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#730482 - 12.06.11 22:37 Aus meinen Tagebüchern, Schweden bis 1994
mha
Gewerblicher Teilnehmer
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 2
Dauer:
Zeitraum:
Entfernung:0 Kilometer
Bereiste Länder:

Zeitraum 1985-1988,1991 und 1994



Fahrt zum Nordkap

30.05.1984 – 07.07.1984

Abfahrt in Hannover mit ca. 10 Minuten Verspätung in Richtung Hamburg. Dort steigen wir in den Liegewagen nach Kopenhagen. Zur Ruhe kommen wir leider nicht, denn die Mitglieder eines Kegelvereins machen die ganze Nacht Krach. Auf der Fähre essen wir noch ein Smörrebrot und trinken ein Bier. Gegen 6.50 Uhr kommen wir in Kopenhagen auf Gleis 2 an, der Zug nach Stockholm fährt um 8.19 Uhr vom gleichen Gleis. Drei Wagen fahren bis Stockholm, gut dass wir reserviert haben. In Helsingborg wird vom schwedischen Zoll streng kontrolliert. Besonders Koffer werden gefilzt. Später kommt uns die die Erkenntnis, das überwiegend die Schweden kontrolliert werden, vermutlich wegen Alkohol. Die Fahrt bis Stockholm ist ziemlich eintönig, Ulla schläft meistens, während ich im Sitzen nicht schlafen kann. Um 16.45 Uhr kommen wir auf Gleis 2 an und müssen mit unserem gesamten Gepäck zum Gleis 16. Das ist mit Fahrradgepäck eine ziemliche Schlepperei und ich merke schnell, das klappt so nicht, denn unserer reservierter Wagen hängt ziemlich weit vorn. So lege ich die Taschen auf dem Bahnsteig ab und hole Ulla mit dem restlichen Gepäck zum Zug. Ulla steigt in den letzten Wagen ein, ich schmeiße mein Restgepäck in einen Wagen, laufe zu dem vorher abgelegten Gepäck, rein in den Zug und schon fährt er ab. Das war knapp.

Nachdem ich mit etwas berappelt habe, gehe ich durch den Zug bis zu unserem reservierten Liegewagen. Die Liegewagen sind ausgebucht und unserem Abteil sitzen schon vier Leute und 1 Kleinkind. Jetzt geht es erst mal zurück, Frau und Gepäck einsammeln. Unterwegs treffe ich auf den Schlafwagenschaffner und kann unsere Plätze noch auf ein 3 Personen Schlafwagenabteil umbuchen. Dann hole ich erst mal Ulla mit ihrem Gepäck aus dem letzten Wagen ab und bringe sie zu dem Abteil. In dem einen Wagen liegt noch das Gepäck, das ich Stockholm in den Zug geschmissen habe, das hole ich als nächstes und dann muss ich nochmal zu dem Liegewagen und das Gepäck von dort holen. Mir läuft das Wasser am Körper runter wie unter eine Dusche und auch Ulla ist noch ziemlich down. Aber dieses Abteil haben wir für uns allein, so können wir uns erst mal waschen und dann gemütlich etwas essen. Gegen 20.00 Uhr liegen wir dann lang und schlafen bis zum

01.06.1984,
Gegen 8.00 Uhr werden wir beim Halt in Svappavara kurz vor Gällivare wach. Weiter geht die Fahrt auf der Erzbahn über Kiruna in die Berge. Es ist sehr warm geworden, wir sind viel zu dick angezogen. Obwohl noch Schnee auf den Bergen liegt, laufen die Leute in Badeanzügen herum. Die Fahrt geht an Kaitum und Torneträsk am gleichnamigen, ca. 80 km langen See entlang. Es folgen Abisko, Riksgränsen, dort überqueren wir die Grenze nach Norwegen und gegen 13.55 Uhr sind wir in Narvik. Die vorher aufgegeben Räder sind heile da. Eine abgesprungene Kette ist da kein Beinbruch. In Narvik fahren wir zum Campingplatz an der E 6. Um 18.00 Uhr haben wir noch 20° im Schatten. Der Platz ist modern eingerichtet mit Kiosk, Sauna, Waschmaschine und Trockner. An den Fahrrädern richte ich noch ein paar Kleinigkeiten. Um 23.00 Uhr liegen wir dann im Zelt.
02.06.1984.
Um 7.00 Uhr stehen wir auf. Um 9.30 Uhr fahren wir in Narvik ab. Bereits am Ofotfjord und seine Ausläufern Rombaken und Herjangsfjord müssen wir schieben. Ab Bjerkvik folgt eine lange Steigung auf 350 m und dann hinter Stragangen geht es noch mal auf 428 m. Unterwegs haben wir uns oft an kleinen Wasserfällen erfrischt, die Temperaturen liegen bei 20 – 25°, es ist aber windig. Kurz vor dem höchsten Punkt sind wir beide geschafft und bauen unser Zelt auf. Dicht neben uns rauscht ein 2 m breiter Bach und gut 100 m hinter uns liegt noch Schnee. Die Berge hinter uns sind bis zu 1300 m hoch. Wir haben Vitamin B 1 als Antimückenkur dabei, angeblich soll das helfen. Tatsächlich sticht uns nicht eine Mücken. Sie landen und fliegen wieder weg. Auf der E 6 ist kaum Verkehr.
51 Tageskilometer.
03.06.1984
Gegen 9.30 Uhr fahren wir weiter, es geht noch gut 1 km bergauf und dann nur noch bergab bis Fossbakken. Dann geht es wieder gut 2 km bergauf, an einem breiten Fluss mit starker Strömung entlang fahren wir wieder bergab. Nach 20 km noch eine kurze, aber kräftige Steigung und wieder geht es bergab. An einem See machen wir unser Mittagessen, gelbe Erbswurst mit Jagdwurst. Das sind noch Bestände aus Deutschland. Bis zum Barduelv geht es weiter bergab. Der Fluss ist gut 100 m breit mit kräftiger Strömung. Da die Karte nicht so genau ist, meine ich, wir haben uns verfahren und wir fahren ein Stück zurück. Aber es ist doch die richtige Strecke. Wir suchen nach einer Übernachtungsmöglichkeit, finden aber nicht mal einen Platz für unser Zelt. Gegen 18.30 Uhr essen wir auf einem Rastplatz an eine See und beschließen, bis Finnsnes weiter zu fahren. Wir essen im Ort noch ein Eis und am Ende eines Weges, der in ein Waldstück führt, finden wir dann ein doch noch ein Plätzchen, wo wir gegen 22.30 Uhr unser Zelt aufbauen können. Sehr zur Freude der dortigen Mücken, ist mit dem Vitamin B wohl doch nicht das Wahre? Also muss Autan ran, da haben wir dann unsere Ruhe.
121 Tageskilometer
04.06.1984
Morgens um 6.00 Uhr beginnt es zu regnen. Erst mal eine Katzenwäsche mit dem Wasser, das sich in einer Beule im Vordach des Zeltes gesammelt hat. Zum Frühstück gibt es Milch aus Milchpulver und Salami ohne Brot, was anders ist nicht mehr da. Gegen 10.00 Uhr fahren wir in den Ort und fragen nach Fahrscheinen für die Hurtigroute in Richtung Honnigsvag. Anschließend geht es erst mal in ein Kaufhaus zum Frühstücken mit anschließendem Einkauf. Um 11.45 legt das Schiff an. Die Fahrräder können wir direkt vom Kai auf das Schiff stellen. Um 12.15 Uhr legt das dann ab. Mittags essen wir ein Schollenfilet. Ab 13.30 Uhr scheint wieder die Sonne und wir können das Zelt an Deck trocknen. Um 15.00 Uhr erreichen wir Tromsö, die „Kreuzfahrpassagiere“ verlassen die „NORDSTJERNEN“ und werden von Bussen abgeholt. Wir gehen in der Zeit etwas am Hafen spazieren und trinken Kaffee in einem Kaufhaus. Ulla hat Schwierigkeiten mit dem linken Fuß, auf dem letzten Platz ist sie in etwas Spitzes getreten und so muss ich sie verarzten. Danach sonnen wir uns an Deck, es ist kaum jemand an Bord. In Honningsvag sagte man mir, es seien keine Kabinen mehr frei. Ich frage aber doch noch mal auf dem Schiff nach und schon haben wir eine Kabine. Um 18.00 Uhr legt das Schiff dann ab und gegen 22.00 Uhr liegen wir dann in der Koje.

05.06.1984

Gegen 8.30 Uhr stehen wir auf. Der Himmel ist Wolken verhangen, aber es regnet nicht. Erst mal frühstücken wir am kalten Büfett, dann warten wir auf die Ankunft in Honnigsvag. Um 11.00 legen wir an. Wir fahren in Richtung Nordkap, dort kommt bald ein Campingplatz, aber der ist noch geschlossen. Der nächste Campingplatz soll 10 km weiter sein. Wir fahren also weiter, unterwegs steht rechter Hand eine Hütte, die verlassen ist. Die Tür steht offen in das Inventar ist durchwühlt. Hier bauen wir unser Zelt auf und lassen unser Gepäck zurück. Gegen 14.00 Uhr starten wir dann in Richtung Kap. Selbst ohne Gepäck wird es schwierig. Erst mal müssen wir schieben. Wir haben eben nur normale Räder mit einer 3 Gang Nabenschaltung und einer zusätzlichen Kettenschaltung mit zwei Zahnkränzen, das bringt nicht wirklich viel. Es sind noch 19 km bis zum Kap und bei 5 ° und sehr starkem Gegenwind ist es kein Vergnügen. Selbst auf Gefällestrecken muss man in die Pedale treten. Noch eine kräftige Steigung und wir sehen in ca. 4 km Entfernung das Nordkap. Ganz plötzlich verschwindet die Gegend in dichtem Nebel und es fängt an zu nieseln. Nordkap ade, wir drehen um und fahren im Regen zurück zu unserem Zelt. Gegen 19.00 Uhr sind wir dann da. Unsere nassen Klamotten hängen wir zum Trocknen in die Hütte. Wir trinken einen Tee mit Rum und Abendessen gibt es aus der Dose. Die Campingplätze unterwegs waren alle noch geschlossen, nur ein Lappe baute unterwegs an einem Verkaufsstand. Die Insel Mageroy ist nur spärlich mit Flechten und Moosen bewachsen, Bäume gibt es nicht. Eine Rentierherde sehen wir in der Ferne. Unterwegs überholten uns Autos aus N, S, SF, GB, A und D. Um 21.00 Uhr liegen wir dann im Zelt. Mücken gab es keine, die waren alle vom Wind weg geblasen.
55 Tageskilometer, gesamt 226.
06.06.1984
Gegen 8.30 Uhr stehen wir auf, es ist leicht am nieseln. Gegen 10.30 Uhr fahren wir dann ab und sind nach 8 km an der Fähre, die dann um 12.45 abfährt und für die Überfahrt nach Kafjord gut eine Stunde benötigt. An Bord trinken wir Kaffee und essen etwas. Kurz nach der Weiterfahrt treffen wir auf einen jungen Mann mit seinem VW Golf, den wir in Narvik auf dem Campingplatz gesehen hatten. So langsam sehen wir die ersten kleinen Zwergbirken, Moose und kleine Blumen. Leider beginnt es zu regnen und es hört nicht auf. Eine heftige Steigung von gut 2,5 km und dann geht es noch durch einen gut 2 km langen Straßentunnel. Das ist auf diesem Abschnitt die trockenste Stelle, obwohl auch im Tunnel das Wasser von den Wänden tropft. Der größte Teil der Strecke führt direkt am Porsangerfjord entlang, unterwegs kreuzen ein paar Rentiere die Straße. Die teilweise bis zu 100 m hohen Felswände rechts der Straße sind vom Wind und Wetter in interessanten Formen ausgeschliffen. Endlich erreichen wir Olderfjord und nehmen uns auf dem Campingplatz eine Hütte. Nach dem Abendessen checken wir erst mal unser Verpflegung ab, dann hängen wir unsere Sachen zum Trocknen auf und gehen gegen 23.00 Uhr schlafen. Draußen ist es noch hell, die Bewölkung ist etwas aufgerissen und es regnet nicht mehr.
79 Tageskilometer, gesamt 305.

07.06.1984
Gegen 9.00 Uhr stehen wir auf. Als ich aus dem Waschraum komme, schwebt so was Weißes an mir vorbei, eine Schneeflocke. Wir haben 3 °. Unsere Sachen sind fast trocken. Gegen 10.30 Uhr setzen wir uns in Bewegung. Unterwegs finden wir ein Geschäft, wo wir einkaufen können. Es ist stark wolkig und ab und zu schneit es etwas. Unser Bargeld geht zuende. Wir fahren weiter am Porsangerfjord entlang. Ab und zu müssen wir mal kurze Strecken schieben. In einem Buswartehäuschen kochen wir uns eine Unox heiße Tasse. Es ist etwa 6 ° warm. Da beginnt ein heftiges Schneegrieseln, gut das wir gerade im Trockenen sitzen. Danach gibt es kurz vor Lakselv noch einen heftigen Schneeschauer mit richtig dicken Flocken. Kurz vor 17.00 Uhr kann ich in einer Bank noch einen Euroscheck einlösen. Auf dem dortigen Campingplatz nehmen wir uns wieder eine Hütte und warten auf wärmere Zeiten. Den Abend verklönen wir mit einem Studenten aus Essen. Dabei trinken wir Tee und haben einen schönen Abend. Gegen 23.30 Uhr gehen wir schlafen, draußen sind 0 °.
68 Tageskilometer, gesamt 373

08.06.1984
Um 10.00 Uhr stehen wir auf, oh Freude, immer noch 0 ° im Schatten, etwas Sonne. Gegen 12.00 Uhr starten wir dann in Richtung Lakselv, es geht immer leicht bergauf. Die ersten Kiefern, Pappeln und Wacholder tauchen jetzt auf. Gegen 14.00 erwischt uns auf einer längeren Steigung ein kräftiger starker Schneefall, es ist ganz schön ungemütlich und kalt. 30 km vor Karasjok beginnt ein gut 10 km langes Stück Schotterstraße, das durch Bauarbeiten teilweise ziemlich übel ist. Die letzten Kilometer vor Karasjok geht es dann wieder bergab. Als wir unten sind, haben wir ziemlich kalte Finger. Gegen 18.00 Uhr mieten wir auf dem Campingplatz eine Hütte und der Elektroofen bekommt sofort Arbeit und bald ist es angenehm warm, auch wenn es nur 15 ° sind. Unterwegs haben wir viele Trockenpflaumen gegessen und jetzt gönnen wir uns einen Tee mit Rum. Unsere Sachen sind ziemlich trocken geblieben und dann geht es in die Betten, da können wir dann von Sonne träumen.
77 Tageskilometer, gesamt 450
09.06.1984
So langsam wird es aber ungemütlich, wieder nur um die 0°. Um 8.30 stehen wir auf, es schneit. Wir fahren kurz zum Einkaufen, packen dann und fahren gegen 11.30 Uhr mit gemischten Gefühlen los. Es geht mäßig bergan am Karasjokka und dann an einem Nebenfluss entlang. Die Flüsse haben einen mächtige Strömung und einen hohen Wasserstand. Viel sehen wir nicht, denn der Wind ist kalt und es schneit tüchtig. Unterwegs liegen immer mal wieder vereinzelte Gummistiefel und andere Sachen im Graben, alles was die Leute unterwegs bei ihren Pausen verloren haben und was die Schneepflüge in den Graben geschoben haben. Auch eine Geldbörse mit 30,00 NKR ist dabei. Dann erreichen wir die Sjuesjavre Fjellstue mitten in der Finnmark. Dort quartieren wir uns ein. Ein elektrischer Ofen und ein kleiner Holzofen mit Birkenholz gefüttert heizen die Stube schnell ein. So langsam wird das mit den Übernachtungen in den Hütten reichlich teuer, wir hoffen auf wärmeres Wetter. Ulla wollte bis nach Kautokeino durchfahren, das wären so um die 130 km gewesen, aber nach 20 km war es bei ihr schon vorbei und die letzten 40 km waren schon eine ganz schöne Schinderei. Ich sehe noch mal mein Rad durch, da knackt etwas. Aber erstmal finde ich nichts, hoffentlich ist es nicht das Tretlager. Die Fjellstue hat mehrere Zimmer, eine Küche mit je einem Elt- und Holzherd. Zwei Donnerbalken runden das Ganze ab, es ist ziemlich gemütlich. Ich versuche abends auf KW die Deutsche Welle zu bekommen, aber die ist völlig überlagert und so bekomme ich den Wetterbericht nicht mit. Um 23.00 Uhr gehen wir dann ins Bett.
61 Tageskilometer, gesamt 511
10.06.1984
Nach dem Frühstück rechne ich erst mal, wie wir mit dem Geld auskommen. Sieht ganz gut aus. Weil es Ulla nicht so gut geht und weil außerdem mal wieder große Wäsche ansteht, wollen wir noch einen Tag bleiben. Es trocknet in der Stube ganz gut. Bei 0° schneit es leicht aus einer dünnen Wolkendecke. Wir gehen etwas spazieren, zum Mittagessen gibt es Spiegeleier mit roter Beete und Kartoffeln mit Mett aus einer Dose. Ulla macht einen Mittagsschlaf und ich rätsele etwas. Nachmittags fahren wir noch mal ein Stück mit den Fahrrädern und versuchen an die Stromschnellen des Flusses zu gelangen. Dabei finde ich noch mal einen 10 Kronenschein und Ulla findet auf dem Rückweg auch noch mal 10 Kronen. Das kann gerne so weiter gehen. Es scheint etwas wärmer zu werden, jedenfalls beißt der Wind nicht mehr so. Gegen 18.30 Uhr gibt es Abendessen und um 19.00 Uhr empfangen wir auf Radio Österreich auf Kurzwelle im 49 m Band.
11.06.1984
Morgens ist es um die 3° warm. Ich feuere noch mal den kleinen Holzofen. Gegen 10.00 Uhr verlassen wir dann die Fjellstue, unser gemütliches Heim für zwei Tage. Als ich das Waschwasser in das offene Plumpsklo schütte, bläst der Wind das Wasser zurück und ich erhalte eine ungeplante Morgendusche. Bei 5° fahren wir los, aber es herrscht ein biestiger Gegenwind und wir kommen nur langsam voran. Voran erstreckt sich auf gut 40 km die Finnmark mit langen sanften Hügeln, die überwiegend von Birken bewachsen sind. Aber durch den starken Gegenwind schaffen wir mal so gerade 10 km in der Stunde und müssen uns dabei mächtig anstrengen. Als die Straße 92 auf die Straße 93 einmündet, machen wir erst mal eine Kaffeepause. Dann geht es weiter. Die Straße führt am Kautokeinoelv entlang, eigentlich sollte es bergab gehen. Aber es geht bergauf und wir schieben so manches Mal, bis wir gegen 18.00 Uhr Kautokeino erreichen. Im Zelt haben wir 6°, als wir Abendessen. Danach gibt es noch einen Tee mit Rum. Eigentlich ein schlechter Tag, nicht eine einzige Oere gefunden, nur ein Paar Handschuhe, eine Isolierkanne, ein Renntiergeweih, diverse leicht beschädigte Autoteile, einen Gummistiefel und vieles mehr hätten wir einsammeln können. Während der Fahrt hat sich der Pedalkurbelkeil gelockert, ich muss ihn mit dem Hammer einschlagen und dann festschrauben, danach habe ich etwas Vorlauf im rechten Pedal. Unsere Räder sind für solche Touren nicht unbedingt geeignet.
83 Tageskilometer, gesamt 594

12.06.1984
Gegen 10.30 Uhr brechen wir in Kautokeino auf. Weit und breit ist niemand zu sehen, der Geld von uns haben will, so verlassen wir ohne zu zahlen den Campingplatz. Das Wetter lässt sich ganz gut an, aber es geht weiter langsam bergauf. Einen dicken Hagelschauer können wir an einer Scheune stehend an uns vorbei ziehen lassen. Nach gut 40 km erreichen wir die norwegisch-finnische Grenze. Die Straße wird sofort schlechter, aber auch die Gegend ändert sich sofort. Jetzt geht es meist gerade aus oder leicht bergab durch ein Hochmoorgebiet und nach weiteren 20 km sind wir in Leppäjarvi. Dort soll ein Weg abbiegen, den wir suchen, aber nicht finden. Möglicherweise ist es nur ein Wanderpfad. Wir können nur vermuten, das da war er eben. So geraten wir in eine gut 20 km lange Baustelle, eine ganz üble Sandpiste. Nach weiteren 5 km suchen wir uns dann einen Platz für unser Zelt. Der entpuppt sich aber als Mückenloch erster Güte, so dass wir schleunigst im Zelt verschwinden und Mücken morden. Bald tropft dann auch der Regen auf das Zeltdach.
66 Tageskilometer, gesamt 660

13.06.1984
Nachts regnet es ab und zu. Morgens kommen wir nur langsam in Gang und starten erst um 11.00 Uhr. Die Straße ist in einem sehr schlechten Zustand, trotzdem läuft es ganz gut. Nach 15 km erreichen wir gegen 13.00 Uhr Enontekiö, wo wir in einer Cafeteria jeder 2 Tassen Kaffee trinken und 2 Stück Kuchen essen. Bezahlen können wir mit NKR. Es fährt sich dann auf der restlichen Strecke sehr gut, die Straße ist besser als vorher, nur selten schieben wir mal ein kurzes Stück. Die Landschaft wechselt zwischen Wald und Hochmoor. Dort, wo der Weg von Leppäjarvi einmündet, der, den wir gestern suchten, machen wir gegen 16.00 Uhr eine Kaffeepause. Von dieser Seite ist Weg gut ausgeschildert. Dann überqueren wir bei Karesuvanto den Fluss, der hier die finnisch – schwedische Grenze bildet und sind in Karesuando. Ich will das Zelt aufbauen, aber Ulla plädiert für eine Hütte. Die Mücken empfangen uns voller Freude, wir sind die ersten Gäste auf dem Campingplatz für 1984, allerdings treffen noch ein Motorrad aus GB und ein Wohnmobil aus NL ein. Abends telefonieren wir mit Deutschland.
82 Tageskilometer, gesamt 742

14.06.1984
Heute läuft es komischer weise bei uns Beiden überhaupt nicht. Es geht fast den ganzen Tag leicht bergauf. Radfahrer absteigen und schieben heißt auf schwedisch scheinbar Sand, denn immer wenn an einer Steigung eine Kiste mit der Aufschrift „Sand“ steht, können wir prompt schieben. Unterwegs versenden wir die ersten Postkarten und kaufen noch viel ein. Um 16.00 Uhr machen wir eine Pause an einem Rastplatz an der Straße 396 und bauen dort auch unser Zelt auf. Wir blicken dort direkt auf den 706 m hohen Kuormakka. Der Rastplatz liegt an einem kleine See und ist mit 4 Sitzgelegenheiten, einem Grillplatz, 2 Doppeltoiletten und einer Behindertentoilette ausgerüstet. Außerdem steht dort eine große Holzhütte mit einem Holzofen und viel Holz zum Heizen. Der Rastplatz in ausgezeichnet, das finden aber leider auch die Mücken. Das Wetter ist gut durchwachsen und es ist mäßig windig. Morgens hatten wir 12°, abends sind es 17°. Abendessen gibt es in der Hütte und im Ofen bullert ein Feuer. Um 21.00 Uhr kriechen wir in das Zelt und vernichten den Rest aus der ersten Rumflasche.
50 Tageskilometer, gesamt 792 km

15.06.1984
Morgens steht auf dem Rastplatz noch eine Familie aus NL mit ihrem Wohnwagen. Wir springen noch mal kurz in den See, der vielleicht eine Wassertemperatur von 17° hat. Dann frühstücken wir gemütlich und fahren gegen 10.00 Uhr weiter. Unterwegs stehen viele kleine Fichten, eine schöne als die andere. Nach etwa 40 km machen wir eine Pause an einem Rastplatz, auch wieder schön an einem See gelegen und mit allem, wenn auch einfachen Komfort ausgerüstet. Dort treffen wir auf einen VW Bully aus GI und einen PKW mit Wohnwagen aus H. Die Herren haben noch einen schweren Kater vom Vorabend, das war wohl ein prächtiges Gelage. Um 15.00 Uhr kommen wir auf dem Campingplatz von Vittangi am Torneälv an. Erst mal bauen wir schnell das Zelt auf, denn es droht ein dicke Regenwolke. Weit und breit keine Mücke, das ist prima. Wir machen noch einen kurzen Abstecher zum Einkaufen und sitzen dann an dem hier seeartig breiten Fluss. Dafür werden wir jetzt aber von Mücken nur so um schwirrt. Aber dank Dschungelöl und Autan stechen die Biester wenigstens nicht. Ein paar Norweger lassen sich zu einer Pause nieder, verschwinden aber fluchtartig. Nachts kille ich im Zelt noch etwa 15 Mücken, bis wir endlich unsere Ruhe haben. Wie die ins Zelt gekommen sind, keine Ahnung. Für den Stellplatz bezahlen wir 4,00 SKR, als ca 1.30 DM.
60 Tageskilometer, gesamt 852

16.06.1984

Es ist kühler geworden, der Wind kommt jetzt von Norden. Aber es sind morgens noch um die 14°. Gegen 10.00 Uhr fahren wir los, kaufen noch Margarine ein und telefonieren. Auf dem Parkplatz setzt sich plötzlich ein Volvo neben mit herrenlos in Bewegung und den kann ich noch mal so eben abbremsen, bevor er etwas auf die Hörner nimmt. Während ich dann im Geschäft bin, kommt Ulla mit einem Paar aus NL ins Gespräch. Die haben sich auf der üblen Strecke in Finnland ihre Anhängerkupplung und ein Schweinwerferglas kaputt gefahren. Wir fahren ein Stück auf der Straße 395 und als wir auf eine Nebenstraße abbiegen, sehen wir unseren ersten Elch. Der entpuppt sich aber kurz darauf als zwei Rentiere. Auf der wunderschönen unbefestigten Straße nach Parakka sehen wir dann noch ein Ren. In Parakka stellen wir dann fest, die Straße, die wir weiterfahren wollen, existiert überhaupt nicht. Die passte wohl nur so schön auf die Karte. Ein Schwede erklärt uns, wie und wo wir weiterfahren können und so machen wir eben einen Umweg. Bei Vettasjärwi suchen wir uns dann eine Platz für die Nacht und finden etwas Geeignetes in einer Sandkuhle. Ulla hat auf den Sandstraßen Schwierigkeiten mit einem Arm, so werden wir wohl wieder auf Hauptstraßen fahren müssen.
72 Tageskilometer, gesamt 924

