09 00:48 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 955
20.5.2009

Anchorage - Palmer - Chickaloon: 135 km, über sieben Stunden Nettofahrzeit, Schnitt 18 km/h.

Tja - nun fahre ich doch direkt über den Glenn Highway in Richtung Tok. Der Denali muss warten, bis ich ihn besteige. Die Leute im Hostel sagten, dass der Denali Highway noch verschneit sei. Und mit meinem Sechzig-Kilo-Gefährt ist das kein Vergnügen, durch irgendwelche Schneewehen zu schieben.

Aus Anchorage mit dem Rad rausfahren ist schon mal das erste Abenteuer. Einen Radweg gibt es - ja. Aber der führt direkt neben der Autobahn lang und die ist extrem laut. Außerdem muss man diesen Radweg auch erstmal finden! Nach dem Ortsausgang Anchorage bin ich erstmal rund drei Kilometer mit den Autos, Trucks und Motorrädern auf dem sechsspurigen Glenn-Highway langgefahren.

Irgendwann wurd's mir zu mulmig und ich fuhr eine Einfahrt zum Highway rückwärts hoch, um an einer Kaserne nach dem prognostizierten Radweg zu fragen.

Amis fahren nicht mit dem Rad. Jedenfalls nicht hier. Lance Armstrong kommt aus Texas und nicht aus Alaska. Hier gäbe es keinen Radweg sagen sie. Aber mit etwas Orientierungssinn und nach dem Treffen mit einem Rennradfahrer fand ich den Radweg nach Eagle River und Chugiak.

Insgesamt musste ich jedoch knapp 40 km am (gefühlt) meistbefahrenen Highway Alaskas entlangfahren.

Irgendwann bog ich auf den Old Glenn Hwy ab und ab da wurde es ruhiger. Und schöner!

<><><><><>

Fortsetzung folgt...

Geändert von joeyyy (28.12.09 00:57)
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#591813 - 09.02.10 23:31 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
plon
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 38
Hallo Joeyyy,

wäre super, wenn du den Reisebericht nicht einschlafen lassen würdest. Ich finde ihn nämlich wirklich super.

Also bitte, bitte weiterschreiben.

Schöne Grüße aus Stuttgart,

Ingo
.....gut dass wir drüber geredet haben.
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#592354 - 11.02.10 20:45 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: plon]
Rennrädle
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 6941
ja, dafür bin ich auch. Liest sich ganz spannend. Bitte weiter schreiben.

Gruß Rennrädle

(deren Traum es ist, auch mal Westcanada zu beradeln)
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#592404 - 11.02.10 23:54 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 955
Na gut. Aber eigentlich darf ich ja so gar nicht schreiben, sondern muss alles in den ersten Beitrag stecken, der dann allerdings ziemlich lang werden würde und es mindestens noch bis Herbst dauern würde, bis ich ihn zusammen hätte. Außerdem kriege ich hier meine Bilder nicht eingebaut, was ich gerne würde, was aber nicht funzt, weil ich nicht persönlich bekannt bin. So dann...

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21.5.2009

Wild gezeltet - kalte Nacht - brr... Gut geschlafen, um 8 kommt die Sonne raus, wärmt. Überall Elch-Kacke - habe gestern abend zwei gesehen.

Vor den Riesenviechern habe ich den meisten Respekt. Bären sind neugierig, klopfen an, machen sich bemerkbar, stellen sich zum Kampf. Elche? Elche nicht. Die laufen einfach drauf los. Und wenn ein Zelt im Weg steht, wo einer drin liegt, ist denen das auch egal.

55 km / 4:30 h / Vmax 70,6 km/h! Fährt sich wie ein Motocross-Motorrad, der vollgefederte Trecker, wenn er beladen ist. Absolut ruhig. Bin begeistert. Bergauf dann aber nicht. Gefühlt habe ich schon die ersten 25.000 von insgesamt 30.000 Höhenmetern hinter mir.

Der erste Tag, an dem ich die Weite dieses wunderschönen Landes einatmen konnte. "There's no spot in Alaska that isn't beautiful!" sagte ein alter Mann, der einen Handel mit alten Autos betreibt.

Der Typ ist echt schräg. Aber das sind hier alle. Wer hier lebt, muss das wohl sein. Und da ich mit einem vollbepackten Fahrrad im Land der unbegrenzten Möglichkeiten unterwegs bin, wo es doch Pickups oder Motorhomes oder Trucks gibt, halten mich die Schrägen für mindestens genauso schräg. Das sorgt für schnelles Warmwerden miteinander.

"Where'u from?"

"Germany"

"My Grandparents're from Germany too. From Schduddgoord. Moved to Alaska in ninetyeight."

"Oh - YOUR Grandparents are still ALIVE?"

"In EIGHTEENninetyeight you Joker!"

"Oh!"

Ich konnte feststellen, dass das amerikanische Gesundheitssystem Gebissrenovierungen in den Regionen des Polarkreises nicht mit einschließt. Das hustende Lachen ließ auf einen ordentlichen Konsum von Lucky Strikes in diesem Leben schließen.

"Now I've got to work again!" Gab mir seine Visitenkarte und verschwand in der "Werkstatt".

Schräg eben.

Auf seinem Hof standen alte Chevys und Cadillacs aus den Fünfzigern und Sechzigern. Die aus den amerikanischen Gangsterfilmen mit James Cagney. Rostlauben, denen sogar ich als Nicht-Autofahrer mal wieder etwas abgewinnen konnte. Ein alter Cadillac-Krankenwagen mit diesen Sirenen auf dem Dach ist zum Werkstattwagen umgebaut worden. Geil. Wie der Jaguar E als Leichenwagen in Harold und Maude. Es gibt Autos, die würde ich sogar kaufen.