17.06.1984
78 Tageskilometer, gesamt 1002
Morgens um 10.30 Uhr haben wir uns in Gang gesetzt, nach einem Bad im hauseigenen Tümpel und Frühstück im Zelt, der Mücken wegen. Gleich bei der Abfahrt stellen wir auch den Grund für die abendliche Schießerei in der Umgebung fest. Ein Wettschießen im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Mittsommernachtsfest entlang der Straße. Nach 20 km wird aus der Sandstraße wieder eine Teerstraße und wir kommen, teilweise mit langen Strecken bergab, sehr gut voran. Manchmal tauchen jetzt auch einige Wiesen auf. Die Gegend erinnert ein wenig an deutsche Mittelgebirge, nur Laubbäume, außer Birken fehlen. Am Skovan bei Dokkas machen wir eine längere Pause. Danach fahren wir weiter in Richtung Gällivare. In einem Sumpf rechts der Fahrbahn sehen wir unseren ersten Elch etwa 200 m entfernt im Wasser stehen. Auch ein Schwede hält mit seinem Auto an. Nach etwa 5 Minuten trollt sich das Tier dann von dannen. Ulla meinte schon, der sitzt bestimmt im Sumpf fest. Er wird sich aber wohl eher den Bauch mit Wasserpflanzen voll geschlagen haben, denn Elche äsen auch unter Wasser. Eine große Infotafel zeigt uns an, wo in Gällivare der Campingplatz liegt. Noch 11 km entfernt, aber diese 11 km ziehen sich, der Weg wird lang und länger. Wir müssen uns redlich abmühen, Ulla meint, wir sind bestimmt schon lange daran vorbei gefahren. Ich meine, er liegt an der Straße 97 in Richtung Jokkmokk und er kommt noch. In Gällivare folgen wir erst mal dem Zeichen Information, aber weder am Bahnhof noch an der geschlossenen Touristeninformation können wir einen Plan oder einen Hinweis entdecken. Also nehmen wir die Straße in Richtung Jokkmokk und siehe da, zum Campingplatz links abbiegen. Ein Sportplatz, ein Museumsdorf und unser Campingplatz an einem Fluss. Ein Platzgebäude mit einer sehr guten Einrichtung, u.a. mit Waschmaschine und Trockenschrank, so werden wir also den nächsten Tag hier bleiben und ein Waschfestival starten. Außerdem ist die Sauna im Preis enthalten und das nutzen wir natürlich gleich mit aus. Ulla sitzt mit einer Frau in der Sauna, die gerade aus den Fjällgebieten von einer Wanderung zurück ist. Nicht einen Mückenstich bis auf die zwei Stellen, die den Übergang zwischen Schuhen und Unterschenkel bilden. Dort haben durch die Wollsocken die Mücken wahre Blutabzapforgien gefeiert. An beiden Beinen ein dicker geschwollener Kranz von Mückenstichen.
18.06.1984
Morgens lassen wir es ruhig angehen und frühstücken im Küchenhaus. Dabei lernen wir Richard, einen Südafrikaner auf Europatrip kennen. Anschließend fahren wir in die Stadt zum Einkauf und vergessen dabei fast das Waschmittel. Die Waschmaschine auf dem Platz macht Probleme und will nicht laufen, nach einigen Schlägen auf das Oberteil beginnt sie dann tatsächlich zu arbeiten und die Nachbarmaschine läuft aus lauter Sympathie auch gleich mit an. Zwischendurch erfahren wir von Richard, dass er Geldprobleme hat. Er wartet auf Geld aus Deutschland und ist praktisch pleite. Zwar hat er noch Gold im Wert von 1/10 Gold-Krügerrand und 2 Manschettenknöpfe ebenfalls im Wert von je 1/10 Gold-Krügerrand dabei, aber er kann sie in Schweden nicht verkaufen, auch nicht bei Banken oder Juwelieren. Ich gebe ihm erst mal 22 SKR und er kann erst mal mit Deutschland telefonieren. Dabei erfährt er, das Geld ist noch nicht abgeschickt. Angeblich können postlagernd nur bis zu 100,00 DM überwiesen werden. Er bittet seine Verwandten, das Geld unbedingt telegrafisch anzuweisen. Aber ob es jetzt klappt? Ich biete ihm 1.000 SKR als Kredit an und nehme die Manschettenknöpfe als Pfand. Ganz so wohl ist uns nicht bei der Sache, aber es wird schon gut gehen, hoffen wir. Abend sitzen wir in der Küche, trinken Tee und morden Mücken. Leider baut neben uns eine Gruppe 10 -12 jähriger ihr Zelt auf und macht fast die ganze Nacht Randale. Morgens in aller Frühe brechen sie dann lautstark wieder auf. Kurz danach beginne Bauarbeiter mit Lkw und Radlader irgendwelche Arbeiten und ein Rasenmäher tobt auch um uns herum.
19.06.1984
Um 8.30 Uhr sind wir unausgeschlafen aufgestanden und gegen 10.30 Uhr geht es los. Es lässt sich heute gut fahren auf der Straße 97 entlang des Muddus Nationalparks bis nach Porjus. Der Strecke ist sehr schön, besonders fallen uns die zahlreichen großen Haufen der Waldameisen auf, die teilweise sehr dicht beieinander stehen. Auf einem kleinen Campingplatz in Porjus übernachten wir.
20.06.1984
Wir sind relativ früh aufgestanden und weitergefahren. Wir wollen um 14.30 Uhr den Zug von Jokkmokk nach Arvidsjaure erreichen. Die Fahrt geht von Porjus am Lule älv und seinen Kraftwerksstaustufen entlang. Hinter der 2. Staustufe treffen wir im felsigen Flussbett auf einen Abschnitt, in dem viele kleine Kiefern wachsen. Für uns als Bonsaifans ein sehr interessantes Gebiet. Aber was soll es, wir müssen weiter. Kurz vor Jokkmokk überqueren wir auf einer Staumauer den Lille Lule älv. Gewaltige Wassermassen laufen Gischt sprühend durch die Wehre. Im Bahnhof Jokkmokk geben wir unsere Fahrräder auf, unsere Freifahrscheine werden begutachtet, sowas haben sie hier noch nicht gesehen. Vor dem Bahnhof liegen überall Rucksäcke herum, überall wird gelagert, gekocht, gesungen oder auch geschlafen. Jede Menge Pauschaltouristen, die im Fälle unterwegs waren. Der Triebwagen kommt mit 10 Minuten Verspätung. Es ist ein Fiat Triebwagen aus dem Jahre 1981, gut für eine Geschwindigkeit von 130 km/h. Ein 14 Tagesticket für die gesamt Inlandsbahn (Inlandsbanan) kostet knapp 100,00 DM. Unsere Fahrräder werden zusammen mit einem Dritten hinten außen auf zwei Haken gehängt und dann fährt der Zug ab. Kurz darauf kommt eine Durchsage. Der erste Halt auf der Strecke gleich 6 km nach Jokkmokk. Der Zug stoppt um 14.40 Uhr für einen Fotohalt. Direkt quer unter dem Triebwagen verläuft der Polarkreis. Alle Stationen unterwegs werden angesagt, aber der Zug fährt meist langsam ohne Halt durch, weil niemand ein- oder aussteigen will. Die ehemaligen Bahnhofsgebäude stehen noch, aber die Nebengleise sind fast alle abgebaut oder abgetrennt. Dreimal bremst der Zug ab, eine Durchsage und rechts oder links der Strecke ist ein Rentier zu sehen. Einmal bremst er wegen einem Reiherpaar. Einmal hält der Zug, der Zugführer steigt aus und schaltet eine Halbschranke ein. Hier fahren wir über den Pite älv auf einer schmalen Brücke, die von Bahn und Autos gemeinsam genutzt wird. Im Zug liegt ein dicker Ordner mit Postkarten und Prospekten von allen Orten an und aus der Umgebung der Inlandsbahn von Gällivare bis Östersund. In Arvidsjaur nehmen wir unsere eingestaubten Räder in Empfang und fahren zum Campingplatz. Dort bauen wir auf und essen zum Abend. Gegen 20.30 Uhr ist es um die 11°. Probleme mit Mücken haben wir nicht, allerdings juckt es bei mir immer noch am rechten Knöchel, die Mücken von Gällivare lassen grüßen.
102 Kilometer mit den Fahrten in Gällivare bis Arvidjaur, gesamt 1104
173 Kilometer Bahnfahrt

21.06.1884
Wir wollen auf der Straße 343 bis Sorsele, so ist der Plan. Als wir aufstehen, ist es trocken, aber wolkig. Wir fahren gegen 10.00 Uhr los und ich erkundige mich in der Touristeninformation nach den Fahrzeiten von Sorsele - Storuman – Östersund und Östersund – Mora. Dann geht es los. Kurz hinter Avaviken beginnt es heftig zu regnen und wir sind schnell nass bis auf die Haut. Ulla erhält noch eine Seitendusche von einem überholenden Pkw, da kommt echt Freude auf. Kurz hinter Fiskträsk halten wir an einem alten Holzschuppen, in dem eine alte Holzschneidemaschine steht. Trotz Löchern im Dach, hier bleiben wir erstmal. Gegen 14.30 Uhr bauen wir, abgeschirmt zur Straße unser Zelt auf. Die nassen Sachen hängen wir zum Trocknen in dem Schuppen auf. So trinken wir Kaffee und warten auf besseres Wetter. Gegen 17.00 Uhr regnet es kaum noch, aber dicke graue Wolken werden von Süden her über uns hinweg getrieben. Ein Autofahrer fährt hupend auf der Straße lang, was soll das dann? Dann hören wir jemanden etwas entfernt reden. Da schaue ich erst mal aus dem Zelt. Vier Schafe stehen da, doch Ulla grinst. Von wegen Schafe, eine Herde Rentiere, gut 40 Stück laufen auf der Straße um und unterhalten sich. Zumindest ein Tier hat eine Glocke um den Hals. Auch das Wasserproblem ist gelöst, vor dem Schuppen fließt ein sauberer Bach.
41 Tageskilometer, gesamt 1145
22.06.1984
In der Nacht stürmt es kräftig und es regent. Als wir morgens aufstehen, ist alles grau in grau und tiefhängende Wolken lassen die Bäume in der Ferne verschwinden. Ulla Jeans hatten wir direkt unter einem Loch im Dach des Schuppens aufgehängt und sie ist tropfnass. Wir überlegen, bleiben oder nicht? Die Vorräte würden ausreichen, aber so schön ist der Platz auch nicht. Wir packen etwas unlustig, da klart es gegen 10.00 Uhr auf und wir fahren weiter. In Slagnäs können wir noch etwas einkaufen, denn es ist Mittsommernacht und die Läden schliessen heute alle früher. Einem kräftigen Regenschauer gehen wir aus dem Weg, in dem wir uns im Wartesall des Bahnhofsgebäudes von Slangnäs breit machen. Um 12.30 fahren wir weiter in Richtung Sorsele, finden dort aber keinen Campingplatz und weil es so gut läuft, fahren wir noch 30 km weiter bis nach Blattnicksele an der Straße 343. Auf der Strasse begegnen uns ab und zu mal mit Birkenreisern geschmückte Autos, dass einzige, was wir von Mittsommernacht merken. Seit 16.00 Uhr scheint auch wieder die Sonne und auch Ullas Hose trocknet wieder. Zur Feier des Tages gönnen wir uns eine Cola mit Rum.
72 Tageskilometer, gesamt 1217

23.06.1984

Der Tag beginnt sehr schön, kaum eine Wolke am Himmel und es war in der Nacht sehr ruhig auf dem Platz. Nur die Fliegen flogen gegen unser Zelt und wir dachten, es regnet. Nach dem Aufstehen geht es erst mal unter die Dusche und dann gibt es seit langem das erste Frühstück im Freien vor dem Zelt. Wir sind noch nicht lange unterwegs, da schiebt sich dichte Zirrenbewölkung vor die Sonne und es sieht ganz eigenartig aus. Um die Sonne bildet sich ein Regenbogenkreis. So etwas haben wir noch nicht gesehen. Außerdem entsteht ein seltsames, fast grau zu nennendes Tageslicht. Beim Überqueren des Juktan sehen wir weit entfernt und nur kurz einen Elch in den Wald laufen, kurz darauf noch ein paar Rentiere mit Jungen. Um 12.10 Uhr machen wir eine Pause auf einem Rastplatz. Der Lkw, den wir von weitem hören entpuppt sich als ein Triebwagen in der Gegenrichtung. Ein Stück weiter steht dann ein Pkw mit einem Anhänger und der hat einen Platten. Es handelt sich dabei um einen Leichenwagen. Zwei Damen stehen dabei und versuchen den Reifen zu wechseln. Aber ohne Wagenheber geht das nicht so einfach und das Holz, das wir finden ist zu morsch und bricht unter dem Gewicht des Anhängers zusammen. Dann halten noch ein paar Schweden und wir heben mit vereinten Kräften den Anhänger an und wechseln dabei den Reifen. Dann machen wir noch eine Pause an einem See und um 14.10 Uhr fährt noch ein Triebwagen in der Ferne vorbei. Wir sitzen dann am Bahnhof von Storumanund trinken Kaffee. Unser Zug nach Östersund soll um 16.50 Uhr fahren. Wir holen uns noch ein Eis und Kekse am Bahnhofskiosk, Brot haben sie da aber nicht, das bekomme ich dann an einer Tankstelle zwei Straßen weiter. Die haben da ein Angebot wie in einem Supermarkt und Ulla staunt, was ich da alles anschleppe. Dann geben wir die Räder auf und der Eisenbahner kommt wegen meiner Fahrkarten nicht aus den Staunen heraus. Internationale Freifahrkarten hat er noch nie gesehen, das Gleiche wie in Jokkmokk. Aber mit Händen und Füssen und etwas englisch kommen wir da schon weiter. Dann kommt auch der Zug in Triebwagendoppeltraktion. Auf diesem Stück fehlt allerdings doch schon ein wenig von dem liebenswerten Nebenbahncharakter der ersten Strecke. Es werden nur noch die Stationen angesagt. Allerdings macht der Zug um 20.00 Uhr eine Pause an einer Station und es werden aus einem Pkw heraus Kaffee, Brötchen usw. verkauft. Später höre ich dann, das man die Sachen schon vorher bestellen konnte. Wir unterhalten uns mit einer Schweizerin und mit einer Schwedin. Es ist nicht unüblich, das der Zug mal mitten in der Wildnis anhält, um einen Mopedfahrer abzusetzen, einen Wanderer aufnimmt oder für einen Fotografen anhält. Um 21.45 Uhr sind wir dann in Östersund, eine Stadt mit etwa 56.000 Einwohnern. Im Bahnhof hängt ein grober Übersichtsplan von Östersund und dort finde ich einen Campingplatz eingezeichnet. So fahren wir los, finden ein Schild in Richtung Campingplatz, aber der Weg führt auf eine für uns gesperrte Schnellstraße. Wir suchen und finden einen Radweg, fahren dabei aber erst mal 4 km in die Irre. Gegen 23.00 Uhr sind wir dann endlich auf dem Platz. Aber erst um 3.00 Uhr wird es ruhig auf dem Platz, weil ein paar Schweden Mittsommernacht feiern. Bei der Anmeldung bekomme ich noch eine deutsche Stadbeschreibung und sehe, dass in der Nähe des Bahnhofs noch ein Campingplatz liegt.
56 Tageskilometer, gesamt 1273

24.06.1984
Wir frühstücken in aller Ruhe, denn unser Zug fährt erst um 15.00 Uhr über Sveg – Orsa nach Mora. In der Stadtbeschreibung sehen wir, das es ein Freilichtmuseum „Jämtli“ gibt und wir fahren erst mal dort hin. Gut zwei Stunden lang verbringen wir in dem Museumsdorf. Es sind alte Bauernhöfe, Scheunen, Ställe, eine Schmiede, eine Bäckerei uva. zusammengetragen und dort aufgebaut worden. Die Bäckerei backt Fladenbrot, in der Schmiede fertigt man nach alter Tradition eine Flinte. In einem alten Wohnhaus zeige ich Ulla eine alte Stockgeige, ein schmales als Wanderstock gearbeitetes Stück und schon spielt uns ein älterer Herr in Tracht ein Ständchen. In einem Haus probieren wir Fladenbrot mit Ziegenbutter und -käse. Um 14.00 Uhr sind wir dann am Bahnhof und geben unsere Räder auf. Dann geht es los. Unterwegs sehen wir kurz eine Elchkuh an der Strecke. In Sveg steht der Zug eine Stunde, ehe es weiter geht. Gleich hinter Sveg fahren wir über den Ljusnan, auch hier teilen sich Straße und Schiene die durch Halbschranken gesicherte Brücke. Um 19.25 Uhr erfolgt eine Durchsage und kurz darauf hält der Zug in Lillhamra. An einem Verkaufswagen werden Kaffee, Tee, Backwaren und Andenken verkauft. Außerdem kann man dort Kanus, Fahrräder und auch Zimmer mieten. Um 20.02 Uhr fahren wir in 524 m Höhe über den höchsten Punkt der gesamten Inlandsbahn, etwa 30 km vor Orsa. Auf einer längeren Langsamfahrstelle schaue ich hinten aus dem Zug. Ein alter holzvertäfelter Wasserturm gleitet vorbei und zwischen den Schwellen wachsen junge Fichten wie bei uns das Unkraut. Wieder eine Durchsage und er Zug hält kurz bei 13 %o Gefälle direkt auf einer Brücke über dem Storstupet-Wasserfall des Aman, kurz vor Orsa. Das Wasser im Fall ist dunkelbraunes Moorwasser. Kurz darauf bei Tallhed passieren wir mal wieder einen riesigen Holzlagerplatz. Orsa wird angesagt, wir müssen doch etwas lachen, den es spricht sich wie Uscha aus. Unterwegs dann auch weiterhin das vertraute Bild: Seen, dichte Kiefernwälder, Hochmoore, lichte Wälder und immer wieder Felsen, eben Schweden. In Mora wollen wir auf einen Campingplatz, landen dann aber wegen fehlender Beschilderung nach 12 km auf dem Campingplatz Sollerön. Mittlerweile hat es begonnen zu regnen und unsere Laune ist nicht die Beste. Insgesamt haben wir jetzt 750 km Bahnfahrt auf der Inlandsbahn hinter uns.
44 Tageskilometer, gesamt 1317
25.06.1984
Als wir morgens aufwachen regnet es noch immer. Um 9.30 Uhr stehen wir auf. Draußen ist alles grau in grau. Nach dem Frühstück überlegen wir, fahren oder nicht? 2 Stunden später bessert sich das Wetter und wir fahren, immer noch zweifelnd los. Aber es bleibt schön. Unterwegs finden wir so viele Kapuziner- und Birkenpilze, das wir für uns ein Sammelverbot verhängen. Von Mora aus fahren wir auf der dicht befahrenen Straße 242/243. Auch bei Gegenverkehr werden wir hautnah überholt und wenn von vorn ein Lkw kommt, mache ich mich auf der Straße breit, so das die Autos hinter uns abbremsen müssen und nicht überholen können. Sonst schuppsen die uns noch von der Straße. Als sich die Straßen trennen und wir auf der 242 nach Vansbro weiterfahren, wird der Verkehr bedeutend ruhiger. Wir fahren parallel zu der hier stillgelegten Strecke der Inlandsbahn. Die Gleise liegen noch, auch wenn bis zu 2 m hohe Kiefern zwischen den Schwellen wachsen. Unterwegs fliegt eine Eule über die Straße und setzt sich in eine Kiefer. Als Ulla heran kommt, fliegt sie fort. Unterwegs gibt es viele Strecken durch „Märchenwald“, wie Ulla sagt, aber auch völlig abgeholzte Abschnitte. Um 20.30 Uhr sitzen wir im Aufenthaltsraum des kleinen Campingplatzes, den wir heute angefahren haben. Es regnet wie aus Wassereimern, aber dann hört es bald wieder auf, es war nur eine einzelne Wolke, die uns diesen Guss bescherte. Zum Abendessen gab es natürlich Pilze lang.
80 Tageskilometer, gesamt 1397

26.06.1984
Morgens gegen 11.30 Uhr fahren wir weiter. Wir wollen bis Lesjofors. Unterwegs beschließen wir, über eine Nebenstraße bis Filipstad zu fahren. Da fängt mein Hinterrad bei 1450 km zu wackeln. Die Decke ist hin, an einer Stelle ist die die Gewebeeinlage gerissen. Wir machen also eine lange Kaffee- und Reparaturpause. So habe ich die Ersatzdecken nicht umsonst mitgenommen. Wir fahren weiter, aber ich habe einen Höhenschlag im Hinterrad. Also noch mal anhalten und das Ganze richten. Kurz darauf habe ich den ersten Platten. Das Felgenband ist gerissen und eine Speichenverschraubung hat mir ein Loch beschert. Prompt fängt es beim Flicken wieder an zu regnen, wie schon vorher beim Wechseln der Decke. Bei der Weiterfahrt habe ich wieder einen Höhenschlag im Hinterrad. Da soll doch ...! Wir halten an einem Nebenweg und wir beschließen, hier unser Zelt aufzubauen. Der Weg endet nach ca. 30 m und liegt an einem Bach. Außerdem liegt hier jede Menge Elchkot herum, vielleicht sehen wir hier mal einen Elch aus der Nähe. Dann gehe ich wieder an das Hinterrad. Da habe ich es doch geschafft, den Schlauch verknickt einzulegen. Zum Abendessen gibt es heute Kartoffelbrei, klein gehackte Gurken aus dem Glas und kleine Mettbällchen , die schwedischen Köttbollar. Das Wetter ist jetzt gut und warm, auf der Straße ist kaum Verkehr.
69 Tageskilometer, gesamt 1466
27.06.1984
Nach einer sehr ruhigen Nacht stehen wir um 8.30 Uhr auf. Ich hole Wasser aus dem Bach zum Waschen. Gegen 11.00 Uhr fahren wir dann los. Nach knapp 10 km bremst Ulla plötzlich und fährt ein Stück zurück, ich bin hinter ihr gefahren und halte ebenfalls an. Ulla hat einen Biberdamm entdeckt. Im Umkreis sind viele Birkenstämme gefällt und entrindet. Wir machen ein paar Fotos und machen uns wieder von dannen. Einen Biber sahen wir leider nicht. In Filipstad kaufen wir ein und ich habe direkt vor „Domus“ meinen zweiten Platten. Erst mal trinken wir Kaffee in der Cafeteria und dann bekomme ich auch noch ein neues Felgenband in dem Geschäft. Während ich flicke, sucht Ulla ein Telefon, findet aber nur defekte Telefone. Ich bin gerade mit dem Rad fertig, da beginnt es erst mal wieder zu regnen, ein Gewitter zieht über uns hinweg. Wir gehen nochmal in die Cafeteria und finden dort prompt ein Telefon, das funktioniert. Gegen 16.00 Uhr fahren wir weiter bis nach Storfors, wo wir dann bleiben. Es ist ein einfacher Campingplatz ohne Komfort und ein paar Autos, die auch noch kommen fahren gleich wieder weiter. So haben wir den Platz für uns allein. Der Platz liegt direkt an dem letzten Teil der Inlandsbahn und zweimal fahren Triebwagen einer alten Bauart mit Beiwagen an uns vorbei. Beim Abendessen ärgern uns Kribbelmücken und wir verschwinden bald im Zelt und vernichten den letzten Rum.
58 Tageskilometer, gesamt 1524
28.06.1984
Die Nacht über regnet es teilweise heftig und auch morgens sieht es nicht so toll aus. Wir sitzen um 10.00 Uhr im Zelt, die Sachen sind schon alle gepackt, als um uns herum einige Rasenmäher und ein Traktor mit Mähbalken mit der Arbeit anfangen. Als ich aus dem Zelt schaue, fragt uns der Älteste der Arbeiter scheinheilig, ob man uns geweckt habe. Er spricht etwas deutsch und verspricht uns ab morgen besseres Wetter. Mittlerweile hat Ulla Waschfestivalgelüste angemeldet und ich plane unser Route so, dass wir über Karlskoga bis Laxa fahren. Dann umfahren wir Karlskoga jedoch auf einer Seitenstraße. Diese führt zwar durch eine sehr schöne Gegend, wird dann aber zur Sandstraße und es beginnt auch wieder zu regnen. Da fährt es sich durch die Nässe schwerer und unterwegs müssen wir zwei dicke Schauer unter Bäumen abwarten. Als es dann unterwegs kein Schild mehr in Richtung Degersfors gibt, frage ich in einem Verkaufswagen nach dem Weg und wir kaufen auch noch etwas ein. Gegen 19.00 Uhr kommen wir dann endlich 15 km hinter Laxa auf einem Campingplatz an, aber der liegt direkt an der Straße und es ist sehr laut. Ulla schläft bereits um 21.00 Uhr. Ihr Schlafanzug ist nass geworden, die Plastiktüte, in der verpackt war, hatte ein Loch.
95 Tageskilometer, gesamt 1619

29.06.1984
Morgens bin ich kurz baden gegangen, das Wasser ist reichlich kühl. Während des Frühstücks fällt einiges für ein paar Entenküken ab, die wohl ihre Mutter verloren haben. Sie kommen immer wieder und futtern sich richtig voll. Um 10.00 Uhr fahren wir dann los und kommen nach 10 km an den Vätternsee. Ein Stück folgen wir der Straße 50 und biegen dann auf die Straße 49 ab. Links von uns liegt der See, der kaum Wellengang hat. Ich habe Ärger mit meiner 3 Gangnabenschaltung und muss das Zugkettchen richten. Dann geht es weiter. Unterwegs ein Unfall. Ein zwei achsiger Wohnwagen ist von der Kupplung abgerissen und ist mit einem entgegen kommenden Pkw zusammen gestoßen. Der Pkw ist Totalschaden und der Wohnwagen liegt völlig zerborsten in den Felsen. Reifen, Gasflaschen usw. sind in der Umgebung zerstreut. Personenschaden hat es aber nicht gegeben. In Karlsborg gehen wir erst mal Kaffee trinken und leisten uns einen schönen großen Eisbecher. Wir kaufen noch etwas ein und fahren bis nach Hjo. Der Campingplatz ist reichlich voll, in Schweden haben die Ferien begonnen. Als uns der Campingwart eine Hütte für 60.00 SKR anbietet, sind wir sofort dabei. Wir wollen einen Tag bleiben und u.a. Wäsche waschen. Da müssen wir doch tatsächlich bis zum nächsten Tag um 17.00 Uhr warten, vorher ist alles ausgebucht. Abends gehen wir in dem sehr schönen Ort noch ein wenig spazieren.