Mittags fuhr ich an eine Baustelle. An den wartenden Autos vorbei bis nach vorn. Da stand ein Mädel mit 'ner Fahne in der Hand und teilte mir mit, dass der "Headcar" unterwegs sei. Ich schaute offensichtlich so stutzig, dass sie mir gleich erklärte, dass ich die Baustelle nicht mit meinem Rad befahren dürfe und dass ich gleich abgeholt werden würde. ??? Häh ??? Da in Alaska Zeit und Raum unendlich vorhanden ist, erklärte sie mir, wie Baustellen dort funktionieren.

Diese Baustelle sei rund acht Kilometer lang. Der Winter habe den Straßenbelag aufplatzen lassen und das müsse jetzt repariert werden. OK. Verstanden.

Aus versicherungstechnischen Gründen müssen alle Verkehrsteilnehmer durch die Baustelle GEFÜHRT werden. Es fährt also ein Auto mit einem Fahrer - hier allerdings eine Fahrerin - den ganzen Tag in der Baustelle hin und her und bringt die Autoschlangen von einem Ende zum anderen. Und ich hätte Glück, dass dieses Auto ein Pickup sei und mein Fahrrad aufladen könne.

Da ist sie - diese amerikanische Besonderheit mit den Versicherungen. Man darf Katzen nicht zum Trocknen in die Mikrowelle stecken. Das muss in der Bedienungsanleitung stehen, sonst zahlt die Versicherung nicht, wenn's jemand macht und hunderttausend Dollar Schadenersatz verlangt.

Egal. Einer in der Baustellenwarteschlange kam nach vorn zu mir und fragte wer mich den sponsern würde. Ich sagte, dass das meine Idee wäre, ich Werbung nicht mögen würde und insofern das einfach nur für mich täte. Unabhängig und frei - Werte, die den Amerikanern doch eigentlich sympathisch sein müssten. Wenn ich gesponsert wäre, müsste ich mich nach den Geldgebern richten und wäre nicht mehr frei, sagte ich. Pause. "Just for yourself? Unbelievable!"

Nach einer knappen halben Stunde kam der Baustellen-Pickup und eine Frau stieg aus. Ihre Kollegin hatte sie schon per Funk über den "Stranger" mit dem Fahrrad informiert. Eine Frau. Hmm, na ja, sagen wir mal so: Sie behauptete von sich selbst, dass sie "tough" sei. Und selten habe ich einen größeren Einklang von Wort und Bild erlebt.

Die Ladefläche des Pickup war ungefähr einsfünfzig hoch. Die Kante der Heckklappe lag ungefähr bei einsachtzig. Die Heckklappe ließ sich nicht öffnen. "Don't work!". Ich begann also schon mal, die vorderen Packtaschen abzuhängen.

"No, no - I'm tough!" lachte sie mir entgegen. Ich richtete mich auf und sah sie fragend an. "Let's lift it!" forderte sie mich auf. "That's sixty Kilos!" versuchte ich einzuwenden. Aber da die Amis nur in Pound rechnen, ignorierte sie mich und ließ mich auf die Ladefläche klettern.

Was soll ich sagen - es folgte ein Bewegungsablauf, der mich an diese chinesischen Gewichtheberinnen bei Olympia 2008 erinnerte. Und auch die Laute waren ähnlich. Jedenfalls stemmte sie das Interconti mit hinteren Gepäcktaschen, Zelt, Schlafsack, Isomatte, Schloss, Werkzeug, etc. über die nicht arbeitende Heckklappe auf die Ladefläche des Autos. Ich nahm mein Gefährt entgegen und dachte an meinen Bandscheibenvorfall und meine Lendenwirbel. "That's what I said. I'm tough!" Ihre Kollegin mit der Fahne lachte laut, ich kletterte von der Ladefläche auf den Beifahrersitz und ließ mich von Mary durch die Baustelle chauffieren.

Mary ist mit Leib und Seele Baustellenführungsfahrzeugfahrerin. Ganz stolz erklärte sie mir die ganzen Maschinen, die da so arbeiteten und winkte laufend ihren Kolleginnen und Kollegen zu. Das erinnerte mich an die Straßenbahnfahrer in Hannover, die sich auch immer zuwinken. Egal wie oft am Tag sie sich sehen. Also ob ich jedesmal meinem Bürokollegen "Hallo" sage, wenn er oder ich mal aus dem Büro raus- oder reingehen. Hat wohl was von Ritual.

Frauen. Auf den großen Maschinen sitzen in der Regel Frauen. Zierliche Frauen - not tough. Sie seien eben weiter in USA mit der Frauenemanzipation lachte Mary, als ich mein Erstaunen erwähnte. "And we're tough!". Das hat sich mir irgendwie eingeprägt.

Mary zeigte mir ihre Lieblingsstelle in dieser Baustelle. Jedesmal fühlte sie sich ganz stolz, wenn sie hier vorbeikäme.

Letztes Jahr war hier noch ein Berg. Die Leute wären hier Schlitten gefahren, den Berg runter. Aber im Herbst haben ihre Kollegen den Berg in die Luft gesprengt, um die Straße durch zu bauen. Das sei ja doch wohl eine ingenieurstechnische Meisterleistung. So was könnten nur die Amerikaner.

Ich fragte sie ob sie schon mal in Österreich oder der Schweiz gewesen wäre. Dort würde man Löcher in die Berge bohren und durchfahren. Das nenne man "Tunnel" bei uns und das Prinzip würde die Berge schonen. Und als ich noch versuchte, zu erklären, dass - wenn die Berge alle weggesprengt wären - dann keiner mehr käme, weil die Berge weg wären und dann die Straßen und Parkplätze, die durch die Berge gebaut wurden, auch nicht mehr benötigt würden, weil ja keiner mehr käme, war sie erst stutzig und dann - glaube ich - beleidigt.
Ich machte noch ein paar Komplimente und witzelte rum, da ich daran dachte, dass ich das Fahrrad ja wieder von der Ladefläche bringen musste und Mary dabei eine Schlüsselrolle übernehmen müsste.