96 Tageskilometer, gesamt 1715
30.06.1984

Um 9.00 Uhr stehen wir auf und leisten uns ein Luxusfrühstück mit Brötchen. Es regnet ein wenig. Dann gehen wir in die Stadt. Am Hafen essen wir einen geräucherten Fisch (Hjosik = Sik = Felchen) und fotografieren den alten Dampfer „Trafik“. Dieser wurde am 01.11.1892 als Eisbrecher in Betrieb genommen. Dann sollte es 1972 verschrottet werden, aber ein Verein rettete und betreibt ihn. Danach besuchen wir einen Markt, der einmal im Jahr in Hjo im Rahmen eines Stadtfestes stattfindet. Da klönen wir gut eine Stunde mit einem Hamburger Flitterwochenpaar und besuchen anschließend noch ein Aquarium. In einem Gewitterregen geht es dann zurück zum Campingplatz, wo unsere Waschmaschine auf uns wartet. Bis 21.00 Uhr regnet es stark. Bis auf die Handtücher bekommen wir unsere Wäsche im Trockner gut trocken. Nachts schleicht etwas um unsere Hütte herum und es dauert etwas bis wir sehen, es ist ein Igel, der sich unter unserer Hütte einquartiert hat.
01.07.1984
Um 8.00 Uhr stehen wir und um 10.00 Uhr rollen die Räder wieder. Wir kommen heute gut voran und suchen in Habo eine Abzweigung, die wir nicht finden. So geht es weiter auf der Straße 195 in Richtung Jönköping, einmal müssen wir kräftig schieben. In Jönköping essen wir um 14.00 Uhr an einem Schnellimbiss eine Wurst mit Pommes und suchen dann unseren Weg in Richtung E 4. Das ist nicht so einfach, denn alle Wegweiser führen in Richtung Autobahn. Bis zum Ort Bärnarp ist wieder schieben angesagt, dafür gibt es unterwegs erst mal ein Eis und eine Limo. Weiter geht es auf der E 4, auf der ein ziemlich dichter Verkehr herrscht. Unterwegs überholt uns ein BMW aus H, der am nächsten Parkplatz hält. Wir kommen mit dem Fahrer ins Gespräch, es ist ein Busfahrer von der Üstra. In Vaggeryd gehen wir auf den Campingplatz und staunen nicht schlecht, nur 5 Stellplätze sind belegt. Der Platz ist nur klein und liegt an einem See mit einem großen Strandbad. Beim Aufbau des Zeltes fehlt mir eine Spitze aus einer Zeltstange. Die ist auf dem Platz raus gefallen. Ich hatte sie noch in der Hand und habe sie weggeschmissen und zu Ulla gesagt:“Was du alles so liegen lässt!“. Schließlich kann ich ja nicht alles mitnehmen, was da so herumliegt. Was nun? Ich habe im Werkzeug drei Reifenheber, die haben die richtige Stärke. Also säge ich mit einer kleinen Eisen säge die beiden Enden ab und schon haben wir eine neue Spitze für die Zeltstange. Abends fotografieren wir noch ein paar Kanadische, die auch in Schweden nur selten vorkommen. Abends wird es wieder reichlich kühl.
104 Tageskilometer, gesamt 1819
02.07.1984
Morgens ist mal wieder alles grau und ein feiner Nieselregen fällt, der gegen 11.00 Uhr aufhört. Wir fahren noch kurz in der Ort zum Einkauf. Eine Stunde später fahren wir los und prompt fängt es wieder an zu regnen. Bis Varnämo fahren wir erst auf der E4 und dann auf einer Seitenstraße. In Varnämo tausche ich noch mal Geld und wir trinken Kaffee. Die Nebenstraße, die wir suchen, finden wir mal wieder nicht. Entweder ist keine Beschilderung vorhanden oder sie zeigt zu Orten, die auf meiner Karte nicht verzeichnet sind. Die ist mit 1:800 000 eben nicht so genau. So fahren wir weiter auf der E 4, wenn auch nur ungern. Nach einigen Pausen bauen wir gegen 20.00 Uhr das Zelt auf. Wir haben einen Platz oberhalb eines Rastplatzes an der E 4 kurz vor Traryd. Zum Abendessen gibt es Nudeln, Köttbollar und Pfifferlinge, die Ulla unterwegs gesammelt hat. Ich repariere an meinem Rad noch die Ummantelung der Bowdenzüge, die sind geknickt und deswegen funktioniert auch die Schaltung nicht richtig. Der Platz ist durch den Lkw-Verkehr auf der E 4 ziemlich laut. Es stehen einige Wohnwagen und Wohnmobile zum Übernachten auf dem Platz.
123 Tageskilometer, gesamt 1941
03.07.1984
Morgens um 8.00 Uhr stehen wir auf und waschen uns in dem hinter uns liegenden See, dafür müssen wir aber erst mal ein Steilufer runter krabbeln. Um 10.00 Uhr geht es wieder los. Die E 4 ist hier zweispurig mit breiten Seitenstreifen. Wir machen ein paar Pausen und schauen uns hinter Traryd eine Glasbläserei an. Deren Spezialität ist die Herstellung von Vornamen in Glas. 50 km vor Helsingborg geht die E 4 plötzlich in eine Autobahn über, ohne das es irgendwo einen anderen Weg für Radfahrer gäbe. So fahren wir bis zur ersten Abfahrt weiter und dann kreuz und quer in Richtung Helsingborg auf Nebenstraßen. Einmal muss ich fragen, wo es weiter geht. Dann sind wir in Helsingborg und am Ortseingang suchen drei Jugendliche mit dem Fahrrad den Weg zur E 4. Den können wir ihnen ja jetzt beschreiben, so können sie weiterfahren. Dann sind wir auf der Fähre der schwedischen Eisenbahn und setzen nach Helsingör in Dänemark über. Der Campingplatz ist reichlich voll. Bezahlen kann ich mit SKR, denn auf der Fähre konnte ich nicht wechseln. Abends gehen wir noch mal in die sehenswerte Altstadt.
106 Tageskilometer, gesamt 2047

04.07.1983
Der Campingplatz in Helsingör ist nicht vom ganzen Drumherum nicht der Beste und wir sind froh, als wir ihn morgens verlassen. Erst mal war ich noch in der Stadt, um Geld zu wechseln und eine Dänemarkkarte zu kaufen. Aber die bekomme ich nirgends, erst am Stadtrand kann ich an einer Tankstelle eine Karte kaufen. Wir fahren auf der A 6 entlang auf Radwegen bis nach Hillerod. Im Centrum gehen wir auf die Suche nach einem Waschsalon suchen und stellen unsere Räder am Rande der Fußgängerzone ab. In der Touristinformation gibt man mir einen kleinen Stadtplan und zeichnet die Lage eines Waschsalons ein. Dafür darf ich dann 2.00 DKR bezahlen. Wir schauen noch kurz beim Schloß Frederiksborg vorbei und gehen zu unseren Räder zurück. Da hat doch jemand die Karte von unserem Rad geklaut. Da bin ich aber echt sauer. Dann fahren wir zu dem Waschsalon oder besser gesagt, dahin wo er sein soll. Das sagt dann schon alles. Jetzt ist auch Ulla sauer. Die Fahrt vorher verlief mit Gegenwind und Steigungen schon nicht so prall. Außerdem hat Ulla mit ihrem rechten Knöchel Schwierigkeiten, er schmerzt beim Gehen und beim Fahren. Unterwegs kaufen wir noch ein und trinken Kaffee am Straßenrand. Immerhin bekomme ich noch eine neue Karte unterwegs. Nachmittags kommen wir auf dem Campingplatz in Roskilde an. Ein sehr großer Platz, der uns aber trotzdem gut gefällt. Ulla wäscht noch Wäsche und anschließend kühlt sie sich den Knöchel mit unserem späteren Abendessen, nämlich tief gefrorener Erbsensuppe.
73 Tageskilometer, gesamt 2120
05.07.1984

Es geht wieder mal rauf und runter, das dänische Flachland bewegt scheinbar zwischen 1 m und 100 m. An der Straße 14 finden wir einen durchgehenden Radweg. Unterwegs kaufen wir eine Schale Erdbeeren und essen sie gleich auf. In Ringsted holen wir uns Kuchen, den wir ca. 10 km vor Naestved in einen Buswartehäuschen bei unserer obligatorischen Kaffeepause verzehren. Dann fahren wir weiter auf der Straße 22 weiter in Richtung Vordingborg. Unterwegs begegnen wir jetzt öfter mal Radwanderern. Bei Vordingborg überqueren wir auf der großen Brücke den Storstrommen, den wir schon öfter mal mit der Eisenbahn überquert haben. Danach gibt es mal wieder ein großes Eis und bei km 105,5 auf der E 4 zeigt mein Kilometerzähler 2222,2 km an. Dann fahren wir weiter bis Guldborg am Guldborgsund zu dortigen Campingplatz. Das Wetter war morgens stark bewölkt, aber am Nachmittag wurde es wärmer und sonnig.
109 Tageskilometer, gesamt 2229

06.07.1984
Morgens beim Aufstehen ist das Wetter wieder sehr gemischt. Ich hole Brötchen zum Frühstück und gehe, weil es nötig ist, auch gleich zum Frisör über die Straße. Der schnippelt meine ziemlich lang gewordenen Haare wieder auf Zivilisationslänge zurück und stutzt meinen im Urlaub erworbenen Vollbart auf 5 mm Länge. Trotz Gegenwind sind wir um 13.00 Uhr auf dem Campingplatz von Rodby Havn. Wir essen gleich zu Mittag und anschließend hole ich noch leckeren dänischen Kuchen zum Kaffee trinken. Gegen 15.00 Uhr kommt dann auch wieder die Sonne durch, aber der Wind ist immer noch sehr heftig. Beim Zeltaufbau passiert dann noch ein Maleur. Der Wind zieht die Zeltplane über die neue Spitze der einen Zeltstange und schon haben wir einen gut 10 cm langen Riss im Gewebe.
41 Tageskilometer, gesamt 2270

07.07.1984
Um 6.00 Uhr stehen wir auf, das Wetter ist wieder grau in grau. Dann fahren wir los, beim Bäcker halten wir noch mal an und kaufen ordentlich Kuchen ein. Dann fahren wir zum Hafen, wo gerade die DB Fähre „Theodor Heuss“ entladen wird. Man zieht gerade die Kurswagen Paris – Kopenhagen aus der Fähre. Auf dem Schiff gehen wir erst mal zum Frühstück, sind aber bei einem Preis von 11,50 DM und einer äußerst langweiligen Bedienung nicht sehr begeistert. Danach erkundige ich mich nach Umsteigemöglichkeiten mit dem Fahrrad über Hamburg nach Hannover. Anschließend kaufen wir noch kurz im Duty-Free ein. Um 9.00 Uhr legt die Fähre in Puttgarden an. Wir fahren zum Bahnhof und stellen zu unserer Freude fest, das um 10.30 Uhr ein D-Zug mit Packwagen nach Köln über Hannover fährt, den können wir nehmen. Kurz nach 15.00 Uhr treffen wir dann mit dänischen Kuchen im Gepäck in Hannover ein und sind nach 2283,3 km wieder zu Haus.

Unsere Fahrräder haben zwar gut durchgehalten, von Kleinigkeiten abgesehen. Aber nur mit einer kombinierten 3-Gang-Nabenschaltung und einer 2-Gang-Kettenschaltung waren die Räder nicht so das Optimale. Auch das von uns gewählte Zelt mit Gestänge erwies sich nicht als optimal. Aber aus Erfahrung wird man klug, bei unseren späteren Radtouren waren wir dann schon besser ausgerüstet.



23.05.1985

Hannover ab 4.43 Uhr
Hamburg Hbf an 6.37 Uhr
Hamburg Hbf ab 7.00 Uhr
Kopenhagen an 12.09 Uhr
Kopenhagen ab 12.34 Uhr
Oslo an 22.05 Uhr
Oslo an 23.00 Uhr

24.05.1985
Trondheim an 7.15 Uhr
Trondheim ab 8.15 Uhr
Mo i Rana an 15.26 Uhr

Morgens um 4.00 Uhr fahren wir von zu Haus mit dem Auto zum Bahnhof. Den Wagen stelle ich bei der Post ab, da kann ich dann Carsten abholen. Der Zug kommt pünktlich an, fährt aber gut 10 Minuten verspätet ab, weil das Ladegeschäft so lange dauert. Unterwegs ist es diesig bis nebelig, in Hamburg ist der Zug wieder pünktlich, das Umsteigen verläuft reibungslos. Auch auf der weiteren Fahrt wird das Wetter nicht besser. Auf der dänischen Fähre frühstücken wir, das Frühstück ist bedeutend besser als auf den deutschen Fährschiffen. In Kopenhagen steht der Zug nach Oslo am gleichen Bahnsteig. In Helsingöre, auf der dänischen Seite, kontrolliert mal wieder schwedische Zoll besonders die eigenen Landsleute sehr gründlich. Die sind wieder hinter Alkohol her. Nach der Überfahrt mit der Fähre wird dann ab Göteborg das Wetter bestens. Die Fahrt geht über Trollhättan (S) weiter über Kornjö (N) und Frederikstad nach Oslo. Die Fahrt durch die Berge ist sehr angenehm und es gibt viel zu sehen. In Olso ist es dann mit 4° ziemlich kühl. Wir müssen etwas auf unseren Zug warten und es herrscht reges Treiben. Ulla wird mal wieder nervös. Wir sind ziemlich müde und müssen viel zu früh wieder aufstehen. Um 7.15 verlassen wir dann in Trondheim unseren Schlafwagen. Das Gepäck bringen wir gleich in den Zug nach Mo i Rana – Bodö. Dann frühstücken wir erst mal in der Bahnhofscafeteria. Bereits in Trondheim sehen wir die ersten mit Schnee bedeckten Berge und das geht so weiter bis Mo i Rana. Die Fahrt geht entlang des Trondheimfjordes bis Steinkjer, dann am Snasavatn über Snasa bis Grong und weiter am Namsen (-Fluss) parallel mit der E 4 über Majavatn – Trofors – bis Mo i Rana. Unterwegs liegt der Schnee noch teilweise bis zu 20 cm hoch, der Zug fährt durch viele Tunnel und hohe verschneite Berge säumen die Strecke. In Mo nehmen wir unsere leicht lädierten Räder in Empfang. Bei Ulla ist die Schaltkette abgerissen und bei beiden Rädern ist der Kettenschutz verbogen. Am Bahnhof trinken wir noch einen reichlich dünnen Kaffee und dann fahren wir zum Campingplatz. Es ist reichlich kühl und laut durch eine nahe Fabrik. Wir telefonieren noch mit Hannover. Als wir dann im Zelt liegen, stören uns immer wieder Jugendliche, die scheinbar am Platz vorbeigehen und sich lautstark unterhalten.

25.05.1985
Abfahrt 3310 km
Ankunft 3367
Tagesleistung 57 km

Morgens werden wir mit einem Platzkonzert geweckt. Abends sind noch drei Busse mit zwei Kapellen eingetroffen, die uns ein Ständchen bringen. Die haben auch die ganzen Hütten auf dem Platz belegt. Da weder am Vorabend noch heute jemand zu sehen ist, der Geld will, machen wir uns ohne Bezahlung vom Platz. Ein kalter Wind bläst uns entgegen, als wir uns auf der E 79 langsam aber sicher bergauf arbeiten. Nach etwa 20 km ziehen wir unsere Pullover an, so kalt wird es. Je höher wir kommen, ums so mehr Schnee liegt noch, ab und zu schneit es etwas. Am Anfang standen noch Weiden und Fichten am Straßenrand, jetzt sind es nur noch Birken. Ulla hart Schwierigkeiten mit den Unterschenkeln, so geht es nur langsam weiter. Eine Fjellstue oder eine Hütte suchen wir in Umbukta vergebens, der Campingplatz ist noch geschlossen. So überqueren wir die Grenze nach Schweden Hier sehen wir die ersten Rentiere, die über den zugefrorenen See kommen und dann lange vor uns auf der Straße entlanglaufen. Das kennen wir von unseren früheren Urlauben. Während die Rentiere bei Autos äußerst gelassen reagieren und kaum die Straße frei machen, rennen sie vor Radfahrern davon und bleiben dabei meistens erst mal auch der Straße. Dann finden wir nach 10 km um 19.30 Uhr endlich eine Hütte. Jetzt bessert sich auch das Wetter, das Thermometer zeigt 1° an. Die Sonne scheint und wir haben einen herrlichen Blick auf den zugefrorenen Överuman (-see) (525 m über NN, bis zu 70 m tief) und auf den 1550 m hohen Artfjället. Unterwegs habe ich eine Geldbörse mit 10.00 NKR gefunden. Die Hütte ist eigentlich für 6 Leute gedacht und bestens ausgerüstet, also mehr für Feriengäste als für kurzfristige Übernachtungen gedacht. Dementsprechend ist sie mit 70.00 DM für uns auch relativ teuer.

26.05.1985

Abfahrt 3367
Ankunft 3434
Tagesleistung 67 km

Es ist weiterhin kalt, das Wetter ist so halbe halbe. Wir fahren weiter am Överuman entlang, ein paar Schneemobile kurven über das Eis. Rechts und links sehen wir schneebedeckte Berge, wir fahren durch lichte Birkenwälder, später kommt niedriger Wacholder dazu. Mittags machen wir eine Pause an einem Rastplatz mit einer Hütte. Dort liegt ein Gästebuch aus, in dem sich 10 Monate vor uns als Letzte ein paar Deutsche mit Adresse eingetragen haben. Denen schicken wir dann eine Ansichtskarte, ob die sich wohl gewundert haben? In Hemavan trinken wir gegen 16.30 Uhr erst mal Kaffee, wir das Cafe verlassen, fängt es an leicht zu regnen und es hört bis Tärnaby nicht auf. Hier mieten wir wieder einen Hütte, genau so gut wie die in der letzten Nacht, aber bedeutend billiger. Heute haben im nur einen Schnitt von 10 km/h gefahren.

27.05.1985

Morgens ist es grau in grau, aber es regnet nicht. Als wir Ullas Rad packen, will stelle ich fest, sie hat einen Platten am Vorderrad. Als ich den geflickt habe, fängt es an zu regnen und es hört nicht wieder auf. Im Ort können wir Lebensmittel kaufen. So bleiben wir einen Tag länger. An meinem Regencape reißt die Kapuze halb ab, als ich an der Schnur ziehe.

28.05.1985

Abfahrt 3434 km
Ankunft 3502 km
Tagesleistung 69 km

Gegen 11.00 Uhr fahren wir ab. Immerhin ist es trocken, über dem See liegt weißer Nebel. Wir wechseln i Ort unsere restliche NKR und ich löse einen Scheck ein. Dann geht es los. Ab und zu schaut die Sonne durch die Wolken. Die Seen sind alle noch zu gefroren. Dann sind wir gegen 16.00 Uhr aus den Bergen heraus und die Sonne scheint, keine Wolke ist mehr am Himmel zu sehen. Nach 18.00 Uhr schlagen wir unser Zelt auf einem alten Stück der hier umgelegten E 79, dem „Bla Vägen“ auf und machen ein Feuer an. Es gibt „Pytt in Panna“ zum Abendessen, eine Art Bratkartoffeln mit Gemüse. Auf der Straße ist überhaupt nichts los, völlige Ruhe. Die ersten Mücken machen zaghafte Annäherungsversuche. Ein Kuckuckspärchen lässt sich etwa 100 m von unserem Zelt in einem Baum nieder. Kuckuck, kuckuck, kuck, kuck, kuck und schon fliegen sie wieder davon. Auch wenn wir so manches Mal geschoben haben, die Gegend ist einfach herrlich, wir sehen viele kleine und große Bäume, Felsen, Märchenwald.

29.05.1985

Abfahrt 3502 km
Ankunft 3571 km
Tagesleistung 68 km

In der Nacht regnet es etwas und es donnert. Morgens ist alles wieder und kalt, einfach bäh! Es bessert sich dann aber bald. Nach knapp 2 km kommen wir an einem schönen Parkplatz mit Hütte und Grill vorbei, das hätten wir vorher wissen sollen. Der Storuman, der vom Ume Älv gespeist wird, ist auch noch zugefroren. Da sich der See ziemlich geleert hat, liegen am Rand dicke Eisschollen am Ufer. Aus den Mooren und Waldgebieten fließen die Bäche, teilweise unter Bildung von Wasserfällen in den See. Auch heute müssen wir einige Male schieben, dann geht es wieder lange Strecken bergab. Unterwegs kaufen wir noch etwas ein. Man muss immer genug zum Essen dabei haben, denn man weiß nie, wo man landet. Gegen 18.30 Uhr erreichen wir den Campingplatz von Storuman. Wir sind das einzige Zelt auf dem Platz, nur eine Hütte ist noch belegt. An Ullas Rad ist die Decke nach 250 km am Hinterrad seitlich aufgeplatzt, so ziehe ich die Decke vom Vorderrad auf das Hinterrad und mitgeführte Reservedecke auf das Vorderrad, weil die qualitativ schlechter ist.

30.05.1985

Von Mitternacht bis 15.00 Uhr regnet es durchgehend. Wir bleiben auf dem Platz und nehmen uns um 11.00 Uhr eine Hütte. Außerdem kaufen wir uns noch neues Regenzeug, hoffentlich taugt das mehr wie das alte. Abends gehen wir noch in die Sauna. Das ist mal wieder nötig.

31.05.1985

Abfahrt 3571 km
Ankunft 3649 km
Tagesleistung 78 km

Hurra, die Sonne scheint. Gegen 11.00 Uhr verlassen wir den Platz und tätigen noch einen Einkauf. Gleich hinter Storuman verlassen wir die E 79 und fahren auf der Straße 343 weiter. Jetzt beginnt auch die typische Hochmoorgegend. Dichte Kiefern- und Fichtenwälder lösen sich mit Kahlschlaggebieten und Mooren und Seen ab. Die Flüsse und Seen führen Hochwasser. Wir fahren parallel zur Strecke der Inlandsbahn (Inlandsbanan), die wir letztes Jahr mit dem Zug gefahren sind. Kurz vor Vilhelmina fällt unsere Suche nach einem Wildcampingplatz förmlich ins Wasser. So feucht ist es überall. Moor eben. Im Ort soll ein Campingplatz sein, aber den suchen wir vergebens. Hinter dem Ort finden wir dann einen schönen Stellplatz im Freien. Nur Wasser und Gas werden etwas knapp. Gaskartuschen habe ich in Storuman nicht gefunden. Abends machen wir uns noch ein Feuer an.

01.06.1985

Abfahrt 3649 km
Ankunft 3724 km
Tagesleistung 65 km

Morgens um 10.00 Uhr fahre ich allein zurück nach Vilhelmina und besorge Wasser und kaufe Gas. Bei schönem Wetter fahren wir weiter auf der Straße 343. Langsam aber sicher werden die Birken immer grüner, das fällt uns richtig auf. Bei Meselefors überqueren wir dem Angermanälven und biegen auf die Straße 351 ab, hier wird der Verkehr sofort merklich ruhiger. Wir fahren immer noch an der Strecke der Inlandsbanan entlang. Ein paar kurze Steigungen schieben wir, aber sonst lässt es sich gut fahren. Jetzt beginnen auch die Zwergbirken ihr erstes Grün zu zeigen und auch die Nadelbäume zeigen kurz vor Dorotea ihre ersten grüne Knospen. In Dorota kommen wir an der Fabrik vorbei, in dem die Polar-Wohnwagen gefertig werden. Vor dem Rathaus von Dorotea steht ein riesiger, aus Holz geschnitzter Bär. Der Campingplatz ist noch dicht und wir fahren noch gut 12 km weiter und zelten an einem großen See, gut 11 km vor Hoting. Nachmittags ist das Wetter etwas bedeckt, aber gegen Abend wird es wieder besser. Ulla hatte den ganzen Tag über Beschwerden mit dem Gesäß.

02.06.1985

Abfahrt 3724 km
Ankunft 3799 km
Tagesleistung 75 km

Nachts um 3.00 Uhr regnet es. Als wir aufstehen, ist es stürmisch, aber die Sonne schaut ab und zu durch die Wolken. Bis Hoting kämpfen wir dann gegen den Wind an, In Hoting biegen wir auf die Straße 331 ab und haben dann Seiten- oder Rückenwind. Das ist schon angenehmer. Die Wälder ähneln hier unseren Mittelgebirgen, allerdings gibt es keine Buchen. Die Straße wird nach 10 km zur Schotterstraße und lässt sich mal gut und dann wieder schlecht befahren, wenn zu viel Schotter lose ist. Dann kommt wieder ein Stück Teerstraße und dann wieder Schotter. Ab Backe suche wir einen Platz für unser Zelt, aber überall da, wo es schön ist, steht prompt ein Haus. In Nordantjal verlassen wir die Hauptstraße und finden an der Nebenstraße ein geeignetes Plätzchen. Der Wind bläst immer noch kräftig und es ist reichlich kühl. Dafür gibt es keine Mücken. Die Wolken sind fast alle verschwunden.

03.06.1985

Abfahrt 3799 km
Ankunft 3839 km
Tagesleistung 40 km

Am Morgen haben wir bestes Wetter. Wir fahren weiter auf den Nebenstraße und kommen nach 20 km auf die Straße 342. Beide Straßen sind überwiegend geschottert. Ca 8 km vor Nasaker kommen wir an einem großen Wasserfall der Fjällsjöälven vorbei. Große Teile der Felspartien können wir begehen, der Fall fuehrt nicht sehr viel Wasser, das wird irgendwo gestaut. Als wir bei der Weiterfahrt an den Nämforsen-Wasserfall des Angermanälven kommen, ist die Enttäuschung erst mal groß. Da steht eine große Staustufe mit einem Elt-Werk und kein Tropfen Wasser läuft über den Fall. Wir machen auf dem Campingplatz in Näsaker einen Tag Pause. Zum Nachmittag trübt das Wetter wieder ein, allerdings ohne Regen.

04.06.1985

Mitten in der Nacht, so um 3.00 Uhr fangen in den Bäumen die Krähen an, aufzuwachen und sie machen mächtig Lärm, bis sie sich verziehen. Nach dem Frühstück gehen wir von unserem hochgelegenen Campingplatz am Kraftwerk vorbei zum Bahnhof Adalsliden. Hier steht ein alte Dampflok als Denkmal, die Strecke ist nur noch für den Güterverkehr geöffnet, der Personenverkehr ist seit 3 Tagen eingestellt. Auf dem Rückweg nehmen wir dann die Wasserfälle in Augenschein. Schilder weisen darauf hin, dass das Betreten lebensgefährlich ist, weil die Wehre der Staumauer ohne Vorwarnung geöffnet werden. In den Felsen sind an mehreren Stellen Felszeichungen (Hellristerningen) zu sehen. Gegen 13.00 Uhr, wir sitzen gerade an einem Feuer auf einer Wiese außerhalb der Sichtweite der Wehre, hören wir einen Zug heran rauschen. Es dauert etwas, bis wir bemerken, es ist kein Zug, sondern man hat die Wehre geöffnet . Dann kommt auch schon das Wasser donnernd um die Ecke geströmt und der Fall füllt sich schnell. Eine Stunde später gehen wir weiter und als wir den Weg am Steilufer empor steigen und dann oben auf eine Bank sitzen, wird das Wehr wieder geschlossen. Da haben wir ja Glück gehabt. Auch wenn sich das Wetter von der besten Seite zeigt, es ist doch sehr kühl. Beim Kaffee trinken schreiben wir ein paar Ansichtskarten. Die Krähen und Dohlen machen sich wieder bemerkbar, aber ab 18.00 Uhr ist dann bei denen Ruhe. Ulla macht noch einmal große Wäsche, eine Waschmaschine und ein Trockner müssen ausgenutzt werden. Wir gehen in der Zeit noch ein wenig am Fluss spazieren, es ist lange hell. Schließlich geht es auf die Mitsommernacht zu.

05.06.1985

Abfahrt 3839 km
Ankunft 3904 km
Tagesleistung 65 km

Zum Thema Wetter fällt uns bald nichts mehr ein. Sonne, Wolken und weiterhin zu kühl für die Jahreszeit. Auch hier im hohen Norden. Gegen 11.30 Uhr fahren wir dann weiter. Wir folgen dem Angermanälven auf einer schönen geschotterten Seitenstraße. Ab und zu müssen wir die Räder schieben. In Langsele kaufen wir ein und fahren dann auf der Straße 87 weiter in Richtung Östersund. An einem Waldstück fällt uns ein schwarzer Vogel auf, der auf einen Baum zu fliegt. Es ist ein Schwarzspecht. Wir halten an und beobachten ihn, bis er abfliegt. Er hat seine Nisthöhle in einem Baustamm gezimmert. Wir setzen uns an den Wegrand und ich schraube das Teleobjektiv vor die Kamera. Eine gute halbe Stunde müssen wir warten, bis sich eine Fotomöglichkeit ergibt. Der Vogel ist sehr misstrauisch. Etwas weiter finden wir einen Platz, wo wir unser Zelt dann aufbauen. Ich rechne mal durch, wie weit wir in etwa die nächsten zwei Wochen noch kommen können, es ist nicht so weit, wie anfangs geplant. Da Ulla noch gern an die Küste bei Göteborg möchte, bin erst mal am Planen, wir wir das machen können.



06.06.1985
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Abfahrt 3904 km
Ankunft 3931 km
Tagesleistung 27 km

Wir haben sehr lange geschlafen, so komme wir erst gegen 11.30 Uhr wieder in Trab. Als wir gegen 14.00 Uhr, nachdem ich Geld bei der Bank geholt habe, am Bahnhof von Bispgaden vorbei komme und ich feststelle, der nächste Zug nach Bräke fährt um 14.59 Uhr, ist alles klar. Ich löse für Ulla eine Fahrkarte bis Ange, ich selber habe als Eisenbahner 4 Freifahrten in Schweden. Wir verladen unsere Räder und dann geht die Fahrt los. Gleich hinter Bispgarden kommt der Zug am Dödafallet vorbei, da wollten wir eigentlich auch mit dem Fahrrad vorbei fahren. Auch dieser Fall führt nur wenig Wasser, weil auch hier Staustufe den Wasserfluss hemmt. In Bräcke steigen wir um in den Zug nach Ange, wo wir dann gegen 17.15 Uhr ankommen. Gleich hinter Ange ist ein Campingplatz, der eigentlich noch geschlossen ist, aber das Waschhaus ist auf und es gibt warmes Wasser. Außer uns sind noch zwei Pkws aus Essen auf dem Platz.




07.06.1985

Abfahrt 3931 km
Ankunft 4009 km
Tagesleistung 78 km

Heute morgen stehen wir relativ früh aus, die Sonne scheint, aber es sieht schon wieder etwas zweifelhaft aus. Da niemand da ist, der uns Geld abknöpfen könnte, fahren wir so weiter. Etwa 10 km nach der Abfahrt kommen wir an einem schönen Wasserfall vorbei, wo wir eine Stunde Pause machen. In Östavall wollen wir einkaufen, aber der Co-op Laden macht gerade Mittagspause. So setzen wir uns auf eine Bank und machen uns eine „heiße Tasse“ zum Mittag. Nach dem Einkauf geht es dann weiter am Holmsjön (-see), als wir dann an dem vorbei sind, kommen ein paar kräftige Steigungen, da ist wieder schieben angesagt. Gegen Nachmittag wird das Wetter wieder regnerisch und kalt. So kommen wir gegen 19.30 Uhr in Ytterhogdal an und finden auf dem Campingplatz für 70,00 SKR eine preiswerte, warme Hütte. Der ältere Platzwart begrüßt uns sehr freundlich. Ulla ist müde und legt sich bald schlafen.

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08.06.1985

Abfahrt 4009 km
Ankunft 4032 km
Tagesleistung 23 km

Das Wetter ist mal wieder trübe, es ist kalt und grau. Wir stehen um 8.00 Uhr auf und fahren um 8.50 Uhr in Richtung Bahnhof Ytterhogdal. Gegen 9.45 soll ein Zug in Richtung Sveg fahren, sagt uns der Platzwart. Pünktlich um 9.49 kommt der Zug an, wir laden Räder und Gepäck ein und los geht es. In Sveg laden wir unser Gepäck umsonst aus, denn der gleiche Zug geht um 12.10 Uhr weiter nach Mora. Im Bahnhof essen wir erst mal ein Eis. Dann geht es weiter nach Mora. Es ist mal wieder am Regnen. Wir steuern einen kleinen Campingplatz am Siljan (-see) an, aber der Platz ist leider geschlossen. Auf einem Bauernhof, der Hütten vermietet ist niemand da. So fahren im Regen zurück nach Mora und gehen dort auf den Campingplatz, das ist einer mit „Inchecking“ und Compterbuchung und entsprechend sind die Preise , wir nehmen uns ein Hütte für ca. 50.00 DM. Aber Hauptsache, wir sitzen im Trockenen.

09.06.1985

Abfahrt 4032 km
Ankunft 4070 km
Tagesleistung 38 km

Es schweigt des Sängers Höflichkeit, wieder ist alles grau in grau. Wir wollen nicht so weit fahren und kommen erst kurz vor 12.00 Uhr vom Platz, nachdem wir noch einen Runde geklönt haben. Gegen 14.00 Uhr, wir trinken gerade Kaffee in einem Freilichtmuseum, fängt es wieder an zu regnen. Landregen erster Güte wie am Vortag. Am Campingplatz in Johannisholm mieten wir uns wieder mal eine “Stuga“, diesmal eine Ferienwohnung in einem alten Bauernhaus, das war wohl früher mal eine Wohnung für das Gesinde.

10.06.1985

Abfahrt 4070 km
Ankunft 4134 km
Tagesleistung 64 km

Morgens um 4.30 Uhr weckt mich Ulla und behauptet, sie will losfahren. Wir haben ein strahlend blauen Himmel, das ist sie wohl etwas durcheinander gekommen. Na, um 8.00 Uhr sieht es schon wieder etwas bewölkter aus. Nach dem duschen und Frühstück geht es dann um 10.00 Uhr los. Es fährt sich gut und es ist wärmer geworden. Wir kaufen gegen 12.00 Uhr ein und kurz darauf überholt uns hupend ein Wohnmobil. Es ist das Ehepaar, mit dem wir auf dem Campingplatz in Mora morgens geklönt hatten. Wir trinken zusammen Kaffee und trennen uns nach einer Stunde. Mittlerweile haben sich mal wieder große graue Wolken breit gemacht, unsere Stimmung ist entsprechend. Am Bahnhof in Malung stelle ich fest, dass eine vernünftige Zugverbindung nach Göteborg nicht herzustellen ist. Einen Regenschauer von gut 30 Minuten sitzen wir am Bahnhof und dann geht es weiter in Richtung Torsby. Als die Straße dann schlechter wird und längere Strecken mit Schotter kommen, fängt es auch wieder an zu regnen. Aber zwei volle Regenbögen erfreuen dann wieder das Auge. Hier auf dieser Nebenstraße begegnen wir dem ersten Radfahrer in diesem Jahr. Es ist ein Schwede. Er hat vorn in einem Korb einen kleine Hund dabei, der ihn auf der Reise begleitet. Wir unterhalten uns ein wenig auf deutsch und englisch. Kurz danach kommt uns der zweite Radfahrer entgegen, ein Däne mit den Reiseziel Nordkap. Auch mit ihm unterhalten wir uns eine Weile, er spricht gut deutsch. Kurz danach, gegen 20.00 Uhr finden wir ein schönes Plätzchen für die Nacht.


11.06.1985

Abfahrt 4134 km
Ankunft 4199 km
Tagesleistung 65 km

Morgens sieht das Wetter nicht schlecht aus, aber als wir losfahren wollen, beginnt es zu regnen und ein Gewitter zieht über uns hinweg. Erst mal sitzen wir das Wetter im Zelt aus und weil wir kein Wasser mehr haben, stelle ich den Wasserkessel nach einer Stunde unter Zeltdach, so dass das Wasser hinein laufen kann. So können wir um 13.00 Uhr erst mal Kaffee trinken. Als ich für die Küchenschale aus der Packtasche ziehe, ist eine Tasse mit Wasser vollgelaufen, der Tee und der Süßstoff sind feucht geworden. Gegen 14.00 Uhr fahren wir dann endlich los, es regnet noch etwas, ab und zu lässt sich die Sonne sehen. Die ersten 20 km geht es bergab bis nach Stöllet. Danach geht es wieder bergauf mit mäßigen Steigungen, so dass wir kaum die Räder schieben müssen. Wir fahren weiter in Richtung Torsby, etwa 10 km vor Torsby ändert sich das Landschaftsbild. Jetzt wachsen Ahorn, Eberesche und andere Laubbäume, auch die Blumen sind viel weiter als vorher. Etwa 4 km vor Torsby kommen wir auf einen Campingplatz. Ulla wäscht noch Wäsche und ich telefoniere nach Haus. Dabei höre ich, dass unsere Tochter mit unserem R 4 einen Unfall hatte. Ein Polier, der von einem Richtfest kam, ist ihr aus einer Parklücke direkt vor den Wagen gefahren. Der angesagte Getriebeschaden lässt schlimmes vermuten. Weil der Wetterbericht auch für die nächsten Tage nichts Gutes verspricht, wollten wir versuchen, mit dem Zug nach Rödby in Dänemark zu kommen. Aber so beschließen wir, gleich nach Hannover zu fahren.

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12.06.1985

Tagesleistung 5 km

Morgens stehen wir gemütlich auf, das Wetter ist weiterhin nicht so das Pralle. Gegen 10.30 verlassen wir den Platz und fahren 5 km zurück zum Bahnhof in Torsby. Hier bringe ich erst mal wieder die schwedischen Eisenbahner ins Trudeln. Für Ulla eine Fahrkarte nach Rödby, die Fahrräder bis nach Hannover. Oha, da ist erst mal wieder telefonieren angesagt, so was hat man nicht alle Tage. Schließlich stellt sich heraus, man kann diese Fahrkarten nicht ausstellen und die Räder nicht als Reisegepäck annehmen, aber in Kil werden die entsprechenden Papiere schon fertig gemacht. Um 12.20 Uhr fährt der Triebwagen dann ab, unsere Fahrräder hängen dabei hinten an Haken über den Puffern, so wie es in Schweden üblich ist. In Kil haben wir 8 Minuten zum Umsteigen. Aber die Fahrkarte für Ulla ist ausgestellt und für die Fahrräder sind auch schon die Gepäckanhänger fertig. Die kommen auch gleich in den Packwagen. Kaum sind wir im Zug in Richtung Göteborg, fährt der auch schon ab. Zwischendurch wird das Wetter wieder besser, ändert sich dann aber wieder. In Varberg soll direkt am Bahnhof ein Campingplatz sein, aber den sehen wir nicht, also fahren wir weiter bis nach Helsingborg. Dort planen wir einen Zwischenstopp auf dem Campingplatz, aber weil das Wetter weiter sehr mies ist, gehen wir auf die nächste Fähre. Auch in Kopenhagen regnet es, als wir um 23.45 Uhr abfahren. Weil wir das ganze Abteil für uns allein haben können wir uns auch etwas lang machen. Nacht gehen wir dann auf der Fähre Rödby – Puttgarden noch etwas einkaufen und kommen um 6.26 Uhr in Hamburg Hbf an. Der nächste Zug in Richtung Hannover ist ein Eilzug über Soltau. Warum auch nicht, den nehmen wir und kommen um 9.45 in Hannover an. Vom Bahnhof geht es dann mit einer Taxe nach Haus, wo wir zur Überraschung unserer Familie so früh eintreffen, denn wir hatten uns für abends angesagt. Der erste Blick vor dem Haus fällt auf den Unfallschaden am R 4. Getriebeschaden? Nie und nimmer! Das bewahrheitet sich dann auch, aber der Gutachter sagte was anderes. Es dauert keine 5 min, dann läuft der Wagen wieder, den Heike mit einem Abschleppwagen vor das Haus hatte bringen lassen! Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier.

Gesamtleistung etwa 900 km



Östersund – Helsingborg 07.09.1986 – 29.09.1986

Wechselkurs 100,00 SKR = 31,75 DM

Am 07.09.1986 fahren wir , Didi und ich, um 17.00 Uhr mit dem D-Zug nach Hamburg Altona. Dort steigen wir um in den Schlaf- und Liegewagenzug nach Stockholm (D 390). Außer uns sind noch zwei Bundesbahner und ein junges Pärchen im Liegewagenabteil. Auf der Fähre nach Rodby decken wir uns noch mit etwas Hochprozentigem ein.

08.09.1986

Um 9.30 Uhr kommen wir ausgeschlafen in Stockholm an. Unser Zug nach Östersund fährt um 11.40 Uhr ab. Er ist sehr leer. Wegen Streckenerneuerung müssen wir von Bollnäs nach Järsvo mit dem Bus fahren. Um 18.45 Uhr kommen wir dann in Östersund an. Unsere Fahrräder sind schon da, bis auf ein paar kleine Schrammen sind sie in Ordnung. Wir fahren dann ca. 2 km bis zum nächsten Campingplatz, bauen das Zelt und gehen bald schlafen.

09.09.1986

Abfahrt 5 km
Ankunft 72 km
Tagesleistung 67 km

Erst um 9.30 Uhr stehen wir auf. Mit anfänglichen Schwierigkeiten verlassen wir dann frisch geduscht den Platz. Weit und breit ist kein Personal zu sehen, so verlassen wir ohne Bezahlung den Platz. Für Didi kaufen und montieren wir noch einen Gepäckträger für vorn, denn sonst hat er arge Schwierigkeiten mit der Gewichtsverteilung. Dann gehst es erst mal 20 km auf der Straße 88 in Richtung Inlandsälven. Dort biegen wir dann ab in Richtung Stugun und fahren auf Nebenstraßen weiter. Das Wetter ist gut, aber es ist kühl. Der Campingplatz, an dem wir kurz vor Stugun vorbeifahren, hat schon geschlossen. Gleich darauf sehen wir von weitem unseren ersten Elch, ob es eine Kuh oder ein Jungtier ist, kann man nicht erkennen. Jetzt geht es wieder mal mit der Suche nach einem geeigneten Platz für das Zelt los. Wir stellen uns dann gegen 19.00 Uhr bei einem Wochenendhaus an einem Wildbach auf. Das Thermometer am Haus zeigt 5°.

10.09.1986

Abfahrt 72 km
Ankunft 113 km
Tagesleistung 41 km

Als wir morgens das Zelt abbauen, beginnt es leicht zu regnen. Kaum biegen wir auf die Straße ab, begegnen wir 4 Elchjägern, die ihre Jagdgenossen suchen. Kurz darauf kommt uns ein Pkw mit Anhänger entgegen, auf dem ein toter Elchbulle liegt. Gegen 12.00 Uhr kaufen wir in Rissna etwas ein. Eine Telefongespräch mit Hannover kommt nicht zustande. Eine Stunde später beginnt für eine Stunde kräftig zu regnen, wir stellen uns in einem kleinen Ort unter, sind aber trotzdem schon ganz schön nass geworden. Dann geht es weiter, wir müssen einige Male schieben. Als wir auf der E 75 kommen, klappt es dann von einem Parkplatz aus mit dem Telefonat. Es fängt wieder an zu regnen, in Gallö mieten wir uns auf dem Campingplatz eine Hütte für 100,00 SKR. Die nassen Sachen kommen in den vorhandenen Trockenschrank, man ist hier auf Wintergäste eingestellt und die Heizung läuft, es wird langsam gemütlich warm. Anschließend gegen wir im Lokal einen Hamburger mit Fritten essen und sind um 18.00 Uhr wieder in unserer Hütte. Es regnet immer noch.

11.09.1986

Abfahrt 113 km
Ankunft 118 km
Tagesleistung 5 km

Die ganze Nacht über regnet es. Auch morgens ist alles grau in grau. Didi stellt fest, seine Regensachen sind das allerletzte. Wir schauen uns im Ort nach Regenzeug um und beschließen dann, mit der Bahn nach Östersund zu fahren, um dort zu schauen. Ein Zug geht aber erst um 14.00 Uhr. Wir kaufen noch etwas im Konsum und bei ICA ein, als wir gerade diesen Laden verlassen, steht ein Bus nach Östersund vor uns. Kurz entschlossen sind wir im Bus. Der Fahrer stempelt 10 Karten für 7,00 SKR ab und schon sind wir unterwegs nach Östersund. Nach langem Gucken und Prüfen in mehreren Läden kaufen wir uns Beide je einen neuen Regenanzug, der hoffentlich hält, was er verspricht. Auch Geld tauschen wir in einer Bank um. Zurück fahren wir dann mit der Bahn. Den ganzen Tag über haben wir Schauerwetter und es ist kalt. Erst gegen Abend kommt die Sonne wieder durch. Abends gibt es Kötbollar, das sind kleine Frikadellen und Snabbmakaroner, Das sind schnellkochende Makkaronis, dazu gibt es rote Beete. Die sind zu Didis Entsetzen süß.

12.09.1986

Abfahrt 118 km
Ankunft 201 km
Tagesleistung 83 km

Morgens haben wir herrliches Sauwetter. Wir fahren gegen 10.00 Uhr ab und es geht ab Revsund nur noch über Schotterstraßen weiter. Didi schafft die Steigungen besser als ich, so muss er manches Mal auf mich warten. Unterwegs treffen wir wieder auf Elchjäger und überall wird herum geknallt. Wir machen uns lautstark bemerkbar: „Wir sind keine Elche“. Immer wieder regnet es. Ein heftiger Hagelschauer geht über uns hinweg. Kurz danach hat Didi nach 40 km den ersten Platten, auch einige Speichen haben sich gelockert, die wir nachspannen müssen. Die Fahrt geht weiter über Vale - Ocksjön und Ytterturingen auf einem Seitenweg am Haverö entlang, wo wir gegen 19.00 Uhr das Zelt aufbauen. Kurz vorher hatten wir noch in einem alten Schuppen geschaut, wo ich unter der Einstiegsluke eine schlafende Fledermaus entdecke. Unsere neuen Regenanzüge haben sich gut bewährt. Ab 16.00 Uhr besserte sich auch das Wetter. Abends trinken wir einen Tee mit Rum. Es zeigt sich keine Wolke mehr am Himmel.


13.09.1986

Abfahrt 201 km
Ankunft 278 km
Tagesleistung 77 km

Auch morgens zeigt sich das Wetter von der besten Seite. Gegen 11.00 Uhr starten wir, einige kurze Steigungen müssen wir schieben. Nach 5 km kommt ein Wendeplatz und aus ist es mit der Weiterfahrt. Der auf meiner Karte eingezeichnete Weg ist nur noch als Wanderpfad zu erahnen und nicht zum Fahren geeignet. Also müssen wir wieder zurück und sind etwa 25 km umsonst gefahren. Gegen 13.00 Uhr kommen wir wieder auf die Straße 315, die sich sehr gut fahren lässt. Dann biegen wir auf die Straße 314 ab. Die gleiche Straße bin ich ein Jahr vorher mit Ulla gefahren, hatte sie aber nicht mehr so in der Erinnerung. Es geht gut 30 km mehr bergauf als bergab. Nach gut 40 km sind wir dann in Ytterhogdal. Unterwegs sehen wir jede Menge Pilze, vor allem sehr große Birkenpilze. An einer Tankstelle holen wir uns noch kleine Frikadellen (Köttbullar), eine Dose Erbsen und Wurzeln. Dort nehmen wir uns eine Hütte, wir sind total geschafft und haben keine Lust, das Zelt aufzubauen. Als wir dem Campingwart einen Jubiläums-Akvavit anbieten, strahlt der noch mehr wie sonst. An meinem Rad ist eine Speiche abgerissen, die erneuere ich gleich. Das gute Wetter hat sich bis zum Abend gehalten und es ist angenehm warm.

14.09.1986

Abfahrt 278 km
Ankunft 356 km
Tagesleistung 78 km

Bei reichlich durchwachsenem Wetter fahren wir ab, die 40 km bis Sveg laufen sehr gut, auch wenn wir einen kräftigen Regenschauer abbekommen. Einen weiteren Regenschauer sitzen wir am Bahnhof von Älvros bei Kaffee und Kuchen ab. Ab Sveg, wo wir noch etwas einkaufen, geht es dann gut 30 km bis Lillhärdal stetig bergauf, es läßt sich zwar fahren, aber aus dem ersten Gang komme ich selten raus. Die Strecke führte heute durch viele Hochmoore und Kiefernwälder. Als wir am Campingplatz von Lillhärdal ankommen, regnet es kräftig. Wir überlegen und beschließen, eine Hütte zu nehmen. Dafür muss ich aber erst mal zurück in den Ort und den Platzwart anrufen. Dann rufe ich noch in Hannover an, ich muss mich mal wieder bei der Familie melden. Als ich zum Platz zurück komme, ist der Platzwart schon da. Der Platz verfügt über eine sehr gute Küche und einen Aufenthaltsraum mit einem Fernseher. Der Wetterbericht verspricht ab Dienstag besseres Wetter.

15.09.1986

Abfahrt 356 km
Ankunft 426 km
Tagesleistung 70 km

Es regnet die ganze Nacht. Wir schlafen gut und starten nach dem Frühstück kurz vor 10.00 Uhr. Die Hütte kostet 75,00 SKR. Wir fahren in Richtung Älvdalen. Laut Wegweiser sind das 81 km. Die ersten 50 km geht es mehr oder weniger nur bergauf. Es regnet den ganzen Tag über. Dann taucht von weitem so ein verdächtiger weißer Schimmer an den Bergen auf, es hat geschneit. Auch der Regen geht in Schneeregen über. So langsam werden unsere Sachen auch von innen nass und klamm. Didi friert noch dazu. Nach etwa 45 km kommt eine leere Hütte und ein Stall, in dem wir Unterschlupf finden. Wir kochen eine Tütensuppe und essen eine kalte Hagebuttensuppe aus dem Tetrapack. Dann legen wir uns sozusagen erst mal trocken. Nach einer Stunde, gegen 15.00 Uhr fahren wir weiter. Kurz darauf bei etwas 700 m Höhe überqueren wir die Wasserscheide. Jetzt geht es am Ryman und dann am Rotälven teilweise sehr schnell bergab. Didi meint, im frieren bald die Finger ab, denn es ist ungemütlich kalt. Je tiefer wir kommen, um so „wärmer“ wird es. Etwa 10 km vor Älvdalen stoßen wir auf eine typische, nach vorn offene Anglerhütte. Wir beschließen, hier zu bleiben und machen erst mal ein Feuer an. Das ist aber nicht so einfach, denn das wenige Holz ist natürlich klitschnass. Ich inspiziere das abseits stehende Toilettenhaus und Didi fällt fast der Unterkiefer aus dem Gesicht, als ich plötzlich mit der Toilettentür unter dem Arm ankomme. Das Haus ist eh nur noch eine Ruine, eine Seitenwand und die Rückwand fehlen. So habe ich keine Skrupel die Reste zu verheizen. Zum Abendessen gibt es Nudeln aus der Dose und Brot.

16.09.1986

Abfahrt 426 km
Ankunft 491 km
Tagesleistung 65 km
Morgens ist alles voller Rauhreif. Aber das Wetter ist bestens, allerdings müssen wir doch ein paar kleine Regenschauer über uns ergehen lassen. Bei einem Guss sitzen wir gemütlich in einer Schießbahn im Trockenen und trinken Kaffee. In Rot haben wir erst mal eingekauft und geht es weiter über Älvdalen und dann öfters schiebend über Evertsberg auf einer Seitenstraße in Richtung Venjan. Nach etwa 5 km wird dieser Weg zur Schotterpiste. „Bodo mit dem Bagger“ war da und hat nach gutem schwedischen Brauch die Straße planiert. Wieder nach gut 5 km kommt uns ein riesiger Radlader mit einer angehängten Rüttelwalze entgegen. Danach läßt sich der Weg wieder besser befahren. Aber nicht lange, Bodo mit dem Bagger hat wieder zugeschlagen: vor uns schiebt ein Caterpillar-Grader die Straße ab. Dadurch ist der Schotter weich und tief und entsprechend schlecht zu befahren. Als wir ihn dann überholen, sind wir kurz vor der Straße nach Venjan. Auch diese Straße ist sehr schlecht, es ist eine üble Rackerei bis Venjan. Die Gegend selber ist allerdings sehr schön, das entschädigt die Sache etwas. Weiter geht es dann auf einem Nebenweg durch dichte Waldgebiete in Richtung Asen, das ist mehr oder weniger nur eine Wochenendhaussiedlung. Wir sind von etwa 270 m auf gut 500 m angestiegen und mussten wieder einige Male schieben.
Es ist schon fast dunkel, als wir gegen 19.00 Uhr einen uns angenehmen Platz finden. Unserem Gaskocher ist es reichlich kalt und so dauert es lange, bis Abendessen und Tee warm sind. Wieder ein sehr ruhiger Platz, wo so einmal in der Stunde ein Auto vorbei kommt.

17.09.1986

Abfahrt 491 km
Ankunft 550 km
Tagesleistung 59 km

Es hat wieder kräftig gefroren, selbst die Wasserpfützen sind vereist. Aber wir haben gut geschlafen und das Wetter ist prima. Weil Didi den Kocher mit im Schlafsack hatte, gibt es schnell warmes Wasser für den Kaffee. Dann geht es ziemlich bergab und in Öje stoßen wir auf die Straße 234. Im Konsum von Öje, wo ich letztes Jahr auch mit Ulla einkaufte, holen wir für Didi eine Elastikbinde, sein rechtes Knie macht Schwierigkeiten. In Malung kaufen wir dann im Konsum richtig ein und leisten uns dann in einer Gatu-Kök jeder einen Hamburger mit Pommes und Cola. Das kostet nur die Kleinigkeit von 75.00 SKR. Eine Übernachtung in einer Hütte, meint Didi. Von Malung aus geht es weiter auf einer Nebenstraße. Erst mal geht es wieder bergauf und schon bald stelle wir hoch erfreut fest, das Bodo mit dem Bagger schon wieder unterwegs ist. So wird es auf gut 10 km eine üble Fahrerei. Plötzlich hören wir neben uns ein Trampeln in Wald. Eine Elchkuh mit zwei Kälbern läuft im Wald an uns vorbei und überquert dann etwa 30 m vor uns den Weg. Dann endlich erreichen wir wieder festen Boden und kurz danach finden wir wieder mal ein hübsches Plätzchen, wo wir auch wieder ein Feuer anmachen können. Abends gibt es mal wieder Erbsenwurst mit Würstchen.

18.09.1986

Abfahrt 550 km
Ankunft 650 km
Tagesleistung 100 km

Morgens haben wir wieder starken Bodenfrost. Einige wenige Autos kommen vorbei und gegen 10.30 Uhr fahren wir los. Es lässt sich, wenn auch mit einigen Schiebungen, ganz gut fahren. Doch hinter Raforsen bis zur Grenze von Darlana nach Värmland hat Bodo wieder zugeschlagen. Ein Bahndamm kann nicht schlimmer sein. Wir schaffen in 2 Stunden gerade 16 km. Kurz vor der „Grenze“ kriegt Didi noch mal schnell einen Platten, einen Steindurchschlag mit zwei Löchern. In Värmland haben wir dann eine Teerstraße. Ein Keilriemen, der auf der Straße liegt, entpuppt sich als eine Kreuzotter, ca. 50 cm lang. Sie macht sich zischend von dannen, leider kriege ich die Kamera nicht so schnell in die Hand, da ist sie schon weg. Bis zum Dragsjön geht es fast immer leicht bergab. Nach einer Kaffeepause fahren wir über Gustav-Adolf (-Kirche) etwa 12 km, dabei öfters schiebend auf einer Schotterpiste zur Straße 246. Dort lässt es sich wieder gut fahren, bis wir vor Filipstad noch mal gegen 18.30 Uhr in eine böse Steigung kommen. Da werden die letzten Kilometer ganz schön heftig. Während Didi das Zelt aufbaut, fahre ich in den Ort, um etwas Abendessen zu kaufen. An einer Tankstelle bekomme ich noch braune Bohnen und Didi anschließend das große Ko...., der Eintopf ist kreischend süß. Naja, sehr gewöhnungsbedürftig. Didi hält sich da lieber an Brot und Käse und bedenkt seinen Fressnapf mit bösen Blicken.