<><><><><>

Fortsetzung folgt...

Geändert von joeyyy (12.02.10 00:06)
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#592924 - 13.02.10 22:19 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
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Ich bin umgezogen - im Blog geht das einfacher:

http://ghondi.wordpress.com/
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#594935 - 20.02.10 17:02 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
baschdl
Mitglied
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Beiträge: 267
Klasse Bericht, tolle Fotos!
Mit Geduld und Spucke wird das schon.

gruß
Baschdl
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#595446 - 22.02.10 00:55 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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abwesend abwesend
Beiträge: 955
22. und 23. Mai sind jetzt auch drin. Meine Güte, ist das zeitintensiv - hätte ich so nicht gedacht.

Freue mich über Kommentare - auch im Blog.

Ach ja - keine Sorge, ich poste jetzt nicht bei jedem neuen Tag. Vielleicht, wenn der Mai rum ist wieder.

Gruß

Jörg.

Geändert von joeyyy (22.02.10 00:56)
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#595690 - 22.02.10 20:28 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
sigma7
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 3202
Sowohl der Bericht als auch die Bilder machen Lust auf mehr. Danke.


andre
Eat. Sleep. Ride.
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#596439 - 24.02.10 21:02 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
plon
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Beiträge: 38
Hey, supi . . . . .danke Joey fürs weiter schreiben.
.....gut dass wir drüber geredet haben.
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#601186 - 11.03.10 11:52 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: plon]
rollido
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 385
Jörg, super Bericht, Deine Formulierungen, An- und Einsichten sind schon bemerkenswert.
Will in 1-2 Jahren von Alaska nach Feuerland, allerdings mit dem Liegerad.
Bin gespannt auf weitere Meinungen und Infos.
In diesem Sinne : "Hinterm Horizont gehts weiter !"
Der Umweg ist das Ziel und alle Berge im Durchschnitt flach !
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#602263 - 14.03.10 23:47 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
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abwesend abwesend
Beiträge: 955
24. und 25. Mai sind fertig.

Viel Spaß - vielleicht etwas textlastig, aber es gibt auch viel zu erzählen. Mehr Fotos gibt's später.

Gruß

Jörg.
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#602337 - 15.03.10 11:09 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Corinna
Mitglied
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Beiträge: 3
Hallo! Ausgezeichnete Berichte! Weiter so!!! Grüße!
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#602491 - 15.03.10 18:32 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Rennrädle
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 6941
Du hast echt einen guten Schreibstil. Macht Lust auf mehr und vorallem auf eine Radreise...
Grüßle Rennrädle
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#602909 - 17.03.10 00:14 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 955
26. Mai 2009 ist jetzt auch fertig. Noch 28 Tage bis Vancouver - uff...

Gruß

Jörg.

Geändert von joeyyy (17.03.10 00:15)
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#610085 - 11.04.10 11:31 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
esGässje
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 1185
Hi,

wunderschöne Fotos und einen super Bericht von deiner Reise. Vielen Dank dafür.

Viele Grüße
Joachim
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#612372 - 18.04.10 00:32 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 955
27. Mai 2009 mit ein paar Überlegungen zu den Bären...

Gruß

Jörg.

Geändert von joeyyy (18.04.10 00:33)
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#612517 - 18.04.10 19:20 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Rennrädle
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 6941
einfach nur gut...

Freue mich auf den nächsten teil...

Rennrädle
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#618001 - 07.05.10 00:07 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 955
28. Mai 2009 mit ein paar Gedanken zum Besten und Bildern von den Seen in Yukon...

Gruß

Jörg.
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#618140 - 07.05.10 14:50 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
PEpE_PP
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 15
Einfach klasse! Sowohl Bilder als auch der Reisebericht sind überragend! schmunzel
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#621387 - 19.05.10 00:22 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 955
29. Mai 2009 mit ein paar (un)gehörigen Vergleichen und einer guten Autofahrt...

Gruß

Jörg.
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#645210 - 12.08.10 00:48 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
windundwetter
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In Antwort auf: joeyyy
29. Mai 2009 mit ein paar (un)gehörigen Vergleichen und einer guten Autofahrt...

Gruß

Jörg.


Tja. Jetzt hat ihn wohl doch der Bär gefressen. Schade.

R.
Gruß,
Rainer
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#645469 - 12.08.10 23:11 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: windundwetter]
xasso
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Ich hoffe doch sehr, dass es da noch eine Fortsetzung gibt..

Diese Art zu schreiben ist einfach genial - selbst todmüde kann man nicht vom Lesen ablassen..
Null Ahnung von Technik!
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#645688 - 13.08.10 22:57 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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...ich arbeite dran und bereite meine nächste Etappe durch USA vor. Besten Dank für Euren Zuspruch - das lese ich gern!

Übrigens: Die Bären wollten mich zwar fressen, haben's dann aber doch gelassen. Is ja nix dran an mir...

In diesem Bild ist ein Reiseradler versteckt entsetzt

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#646256 - 16.08.10 14:01 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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So, ich hoffe, das Warten hat sich gelohnt. Wenn das Wetter wieder schlechter wird, schreibe ich auch wieder öfter. Will ja fertig sein, wenn die nächste Etappe ansteht...

Hier der neueste Bericht: 30. Mai 2009. Die Familie Rohloff sollte heute mal nicht lesen: "No slogans, just facts!" peinlich

Rückblickend habe ich eine Top-50-Liste begonnen - mal sehen, was im Lauf der Reise noch so alles dazukommt: Top 50

Schönen Gruß

Jörg.