19.09.1986

Das Wetter ist gut, nachts hatten wir keinen Frost. Es geht erst mal unter die warme Dusche und dann wird gefrühstückt. Drei junge Entenküken belagern uns und warten darauf, dass etwas für sie abfällt. Ab 10.00 Uhr haben wir große Wäsche, trocknen können wir die Wäsche dann im Trockner. Ab 14.00 Uhr ist Freizeit angesagt. Wir fahren in den Ort, Didi telefoniert mit seiner Mutter. Dann trinken wir einen Kaffee beim Domus (Konsum) und machen dann einen Stadtbummel. Anschließend kaufen wir ein und es geht zurück zum Campingplatz. Dort erwarten uns schon wieder die Entenküken. Die nehmen einem das Brot aus der Hand und würden am liebsten gleich mit ins Zelt kommen. Abends gibt es Fischstäbchen und Pellkartoffeln. Der Himmel ist mal wieder bedeckt.

20.09.1986

Abfahrt 650 km
Ankunft 727 km
Tagesleistung 77 km

Beim Aufstehen warten schon die Enten vor dem Zelt. Nach dem Frühstück zahle ich 80,00 SKR für zwei Nächte. Dann geht es los. Nach etwa 30 km stellen wir fest, wir sind auf der falschen Straße, nicht auf der 64, sondern auf der 63. Das beschert uns dann einen Umweg von gut 25 km mit vielen Steigungen. Wir machen eine Pause auf einem Parkplatz an der Straße 240, als wir losfahren wollen habe ich vorn einen Platten und das Felgenband ist gerissen. Kurz vor Kristinehamn verkaufe ich einem deutschen Motorradfahrer meine Schwedenkarte 1:300 000, der war verzweifelt auf der Suche nach einer ordentlichen Karte. Für den Rest der Tour reicht meine andere Karte aus. Weiter geht es auf der jetzt vierspurigen Straße. An beiden Seiten der Straße ist ein hohe Zaun montiert, der nur ab und zu durch einen schmalen Durchlass unterbrochen ist. Dann finden wir eine Platz für die nächste Nacht. Es ist wieder 19.00 Uhr und es gibt mal wieder Erbsensuppe. Der Tag war sonnig, aber der Wind war doch sehr kalt.

21.09.1986

Abfahrt 727 km
Ankunft 805 km
Tagesleistung 78 km

Die Nacht über gibt es ein paar Schauer. Gegen 10.00 Uhr geht es weiter. Erst geht es nach Kristinehamn und dann weiter auf der Straße 64 entlang des Vänern (-see), von dem wir aber nicht viel sehen. Der Verkehr ist nicht so stark, aber doch störend, vor allem dann, wenn man trotz Gegenverkehr überholt wird. An einer Tankstelle kaufen wir ein und machen gegen 14.00 Uhr eine Pause. Hier machen sich bereits die vorher gekauften und gegessenen Trockenpflaumen heimtückisch bemerkbar, die wir uns trotz besseren Wissens nicht verkneifen konnten. Bei Sjötorp stoßen wir auf den Götakanal. Sämtliche Anlagen am Yachthafen sind bereits geschlossen, das Telefon ist abgestellt. Wir fahren noch mehrere Kilometer am Kanal entlang, bis einen Platz für unser Zelt finden. Bis 16.00 Uhr war der Himmel bedeckt und wir hatten einen unangenehmen Gegenwind. So war die Fahrerei doch sehr anstrengend. Zum Abendessen gibt es mal wieder Pytt in Panna. Beim zweiten Wasserkochen für den Abendtee stelle ich fest, Didi hatte den Abwaschschwamm im Kessel gelassen. Naja, so ist der wenigstens steril und alles gröhlt und alles lacht, denn Didi hat´nen Gag gemacht. Die ersten Mücken melden sich auch, denn mit 17° hatten wir heute einen relativ warmen Tag.


22.09.1986

Abfahrt 805 km
Ankunft 884 km
Tagesleistung 79 km

Morgens haben wir gutes Wetter, aber es ist sehr windig. Der Wind lässt den ganzen Tag nicht nach und kommt meistens von der Seite, nur wenn wir mal in den Wind drehen, wird das Fahren zur Qual. Wir fahren am Kanal entlang bis Töreboda und dann auf der Straße 200 in Richtung Skövde. Die Gegend ist nicht mehr so waldig und wird landwirtschaftlich genutzt. Überall sind Mähdrescher im Einsatz, obwohl das Korn teilweise noch grün ist. Der Sommer in Schweden war nicht sehr gut. Auch Kartoffeln werden schon geerntet. Kurz vor Skövde werden wir Radfahrer von der Straße verbannt. Leider ist hier nichts ausgeschildert und weil wir nicht genau wissen, wo die Stadt liegt, fahren wir gut eine Stunde ziemlich planlos durch die Gegend, teilweise auf Waldwegen bis wir endlich wissen, wo wir sind. Wir sind froh, als wir die Stadt passiert haben. Weiter geht es auf der Straße 46 und dann auf der Straße 48, wo wir dann auch bald unser Zelt aufbauen können. Mit Wasser zum Waschen haben wir so langsam ein Problem, denn die Bäche und Seen haben sich rar gemacht.

23.09.1986

Abfahrt 884 km
Ankunft 960 km
Tagesleistung 76 km

Morgens bekommen wir das Zelt wieder nicht trocken, weil wir im Schatten stehen. Es ist auch wieder reichlich frisch, denn wir hatten wieder Nachtfrost. Weiter geht es auf der Straße 48, vereinzelt liegen Gehöfte an der Straße, aber auf gut 40 km kein Ort. Erst kurz vor Mullsjo könne wir auf einem Rastplatz Wasser fassen und Kaffee kochen. Ausserdem ist eine Telefonzelle da und ich rufe in Hannover an. In Mullsjo kaufen wir zum Abendessen, es gibt mal wieder Erbsensuppe aus der Plastikverpackung. Auch Gas brauchen wir, unsere letzte Kartusche geht dem Ende entgegen. Über die Straßen 185 und 40 biegen wir auf die Straße 26 ab und kommen nach 8 km auf die geplante Route nach Angerdshestra. Dass scheint allerdings wieder ein „Bodo mit dem Bagger“ Weg zu werden. Nach etwa einem Kilometer schlagen wir unser Zelt bei einer Wüstung auf, wo eine Tafel von „Stora Widebro 1687 -1898“ kündet. Didi meldet Souvenirgelüste auf die Tafel an. Nachmittags ziehen dunkle Wolken auf, aber am Abend lockert es wieder auf.

24.09.1986

Abfahrt 960 km
Ankunft 1056 km
Tagesleistung 96 km

Wir haben uns entschlossen, doch lieber auf der Straße 26 bis Gislaved weiter zufahren. Zur Probe geht es erst mal wieder bergauf. Aber die Straße ist kaum befahren und das Wetter ist gut. Wir fahren dann über Reftele auf guten Seitenstraßen weiter. Ab 18.00 Uhr ist Zeltplatzsuche angesagt, aber es ist wie verhext, kein vernünftiges Plätzchen ist zu finden. In der Abenddämmerung taucht plötzlich ein Radfahrer hinter uns auf. Es ist ein Münchener auf der Rückreise vom Nordkap, der gut 5000 km hinter sich hat. Wir klönen ein bisschen und trennen uns dann wegen der Platzsuche. Fast im Dunkeln bauen wir dann nahe an einem Ferienhaus unser Zelt auf einer Wiese auf. Wieder ist kein See oder Bach in der Nähe.

25.09.1986

Abfahrt 1056 km
Ankunft 1150 km
Tagesleistung 94 km

Morgens haben wir wieder Frost. Wir starten einen vergeblichen Versuch, das Kochgeschirr vom Abend vom Rest des Kartoffelbreis zu säubern. Ohne Wasser keine Chance. Abwaschen wird zum Luxus erklärt. Das Wasser reicht nur zum Kaffee kochen. Wir starten und nach etwa 20 km wird die Straße wieder mal zur Schotterpiste und bekommt ab Odensjö Bodo mit dem Bagger Charakter. Diesen Weg an Unnen (-see) bin ich vor 16 Jahren mit Ulla und den Kindern mit unserem VW Bully gefahren. Zwischendurch ist der Münchener wieder zu uns gestoßen. Er begleitet uns den ganzen Tag, obwohl er mit seinem Rad und seiner Kondition alleine bedeutend schneller wäre. So nebenbei erzählt er, dass er im Jahr ca. 20.000 km mit dem Fahrrad unterwegs ist und selbst im Winter durch die Alpen düst. Sein Wunschtraum ist es, im Winter zum Nordkap zu fahren. Bei Torpa biegen wir falsch ab und machen einen Umweg von ca. 20 km. Wir fahren über Knäred und finden recht spät hinter Hishult einen Platz mitten im Wald. Bis kurz nach 22.00 Uhr sitzen wir noch zu dritt in unserem Zelt und essen stark gewürzte Snappmakroni mit Fleischwurst. Die Nacht ist wieder kalt und es friert.


26.09.1986

Abfahrt 1150 km
Ankunft 1236 km
Tagesleistung 86 km

Gegen 10.00 Uhr brechen wir auf. Die morgendliche Wäsche fällt aus wegen Wassermangel. Gleich bei der Abfahrt stellen wir bei Didi einen Schleichplatten fest. Nach etwa 20 km wechseln wir den Schlauch und auch gleich die Decke hinten, da sie bis auf das Gewebe abgefahren ist. Außerdem ist eine Speiche abgebrochen. Da unserer Begleiter vom Fach ist, er arbeitet bei einem Fahrradhändler, geht das Ganze ruckzuck. Unterwegs stellen wir fest, dass wir es doch nicht bis Malmö schaffen werden, denn Didi hat große Probleme mit seinem Knie. Außerdem möchte er sich noch eine Jacke kaufen. So schmeißen wir die Planung mal wieder um und biegen von der Straße 108 auf die Straße 21 in Richtung Helsingborg ab. Unser Begleiter trennt sich von uns, er möchte in Malmö noch die Fähre nach Travemünde erreichen. Für und beginnt das Spiel wie vor zwei Jahren mit Ulla, auf Nebenwegen nach Helsingborg zu gelangen, was aber diesmal ohne Probleme klappt. Gegen 19.30 Uhr kommen wir auf dem Campingplatz an und zahlen gleich 98,00 SKR für zwei Nächte. Wir bauen unsere Hütte auf und zum Abendessen gibt es mal wieder Erbsensuppe mit Würstchen. Auf dem Campingplatz treffen wir ein älteres holländischen Ehepaar wieder, mit denen wir auf dem Platz im Filipstad ins Gespräch gekommen waren. Anschließend strapazieren wir die Kläranlage von Helsingborg, wir duschen endlich mal wieder.

27.09.1986

Endlich mal wieder ein Ruhetag, aber gleich mault uns der Campingplatzwart an, dass wir auf dem falschen Platz stehen. Auf dem Platz sind die Stellplätze nummeriert und wir stehen auf einer Rasenfläche hinter dem Waschhaus. Also müssen wir noch mal kurz umbauen und stehen dann auf Platz Nr. 60. Anschließend fahren wir nach Helsingborg zum Einkaufen und um den Abfahrtsplatz der Fähre zu erkunden. Dafür erkundigen wir uns bei der Touristeninformation. Ja, die Fähre fährt da und da ab, Tickets gibt es am Hafen oder an Bord. Anschließend kauft sich Didi die lange gewünschte Fjällrävenjacke, die Mehrwertsteuer Moms kann er sich gleich am Bahnhof zurück erstatten lassen. Nichts ist mit Momserstattung am Bahnhof, die wird am Fährbahnhof zurück erstattet. Dann fahren wir zurück zum Domus und essen zu Mittag. Didi gönnt sich ein Class 1 Bier, selbst nach 3 Wochen Abstinenz schmeckt das zum Abgewöhnen. In Helsingborg ist gerade englische Woche und eine Dudelsackkapelle aus Malmö ist dabei, ein Ständchen zu geben. Die spielen wirklich gut, die Mädels und Jungen. Nach einem weiteren Stadtbummel gehen wir zurück zu unseren Rädern und siehe da, die sind weg. Oha! Diebstahl in Schweden? Allerdings hat man die Räder nur um die Ecke gestellt, wegen Anstellverbot für Cykels. Wir fahren dann zurück zum Platz verbringen den Abend mit essen und klönen. Dann stellen wir noch die Uhren auf MEZ zurück und es geht auf die Isomatten.

28.09.1986

Um 7.00 Uhr werden wir wach und nach einer ausgiebigen Dusche und dem Frühstück geht es in Richtung Hafen. Beim Zollgelände erkundigen wir uns, wo wir Fahrkarten bekommen können, großes Rätselraten und Schulterzucken. Wir fertigen hier nur Lkw´s ab. Also ab zum Schiff nach Travemünde. Mit dem Fahrrad aufs Schiff? Hier werden nur Lkw´s abgefertigt. Hier ist doch was faul. Ich zücke den Fahrplan, den ich bei der Touristinformation erhalten habe. Lt. Uhrzeit und Datum sollte eine Kombifähre fahren, aber man hat den Fahrplan einen Monat vorher umgestellt. Ein großes hin und her über Funk und wir dürfen an Bord. Wir sind an Bord der Fracht- und Lkw-Fähre Gunilla, das Schiff hat Platz für ganze 12 Personen. Für je 100,00 SKR ordern wir ein gutes Essen und können auch noch zollfrei einkaufen. Allerdings verbannt man uns in den Aufenthaltsraum, die obere Schiffsführung muss uns nicht unbedingt sehen, auch wenn wir den tarifmäßigen Preis gezahlt haben. Außer uns ist nur noch ein schwedischer Lkw-Fahrer an Bord. Die Sicht ist nicht sehr gut, es ist diesig und gegen 20.30 Uhr kommen wir in Travemünde an. Beim Zoll wundert sich der Beamte, wo wir herkommen. Er erklärt uns dann den Weg zum Campingplatz. Im Dunkeln bauen wir dann das Zelt im Licht der Taschenlampe auf gehen anschließend noch auf „ein“ Bier in das Restaurant des Campingplatzes.

29.09.1986

Nachdem wir dann das Zelt abgebaut haben, geht es mit dem Zug nach Lübeck und weiter nach Lüneburg, wo wir um 12.28 Uhr den Zug nach Lüneburg nehmen. Dort steigen wir dann in einen D-Zug nach Hannover um und kommen gegen 16.00 Uhr in Hannover Hbf an.

Der Endstand des Km Zählers ist 1296 km, die wir in diesem Urlaub zurück gelegt haben.


09.08.1987

Um 6.16 Uhr fahren wir in Hannover ab. In Hamburg und Kopenhagen steigen wir, Didi, Wilfried und ich um und dann noch einmal in Hässleholm in den Lapplandpilen (Lapplandpfeil). Dort gibt es erst mal etwas Ärger, weil sich jemand in dem von uns gebuchten Schlafwagenabteil breit macht. Der Schaffner regelt die Sache dann aber schnell. Angeblich war es eine Doppelbuchung.

10.08.1987

Morgens erweist sich Wilfried als arger Störenfried, denn er ist Frühaufsteher. Gegen 11.00 Uhr müssen wir innerhalb des Zuges in Vännas noch mal umsteigen, weil der Schlafwagen dort endet. Nachdem wir über den Polarkreis sind, ändert sich das Wetter und es wird bedeutend besser. In Kiruna steigt ein Student ein, der seinen Urlaub durch das Sammeln von Getränkedosen bestreitet. In jedem größeren Geschäft stehen Automaten, die das Pfandgeld ausgeben. Um 20.15 Uhr kommen wir in Björkliden an, der Bahnhof ist geschlossen, aber unsere Räder sind da. Sie stehen in einem Schuppen, wie wir durch das Fenster sehen können. Der Campingplatz ist gleich am Bahnhof.

11.08.1987

106 km

Nach dem Frühstück holen wir die Räder ab. Dann geht es in Richtung Kiruna. Wilfried hat bereits nach 20 km den ersten Platten, na, das fängt ja schon gut an. Wir haben sonniges Wetter, der Wind schiebt kräftig und es geht meistens bergab. Gegen 17.00 Uhr ereignet sich direkt vor uns ein schwerer Unfall. Der uns gut eine Stunde lang aufhält. Kiruna ist nur ein Hinweisschild zu einem Wohnwagenplatz, also versuchen wir unser Glück in der Jugendherberge. Aber die ist voll belegt. Allerdings erfahren wir hier, dass es noch einen weiteren Campingplatz gibt. Da wollen wir uns erst mal eine Hütte nehmen, aber bei einem Preis von 105,00 DM für die Nacht nehmen wir dann doch mit dem Zelt vorlieb.

Zum Unfall:

Etwa 15 km vor Kiruna auf einer langgestreckten Steigung kommt uns ca. 600 m vor der Kuppe ein norwegischer Pkw mit Wohnwagen entgegen und ein schwedischer Lkw der Firma GB-Glassen (Speiseeis) setzt zum Überholen an. Beide fahren nebeneinander mit fast gleicher Geschwindigkeit bergab, nach gut 200 – 300 m zieht der Pkw plötzlich nach links und drängt den Lkw ab. Wir sind ca. 150 m von Unfallort entfernt. Der Lkw rutscht nach links in den Graben und kippt dabei um. Ein dicker Felsbrocken bremst ihn abruppt ab und der Kühlaufbau zerlegt sich dabei in alle Einzelteile. Der Pkw gerät noch mit dem linken Vorderrad auf den Seitenstreifen, der Fahrer kann dann aber stark schleudernde Gespann auf der rechten Straßenseite zum Stehen bringen. Als wir dann direkt vor Ort sind, hat der Lhw-Fahrer den Wagen bereits leicht verletzt verlassen. Ein nachfolgender Autofahrer fährt sofort weiter und alarmiert die Polizei, wir bleiben erst mal am Unfallort. Die Pkw Insassen, Vater, Mutter und Tochter sind unverletzt, aber sichtlich geschockt. Auf dem gesamten Umfeld des Unfalls sind einige zig Kilo Speiseeis verteilt. Es dauert einige Zeit, bis die Polizei kommt und den Unfall aufnimmt und auch uns kurz befragt. Dann fahren wir weiter.

12.08.1987

78 km

Die Fahrt verläuft ohne Probleme, nur eine 6 km lange Steigung bremst uns etwas aus. Das Wetter ist verschnitten und es ist nicht gerade warm. Der Campingplatz in Vittangi ist modernisiert worden und verfügt jetzt auch über Hütten. Vor zwei Jahren haben wir hier noch 4.00 SKR für die Nacht bezahlt, jetzt sind es 25.00 SKR. Wir machen uns eine schönes Lagerfeuer an und sprechen dabei dem von der Fähre mitgebrachten Feuerwasser doch etwas zu reichlich zu. 96 %er mit Tee haut doch kräftig zu, was man nicht gleich so merkt.

13.08.1987

Als ich morgens aufwache, denke ich: wenn sich jetzt jemand eine Zigarette anzündet, explodiert das Zelt, so eine Alkoholwolke liegt in der Luft. So wird dieser Tag dann auch tatsächlich ein Alkoholverdunstungstag, wir bleiben auf dem Platz. Wettermäßig ist es so lala.

14.08.1987

83 km

Der ekelige Typ von Frühaufsteher verkündet 2°, aber kein Regen. Dabei sit uns noch nach Schlafen zu mute. Gegen 10.00 Uhr starten wir dann durch. Nach gut 20 km kommen wir an einem alten Sägewerk, dass als Kulturdenkmal gut in Schuss ist und auch jederzeit gut für eine Übernachtung wäre. Das Wetter ist weiterhin verschnitten, aber der Regen geht vor und hinter uns nieder. Nach Masugnsbyn kommen wir dann auf die Straße, die ich 4 Jahre vorher schon mal mit Ulla gefahren bin. Nach 60 km bricht bei Didi der hintere Gepäckträger unten links weg. Mit Bordmitteln können wir ihn provisorisch reparieren. Nach gut 80 km entdecken wir mitten im Wald an einem Fluss eine offene Anglerhütte. Dort stellen wir unser Zelt auf und machen ein Feuer an. Zum Schlafen ist die Hütte nicht geeignet. Abends fliegt eine 1-motorige Maschine über uns hinweg grüßt uns mit den Tragflächen wackelnd.

15.08.1987

81 km

Wilfried macht schon wieder frühzeitig Randale. Draußen ist es recht kühl, der Himmel ist grau, aber es regnet nicht. Beim Frühstück wird erst mal ein Feuer angemacht und gegen 10.00 Uhr geht er los. Allerdings verfahren wir uns vor Dokkas und landen auf der Straße 394, was uns einen Umweg von von gut 30 km einbringt. Teilweise haben wir lange Steigungen vor uns und auf einigen „Bodo mit dem Bagger“ Wegen steigen wir kurz ab und schieben. Kurz vor Dokkas kriege ich vorn eine Platten, den ich dann auf unserem heutigen Wildcampingplatz flicke. Unterwegs haben wir eingekauft und auch Backobst, welches bei uns eine starke Darmtätigkeit hervorruft. Der Platz, auf dem wir stehen, hat einen Grill und zwei Toiletten. Hinter uns rauscht ein Bach, an dem eine alte Wassermühle steht.

16.08.1987

116 km

Morgens hat sich eine etwa 1 cm dicke Eisschicht im Kochgeschirr gebildet. Didi hat seine Tüte mit dem Trockenobst abends auf der Bank am Feuer stehen lassen, sehr zur Freude einer Elster, die sich darüber hergemacht hat. Frühstück gibt es mit Lagerfeuer, allerdings dreht sich der Wind laufend und jeder von uns wird geräuchert. Die Sonne scheint, als wir uns gegen 9.30 Uhr auf den Weg machen. Hakkas erreichen wir nach 5 km, weiter geht es auf der Straße 98 und dann biegen wir in Richtung Nattavara ab. Die weiteren 25 km fahren wir wieder mal auf einer Schotterpiste in allen Qualitäten. Am der Bahnstation Nattavara versucht Wilfried in Hannover anzurufen, es klappt nicht. Dann geht es weiter, wieder auf einer Schotterpiste mit teilweise heftigen Steigungen bis zu einem Kraftwerk am Store Lule Älv. Des öfteren treffen wir auf kleine Rentierherde. Die laufen vor Radfahrern meistens weg und so verfolgen wir bergab zwei Tiere, die mit gut 40 km/h vor uns auf der Straße laufen, bis sie dann endlich ins Gelände abbiegen. Wilfried kann sich darüber köstlich amüsieren. Nach gut 80 km sind wir am Überlegen, Zelt aufbauen oder bis Jokkmokk fahren. Mit viel Popoaua und arger Unlust kommen wir dann doch bis Jokkmokk und nehmen uns auf dem Platz eine Hütte für 190,00 SKR. Das Abendessen schmeckt besonders gut und dann gibt es noch ein ausgiebiges Duschfestival. Herz, was willst du mehr?

17.08.1987

Heute haben wir einen Waschtag auf dem Platz und kaufen in Jokkmokk ein. Das Wetter ist gut.

18.08.1987

85 km

Selbst Wilfried wird zu halbwegs menschlicher Zeit wach, gegen 8.30 Uhr hüpfen auch wir aus der Koje. Das Wetter ist weiterhin gut. Nach dem Frühstück säubern wir noch die Hütte uns kommen dann gegen 10.30 Uhr in dir Gänge. Erst mal geht es bergauf und nach gut 6 km erreichen wir von Norden kommend den Polarkreis. Man merkt die Saison in Schweden ist gelaufen, hier herrscht völlig tote Hose. Gegen 14.00 Uhr beginnt es zu regnen, es gibt einige Schauer. Einen davon warten wir in Kittajaur in einer Hütte ab, gleich neben einem geschlossenen Verkaufsstand der Lappen. Um 18.00 Uhr finden wir dann einen Rastplatz und bauen unser Zelt an einem See auf. Während des Abendessens sichtet Wilfried ein völlig weisses Rentier. Es regnet anfangs noch leicht und und unser Lagerfeuer knistert.

19.08.1987

85 km

Die ganze Nacht über hat es leicht geregnet. Am Fußende vom Innenzelt ist es feucht, denn die Außenhaut hat sich etwas am Innenzelt angelehnt und dadurch tröpfelt es etwas. Morgens ist es dann aber wieder trocken, aber es bleibt den ganzen Tag über bedeckt. Wir haben um die 10°. Denn ganzen Tag über müssen wir mit Steigungen kämpfen und wir haben Gegenwind. Am Pite Älv kommen wir an einem Platz vorbei, wo während der Saison Schlauchboote zu einer zweistündigen Wildwasserfahrt starten. Unterwegs sind wieder Rentiere zu sehen. Im Moskosel kaufen wir im Konsum ein, u.a. die übliche Erbsensuppe in der wurstähnlichen Plastikverpackung. Kurz nach Arvidsjaur sehen wir dann den ersten Zug auf der Inlandsbanan in Richtung Jokkmokk fahren. Der Campingplatz in Arvidsjaur ist umgebaut und wir müssen erst mal den Eingang in einer Nebenstraße suchen. Nach dem Zeltaufbau und dem Abendessen geht es dann erst mal wieder unter die Dusche.

20.08.1987

85 km

Morgens fahren wir um 11.00 Uhr ab, nachdem wir erst noch mal im Ort einkaufen waren. Für die ersten 20 km brauche wir nicht mal eine Stunde. Das Wetter ist gut, nur wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt, wird es gleich kalt. Ab und zu sehen wir Rentiere. Nach etwa 60 km beginnt bei mir ein am Rad ein starkes Knacken, ich vermute, es ist das linke Pedal. An diesem Tag haben wir längst nicht mehr so viele Steigungen, wie an den Vortagen. In Norsjkövallen gehen wir auf den Campingplatz. Dort nehme ich dann erst mal das Pedal auseinander, kann aber nichts entdecken.
21.08.1987

28 km

Dieser Tag ist ein totaler Reinfall. Die Nacht über hat es gestürmt und geregnet. Außerdem hat um Mitternacht irgendwer in der Botanik herum geknallt. Bevor wir abfahren, stelle ich noch fest, dass ich reichlich Spiel im Lager des Hinterrades habe. Vielleicht kam da das Knacken her. So muss ich auch erst noch das Hinterrad ausbauen und das Lager neu einstellen. Bei der Abfahrt ist es zwar trocken, aber dann beginnt es richtig schön zu schütten. Wilfried bekommt vorne einen Platten, den wir flicken müssen. Nach 28 km kommen wir am Campingplatz in Vormträsksund vorbei. Dort beenden wir die Fahrt und nehmen uns eine Hütte. Die elektronischen Tachos von Wilfried und mir versagen den Dienst, es ist Wasser in die Geräte gekommen. Dadurch fallen dann auch alle Anzeigen auf 0 zurück. Abends holt Didi zu unserer Überraschung eine richtiges deutsches Dosenbier aus seinem Gepäck. Na, da lebt die Hütte. Ansonsten klopfen wir Skat.

22.08.1987

83 km

Ich sitze abends auf der Veranda einer Fischerhütte und schreibe, Didi und Wilfried stehen am Feuer. Um 20.15 Uhr haben wir etwa 10°, es ist ziemlich kalt, denn den ganzen Tag hatten wir starken Wind. Der bliess uns beim Fahren natürlich vierkant ins Gesicht. Mittags haben wie in Lyksele eingekauft und zum Abendessen gibt es mal wieder Erbsensuppe. Erst mal schmeckt die wirklich gut und auf nur einem Kocher kann man eben keine Supergerichte zaubern. Gerade eben habe ich die Gaskartusche ausgewechselt. Wie sagte Wilfried so schön: “ Ein Scheißtag, erst geht es zwei Kilometer bergauf und dann den ganzen Tag Gegenwind!“. Allerdings war der Tag den ganzen Tag über sonnig. Kurz vor unserem heutigen Platz sahen wir noch weiter entfernt einen Elch, der zweimal über die Straße wechselte.