Geändert von joeyyy (16.08.10 14:05)
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#687242 - 25.01.11 09:58 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Daedalus
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Hallo Jörg

Ich lese sehr gerne deine Berichte und bin inspiriert für meine Alaska/Kanada-Reiseplanung.

Wie ging es weiter? Nach dem 30.Mai? Dein Reisetagebuch endet ja Mitten in Kanada...

Beste Grüsse
Thomas
2015: Great Divide Mountain Bike Route
2013: Calgary to San Diego
2010: New York to Seattle
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#687943 - 27.01.11 23:12 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: Daedalus]
joeyyy
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...momentan ist ziemlich viel los bei mir bäh

Außerdem plane ich gerade eine Reise von Faro nach Barcelona im März.

Aber sobald ich wieder etwas mehr Ruhe habe, geht's weiter. Will ja auch so langsam fertig werden...

Gruß

Jörg.
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#699308 - 05.03.11 17:24 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
AK76
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Sehr schön Bilder aus BC zu sehen.
Und ich mag es wenn auch was zu lesen ist.
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#749173 - 14.08.11 19:12 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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Traraaaa: Es geht weiter!

party

30. Mai 2009 - Quads, Jade, kalte Füße



Viel Spaß beim Lesen

Gruß

Jörg.
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#749548 - 16.08.11 00:54 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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...und jetzt im Sauseschritt:

1. Juni 2009 - Beef Ground und Gummibärchen in Dease Lake



Und morgen kommt schon mal ein Wolf

erstaunt
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#749562 - 16.08.11 08:56 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Deul
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Sach mal hastDu etwa Pitlock und ziehst deien Rohloff richtig feste an? Dann verstellen sich nähmlich die Schaltpüunkte und Die Rohloff rutscht durch.

Detlef
Cycling is an addiction, it can drive you quite insane. It can rule your life as truly as strong whiskey and cocaine.
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Off-topic #749567 - 16.08.11 09:12 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: Deul]
joeyyy
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...ja, hatte ich dran.

Nach der Reise hat mein Händler die Rohloff nach Kassel geschickt. Die haben festgestellt, dass irgendwelche Sperrklinken nicht in den dafür vorgesehenen Nischen lagen.

Jedenfalls haben die das gerichtet und danach hatte ich nie wieder Probleme mit der Rohloff.

Und mittlerweile habe ich den Dampfer verkauft und mir zwei neue Räder zugelegt: Ein Idworx für die Fern- und Hardcore-Reisen sowie ein Moulton für die Reisen in Deutschland, um mit dem ICE schnell zu den Ausgangsorten zu gelangen.

Beide Räder haben...

...Rohloff träller

Wenn die Büchse funktioniert, gibt's nix besseres. Und das geschlossene Idworx-Kettenkastensystem ist echt genial. Hätte ich nie gedacht.
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#749692 - 16.08.11 19:13 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Rennrädle
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Deine Berichte zu lesen macht echt einfach nur Spaß. Freue mich schon auf den nächsten Teil...

Gruß Rennrädle
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#750525 - 20.08.11 00:57 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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Bitteschön: Wolf und Adler hätten wir schon mal...

2. Juni 2009 - Wolf pinkelt, Adler trifft nicht, Radler treffen sich



Gruß

Jörg.
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#750569 - 20.08.11 11:30 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Fahrradfips
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Du wolltest dich wirklich mit einem Leatherman gegen Bären verteidigen? entsetzt Respekt!
Gruß, Jonas

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#750601 - 20.08.11 16:51 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
SuseAnne
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Hallo Jörg,

danke, ich freue mich, dass Du weiterschreibst und genieße es.

Netter Gruß von

Suse
Bitte die bestellten Buffs rasch bezahlen. Treffpunkte für die über mich laufenden Raum Stuttgart-Sammelbesteller werden demnächst bekanntgegeben!
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#750818 - 21.08.11 22:53 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: SuseAnne]
joeyyy
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In Antwort auf: SuseAnne
Hallo Jörg,

danke, ich freue mich, dass Du weiterschreibst und genieße es.

Netter Gruß von

Suse


Danke Suse,

freut mich.

Dann genieße weiter: 3. Juni 2009 - Tag der Einheit



Gruß

Jörg.
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#750866 - 22.08.11 09:03 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Juergen
Moderator
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In Antwort auf: joeyyy
ich bin Teil eines großen Ganzen und das große Ganze ist ein Teil von mir. Hier spüre ich das zum ersten Mal in einer besonders berührenden Weise

ich zitier mal aus Deiner Homepage, weil ich dich für diese Beschreibung knutschen könnte. lach
und wenn Du doch mal ein Buch schreibstdafür , dann bestelle ich es hiermit verbindlich vor.

Danke für Deine Berichte
Jürgen
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#750874 - 22.08.11 09:40 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
nöffö
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Mensch Jörg, Dein Bericht und Deine Fotos sind wirklich überwältigend gut!! Super!

liebe Grüße,
Thomas
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#750879 - 22.08.11 10:00 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: nöffö]
mstuedel
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Der Begeisterung meiner Vorposter kann ich mich nur anschleissen.

Aber lass dich im Bestreben, mit der Natur eins zu sein, doch lieber nicht von einem Grizzli oder einem Wolfsrudel auffressen. grins

Gruss
Markus
volvo, ergo sum!

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#751999 - 26.08.11 00:03 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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Vielen Dank für die Kommentare!

Das lese ich gern. Ich hoffe, Ihr habt nix dagegen, wenn ich sie hin und wieder in den Blog übernehme.

Und sie spornen an: 4. Juni 2009 – Blackflies-Strategie und anders sein



Gruß

Jörg.