23.08.1987

71 km

Gegen 8.00 Uhr werden wir wach, auf dem Zelt hat sich Rauhreif gebildet. Das Thermometer an der Hütte zeigt 5°. Aber das Wetter ist gut, der Himmel ist blau. Kaum eine Wolke ist zu sehen und der Wind hat nachgelassen. Relativ schnell erreichen wir nach 55 km Asele, dort kaufen wir an eine BP Tankstelle ein, die haben in Schweden immer ein Geschäft dabei. Dann geht es weiter bis zum Campingplatz bei Gavsele, wo wir gegen 15.30 Uhr unser Zelt aufbauen und dann Kaffee trinken. Abends wird es wieder kühl und legen uns um 21.20 zum Schlafen nieder.

24.08.1987

87 km

Morgens haben wir wieder Frost. Allerdings ist das Wetter bestens. Nach der Abfahrt geht es bis auf drei kräftige Steigungen meistens bergab. In Junsele kaufen wir noch ein und fahren dann bis Näsaker. Unterwegs habe ich wieder ein Knacken im Pedal. Ich tausche das Pedal von meinem Rad gegen das von Didi aus und siehe da, es knackt nicht mehr. Allerdings auch nicht bei Didi. Auf dem Campingplatz in Junsele bauen wir unser Zelt auf, hier habe ich auch schon mal 1985 mit Ulla fast auf dem gleichen Platz gestanden. Abends gibt es Pellkartoffeln mit Fischstäbchen und roter Beete. Wir klönen noch mit einem BMW Fahrer aus Göttingen und der klärt uns über das „Sommerwetter“ in Deutschland auf.

25.08.1987

Heute ist Ruhetag. Nach dem Weg zur Post fahren wir zum Nämforsen Wasserfall, anschließend zu Bahnhof und dann zum einem Wasserfall am Fjällsjoälven, der mir auch von 1985 bekannt ist. Auf der Rückfahrt kaufen wir noch ein und trinken Kaffee, anschliessend wird die Waschmaschine gefüllt. Didi stellt sich in die Küche und bruzzelt Bratkartoffeln. Von den mitgebrachten 12 Eiern sind 6 Totalschaden, weil mir beim Abladen die Schale vom Gepäckträger gefallen ist. Auch die Pilzsuche ist ein Reinfall, obwohl wir die Tage vorher laufend Birkenpilze gesehen haben. Auf der Bahnstrecke fährt Punkt 17.12 Uhr ein Güterzug entlang, genau wie 1985. Wilfried ruft seine Frau an und erzählt mir, dass ein Nennonkel von mir verstorben ist. Auch abends gegen 23.00 Uhr, wir gehen gerade ins Zelt, rauscht noch einmal ein Zug über die Strecke.

21 km

26.08.1987

Morgens um 8.00 Uhr ist der Himmel mal wieder grau. Nach dem Zeltabbau beginnt es leicht zu stippern. Ich telefoniere kurz mit Hannover. Wir fahren rechtsseitig am Angermanälven entlang, die Straße hat einige Überraschungen in punkto Steigungen für uns parat und sie ist fast durchgehend geschottert. Auch diese Straße bin 1985 schon mal gefahren. Am Bahnhof in Langsele bestelle ich Liegewagenplätze für den EC 391 von Mjölby nach Hamburg für den 01.09. Unterwegs hat es schon ein paar mal geregnet und hinter Langsele entwickelt sich ein schöner Landregen. So kommen wir klitschnass in Bispgarden an und mieten uns für 110.00 SKR eine Hütte. Mein Tacho hat mal wieder den Geist aufgegeben, weil Wasser im Batteriefach ist.

80
km

27.08.1987

Es hat die ganze Nacht über geregnet. Wir beschließen, noch einen Tag zu bleiben. Als wir gegen 11.00 Uhr zum Geldwechsel und Einkauf in den Ort fahren, schauen wir auch Bahnhof wegen einem Zug in Richtung Ange vorbei . Es hält nur noch ein Zugpaar pro Tag, nämlich der Lapplandpilen morgens um 6.30 Uhr in Richtung Kiruna und abends um 21.30 Uhr in Richtung Malmö. Der kommt für uns also nicht in Frage. Wir trinken also gemütlich Kaffee, leider erscheint gegen 15.30 Uhr die Chefin vom Campingplatz und erklärt uns. Dass wir die Hütte räumen müssen. Sie erwartet noch eine ganze Busladung Gäste, die dann auch gegen 18.00 Uhr ankommen. Wir bauen also bei ziemlich trockenem Wetter unser Zelt auf. Dann legen wir die Küche und winzigen Gästeraum für uns in Beschlag. Dort heizen wir erst mal den Kamin an. Das ist aber nicht so einfach mit dem nassen Holz, das wir aus dem Wald holen. So räuchern wir erst mal die Umgebung ein, bis das Feuer richtig brennt. Abends gibt es Bratkartoffeln mit Pilzen. Der Bus fährt erst mal mit seinen Fahrgästen weg.

8 km

28.08.1987
100 km

Morgens ist das Wetter wesentlich besser. Wilfried hat im Gästerraum am Kamin übernachtet. Das hat er bitter bereut, denn nachts ist er laufend von besoffenen Schweden gestört worden, die sind in der Nacht mit dem Bus zurück gekommen. Gegen 10.30 Uhr fahren wir dann weiter. Es geht erst mal kurz, aber stark bergab. Dann kommt wieder eine Schotterstraße und nach einem Bahnübergang folgt auf gut 15 km ein „Bodo mit dem Bagger“ Weg. Von Ragunda bis Kärlane ist die Straße 323 gut aufgebaut, dann wird sie wieder zur Schotterpiste, auch hier hat wieder ein Grader geschoben. So erreichen wir ziemlich groggy Bräcke. Eigentlich wollen wir die nächsten Tage weiter über Bräcke bis nach Mora. Dann kommt uns die Idee, von Bräcke mit dem Zug bis nach Malmö und dann mit dem Rad weiter durch Dänemark bis nach Rödba zu fahren. Der erst Zug nach Ange hat etwa 30 Minuten Verspätung. Mit etwas hin und her nimmt man uns mit. Unsere Räder kommen in den Packwagen des 1. Zugteils mit Sitzwagen in Richtung Malmö, der 2. Zugteil mit den Liege- und Schlafwagen kommt später an und wird später mit dem 1. Teil unterwegs zusammengestellt. Der Liegewagen ist ziemlich leer und unsere Reservierungen für den 01.09. werden anstandslos akzeptiert.

29.08.1987

Wir holen unsere Räder vom Packwagen ab, sie lagen schon auf dem Gepäckwagen, wo wir sie gleich auf dem Bahnsteig wieder in Empfang nehmen können. Didi telefoniert mit Hannover und muss mir schonend beibringen, dass meine Mutter verstorben ist und man uns schon durch den ADAC suchen lassen wollte.

So fahren wir dann mit der Fähre von (Malmö) Limhamn nach Dragör und dann mit dem Zug von Kopenhagen über Hamburg nach Hannover. Die Räder haben wir in Kopenhagen aufgegeben. Rund 1200 km liegen hinter uns.

09. Bahnfahrt Hannover - Schweden
10. Fahrt Schweden bis Björkliden
11. Björkliden - Kiruna 106 km
12. Kiruna -Vittangi 78 km
13. Vittangi
14. Vittangi -Nilivara 83 km
15 Nilivarta -Hakkas 81 km
16 Hakkas - Jokkmokk 116 km
17 Jokkmokk
18 Jollmokk - Irgendwo Straße 88/343 85 km
19 Irgendwo - Arvidsjaur 85 km
20 Arvidsjaur - Norsjovallen 88 km
21 Norsjovallen -Vormträsksund 28 km
22 Vormträsksund -Irgendwo Straße 364/90 83 km
23 Irgendwo - Campingplatz Gavsele 71 km
24 Gavselle - Näsåker 87 km
25 Näsåker 21 km
26 Näsåker - Bipsgården 80 km
27 Bipsgården 8 km
28 Bipsgården - Bräcke 100 km



05.08.1988

So, da sitze ich mal wieder auf einer Bank im Stockholmer Bahnhof. Es ist nach 15.00 Uhr. Leider werden die Kofferkuli nur gegen Zahlung von 5,00 SKR freigegeben. Aber ich habe keine Lust, mein sperriges Fahrradgepäck noch tragender Weise über große Strecken zu transportieren. Auch die Abfahrtbahnsteige werden nur noch auf dem Bildschirm angegeben, Aushangfahrpläne gibt es nicht. So muss ich gut 2 Stunden warten, bis ich auf den richtigen Bahnsteig komme. Die Abfahrt gestern verlief planmäßig mit dem D 392 um 20.21 von Hannover. Bis Hamburg war nur noch ein Japaner mit im Abteil, dann wurde es aber voll. Mit dem trinke ich noch ein paar Bierchen und ergänze meinen Vorrat dann auf der Fähre zwischen Puttgarden und Rödby. Auch 2 kleine Flaschen Aquavit 0,5 Ltr nehme ich noch mit. Während ich also auf dem Bahnhof sitze, beginnt es zu regnen. Das Gepäck bis zum richtigen Liegewagen zu schleppen ist ziemlich mühselig. Der Zug ist rappelvoll, auch das Abteil ist ausgebucht. Ich bin mit fünf Schweden im Abteil, ein Ehepaar spricht gut deutsch und so geht das ganz gut. Gegen 22.00 Uhr mache ich mich auf der Liege lang und wache erst am

06.08.1988

gegen 8.00 Uhr auf. Der Zug steht gerade und ich tippe auf Naatavaara. Gegen 9.30 Uhr wird es langsam lebendig im Abteil und auch ich krabbele von meinem Lager. Draußen kommt gerade das Schild „Polcirkel“ in Sicht. Da komme ich aber mächtig ins Schleudern. Aha, der Zug hat gut 1 Stunde Verspätung. In Kiruna heißt es dann umsteigen in einen anderen Waggon, die Liegewagen werden abgekoppelt. Der Zug ist immer noch gut besetzt. Weiter geht die Fahrt und in Fossbakken haben wir einen Lokschaden, so trudelt der Zug dann um 16.45 Uhr mit 90 Minuten Verspätung in Narvik ein. Schnell das Fahrrad abholen, wenn es denn man da wäre. Das Wetter ist so lala. Ich frage am Bahnhof nach einem Taxi, man telefoniert, aber es tut sich nichts. Als gegen 18.00 Uhr ein Schweizer in sein Auto steigt, frage ich ihn, ob er zufälligerweise am Campingplatz vorbei fährt. Das tut er zwar nicht, aber er bringt mich trotzdem zum Campingplatz. Ich gebe ihm dafür meine letzte Dose Bier und er freut sich sichtlich. Ich stelle erst mal mein Zelt auf. Der Zug mit dem Gepäckwagen aus Schweden kommt täglich um 19.42 Uhr an und so mache ich mich auf den Weg zurück zum Bahnhof. Sieh da, mein Fahrrad ist angekommen und es scheint auch heile zu sein.

07.08.1988

Abfahrt 1982 km
Ankunft 2061 km
Tagesleistung 79 km

Den ganzen Tag über ist der Himmel grau in grau. Nur ganz kurz versucht die Sonne mal durch die Wolken zu blinzeln. Die Strecke, die ich fahre, bin ich vor fünf Jahren schon mal mit Ulla gefahren. Die drei Pässe mit 333 m, 428 m und 327 m schiebe auch diesmal wieder. Dabei komme ich auch an unserem damaligen Wildcampingplatz vorbei, aber der Verkehr ist diesmal deutlich stärker als vor fünf Jahren. Eigentlich wollte ich heute gut 100 km fahren, aber als der Cp Fosseng auftaucht, gibt es für mich keinen Zweifel, für heute ist Schicht im Schacht. Außerdem muss ich mal dringend unter die Dusche. Auf manchen Bergen liegen noch Schneereste und die Gipfel verstecken sich meistens unter Wolken. Ich öle noch die Sattelfedern, da quietscht es und beseitige ein klappern am vorderen Schutzblech. Ein wenig Ärger habe ich mit dem vorderen mittleren Kettenritzel, vermutlich ist der Umwerfer etwas verbogen. Ansonsten ist das Rad in Ordnung. Ich sitze beim Schreiben in der Küche und habe mir eine Fuhre Bohnensuppe eingeworfen. Neben mir schälen Italiener Kartoffel, die sie dann zu Pommes verarbeiten. Auf dem Platz treffe ich noch auf einen Busfahrer aus Frankfurt und wir fachsimpeln eine Runde. Ich habe schlecht geschlafen und wachte öfters aus. Selbst nach Mitternacht ist es noch hell draußen und meine italienischen Nachbarn mit dem Wohnmobil unterhalten sich lautstark. Als ich dann um Ruhe bitte, wird es endlich still.

08.08.1988

Abfahrt 2061 km
Ankunft 2150 km
Tagesleistung 89 km

Nun sitze ich um 20.15 Uhr in einer kleinen Sandkuhle an der E 6 in der Nähe von Strupen, ca. 20 km vor Nordkjosbotn. Das Wetter war heute wieder mäßig mit etwas blauem Himmel. Morgens schlief ich bis 9.30 Uhr und kam erst gegen 11.00 Uhr in die Gänge. Einige Male musste ich schieben. In Bardu kaufe ich noch Tee und Kuchen ein und telefoniere mit Hannover. Um 20.25 Uhr kommt ein Pkw in die Sandkuhle gefahren und ein älterer Mann macht sich mit einem Beerenpflücker auf den Weg, um Blaubeeren zu sammeln. Kurz nach 15.00 Uhr machte ich eine Kaffeepause und habe gerade meinen Kuchen aufgegessen, da hält ein Reisebus aus Detmold. Die Herren eilen in den Wald, die Damen belagern die zwei Toilettenhäuschen. Es sind alles etwas ältere Kaliber. Mich beäugen sie aus der Ferne, aber sie trauen sich irgendwie nicht an mich ran. Erst als zwei Damen dicht an mir vorbei gehen und ich behaupte, es gibt nicht lästigeres als Detmolder, die mich beim Kaffee trinken stören, ist das hallo groß und ich werde erst mal ausgefragt nach dem woher, wohin, warum usw. Um 16.00 Uhr fahre ich weiter, ein paar mal ist wieder schieben angesagt. Ab 18.00 Uhr suche ich dann nach einem Platz für mein Zelt, aber die Gegend ist sehr moorig und ich habe keine Chance. Gegen 19.30 Uhr finde ich die Sandkuhle und baue das Zelt auf. Zum Abend gibt es Cevapcici von Aldi, ich habe ja ein paar Vorräte mit genommen. Dann mache ich mir noch eine Brühe und trinke dann Earl Grey. Der ist, wie fast alles in Norwegen, sehr teuer.

09.08.1988

Abfahrt 2150 km
Ankunft 2214 km
Tagesleistung 64

Ich habe diese Nacht schlecht geschlafen, egal wie ich mich drehe, nach kurzer Zeit tun mir die Beckenknochen weh. Gegen 8.30 Uhr krabbele ich aus dem Zelt. Um 10.00 Uhr geht es dann los und es läuft ganz gut. Auch die Strecke von Nordkjosbotn nach Storfjord ist gut zu fahren und führt durch ein nicht sehr breites Tal mit 1000ern rechts und links. In Storfjord kaufe ich noch etwas ein. Gleich darauf macht die Straße einen Bogen in Richtung Norden und ich habe besten Gegenwind. So komme ich bis Skibotn, wo die E 78 nach Finnland abbiegt und gehe auf den Campingplatz. Die Weiterfahrt ist mir doch etwas gewagt. Die Straße am Lynge (-fjord) sieht von weitem nicht gerade nach Wildcampingplätzen aus und er nächste Campingplatz ist gut 50 km entfernt. Der Campingwart meint, das Wetter würde besser, heute hatten wir so um die 25 % Sonnenschein. Auf den Bergen liegt teilweise noch Schnee und und Rinnsale, Bäche und Flüsse rauschen zum Fjord. Es sind viele Italiener mit Motorrädern unterwegs. Der Platz ist für Zelt nicht das Ideale und suche lange nach einem geeigneten Platz für mein kleines Zelt. Als ich das Zelt aufgebaut habe, kommt ein Holländer mit seinem Motorrad. Der muss auch lange suchen, bis er seine Hütte mehr recht als schlecht aufstellt. Zum Essen gibt es eine Tüte Erdnüsse und einen Mexikotopf. Anschließend geht es noch in die Sauna. Es hatten sich einige Gäste angesagt, aber ich bin allein. Als ich die Sauna betrete, bemerke sofort die relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Da kochen neben dem Saunaholzofen noch gut 50 ltr Wasser in einem Kessel, der separat beheizt wird. Der Campingwart erklärt mir, das wäre original finnisch, das heiße Wasser mischt man mit kaltem Wasser und wäscht sich damit in der Saunakabine, wo das Wasser durch den Boden abläuft. Ein Tauchbecken oder eine Dusche gibt es nicht, nur einen Wasserschlauch. Nach 45 Minuten bin ich wieder raus aus der Sauna.

10.08.1988

Abfahrt 2214 km
Ankunft 2251 km
Tagesleistung 37 km

Morgens gegen 10.00 Uhr fahre ich los und habe kräftigen Gegenwind. Aber es läuft ganz gut. Zur Zeit wachsen überall Pilze, überwiegend Birkenpilze. Des Öfteren laufen Schafe über die Straße oder ich höre ihr Glocken im Gelände bimmeln. Ich biege dann vom Lyngen rechts ab, um den Kafjorden zu umfahren. Ein nicht zu umgehender Umweg von ca. 40 km. Kurz vor dem Ort Lökvoll muss ich noch mal kräftig schieben und lasse das Rad dann von der Kuppe aus bergab rollen. Der Tacho zeigt ca. 35 km/h an, als plötzlich der Lenker nach recht und links ausschlägt. Dummerweise bremse ich sofort ab und stürze auf die linke Seite. Etwas schlägt an meine linke Stirn, vermutlich der Lenker oder der Bremsgriff. Mit der Sichtblende des Helmes scheuere ich, Gesicht nach unten über den rauen Asphalt. Als ich endlich still liege, springe ich sofort auf. Dabei merke ich sofort, dass mir Blut am Kopf runter läuft. In den Resten vom Rückspiegel sehe ich, das ich eine Platzwunde am Kopf habe. Ich habe Verbandszeug dabei und wickele mir erst mal einen Verband um den Kopf, Mittlerweile haben ein paar Norweger angehalten, die einen Krankenwagen bestellen, der dann nach etwa 20 Minuten ankommt. Zwischendurch bringen wir mein Rad zu einem Haus in der Nähe und ziehe eine erste Bilanz. Hose und Jacke sind zerrissen, das Vorderrad ist Totalschaden, ein Bremsgriff ebenso. Wieso mir das Vorderrad weg knickte, ist mir ein Rätsel. Ich kann nur vermuten, dass, als ich über zwei dicht beieinander liegenden Querrillen fuhr, sich ein Seitendruck aufbaute, wodurch das Rad nachgab. Der Krankenwagen bringt mich in das 34 km entfernte Olderdalen in die dortige Ambulanzstation. Als ich da so auf der Liege liege, könnte ich plötzlich heulen vor Wut und Anspannung, mir ist richtig dämlich zu Mute. Der junge Arzt näht meine Platzwunde mit 5 Stichen und verklebt meinen linken Ellenbogen, das linke Knie und ein paar Finger an der rechten Hand mit Pflaster. Am linken Oberschenkel habe ich eine Prellung samt Bluterguss. Am linken Auge habe ich ein hübsches Blümchen. Das sich bis zum nächsten Morgen noch herrlich einfärbt. Ich bin erst mal fix und fertig. Die Platzwunde hatte mir durch den Druck der Helm gerissen, als ich über den Asphalt geschlittert bin. Innen im Helm ist eine deutliche Druckstelle in der Styroporschale zu sehen, wie ich ohne Helm ausgesehen hätte, will ich mir mal lieber nicht ausmalen. Etwa gegen 15.00 Uhr frage ich im Touristbüro nach, ob es im Ort Fahrradersatzteile gibt. Ein junger Mann bringt mich zu einem Laden, aber da ist nichts passendes zu finden. Mit deutsch und englisch fragt er mich, was passiert ist und sagt sofort, ich fahre sie zu ihrem Rad. Unterwegs kommt mir die Idee, ob er mich mit dem Rad nicht wieder mit nach Olderdalen zurück bringen kann. Das tut er dann auch, wir laden das Rad in den Kofferraum und es geht wieder zurück. In Olderdalen miete ich erst mal für 2 Tagen eine Hütte direkt am Fährhafen. Der junge Mann bringt mich noch da hin. Als ich ihm ein kleines Geschenk für seine Mühe machen will, Geld will er nicht, lehnt er auch dieses ab. Aber zu einer kleinen Flasche Akvavit, die von der Fähre, kann er dann doch nicht nein sagen. Gegen 18.00 Uhr telefoniere ich dann mit Carsten und berichte von meinem Sturz. Kurz danach treffe ich einen Hamburger Radfahrer. Wir kommen sofort ins Klönen. Er will nur noch nach Lyngseidet übersetzen und sich dort drüben eine Bleibe suchen. Nun habe ich ja noch zwei freie Betten in der Hütte und so bleibt er da und hat eine Bleibe für die Nacht. Gerd ist Schiffsingenieur und seit 2 Monaten unterwegs. Wir klönen dann noch bis Mitternacht, ehe wir uns zum Schlafen legen.

11.08.

Kurz nach 8.00 Uhr stehen wir auf, die Fähre geht um 10.30 Uhr. Ich gehe zur Hauptstrasse, um ca. 50 km in Richtung Norden nach Storslett zu trampen. Dort soll es einen Fahrradladen geben. An der Hauptstraße stehen zwei Radfahrer aus Norddeutschland, einer studiert in Hannover. Wir legen einen Klönschnack ein, dabei habe ich immer die Autos im Auge. Als ein VW Bulli mit Doppelkabine und deutschem Kennzeichen kommt, geht sofort mein Daumen in die Höhe und ich halte meine kaputte Felge hoch. Drei waschechte Bayern sind auf dem Weg zum Nordkap und sie nehmen mich sofort mit. In Storslett habe ich dann meine liebe Mühe, die richtigen Fahrradteile zu bekommen. Aber immerhin bekomme ich einen neuen Lenker und ein komplettes Vorderrad. Vor dem Laden steht ein Wohnwagengespann aus Unna. Als das ältere Paar aus dem Laden kommt, erklären die sich zwar auf meine Nachfrage bereit, mit mit zunehmen, aber ich merke, das passt denen überhaupt nicht. Ich sehe ja auch heiter aus. Aber sie wollen erst noch in einen anderen Laden und während sie in dem Geschäft verschwinden, kommt ein Uraltbulli. Ich mache winke winke und der hält sofort an. Es ist ein äußerst angenehmes Ehepaar aus Delmenhorst. Er arbeitet beim Katastrophenschutz und hat das alte Schätzchen mit knapp 20.000 km Laufleitung gekauft. In dem Wagen, der rechts und links Schiebetüren hat, war früher eine Wasseraufbereitungsanlage eingebaut. So war der Wagen sogar schon in Südamerika. Abends ist dann mein Rad wieder fahrbereit, allerdings ohne Trommelbremse vorn, da habe ich nur noch die vorher schon zusätzliche Felgenbremse. Alles in allem kostet mich der Spaß um die 330,00 DM. Als ich dann meine Reisekasse nachrechne, habe ich wundersamerweise umgerechnet einen Überschuss von gut 70.00 DM. Woher, weiß ich nicht. Irgendwie muss sich der Verkäufer des Vorderrades verrechnet haben. Aber einen Kassenbon habe ich nicht bekommen, das Rad sollte mit Achse 430,00 NKR kosten. Abends besucht mich noch der junge Mann aus dem Touristbüro, der mir geholfen hat. Er freut sich, dass es mir schon wieder besser geht und dass das Rad wieder in Ordnung ist. Die Flasche hat er seinem Vater gegeben, der sich sehr darüber gefreut hat.

12.08.1988

Abfahrt 2251 km
Ankunft 2312 km
Tagesleistung 61 km

Gegen 8.30 Uhr stehe ich und um 10.00 Uhr stehe ich mit dem gepackten Rad vor dem Touristenbüro. Von dort telefoniere ich erst mal mit Ulla. Anschließend besuche ich noch die Krankenstation, aber der Doktor ist nicht da, weil der zwei Stationen betreut. Die anwesende Krankenschwester schreibt mir noch in englisch eine Bescheinigung über die Art der Behandlung und verarztet meine Wunden neu. Diesmal fällt der Kopfverband schon etwas kleiner aus und so kann ich wieder den Helm tragen. Sie löst die Verbände so vorsichtig, als hätte sie ein Kleinkind vor sich. Den Arztbericht schicke ich per Post nach Hannover, zur Weitergabe an den Arbeitgeber. Um 11.00 Uhr fahre ich dann endlich weiter. Die ersten 35 km geht es wider Erwarten zügig voran, dann kommt eine längere Steigung. Unterwegs finde ich eine Ansammlung von Steinpilzen und Kapuzinern. Tschernobyl hin, Blei her, abends gibt es Pilze lang. Die Jugendherberge in Storslett ist schon wieder geschlossen, hier helfe ich einem Franzosen, der hat ein Problem mit seinem Rad. Dann geht es weiter bis zum nächsten Campingplatz. Da sitze ich dann abends voll gefuttert mit gebratenen Pilzen, Zwiebeln und Bierwurst, alles gewürzt mit einem Brühwürfel. Ein großer Rest bleibt über, den mache ich mir vor dem Schlafen noch mal warm, bekomme aber wieder nicht alles auf gegessen. Der Rest geht leider in die Tonne. Außerdem wasche ich noch zwei Paar Socken, die waren schon sehr anrüchig. Hier schmeiße ich dann auch den grünen Anzug in den Müll, er ist Totalschaden, nicht mehr zu retten. Den ganzen Tag über war es sonnig.

13.08.1998 Tochters Geburtstag

Abfahrt 2312 km
Ankunft 2394 km
Tagesleistung 82 km, davon gut 10 km geschoben

Um 10.00 Uhr fahre ich ab vom Campingplatz Sandnes am Straumfjorden. Das Wetter ist bestens. Nach etwa 25 km muss ich das erste Mal eine ca. 5 km lange Steigung bis auf über 200 m schieben, danach geht es mit rasanter Fahrt vom Kvaenangsfjellet bergab. Oben lag am Berg noch eine Nütze Schnee, auf der sich einige Ziegen oder Rentiere tummelten, genau konnte ich das nicht sehen. So bergab ist es mir doch etwas mulmig, der Schrecken vom Sturz sitzt mir immer noch in den Knochen. Etwas später rufe ich von Sörstraumen Ulla an und sie erinnert mich daran, dass unsere Tochter heute Geburtstag hat. Das wäre mir wohl erst abends beim Schreiben aufgefallen. Bald danach kommt wieder ein Pass, diesmal mit 269 m Höhe, auch hier schiebe ich wieder. In Alteidet will ich auf den Campingplatz, aber der ist mir einfach zu teuer. So fahre ich weiter und finde ein paar Kilometer einen schönen Platz in der Wildnis mit einer Feuerstelle, wo ich gleich ein Feuer anmache. Zum Abendessen gibt es mal wieder Cevapcici aus einer vom Sturz sehr verbeulten Packung. Danach repariere ich noch etwas am Fahrrad, Unter anderem war auch die vordere Felgenbremse etwas verbogen, was ich erst heute feststelle. Beim Schieben über den zweiten Pass kam ich ganz schön ins Schwitzen, in der Gore Tex Hose wurde es mir doch ganz schön warm, aber ich habe keine andere Hose mehr. Ein paar Mücken versuchen ihr Glück bei mir. Hinter mir im Hang bimmeln ein paar Schafe mit ihren Glocken und ich muss lange gucken, bis ich sie in den Birken hinter mir sehe. Der Berg hinter mir dürfte gut 900 m hoch sein.