P.S.: Fressen und Knutschen lasse ich mich nur von ausgewählten Zeitgenoss/inn/en träller
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#760385 - 29.09.11 23:19 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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Ich bin wieder von meiner Spanien-Andorra-Frankreich-Italien-Frankreich-Italien-Schweiz-Tour zurück und mache mich gleich wieder an die Doku meiner Alaska-Kanada-Tour:

Der Bär ist los.

5. Juni 2009 – Ruhetag mit Bären, Menschen und Erinnerungen



Na denn...

Gruß

Jörg.
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#760418 - 30.09.11 09:26 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Juergen
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sensationell bravo
dabei meine ich nicht so sehr die Begegnung mit dem Bären, sondern eher Deine Verknüpfung der Vergangenheit mit der Zukunft im Jetzt am Ruhetag.
und vielleicht wollte der Bär ja nur an Deinen Wurzeln knabbern schmunzel

Herzliche Grüsse
Jürgen
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#760645 - 02.10.11 08:34 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
esGässje
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bravo dafür Danke

Dein Bericht zum Frühstück und der Tag fängt gut an.

Vielen Dank
Joachim
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#760777 - 02.10.11 23:21 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: esGässje]
joeyyy
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In Antwort auf: esGässje
bravo dafür Danke

Dein Bericht zum Frühstück und der Tag fängt gut an.

Vielen Dank
Joachim


...na dann Mahlzeit!

6./7. Juni 2009 – Blackflies, Moskitos, Thunfische



Gruß

Jörg.
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#761372 - 05.10.11 23:46 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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#761690 - 07.10.11 00:39 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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Es bleibt spannend: 9. Juni 2009 – ‘Ksan, Gitxsan, Dakelh






Gruß

Jörg.
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#762392 - 10.10.11 00:24 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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#762528 - 10.10.11 20:34 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Karl der Bergische
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Interessanter Bericht. Hoffe, noch mehr von Dir lesen zu können.
Karl
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#763586 - 14.10.11 22:31 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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#763588 - 14.10.11 22:38 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Rennrädle
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bitte weiter schreiben... schmunzel Lese weiterhin jeden Deiner Tagesberichte sehr gerne.

Danke!

Renata
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#763590 - 14.10.11 22:54 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: Rennrädle]
esGässje
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dafür

Viele Grüße
Joachim
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#764026 - 17.10.11 00:31 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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#764164 - 17.10.11 17:18 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Juergen
Moderator
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au backe.
an diesem Tag, so wie Du ihn beschreibst, hätte ich den Daumen raus gehalten, wäre abgehauen und über Vancouver in die Südsee geschippert. listig
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
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#764177 - 17.10.11 19:48 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
mstuedel
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Gefällt mir sehr gut wie du aufzeigst: ohne Tiefs gibt's auch keine Hochs; "per aspera at astra"
Dies gilt doch speziell für Fernreisen per Rad: Wetterunbill, Topographische Hindernisse, Insekten- Quälgeister, Materialschwierigkeiten, physische Ermüdung, Monotonie und der innere Schweinehund wollen alle überwunden werden.

Gruss
Markus
volvo, ergo sum!

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#764262 - 18.10.11 00:38 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: mstuedel]
joeyyy
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In Antwort auf: mstuedel
Gefällt mir sehr gut wie du aufzeigst: ohne Tiefs gibt's auch keine Hochs; "per aspera at astra"
Dies gilt doch speziell für Fernreisen per Rad: Wetterunbill, Topographische Hindernisse, Insekten- Quälgeister, Materialschwierigkeiten, physische Ermüdung, Monotonie und der innere Schweinehund wollen alle überwunden werden.

Gruss
Markus



Danke. Aber da geht noch was: 14. Juni 2009 – DEET gegen den Wahnsinn, Radfahrers Traum, "delirium sine febre cum furore et audacia" sozusagen.





Gruß

Jörg.

Geändert von joeyyy (18.10.11 00:43)
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#764585 - 19.10.11 00:44 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
mstuedel
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bravo
Tatsächlich noch steigerungsfähig! Hätte da glaub' ich auch lieber die eigenen Prinzipien über Bord geworfen und zu DEET gegriffen.

Gruss
Markus
volvo, ergo sum!

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#914010 - 26.02.13 23:42 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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So, jetzt geht das erstmal in Kanada weiter:

15. Juni 2009 - Williams Lake



Will den Bericht bis Mai fertig haben, dann geht's schließlich weiter - von Vancouver nach Las Vegas durch die Nationalparks der USA.
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#921507 - 20.03.13 23:50 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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Von freundlichen Visitor Information Leuten, Holzlastern, den Secwepemc, Peter Gabriel und Bruce Springsteen, kanadischen Weide-Models und der Zeit der Unbekümmertheit. Alles in einem Tag auf dem Rad: 16. Juni 2009 - Will'Yum


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#927162 - 08.04.13 23:29 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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17. Juni 2009 – 100-Mile-House bis 70-Mile-House

Ich zelte nicht mehr am Highway. Nie wieder! Never ever! Das Zelt steht etwas unterhalb der Straße – die LKWs fahren über mich drüber. Die ganze Nacht. Es ist jetzt zwei Uhr und ich komme maximal zu fünfzehn Minuten Schlaf am Stück. Trotz Ohropax. Ich stöpsel um: Ohropax raus, Ohrhöhrer rein. Madonna volle Lautstärke, ich summe leise mit. Aber schlafen kann ich damit auch nicht. Nach drei Liedern stöpsel ich wieder zurück. Es reicht ja, wenn ich einfach nur liege. Ausruhe. Muss ja morgen nix Intellektuelles leisten. Ein neues Geräusch macht mich neugierig: Regen. Na, prima. Ach, hier ist’s zwar laut, aber trocken und kuschelig. Und so schlafe ich dann auch irgendwann ein.

Ich frühstücke nochmal in dem Hamburger-Restaurant von gestern abend: Pancakes mit Whipped Butter und Obst. Das muss ich zuhause mal ausprobieren: Butter schmelzen, mit Sahne verquirlen und auf den Pfannkuchen schmieren. Im Gegensatz zu hier werde ich natürlich Vollkorn-Mehl für die Mehlspeise nehmen. Und frisches Obst statt die Dosen-Plürre hier. Aber lecker ist’s hier dennoch. Und groß. Großes Land, große Trucks, große Hamburger, große Pancakes. Alles groß hier.

Gegen Mittag komme ich los. Etwas spät, aber das macht nichts. Zelt und Klamotten können derweil trocknen, es hat erst am Morgen aufgehört zu regnen. Aber wirklich trocken werden die Sachen nicht – ich packe nass zusammen. Das sind allerdings gut ein bis zwei Kilo mehr Gewicht auf dem Rad. Und das in den Cariboos und mit meinen leeren Beinen…

Gegen fünf Uhr nachmittags erreiche ich 100-Mile-House und warte ein Gewitter ab, dem ich noch knapp davon fahren konnte. Im Visitor-Center lese ich meinen Mail-Eingang und schreibe ein paar Nachrichten nach Hause. Die Benutzung des Computers ist kostenlos – wie in allen Bibliotheken des Landes. Nachdem ich fertig bin und mich wieder abgemeldet habe, werfe ich einen Dollar in die Kaffeekasse. Das scheint ungewöhnlich zu sein, die ältere Dame hinter dem Tresen bedankt sich freundlich. Draußen hat sich die Luft merklich abgekühlt. Ich fahre los und merke, dass die Knie besser einen Wärmeschutz erhalten sollten. Wo kann ich nach hundert Metern Fahrt besser anhalten und mir meine Knielinge anziehen als bei Dairy Queen? Nirgenwo. Zur Belohnung, dass das alles so wunderbar geklappt hat mit dem Überziehen der Kniewärmer, genehmige ich mir ein Eis. Na ja, einfach nur ein Eis geht hier gar nicht. Das Ding, das ich ordere, heißt “Fudge Brownie Temptation Waffle Bowl Sundae”, wiegt 320 Gramm und erhöht meine heutige Kalorienzufuhr um 950. Effizienter geht das Ausgleichen von Vier-Stunden-Bergauffahrt-Energieverlust nicht. Der Super-Bowl ist eine frisch gebackene Zimtwaffel mit vier Erkern, die mit einem Teppich aus Schokolade ausgelegt ist. In die Mitte wird eine ordentliche Portion Frozen Yoghurt gelassen. Damit der nicht umfällt, stützen ihn einige Früchte in den zuvor erwähnten Erkern. Die widerum werden mit eigens dafür kreiertem Eis drapiert. Da das Auge bekanntlich mit isst und Schokolade auf dem Weltmarkt offensichtlich billig genug zu haben ist, wird – passend zum Waffel-Teppich – ein Überzug aus Schokolade appliziert. Aber nur auf den Gipfelgrat des Frozen Yoghurt. Die Erker erhalten als optische Unterstützung kleine Brownie-Würfel. Das Mädel hinter dem Tresen geht förmlich auf in ihrem Handwerk. Ich bestätige ihr Tun durch meine jahrelange Eis-Expertise und verweise auf den künstlerischen Gehalt dieses Werks. Sie freut sich, ich zahle knapp fünf Dollar plus zwei Quarters Trinkgeld und überlege, ob es jetzt dem Fudge Brownie Temptation Waffle Bowl Sundae gut gehen soll oder mir. Ich entscheide mich für mich, bleibe im Warmen und genieße nach der Optik den Geschmack.

Draußen empfangen mich Kälte und die Trucks. Draußen auf dem Highway überholen sich zwei von den Riesendingern auf eine Brücke, mir mit rund 50 Meilen entgegenkommend. Platz ist da irgendwie nicht allzu viel. Haben die mich nicht gesehen? Ich erinnere mich an meine Fahrt mit Randy, oben in Alaska. Die Jungs sind normalerweise ganz OK, sagte er, hätten alles im Griff. Darauf vertraue ich. Die beiden Ungetüme kommen näher, erst mir und dann sich selbst. Lassen mir so mein Leben. Ich schreie denen irgendwas hinterher, was mit ihren Müttern zu tun hat und bei den Rappern der Ghettos dieses Landes Umgangssprache ist.

Der Cariboo-Highway ist nach Meilen sortiert. Ich hatte mich schon beim Blick auf die Landkarte gefragt, warum die Orte hier numerische Bezeichnungen haben. Es ist wohl so wie mit den Straßen in den Städten: Wo die Kreativität nicht hinkommt oder der Mangel an historisch bedeutsamen Personen oder Partnerstädten groß ist, wird einfach durchnumeriert. Der Ort bei Meile hundert heißt eben 100-Mile-House. Eine Langlauf-Loipe bei Meile 99? 99-Mile-Trail. Baut man einen Bauernhof bei Meile 95, heißt der 95-Mile-Ranch. Ganz einfach. Von 100-Mile-House bis zur 95-Mile-Ranch geht es deutlich bergauf. Einstellige Tachozahlen zermürben mich. Vivaldi baut mich jetzt wieder auf. Ich versuche, den Rhythmus zu halten. Wenn ich bei Gang 2 der Rohloff den Vier-Jahreszeiten-Takt halte, zeigt der Tacho genau 6,8 km/h. Aber das Takttempo ändert sich hin und wieder bei dem alten Italiener. Das heißt, ich variiere mit den Streichern zwischen 5,9 und 7,4 km/h. Das kostet allerdings mehr Kraft als ein gleichmäßiger Tritt. Die Brandenburgischen Konzerte von Bach sind da besser geeignet. Der Rhythmus ist gleichmäßig und kraftschonender. Irgendwie hat sich auch ein Oratorium auf meinen Telefon-Chip verirrt – da ich beide Hände am Lenker habe und bergauf nicht in die Lenkertasche greifen will, um vorzuspulen, höre ich halt zu. Ich weiß gar nicht, wie ich mich fühlen soll. Wenigstens ist der Rhythmus gut.