14.08.1988

Abfahrt 2394 km
Ankunft 2479 km
Tagesleistung 85 km

Gegen 8.00 Uhr wache ich auf und um 9.30 Uhr geht die Fahrt los. Das Wetter ist anfangs sonnig, aber es ist kühl. Ich habe während der Fahrt meinen Pullover an. Es geht entlang des Langfjorden, es ist ein ewiges rauf und runter und mitunter schiebe ich. Die Straße ist an einigen Stellen ziemlich schlecht. Über mir ist eine geschlossene Wolkendecken, nur im Süden ist es blau. Ich fahre durch Talvik, ein kleiner Ort am Altafjorden und dann sehe ich nach ca. 6o km am anderen Fjordufer die Stadt Alta. Luftlinie ca. 4 km, aber auf der Straße sind es noch gut 25 km. Bei Kafjord mache eine Kaffeepause und dann bin ich gegen 17.00 Uhr in Alta. Nachdem ich das Zelt aufgebaut habe, reiße ich erst mal die Pflaster ab und dann geht es erst mal unter die Dusche. Die Wunden sehen schon ganz gut aus, nur am Ellenbogen schmiert es noch etwas. Anschließend gibt es noch Aldi-Hähnchen mit Nudeln und Ketchup. Dann wasche ich noch meine Wäsche mit der Hand. Eine Zeit lang unterhalte ich mich noch mit einem Motorradfahrer aus Österreich und gegen 22.20 Uhr geht es auf die Isomatte. Es ist recht kühl geworden.

15.08.1988

Abfahrt 2479 km
Ankunft 2563 km
Tagesleistung 84 km

Der Campingplatz gehört nicht gerade zu den Billigsten. 45 NKR sind schon ganz schön happig für ein kleines Zelt, hier berechnen sie sogar noch das Fahrrad. Auf anderen Plätzen bezahlt man als Radfahrer oft nur den halben Preis. In Alta fahre ich dann gegen 10.00 Uhr ab. Vorsichtshalber hole ich mir noch ein paar Speichen für das neue Vorderrad, falls mir mal wieder eine wegbricht habe ich Ersatz. Es ist wieder wolkig. Nach 20 km beginnt die Schieberei bis auf ca 380 m Höhe, dann geht es auf einer Hochebene mit viel auf und ab weiter. Hier oben wächst nicht mehr viel. Alle 10 bis 20 km komme ich an einem Lappenlager vorbei. Es ist stark gegenwindig und sehr kalt, außerdem bekomme ich einen Regenschauer ab. Unterwegs kommen mir noch zwei Deutsche mit dem Fahrrad entgegen. Kurz vor Skaida schlage ich mein Zelt auf. Um mich herum wachsen viele Heidelbeeren, aber ich bin zu durch gefroren, um mir welche zu sammeln. Zum Abendessen gibt es eine Dose Spagetti aus einem norwegischen „Aldi“, doppelt so teuer wie in Deutschland. Abends ist der Himmel wieder blau und der Wind hat sich gelegt.

16.8.1988

Abfahrt 2563 km
Ankunft 2644 km
Tagesleistung 79 km

Dieser Tag läuft nicht wie geplant. Für 79 km brauche ich mit 1 Stunde Pause über 9 Stunden. Von Anfang an habe ich heute sehr starken Gegenwind und komme kaum aus den niedrigen Gängen raus. Bereits nach 6 km treffe ich in Skaida einen Münchner, der mit seinem Mountinbike unterwegs ist. Wir klönen ein wenig und dann geht es weiter. Gegen 13.00 Uhr komme ich in Olderfjord an. Auf dem dortigen Campingplatz gibt es jetzt eine Cafeteria, die war vor fünf Jahren noch nicht da, als wir dort in einer Hütte übernachtet haben. Ich bin ziemlich durch gefroren, trinke erst mal zwei Tassen Kaffee und esse ein Stück Kuchen. Die Bedienung, die die Cafeteria leitet, ist in Deutschland geboren. Sie erzählt mir, dass sie zum Bier kaufen bis nach Lakselv fahren müssen, ca. 65 km entfernt und Schnaps gibt es nur im Hammerfest, dass sind gut 80 km. Es würde sehr viel schwarz gebrannt in hohen Norden. Dann fahre ich weiter, die Strecke wird lang und länger, der einzige windstille Abschnitt ist der 2,6 km lange Skarvsbergtunnel, durch den ich muss. Einige Male schiebe ich. Ab und zu sehe ich ein paar Rentiere. Um 19.00 Uhr baue ich mein Zelt am Abzweig nach Repvag auf, ich bin ziemlich geschafft. Das Wetter war heute sonnig, teilweise wolkig und es ist ziemlich kalt.

17.08.1988

Abfahrt 2644 km
Ankunft 2709 km
Tagesleistung 65 km

Die Fahrt morgens bis zur Fähre ist wieder ziemlich anstrengend. Gegenwind und es ist wieder saukalt. Als in in Kaford ankommen, legt gerade die Fähre nach Honningsvag ab, so kann ich bis 13.30 Uhr warten. Im Laufe der Zeit trudeln so um die 100 Motorräder ein, alles Hondas, die unterwegs sind von Paris – Oslo zum Nordkap. Es sind Franzosen und Italiener, die von einigen Begleitfahrzeugen begleitet werden. Außerdem treffe ich noch drei Italiener mit Rennrädern. Die sind von Como bis zum Nordkap in 17 Tagen gefahren, zurück wollen sie fliegen. Gepäck habe die so gut wie nichts dabei, schlafen tun sie in vorgebuchten Hotels. Einer der Italiener wird auf der Überfahrt zur Insel Mageroy seekrank, so schaukelt das relativ große Schiff. In Honningsvag frage ich nach einem Arzt und man verweist mich an das Hospital. Dort werden mir ohne große Nachfrage die Fäden gezogen. Danke und tschüß! Anschließend starte ich in Richtung Nordkap. An der alten Hütte, wo wir vor fünf Jahren unser Zelt aufgebaut hatten, mache ich eine kurze Rast. Jetzt ist die Tür verschlossen und die Fenster sind zugenagelt. Außerdem ist die Hütte jetzt vollkommen ausgeräumt und leer. Dann geht es in die Berge. Berg rauf und runter, schiebend und auf Wind und Kälte schimpfend. Unterwegs ist man fleißig an der Straße am Bauen, teilweise erhält sie einen völlig neuen Verlauf. Gegen 19.15 Uhr erreiche ich dann endlich das Kap. Ich telefoniere erst mal mit Hannover und suche mir dann einen Platz, wo ich mein Zelt hinstelle. Unterwegs werde ich von zwei Presseleuten gefragt, ob sie mich für einen Artikel über das Nordkap fotografieren dürfen, na, von mir aus! Es ist kalt, unter 5°. Ich mache mir eine Portion Nudeln warm, da kommt Brühe und Ketchup und ein Rest von meiner Salami rein und fertig ist das Essen. Schnell, warm und gut! Anschließend gehe ich in das riesige Gebäude, das man hier gebaut hat. Da ist es schön warm. Selbst gegen 21.00 Uhr kommen hier noch Busse aus Deutschland usw. an. Aus einem riesigen Panoramafenster kann man die See vor dem Nordkap betrachten. Um 22.00 Uhr startet in einem Kinosaal auf 5 Leinwänden mit 5 Projektoren ein 20 minütiger Film über die Insel Mageroy mit Aufnahmen aus allen Jahreszeiten, teilweise aus dem Hubschrauber gefilmt. Sehr beeindruckend. Um 23.00 Uhr wird das Gebäude geschlossen, es ist doch schon ziemlich dunkel draußen. So verkrieche ich mich gut durch gewärmt in meinen Schlafsack.

18.08.1988

Abfahrt 2709 km
Ankunft 2785 km
Tagesleistung 76 km

Morgens um 8.00 Uhr wache ich auf. Ich habe etwas unruhig geschlafen, weil ich das Zelt dummerweise auf einem Grasbüschel aufgestellt habe und der stört mich, weil er durchdrückt. Die Sonne schaut durch die Wolken und neben mir wurden noch ein paar Zelte aufgebaut. 3° verkündet ein Nachbar. Ich gehe noch mal zum Kap und fotografiere etwas, das Gebäude wird erst um 11.00 Uhr geöffnet. Um 11.00 Uhr bin ich aber schon auf dem Rückweg. Es läuft bedeutend besser als auf der Hinfahrt, auch wenn es weiterhin sehr kalt ist. Um 14.3o Uhr legt die Fähre ab, ich gönne mir Kaffee und Kuchen. Gegen 15.30 legt die Fähre wieder am Festland an, der Himmel ist strahlend blau. Auch jetzt läuft es wie geschmiert, teilweise mit 30 km/h geht es zurück. Die Straße führt überwiegen am Fjord entlang. Dann finde ich ein schönes Plätzchen für mein Zelt. Die Berge und ein See in meinem Rücken, rechts ein Bach und Blick auf den Fjord, herrlich. Um 19.00 Uhr verschwindet die Sonne hinter den Bergen und es wird sofort wieder empfindlich kalt. Ich kontrolliere noch mal das Rad, der vordere linke Gepäckträger (Lowrider) am Vorderrad ist lose, außerdem ist hinten auf der Zahnkranzseite eine Speiche gebrochen. Eigentlich will ich gleich dabei, aber mir ist es zu kalt. Morgen will ich bis Lakselv und da einen Tag Pause machen, bis dahin wird das Rad wohl halten. Zum Abendessen mache ich mir eine „Orientalsk Gryte“ aus der Tüte. Nachdem ich eine Dose Wurst und etwas Brühe dazu getan haben, schmeckt das ganz annehmbar. Erst später stelle ich fest, dass ich das Zelt in einem trockenen Moorgebiet mit Zwergbirken aufgestellt habe.

19.08.1988

Abfahrt 2785 km
Ankunft 2865 km
Tagesleistung 80 km

Um 10.15 Uhr starte ich von dem bisher schönsten Platz dieser Fahrt. Leider hat sich das Wetter wieder geändert. Es regnet zwar nicht, aber es ist total wolkig. Wieder, es geht ja auch nicht anders, durchquere ich den Tunnel und es geht weiter am Fjord entlang in Richtung Olderfjorden. Dort gönne ich mir erst mal einen Joghurt. Dann fahre ich weiter in Richtung Lakselv. Das Wetter bessert sich, aber sobald die Sonne weg ist, wird es wieder kalt. Unterwegs kommt mir ein Radfahrer aus Hamburg entgegen, ein Pfadfinder in meinem Alter in Kluft. Wir klönen erst mal eine Weile und tauschen Erfahrungen aus. Dann mache ich am nächsten Campingplatz Schluss für heute. Ich repariere das Rad und dann geht es unter die Dusche. Erst mal kippe ich mir einen Eimer warmes Wasser über den Kopf, seife mich ein und wasche mir die Haare. Als ich dann die Dusche benutzen will, ist die prompt kaputt. Also fülle ich den Eimer wieder mit warmen Wasser und kippe mir das über den Kopf. So werde ich auch sauber, die 5,00 NKR für die Duschbenutzung hole ich mir anschließend zurück. Auch meine Socken ziehe ich durch das Wasser, die duften wieder herrlich, das muss wohl an den Schuhen liegen, normalerweise habe ich damit keine Probleme. Dann kaufe ich noch Eier und Schinken ein und es gibt Spiegeleier zum Abend. Nach dem Essen studiere ich die Landkarte, alle Radfahrer, die mir entgegen kamen, berichten von anhaltend schlechtem Wetter in Finnland. Na, das kann ja noch heiter werden.

20.08.1988

Abfahrt 2865 km
Ankunft 2978
Tagesleistung 113 km

21.08.1988

Tacho defekt, ca 100 km

OT Tagebuch: Nun sitze ich hier im Cafe eines Cp ca. 45 km hinter der norwegischen Grenze und habe für ca. 20.00 DM 2 Tassen Kaffee getrunken und 2 Stück altbackenen Kuchen gegessen. Und draußen regnet es und hört nicht auf. Es ist 15.00 Uhr. Gestern startete ich vom Cp, hinter mir schönes und vor mir mieses Wetter. In Lakselv kaufe ich noch ein für mehrere Tage und telefoniere mit Hannover. Dann geht es in Richtung Karasjok. Zwei langgestreckte Steigungen, an die ich mich nicht mehr erinnere, sind zu bewältigen. Unterwegs begegne ich 2 Italienern und einem Mädchen zusammen mit 2 Jungen aus Berlin. Alle schimpfen über das Wetter in SF. Gegen 16.00 Uhr wird das Wetter gut, die Sonne scheint, Es läuft prima und ab 100 km suche ich dann einen Wcp, den ich aber erst direkt an der Grenze N/SF auf einem Parkplatz finde. Dort steht außer mir ein Pkw aus Passau. Der Fahrer (Hans) kocht gerade sein Süppchen und bietet mir einen Teller voll an. Da rennt er bei mir natürlich offenen Türen ein. Noch ein Würstchen von mir als Beilage und das Abendessen ist i.O. Das Wetter ist gut und wir machen noch ein Feuer. Gegen 22.00 Uhr geht es in die Heier!

Morgens wache ich erst nach 9.00 Uhr auf. Es regnet, na Spitze! Hans ist nicht mehr da, ich hörte ihn nicht abfahren. Konnte ich auch nicht. Seine Batterie ist alle und er hat den Wagen den Abhang runter rollen lassen in Richtung Grenzfluss. Aber der Wagen sprang nicht an. Während ich meine Sachen einräume, fährt es per Anhalter über die Grenze und kommt mir neuer Batterie zurück, der Wagen springt sofort an. Den 2 Mechanikern verkauft er noch eine Buddel Wisky, ohne zögern zahlen sie 100,00 FM, ca. 43,00 DM. Er wollte nur so viel, wie sie ihm geben wollten. Gleich hinter der Grenze beginnt erst mal die Schieberei. Regen und Gegenwind. Außerdem stellt der Tacho nach 7 km den Dienst ein, er zeigt keine km mehr an. Dann fährt es ich langsam etwas besser, aber trotz Gore-Tex fühle ich mich feucht und klamm. Dann ein Schild. „Cafe 4“, aber geschlossen. Dann wieder ein Schild, diesmal geöffnet. So sitze ich dann hier ca. 1 Stunde, will aber dann noch ca. 50 km nach Inari.

Nach 16.00 Uhr hört der Regen auf, aber es ist weiter nasskalt und sieht nicht sehr gut aus. Aber es fährt sich jetzt etwas schneller. Auf der Karte ist eine JH eingezeichnet und gegen 19.00 Uhr treffe ich dort ein und bekomme ein Bett. Zum Zelten hatte ich nicht den richtigen Bock heute und ich habe auch keinen guten Platz gesehen. So sitze ich jetzt in der kleinen Küche. Mein „Mitschläfer“ pennt bereits, es ist ein junger Franzose. Zum Essen gibt es Gulaschsuppe (zusammen mit 2 kleine Tafeln Ritter Sport, eine Spende von Hans am Morgen) mit ein paar Nudeln zusätzlich. Ist nicht schlecht. Dann lese ich etwas im Gästebuch und schreibe mir die Route eines Japaners ab. Nicht schlecht. Mein Mitschläfer hat das Fenster dicht und die Heizung an. Ganz schön warm die Bude, aber ich mache das Fenster wieder auf.

Eintrag im Gästebuch der Jugendherberge Inari:

8/Aug/86
Masao Kati
Japanes Cyclist

10.82
Japan -Australia -New Zealand -USA -Canada – Mexiko -
04.83
Belize – Guatemala - El Salvator – Honduras – Nicaragua - Costa Rica – Panama
06.84
Columbia – Ecuador – Peru – Bolivia – Argentinia – Chile – Uruguay – Paraguay – Brasilien
08.85
Britain – Ireland – Italy (San Marino – Vatikan) – Greece
01.86
Egypt – Israel - Cyprus – Turkey – Bulgaria -Jugoslavia -Rumania- Hungary – Austria – (Schweiz?) -W.Germany – Denmark – Sweden -Finland

72 000 km

22.08.1988

Abfahrt 2990 km
Ankunft 3111 km
Tagesleistung 121 km

Meine Sachen sind teilweise immer noch feucht. Nach dem Frühstück, Hilfe, mein Teefilter ist weg, gehe ich erst mal an den Tacho. Ich vermute, dass im Steckschuh durch die Feuchtigkeit ein Kurzschluss entstanden ist. Ich versuche das Problem mal mit einfetten zu lösen. Auch heute ist es weiterhin grau in grau und es nieselt. Gegen 10.30 Uhr mache ich mich auf den Weg, vom Inarisee sehe ich überhaupt nichts, weil das Wetter so schlecht ist. Dann wird das Wetter langsam besser, manchmal gibt es noch einen Schauer und nachmittags zeigt sich sogar die Sonne. Ab und zu sehe ich ein paar Rentiere, es geht weiterhin schön rauf und runter. In Ivalo zeigt ein Wegweiser in Richtung Murmansk. Kurz vor Vuotso gibt es eine „Goldgräberstadt“, scheint ein ganz schöner Touristenrummelplatz zu sein. Die Verkaufsstände der Lappen sehen ordentlicher aus als die in Norwegen. Gegen 20.00 Uhr schlage ich das Zelt in einem Waldstück auf, die Jugendherberge in Vuotso habe ich nicht gefunden. Hier ärgern mich heute aber die mehr als lästigen Kriebelmücken. Abends gibt es wieder Nudeln, aber nur aus Wassermangel.

23.08.1988

Abfahrt 3111 km
Ankunft 3175 km
Tagesleistung 64 km

Nachts hat es mal wieder geregnet und ich stelle erneut fest, mein Zelt ist ein Schönwetterzelt. Nicht weil es durch regnet, sondern weil sich Kondenswasser an den Innenwänden bildet. Weil ich kein Innenzelt habe, läuft das Wasser an den Wänden runter und sammelt sich auf dem Boden. Das ist nicht das Wahre. Um 8.30 Uhr stehe ich auf und frühstücke. Als ich aus dem Zelt krabbele kommt gerade ein Bus der Firma Bleckmann aus Alfeld vorbei und fährt in Richtung Nordkap. Es ist weiterhin grau, aber immerhin trocken. Später lockert es doch etwas auf, aber ein paar Schauer bekomme ich trotzdem ab. Ein paar üble Baustellen gibt es unterwegs und es überholen mich Lkws aus der SU. Auf die Dauer wird die Fahrerei auf der Straße Nr. 4 doch ziemlich langweilig. Eigentlich wollte ich ab Inari über Nebenstraßen fahren, aber das schlechte Wetter hat mich davon abgehalten. Ich möchte auch mal eine längere Pause machen, aber wo? Gegen 14.00 Uhr mache erst mal eine Kaffeepause und esse Semmel mit salziger Butter und Käse. Schmeckt sogar. Gegen 16.00 Uhr komme ich in Kersilö an. An einem Haus steht „Die Heimquartierung“, es ist eine Jugendherberge. Es ist die JH Pikku -.Mikkola in Sodankyla – Mikkolanmäki. Ich biege auf das Gelände ein, aber die Herberge ist geschlossen. Aber aus einem Nebenhaus kommt eine ältere Frau und der versuche ich zu verklickern, das ich gerne übernachten möchte. Daraufhin lotst sie mich über die Straße und über Stock und Stein führt sie mich zu einem Blockhaus mitten im Wald. Na Spitze, 3 Betten, Kamin und Küche mit Kocher. Außerdem ist da noch einen Sauna in einem Nebenraum. Den Kamin feuere ich gleich an, trotz vorhandener Elektroheizung. Auch die Sauna heize ich an, aber nicht den auch hier vorhandenen Wasserbottich. Gut 90 Minuten sitze ich dann später fast ohne Pause in der Sauna, sie ist nicht ganz so heiß wie die Sauna zu Haus. Dann wasche ich schnell ein paar Wäschestücke und lege sie zum Trocknen in die Sauna. Anschließend sammele ich noch ein paar Pilze und es gibt (Aldi-) Hähnchen mit Pilzen und Nudeln. Vor dem Haus, vielleicht 50 Schritte entfernt liegt ein See. Das als WC deklarierte Plumpsklo mit untergestelltem Kübel ist einfach eine Wucht. Da sitzt man warm auf einer Klobrille aus Styropor, während einem der kalte Wind um den Hintern weht.

24.08.1988

12.30 Uhr

Im Kamin brennt seit morgens das Feuer. Nach dem Frühstück und dem Geschirrspülen mache ich einen Bummel auf der „Dorfstraße“ 4. Kein Laden, nichts außer ein paar Häusern. Das ist aber auch egal, ich bin verpflegungsmäßig für ein paar Tage autark. Dann hole ich mir einen Eimer voll mit Trinkwasser, braunes Waschwasser ist genügend vorhanden. Außerdem sammele ich Holz, denn ein wenig muss ich beschäftigen.

Irgendwie haben die Leute hier oben im Norden keine Scheu davor, ihren Müll einfach in der gegen zu platzieren. Auch vor der Hütte ist es hui und 20 m weiter ist es pfui! Ein alter E-Ofen, ein Saunawasserkessel und sonstiges liegt da herum und vergammelt. Eigentlich schade. Aber auch in der Straßengräben liegt viel Müll und der kann nun wirklich nicht nur von Touristen kommen. Autowracks vor der Haustür sieht man auch des Öfteren.

14.30 Uhr

Das Kaffee trinken habe ich beendet, als draußen etwas Lärm macht. Eine Elsternfamlie hüpft auf dem Blechdach der Hütte herum. Leider ist es auch heute den ganzen wieder grau und ab und zu regnet es.

15.30 Uhr

Ich heize die Sauna an, aber mit dem feuchten Holz ist das nicht so einfach und das Kunstdruckpapier, das in der Hütte liegt, brennt nur sehr schlecht. Erst als ich etwas Fahrradöl opfere, bekomme ich das Feuer in Gang.

Nachdem ich eine ordentliche Runde geschwitzt habe, wasche ich noch mal Wäsche und lege sie in die Sauna zum Trocken. Zum Abendessen gibt Erbsensuppe aus der Tüte und ein Würstchen, anschließend noch ein paar Scheiben Brot. Der Kamin hält die Hütte schön warm.

25.08.1988

Abfahrt 3175 km
Ankunft 3270 km
Tagesleistung 95 km

Immer wieder das Gleiche, es ist wieder alles grau in grau und es nieselt. Aber trotzdem, es wird gepackt. Der Kamin ist noch immer warm und die Wäsche ist trocken. Kurz nach 9.00 Uhr fahre ich los und nach knapp 10 km fängt es an zu pladdern. Also plane ich heute bis nach Rovaniemi bis zur JH, etwa 150 km zu fahren. Na, dann mal los. Aber nach weiteren 10 km in Sodankylä wird das Wetter schlagartig besser. 50 % Sonne, na da kann man doch nicht meckern. Um 17.00 Uhr entdecke ich am Unari, jetzt auf einer Nebenstraße, ein schönes Plätzchen am See. Ein Freibadegelände mit Umkleidekabine und „WC“. Nicht lange gezögert, begutachtet und für gut befunden. Hier übernachte ich heute in der Hütte. Auch ein Feuer bekomme ich in Gang, aber es dauert lange bei dem nassen Holz. Eigentlich wollte ich noch etwa 20 km weiterfahren, aber man muss die Plätze feiern, wie sie kommen. Pilze gibt es zur Zeit überall, Rentiere habe ich heute nur zwei an der Straße und eine Herde etwas weiter weg gesehen. Bis 23.00 Uhr sitze ich am Feuer, ab und zu fliegt eine Eule über mich hinweg. Dann lege ich mich schlafen, es ist ziemlich kühl in der Nacht.

26.08.1988

Abfahrt 3270 km
Ankunft 3396 km
Tagesleistung 126 km

Morgens liegt Nebel über dem See, aber die Sonne scheint, keine Wolke zeigt sich am Himmel. Es bewölkt sich dann doch bald, aber das Wetter bleibt freundlich. Nach knapp 10 km wird die Straße zum Sandweg, der teilweise sehr schlecht ist, aber trotzdem läuft es heute gut. Bei Meltaus überquere ich die Straße 79. Dann kommen noch mal 2 km üble Baustelle, dann lässt es sich wieder gut fahren und dann ist die Straße wieder asphaltiert. Es ist sehr ruhig, kaum Verkehr auf der Straße. Kurz vor Pello muss ich noch mal eine lange Steigung überwiegend im 1. Gang bewältigen. Dann geht wieder bergab und ich bin an der Brücke über den Tornjoki von Pello (SF) nach Pello (S). Hier kaufe ich erst mal richtig ein, auch voraus schauend, denn ich will ja bald mit dem Zug nach Deutschland fahren, da brauche ich einiges an Proviant für unterwegs. Dann versuche ich zu telefonieren, aber das klappt nicht. Gehe ich noch eine Nacht auf den Campingplatz? Warum nicht? Aber ich finde ihn nicht und fahre noch mal 15 km weiter. Dann biege ich auf einen Weg ab und hoffe, er führt zum Fluss. Aber ganz komme ich nicht an den Fluss heran. Ich sehe in zwar und auch die Lichter auf der finnischen Seite. Zum Abend gibt es das erste Mal kalte Küche, es gibt Filmjölk lang mit Nypon-Soppa, also eine Art Dickmilch mit Hagebuttensirup aus dem Tetrapack. Außerdem habe ich mir ein Glas Hering mit Zwiebeln gegönnt, Schweden hat mich wieder.

27.08.1988

Abfahrt 3396 km
Ankunft 3476 km
Tagesleistung 80 km

Denn ganzen Tag über läuft es sehr gut und schnell. In Övertonea kaufe ich noch Tee und Mesost (Käse) für zu Haus ein. Ein Telefongespräch mit Hannover wird zu Tortur, weil der Apparat nur 25 Oere Stücke nimmt und jedes mal, wenn die Münze fällt, das Gespräch unterbricht. Hier werde ich das erste Mal auf den „Sverigeleden“ aufmerksam, ein Radwanderweg, der mit mehreren Verzweigungen quer durch Schweden von der Ostsee bis zu finnischen Grenze verläuft. Geplant habe ich, bis Karungi zu fahren, wo ich dann morgen um 10.47 Uhr den Zug nach Boden erreichen will. Dann kommt ein Schild zum Campingplatz am Vuentoforsen. Forsen ist Wasserfall oder eine Stromschnelle. Also fahre ich erst mal dahin, Zeit habe ich genug. Es ist ein kostenloser Campingplatz direkt am Torneälv mit Angelmöglichkeiten. Mehrere Grillplätze sind hier errichtet. Toiletten und eine große Hütte runden das Angebot ab. Einige Wohnwagen runden das Bild ab. In der Hütte hängt ein Schild, das besagt, dass die Übernachtung nur in Notfällen gestattet ist. Natürlich ist in der Hütte ein Holzofen und ein großer Holzvorrat liegt daneben. Da kein Notfall vorliegt, übernachte ich im Zelt. Regen hätte ich schon als Notfall angesehen.