Auf dem Begbie Summit halte ich nochmal an, um das bis dahin Geschaffte zu genießen, auszuruhen und dann doch die “Vor”-Taste zu drücken. Mit “ora et labora” kann ich nicht viel anfangen, halte es da eher mit Kant: “Betet nicht, räsoniert!” Ein Auto mit zwei jungen Amerikanern hält ebenfalls. Sie müssen pullern, danach beginnen wir eine Unterhaltung. Sie sind kritisch gegenüber dem Tun ihrer Landsleute und würden sich gern mehr für den Erhalt der Welt einbringen. Radfahren wäre eine gute Alternative zum Autofahren, sage ich. Na ja, das wäre zu wenig, meinen sie. Al Gore wäre ein gutes Beispiel für ein Umdenken. Na ja, gut – er hat es geschafft, mit seinen Umwelt-Ideen gemeinsam mit dem Weltklima-Rat den Friedensnobelpreis zu erhalten. Aber ich bin der Meinung, dass Politiker Machtmenschen und letztlich doch Opportunisten sind. Auch Al Gore war in Vietnam, obwohl er den Krieg offiziell ablehnte. Warum geht jemand gegen seine eigenen Überzeugungen in den Krieg? Die beiden Amis sind überrascht, dass ich die Geschichte von Gore einigermaßen gut kenne. Das täte noch nicht mal die Mehrheit der US-Amerikaner. Ich erwidere, dass sich halb Deutschland gefragt hätte, wie jemand die Wahl zum Präsidenten des nach eigenen Angaben demokratischsten Landes der Welt verlieren kann, obwohl er die meisten Stimmen gesammelt hat. Und so haben wir uns dann eben auch mit dem Verlierer beschäftigt. Den “Gewinner” kannten wir ja zur Genüge…

Ich höre mir noch ein wenig an, was ich irgendwann allerdings laberig finde: Die Jungs fahren mit ihrem Auto durch die Gegend und klappern Millionäre ab, um Geld für “gute” Projekte zu sammeln. Ich empfehle nicht Vancouver als Ziel sondern Seattle, um dort Bill Gates anzubaggern. Der hat doch echte Probleme, sein Geld für “gute” Projekte unterzubringen. Vielleicht hat er ja was übrig und Seattle ist ja nicht allzu weit von Vancouver entfernt.

Es ist jetzt halb acht und nachdem die beiden Jungs weg sind, fotografiere ich die Szene nach dem Gewitter noch ein wenig. Es ist faszinierend, was das weiche Abendlicht mit der Landschaft macht. Und dass die Sonne nach den Wolken tagsüber jetzt nicht nur den Rücken sondern auch die Seele wärmt. Unbeschreiblich.

Ich beschließe, auf ein warmes Abendessen irgendwo in einem Ort oder auf einem Zeltplatz zu verzichten und stattdessen hier in der Nähe wild zu zelten und die Situation zu genießen. Brot mit Mandelbutter, Käse und Trailmix (Studentenfutter) sind ja schließlich nicht zu verachten.

Bei 70-Mile-House riecht es nach frisch verbranntem Wald. Die Waldbrände der letzten Tage sind also bis hier hoch gekommen. Bald sehe ich auch die riesigen abgebrannten Streichhölzer, die in der Erde stecken. Stelle mir vor, wie das ist, wenn ich von einem Feuer umzingelt werde. Dann kann ich nur hoffen, dass ich eine Schaufel finde und mich eingraben kann. Das sieht nicht gut aus hier.

Ich biege in einen Feldweg ein und fahre zwei Kilometer. Weg vom Highway, hin zur Ruhe, die ich an einem See finde. Heute übernachte ich im Paradies.

---

Bilder gibt's hier: Artikel und Bilder


Geändert von joeyyy (08.04.13 23:40)
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#927239 - 09.04.13 09:47 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Juergen
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Hallo Jörg,
auch wenn Canada gerade für mich so weit entfernt ist wie der Mars, bin ich froh, dass ich mich mal wieder auf Deine Seite geklickt habe. Die letzten Berichte über Deine Schweiz- und Berlintour sind klasse geworden. Die Photos sowieso. Jetzt hab ich neben der East Side Gallery noch das Bonanza als neues Ziel auf dem Plan. lach

Dankeschön
Jürgen
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
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#1040879 - 14.05.14 00:10 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
joeyyy
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Nach einem turbulenten Jahr Sendepause will ich nun meinen Reisebericht über meine Anchorage-Vancouver-Fahrt zu Ende schreiben:

---

18. Juni 2009: Von Clinton nach Pavillion über DEN Berg





Ich fahre weiter auf dem Highway. Das ist Grund genug für mich, mir wieder meine Stöpsel in die Ohren zu stecken und Musik zu hören.

Ich trete so vor mich hin, als mich John Lennon ansingt. Zunächst singe ich einfach so mit, bis der erste Refrain ertönt: I’m just sitting here watching the wheels go round and round, I really love to watch them roll.

Irgendwie macht das gerade „Klick“. Nie hat mich ein Lied so berührt wie dieses jetzt und hier. Ich lasse es zurückspringen und höre nochmal bewusst von vorn.

People say I’m crazy doing what I’m doing. Jepp, genau, sagen meine auch. Die nächsten Zeilen wecken Sehnsüchte in mir. Sehnsüchte, die mir meine eigene Unfreiheit bewusst machen. Nein, John, ich kann mich nicht hinsetzen und mir die Schatten an der Wand anschauen. Ich muss noch auf dem Karussell sitzen bleiben. Vielleicht sogar so lange bis ich runterfalle.

Es ist faszinierend, zu merken, was ein eigentlich simples Lied auslösen kann. Wie eine Billardkugel trifft es meine im Dreieck schön geordnet liegenden Gedankenkugeln. Sie stieben auseinander, knallen an die Bande meiner Vorstellungen, prallen zurück, knallen wieder gegenseitig auf sich und hören nicht auf zu rollen. Als gäbe es keine Reibung, keinen Luftwiderstand, nur Bewegung. Mein Ich, Kinder, Eltern, Arbeit, Geld, Gesundheit, Zukunft, Vergangenheit, Haus, Freunde, Pläne, Reisen, Fremdes, Vertrautes – alles rollt durcheinander, knallt aufeinander und wieder voneinander.

I really love to watch them roll.

In Clinton muss ich mein Billardspiel aufgeben, nehme mir vor, die Kugeln jetzt mal ausrollen zu lassen und sie mir dann einzeln anzuschauen und vielleicht ein neues Dreieck zu sortieren.

Jetzt will ich nach Pavillion. Endlich wieder Backroad fahren. Pavillion ist nicht ausgeschildert, ich frage einen Mann auf dem Bürgersteig, ob ich hier nach Pavillion komme. Pavillion? DAS Pavillion, über DEN Berg? Ich frage wieviele Pavillions es denn hier so gibt. Es scheint ihm völlig abwegig zu sein, mit einem Fahrrad nach Pavillion zu fahren. Irgendwas muss zwischen hier und dort sein, dass schwierig zu überwinden ist. Ich biege rechts ab, es ist die letzte Straße vor dem Ortsausgang von Clinton und sie heißt Clinton-Pavillion-Road.

Am Kelly Lake lädt mich eine Bank nochmal zum Verweilen ein. Neben ihr empfiehlt mir ein Schild, zu beten, dass der kommende Berg einfach so verschwindet. Gut, für ein Selbstportrait falte ich die Hände, mich fragend, was denn wohl kommen möge.

Erst kommt noch ein Schild, das mir ganz nüchtern mitteilt, dass die nächsten fünf Kilometer mit 14% Steigung zu rechnen ist, dann kommt es heftig. Die Rohloff rutscht wieder durch, ich steige ab und schiebe eine ungefähr 30 Kilo schwere Fuhre fünf Kilometer DEN Berg zwischen Clinton und DEM Pavillion hoch.

Zum Glück ist es heute etwas kühler als die letzten Tage. Und gutes Wetter. Zum Unglück finden das die Moskitos auch.

Die Mistviecher sitzen im Gras und warten auf Schatten, die vorbeiziehen. Sie haben John Lennon besser verstanden als ich. Schiebend bin ich wehrlos gegen die Angriffe der Insekten, schiebe in der Mitte der Straße und zwar so, dass mein Schatten nicht über das Gras zieht. Ich lege mein Fahrrad mitten auf die Straße und pinkele mitten auf die Straße, damit mein Schatten nicht aufs Gras fällt. Straße ist ja auch übertrieben. Eine Gravelroad, auf der mich niemand überholt und mir niemand entgegenkommt. Bis oben zum Hochplateau, was ich nach ungefähr zwei Stunden Schieberei erreiche.

Es scheint zu funktionieren, mich stechen höchstens zehn Moskitos.

Oben ist dann auch Abend. Und das Radfahrerparadies. Ich bin stolz und ausgelaugt, fahre noch rund zehn Kilometer, bis ich zum Tal des Frazer River komme. In einer Kurve der Clinton-Pavillion-Road fahre ich von der Straße ab und suche mir einen Zeltplatz. Hier ist es wunderschön.

Ich zelte am schönsten Ort meiner bisherigen Reise und frage mich, ob ich Lust habe, meine Billiardkugeln noch ein wenig klickern zu lassen. Nein, keine Lust. Sie klickern von alleine vor sich hin, ohne meine Aufmerksamkeit zu binden. Die schwindet, während die Müdigkeit erscheint.

Ich genieße den Blick in den Canyon bis es dunkel ist. Einfach so.

In Clinton people said I’m crazy doing what I’m doing,
Well they gave me all kinds of warnings to save me from ruin,
When I said that I’m o.k. they looked at me kind of strange.

I’m just sittin’ here watchin’ the sun going down…

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Noch mehr Bilder dazu gibt's hier (klick).
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#1040934 - 14.05.14 09:35 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
esGässje
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bravo

Gruß
Joachim
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#1040946 - 14.05.14 09:58 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
Juergen
Moderator
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Beiträge: 10871
....schreiben kannst Du ja!
und so ein Photo hätte einen Platz an einer sehr exponierten Stelle verdient lach

Lieben Gruß
Jürgen
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Reisen +
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#1040998 - 14.05.14 11:27 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: Juergen]
joeyyy
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Themenersteller
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Beiträge: 955
...danke.

Hier noch mal eine andere Perspektive:



...und hier das Ganze dann am nächsten Morgen, nachdem mich so ein ewig langer Güterzug weckte:



Aber davon dann mehr beim nächsten Eintrag grins
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#1041066 - 14.05.14 14:21 Re: Alaska - Yukon Territories - British Columbia [Re: joeyyy]
esGässje
Mitglied Übernachtungsnetzwerk
abwesend abwesend
Beiträge: 1185
deine Berichte und Fotos sind einfach klasse. :-)

Gruß
Joachim
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