28.08.1988

Abfahrt 3476 km
Ankunft 3564
Tagesleistung 88 km

Morgens um 7.30 Uhr stehe ich auf. Morgennebel liegt über der Wiese, aber die Sonne zeigt sich schon. Um 9.00 Uhr fahre ich ab und es sind noch 15 km bis Karungi. Ich treffe um 9.50 Uhr am Bahnhof ein, wo gerade der Zug nach Haparanda abfährt. Pünktlich 10.47 Uhr kommt er zurück. Ich habe meine Sachen auf den Gepäckkarren gelegt, und während ich das Rad in den Zug hebe, reicht mir der Zugführer die Packtaschen nach. Nur das Handtuch, das zum Trocknen auf dem einen Bügel des Karrens lag, übersieht er. Na, trocken ist das bestimmt geworden. In Boden will ich mein Rad nach Malmö aufgeben, um von da aus über Kopenhagen und Puttgarden nach Hannover zu fahren. Aber der Zug nach Malmö hat keinen Packwagen und ohne Rad in Malmö, was mache ich da? Also schmeiße ich meine Pläne um, das Wetter ist gut, was soll´s. So fahre ich von Boden auf Nebenstraßen und dann auf der E 4 bis ca. 20 km vor Pitea. Ich muss mal wieder unter die Dusche und gehe auf einem Campingplatz direkt an der E 4.

29.08.1988

Abfahrt 3564 km
Ankunft 3649 km
Tagesleistung 85 km

Morgens komme ich nicht so recht in Gang. Wie fahre ich weiter? Auf der lauten und stark befahrenen E 4? Endlich ringe ich mich dazu durch, von Pitea nach Längsträsk auf der Straße 373 weiter zu fahren. Von da aus will ich mit der Bahn nach Östersund und dann bis Rödby mit dem Rad. Dann also los. Aber es geht erst mal wieder ziemlich bergauf und ich fühle mich schlapp. Trotzdem bin ich kurz vor 15.00 Uhr in Langträsk. Aber der Bahnhof ist für den Personenverkehr geschlossen. Es ist wohl heute nicht mein Tag. In einem Seitenweg mache ich erst mal Kaffee und danach sieht die Welt schon viel freundlicher aus. Das leichte Surren der Kette beim Fahren hat sich im Lauf der Zeit zu einem Knacken und Knattern entwickelt. Kette und Kettenräder sind im Lauf der Fahrt ganz schön abgenutzt. Das Wetter ist ist ziemlich warm, aber es sieht nach Gewitter oder Regen aus. 10 km nach Langträsk, ich fahre die ganze Zeit an einem kleinen Fluss entlang, finde ich einen schönen Platz an einer alten Brücke und baue mein Zelt auf. Oben an der Straße ist ein Wendeplatz im Wald, der Weg zum Fluss ist mit drei großen Steinen abgesperrt und wird hinter der Brücke zum Pfad. So stelle ich mein Zelt hinter der Brücke direkt auf dem Weg. Neben mir rauscht eine Stromschnelle, darum mache ich erst mal einen Test, wie stark das Geräusch in Schlafhöhe ist. Da ist erträglich. Es liegt viel gesägtes, aber halb vermodertes Holz herum und jede Menge Pilze und Heidelbeeren wachsen um mich herum. Zum Abendessen gibt es leckere Erbsensuppe, die man in Schweden in einem wurstförmigen Plastikschlauch kaufen kann.

30.08.1988

Abfahrt 3649 km
Ankunft 3655 km
Tagesleistung 6 km

Da habe ich doch leider recht gehabt mit meiner Wettereinschätzung. Morgens regnet es sich richtig schön ein. Aber was soll es, ich muss weiter. Auch von wegen Schönwetterzelt. Ich bin am überlegen:
A) bis Jörn, ca. 40 km und von da aus mit dem Zug nach Südschweden, Packwagen voraus gesetzt?
B) gleich bis nach Haus, also das Fahrrad aufgeben?
C) nur bis Jörn und sehen, was das Wetter bringt?

Es regnet lang weg, als nach 6 km eine längere schmale Brücke über den Byskeälv führt und gleich danach ein Schild mit dem Hinweis Rastplatz auftaucht, unten am Ufer habe ich schon eine nach vorn offene Anglerhütte gesehen, wie es sie oft in Schweden gibt. Ich fahre erst mal weiter, aber dann zieht es mich zurück, angucken kostet ja nichts und es ist schon wieder zeimlich feucht und ungemütlich in meiner Kluft. Eine Toilette ist vorhanden, der Holzschuppen ist leider leer. Erst mal benutze ich das Pöttchen, dann filze ich die Abfalltonnen und werde fündig. Ein paar trockene Zeitungen und ein paar Papierteller, die stark nach Fisch riechen, egal. So kann ich mit gesammelten nassen Holz erst mal ein Feuer in Gang bringen. Das dauert zwar und es qualmt erst mal ganz stark. Die Hütte ist erst mal stark vernebelt. So langsam kann ich dann auch dickeres Holz nachschieben. Vorher habe ich aber erst mal meine Vorräte durch gecheckt, denn was nutzt mir einen trockenes Plätzchen, wenn ich nichts zu futtern habe. Ich bin ziemlich leer gefressen. 1 x Knäckebrot im Anbruch, 1 x Margarine, 2 x Tütensuppe (Heiße Tasse), 1 Stück Käse Mesost. 1 Stück Fleischwurst, ½ Tüte Langfil und ein Rest Müsli. 1 kg Mesost und Kaffee und Tee genug. Wasser muss ich aus dem Fluss schöpfen.

Schon mehrere Male habe ich festgestellt, das der Asphalt in Schweden sehr weich und dünn ist. Wenn man das Fahrrad abstellt, bohrt sich der seitliche Ständer durch den Asphalt und das Rad fällt um.

Abends verziehen sich dann die Wolken. Das Zelt habe ich in der Hütte aufgebaut, so bleibt es auf jeden Fall trocken. Aus den beiden Tütensuppen, mit zwei Pilzen, etwas Brühe und der Hälfte der Fleischwurst habe ich mir ein Abendessen gekocht, danach gibt es noch Langfil mit Müsli. Über dem Fluss bildet sich langsam Nebel. Ein Schwertransporter mit einem Bagger muss wieder zurück, denn die Brücke ist zu schmal. Ich denke mal, der muss rückwärts zurück bis zum dem Platz, an dem ich letzte Nacht gestanden habe, denn unterwegs habe ich keine abzweigende Straße oder ähnliches gesehen, wo so ein langes Geschütz drehen könnte.

31.08.1988

Abfahrt 3655 km
Ankunft 3687 km
Tagesleistung 32 km

Morgens ist alles wieder grau. Nebel! Gegen 7.00 Uhr stört mich ein Geräusch, so als würde jemand Holz aufschichten, ich bequeme mich aus dem Schlafsack, nichts zu sehen, es sind nur die Wassertropfen, die von Dach fallen und dieses Geräusch verursachen. Gegen 8.00 Uhr macht ein Lkw Krach, die Müllabfuhr? Ich stehe endgültig auf und bin kaum in den Klamotten, da kommt ein Pkw mit 2 Anglern vorgefahren. Ein äußerst unruhiges Plätzchen. Ich frühstücke und wasche noch schnell ein paar Duftsocken. In meinen Schuhen gibt es ganz schöne Schweißmauken. Tatsächlich war die Müllabfuhr da, in den Gestellen hängen leere Müllsäcke. Jetzt geht es in Richtung Jörn, der Nebel wird dichter und es nieselt etwas. Der Tacho stellt mal wieder Dienst ein. Ich wische ihn trocken und er funktioniert wieder. Ich beschließe, den Urlaub zu beenden und will mein Fahrrad am Bahnhof in Jörn aufgeben. Oha, großes Rätselraten. Ein Fahrrad ins Ausland. Großes hin und her, Telefongespräch. Also, Fahrrad hier aufgeben, aber bezahlen in Bastuträsk, eine Station weiter. Weil ich keine Lust habe, mich mit den großen Packtaschen weiter abzubacksen, gebe ich sie auch noch als Reisegepäck auf. Dann wird noch für die Fahrt eingekauft. Bevor der Zug kommt, koche ich mir noch einen Kaffee auf dem Bahnsteig. Im Bahnhof kann ich dann noch mal mit Hannover telefonieren, Carsten ist nach dem dritten Anlauf am Telefon und ich kündige meine Ankunft für den nächsten Tag an. Ich frage im Zug sofort nach einem Platz im Liegewagen und habe das Abteil die ganze Nacht für mich allein. In Bastuträsk bezahle ich am Zug noch schnell die Gebühren für das Fahrrad. Natürlich wird das Wetter kurz nach der Abfahrt wieder besser.

01.09.1988

Mit der Umsteigerei klappt alles bestens. In Kopenhagen bin ich als erster im Waggon und kann mir einen Platz am Fenster sichern. Der Zug ist gut besetzt. Mir gegenüber sitzt ein älterer Mann aus Afghanistan, der nach Hamburg will. Er ist blind, ist aber spitz wie Nachbars Lumpi. Er spricht deutsch und kennt fast nur ein Thema, das macht die Situation etwas unangenehm. Auch auf der Fähre behalte ich in im Auge. Als wir mit dem Zug von der Fähre runter sind, beginnt der Ärger. Einige Leute haben sich auf der Fähre voll laufen lassen. Der erste wird in Oldenburg (Holstein) von der Polizei abgeholt, das gibt schon mal 20 Minuten Verspätung. Nachdem er ohne Fahrschein erwischt wurde, hat er eine Flasche kaputt geschlagen und will sich damit die Halsschlagader durchschneiden. Drei Bundesbahner halten ihn fest, bis endlich die Polizei da ist und ihm die Flaschenreste aus der Hand nehmen kann. Zwei weitere Fahrgäste werden in Lübeck aus dem Zug geholt. Das ich in Hamburg trotzdem noch den IC nach Hannover bekomme, freut mich natürlich sehr.

So komme ich dann am 01.09. Tage früher als ursprünglich geplant wieder aus dem Urlaub.
Gut 1800 km habe ich abgestrampelt.





Schweden 91
06 06 – 26 06 1991

auf dem Sverige – Leden (SL)

Mit Didi und Steven

08.06.1991

Am Vorabend sind wir zusammen mit Ulla noch bei Chinesen zum Essen. Morgens um 5.00 Uhr stehen wir auf, denn um 6.13 Uhr wollen wir mir dem Zug nach Hamburg fahren, um dort um 8.28 Uhr über Rostock nach Saßnitz weiter zu fahren. Unsere Fähre geht um 17.40 Uhr und kommt um 21.25 Uhr in Trelleborg an. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär! Der D 490 hat einen Lokschaden und kommt mit 64 Minuten Verspätung in Hannover an. So sind natürlich alle Anschlüsse im Eimer. So sitzen wir erst mal drei Stunden in Hamburg fest. Nur gut, dass das Wetter gut ist und wir außerhalb der Halle in der Sonne sitzen können. So müssen wir das Ganze mit Humor nehmen und fahren um 13.34 Uhr weiter bis Stralsund und von dort aus um 18.50 Uhr weiter nach Saßnitz, wo wir um 19.57 ankommen. Dort erkunden wir erst mal die Lage. Als wir am Fährhafen vor dem Hafenbüro nach den Anfahrzeiten der Fähren gucken, gibt Didis Fahrrad den Geist auf. Warum auch immer, die Schraube, mit der der Lenker im Vorbau festgeschraubt wird, ist vermutlich überdreht und versagt genau dort ihren Dienst. Na prima, fahr mal mit losem Lenker. Um 22.00 Uhr legt dann unsere Fähre ab und am

09.06.1991

56 km

kommen wir morgens um 2.20 Uhr kommen wir in Trelleborg an. An Bord haben wir erst mal zu Abend gegessen, es gab Kartoffelsalat mit Fischfilet. Dann versuchen wir Didis Rad provisorisch zu reparieren. Vom Fährhafen in Trelleborg geht es dann zum Campingplatz etwa 5 km in Richtung Ystad. Dort bauen wir im Schein einer Platzlaterne um 4.00 Uhr das Zelt auf und können uns dann endlich hinlegen.

Um 10.00 Uhr werden wir langsam wach und fahren nach dem Frühstück weiter bis nach Ystad. Dabei stellt sich schnell heraus, mit Didis Lenker ist das nicht der wahre Jakob. Das Wetter ist kühler, aber sonnig. Abends gibt es Linsensuppe, vorher haben wir Didis Lenker abgebaut, wobei wir mit dem Abziehen der Griffe große Schwierigkeiten haben.

10.06.1991

Wir haben gut geschlafen, das Wetter ist bestens. Morgens fahre ich dann allein nach Ystad, um für Didi einen neuen Vorbau und eventuell ein neuen Lenker zu kaufen. Trotz Information und Stadtplan suche ich lange nach einem Fahrradladen. Als ich dann endlich das Gesuchte habe und zum Platz zurückkehre, stellen wir fest, der Schaft des Vorbaus ist ca. 2 mm zu wenig Durchmesser. Also muss ich noch mal in die Stadt, diesmal fahre ich zusammen mit Didi und diesmal klappt es mit dem Vorbau und gegen 13.00 Uhr ist Didis Rad wieder fahrbereit. Wir bleiben diesen Tag in Ystad und fahren noch mal zum Einkaufen in die Stadt. Diesmal fahren wir nicht auf der Hauptstraße, sondern auf dem Strandweg, dieser ist bereits der erste Teil des SL, auf dem wir Richtung Startpunkt fahren. Abends gibt es Kotbollar, die schwedischen Minibouletten mit Kartoffelbrei. Anschließend gibt es noch Tee mit und Rum., während wir Skat spielen. Didis Zigarettenvorrat nähert sich dem Ende, er will mit dem Rauchen aufhören. Mal sehen, ob das klappt, denn in Schweden sind die Zigaretten sehr teuer.
11.06.1991

66 km

Gegen 11.00 Uhr starten wir durch. Das Wetter ist nicht so gut, es ist sehr windig und es sieht nach Regen aus. Einmal erwischt es uns auch ganz kräftig. Der SL führt erst auf dem Strandweg an der Ostsee entlang und biegt dann auf verkehrsarmen Nebenstraßen ins Land ab. Die Ausschilderung ist gut, nur in Tomemilla ist ein Schild verdreht, was zu einem kurzen Abstecher von der Route führt. Erst mal führt uns der SL durch überwiegend landwirtschaftlich genutzte Anbauflächen, dann kommen aber auch mehrere Waldstücke. Auf einem großen Platz machen wir eine Kaffeepause und fahren dann bis Degeberga auf den Campingplatz. Zum Abendessen gibt es die obligatorische Erbsensuppe, die man in Schweden überall in einer wurstförmigen Plastikverpackung kaufen kann.

12.06.1991

80 km

Heute sitze ich in Immeln auf dem Campingplatz und lasse den Tag Revue passieren. Morgens schien noch ein wenig die Sonne, aber dann war es den ganzen Tag grau, aber es fielen nur ein paar Tropfen Regen. Morgens erschien auf nüchternen Magen der Campingwart und forderte Löhnung, bei 125,00 SKR, also etwa 34.00 DM blieb mit erst mal die Spucke weg. So toll war der ** Sterne Platz ja nun auch nicht, auch wenn die Waschhäuser geheizt waren. Der SL ist weiterhin gut markiert. Ein paar wenige Steigungen , die Landschaft ist schön und abwechselungsreich, die kleinen Orte sind sauber und so manches schöne Haus, teils auch mit Ried bedeckt ist zu sehen. In Vinslöw kaufen wir ein, es ist nicht sehr einfach, ungesüßtes Brot zu bekommen. Hier stößt auch der von Helsingborg kommende Teil des SL an. In Knieslinge verlassen wir den SL, um zum Campingplatz in Immeln zu kommen. Heute kam der Wind seitlich oder von hinten, so war es eine angenehme Fahrt.

13.06.1991

97 km

Morgens kommen wir erst gegen 11.00 Uhr auf das Rad. Das Wetter ist weiterhin wechselhaft und kühl. In Arkelstorp stoßen wir wieder auf den SL, wir fahren an dem ersten größeren See entlang, aber noch überwiegen die landwirtschaftlichen Anbauflächen. Wir kommen an mehreren Erdbeerplantagen vorbei. Nach Mörrum biegt der Weg in nördliche Richtung ab und an Svängsta wird die Landschaft langsam „schwedisch“. Allerdings sieht man noch verhältnismäßig viele Zäune. In der Höhe des Mien(sees) erwischt uns dann doch das schlechte Wetter, das uns schon die ganze Zeit verfolgt hat. Weiter geht es mit Nullpunktstimmung in Richtung Urshult, wo wir gegen 19.00 Uhr auf dem Campingplatz eintreffen. Die Frage Hütte oder Zelt geht aus finanziellen Erwägungen zum Zelt und so bauen wir auf und liegen nach dem Abendessen auch schon bald flach. Weil Steffen (das Weichei = unser Standartspruch in diesem Urlaub) mit seinen Knien Schwierigkeiten hat, beschließen wir, erst mal einen Tag Pause einzulegen.

14.06.1991

Wir stehen spät auf und frühstücken in aller Ruhe. Das Wetter ist weiterhin wechselhaft. Dann legen wir die Waschmaschine und den Trockner in Beschlag. Nachmittags macht sich Didi an die Kartoffeln für die Bratkartoffeln, anschließend sind die Zwiebeln an der Reihe. Die treiben ihm die Tränen in die Augen. So ein Weichei! Gegen 16.30 Uhr haben wir ein leichtes Gewitter.

15.06.1991

98 km

Das Wetter ist weiterhin sehr wechselhaft. Beim Frühstück entscheidet sich dann, das Steffen nicht mehr weiter fahren will und er und sein Bruderherz Didi wollen den Urlaub anbrechen. So beschließen wir, uns zu trennen, denn der nächste Bahnhof ist Älmhult und der ist etwa 60 km weit in der falschen Richtung entfernt. So trennen sich hier unsere Wege und ich fahre weiter auf dem SL. Den ersten Regenschauer warte ich unter ein paar Bäumen ab. Die Straße führt wunderbar am Asnen(see) entlang, wenn da nicht immer die dunklen Wolken drohen würden, könnte man die Fahrt richtig genießen. In Intervallen kommen dicke dunkelschwarze Wolkenbänder und vor dem zweiten dicken Guss rette ich mich in den Lanthandel von Torne, wo ich gleich einkaufe. Beim dritten Guss stehe ich dann unter einer Eiche, nach 10 Minuten ist der Spuk vorbei und dann scheint wieder die Sonne. Kurz vor und in Alvesta kommen mir mehrere Gruppen jugendlicher Radfahrer entgegen und wir grüßen uns im Vorbeifahren. Auch sie sind mit großem Gepäck unterwegs. Ich habe jetzt kurz hinter Alvesta gut 60 km hinter mir und halte Ausschau nach einem Platz für das zelt. Das Standbad von Ör bietet sich gerade zu an, aber da ist ein großes Schild mit „Campingforbud“ aufgestellt. Also geht es weiter. Erst spät finde ich am Övrasjo hinter Rottne einen schönen Platz. Unterwegs repariere ich noch den Schaltungszug des vorderen Umwerfers, weil der defekt ist. Um 16.00 Uhr wird das Wetter besser, aber als ich am See abkomme, stürmt es mächtig. Um 20.00 Uhr ist es dann wieder ruhig und fast wolkenlos, außerdem ist es wärmer geworden. Das Tee kochen dauert lange, denn die Kartusche im Kocher geht dem Ende entgegen. Ich muss mit dem Wasser sparsam sein, denn ich habe nur noch 1 Ltr Trinkwasser in Reserve.

16.06.1991

Den Tag habe ich mir eigentlich anders vorgestellt, als ich um 9.00 Uhr Uhr mir mit kämpfe ob ich aufstehe oder noch ein paar Minuten vergehen lasse, beginnt es stark zu regnen und das hört bis 16.00 Uhr nicht auf. Das Wasserproblem löse ich mir dem Zelt eigenen Wasserwerk, der Deckel vom Kochgeschirr dient als Auffangbehälter, denn stelle ich unter eine Dachkante und so komme ich schnell zu ein paar Litern sauberen Wasser. Ich habe ein paar Unterlagen für meine DB Zugführerprüfung mit genommen und so vertreibe ich mir den Tag damit, ein bisschen zu lernen. Zwei Autos kommen auf den Platz, aber ob die Insassen mein Zelt gesehen haben? Ich glaube nicht, denn ich stehe versteckt in den Büschen auf einer kleinen Lichtung. Ich versuche mich, als das Wetter gegen 17.00 Uhr besser wird, auch an einem Feuer, aber es ist zu nass. Abends wird es richtig schön und zwei Autos aus D, je ein Alt- und ein Neubundi, verirren sich auf meinen Platz. Sie haben bei dem Besitzer des am See liegenden Bootes je eine Ferienwohnung gemietet und testen die Angelgründe. Mittlerweile habe ich mich entschieden, den SL zu verlassen. Dann schaffe ich es eventuell bis Ange und von dort habe ich einen besseren Bahnanschluss über Göteborg und Dänemark, als über Saßnitz. Abends gibt es Kartoffelbrei mit Sülze, Not macht erfinderisch. Nachts regnet es wieder.

17.06.1991

94 km

Morgens packe ich das Zelt nass ein, das Wetter ist weiterhin schlecht und es bleibt den ganzen Tag so. Bis Vetlanda bleibe ich auf dem SL und fahre dann auf den Straßen 31 und 32 bis nach Eksjö. Die Strecke war heute sehr hügelig und lief teilweise auf Schotterstraßen. Nur die letzten Kilometer vor Eksjö ist es eben und dort läuft es sehr gut. Abends gibt es mal wieder die obligatorische Erbsensuppe. Die Zubereitung ist einfach und es geht sehr schnell, gut schmecken tut sie auch.

18.06.1991

Die Fortsetzung der unendlichen Geschichte. Als ich gegen 8.30 Uhr aufstehe, beginnt es prompt zu regnen. Ich bleibe heute hier, denn ganzen Tag über pladdert es. Ich lerne mal wieder etwas für meine Zugführerausbildung und verbringe dabei den ganzen Tag mehr oder weniger im Zelt. Abends gehe ich duschen und mache dann zum Abendessen Kötbollar, Kartoffelbrei und Zwiebeln, die mir etwas anbrennen. Es regnet immer noch, aber angeblich soll das Wetter besser werden. Das Zelt ist dicht und trocken, mal sehen, was der morgige Tag bringt.

19.06.1991

98 km

In der Nacht regnet es nicht mehr so stark und es hört dann, unterbrochen von ein paar leichten Schauern völlig auf. Dafür ist es es stürmisch. Kurz nach 8.00 Uhr krabbele ich aus meinem Schlafsack und um 10.00 Uhr komme ich die Pötte. Hinter Eksjo beginnt es wieder zu regnen, meine Stimmung ist am Tiefpunkt angekommen. Aber eine Stunde später wird es wieder besser und auch die Sonne lässt sich mal blicken. In Transas kaufe ich ein und stoße dabei auf einen Radfahrer aus Stuttgart. Unterwegs treffen wir uns dann noch einmal. Hinterjölba Mjölby gehe ich dann auf den Campingplatz. Der ist nach dem langen Regen mehr eine Matschwüste und ich habe auch ansonsten schon bessere Plätze gesehen. Als ich das Zelt aufgebaut habe, fahre ich noch mal zurück nach Mjölby, um noch ein paar Einkäufe zu tätigen. Das Mittsommernachtsfest steht vor der Tür und wer weiß, wo ich dann das zum Einkaufen finde. So ist etwas Vorratshaltung angesagt. Abends ist es windig, aber auch sonnig. Schließlich geht die Sonne hier oben im Norden zur Zeit ja auch kaum unter. Richtig dunkel wird es nie.

20.06.1991

70 km

Morgens ist wieder alles grau, aber es ist trocken. Ich fahre weiter nach Motala, wo ich wieder auf den SL abbiegen könnte. Aber um mir einen kleinen Zeitpuffer zu bilden, bleibe ich auf der Straße 50 entlang des Vätternsees, den ich manchmal sehe, bis nach Askersund. Auf der Straße herrscht reger Lkw Verkehr und die überholen teilweise doch sehr hautnah. Unterwegs sind ein paar Grabfelder mit Hügelgräbern zu sehen. Kurz vor Askersund gehe ich auf den Husbergsudde Campingplatz. Auch auf diesem Campingplatz haben Grabungen stattgefunden, wo man einiges gefunden hat. Das Wasser im See hat 15°. Ab dem Mittag wurde das Wetter wieder besser, nur der Wind ist noch ziemlich ungemütlich. Ein Schwede neben mir im Wohnwagen sitzt ohne Hemd draußen.

21.06.1991

112 km

Es ist noch ziemlich lange laut auf dem Platz und auch morgens beginnt der Lärm schon relativ früh. Das Wetter ist wechselhaft und es ist sehr windig bis stürmisch, aber ich haben den ganzen Tag den Wind von der Seite oder von hinten. Ab Askersund fahre ich dann wieder auf dem SL und bin dann in Snavlunda wieder auf der Hauptroute. Ab Askersund ist die Gegend wieder landwirtschaftlich geprägt. Dann geht es gut 7 km auf einer Sandstraße teilweise kräftig bergauf. Hier dominieren wieder die Wälder. Es herrscht teilweise starker Verkehr, denn die Schweden sind wegen dem Mittsommernachtsfest unterwegs. Hier oben liegt ein Aussichtspunkt in 267 m Höhe, den ich aber nicht anfahre. Ein hoher Funkturm aus einer Eisenkonstruktion singt im Sturm, nur dadurch bemerke ich ihn sofort. Oben auf der Höhe ist ein kleines Moor und zwei große Seen. Außerdem ist hier oben noch ein großes Wintersportgebiet. Dann geht es nur noch bergab, der vielen Schlaglöcher wegen muss ich oft bremsen. In Pershyttan ist gerade die Mittsommernachtsfeier beendet, dort besichtige ich einen Teil eines Industriemuseums, dessen Anfänge bis in 13. Jahrhundert zurück gehen. Außerdem ist hier die Endstation der „Nora Bergslads Veteran Jernväg“ und ich komme leider eine halbe Stunde zu spät, um die Abfahrt des Dampfzuges zu sehen. Bei der Weiterfahrt helfe ich eine jungen Schwedin, sie kann so um die 14 Jahre alt sein, ihre abgesprungene Kette wieder auf zuziehen. Sie spricht zwar etwas deutsch, traut sich aber nicht so richtig. In Nora treffe ich dann am Bahnhof auf die Wagen der Museumseisenbahn, die Lok ist leider schon weg. Hier man Bahnhof hat man aus zwei alten Schlafwagen und einem „Salongwagen“ eine Jugendherberge eingerichtet. Der Campingplatz von Nora gefällt mir nicht und so fahre ich weiter zum nächsten Campingplatz. Der ist aber wegen des Mittsommernachtsfestes geschlossen. Da hat sich wohl eine Riesengruppe breit gemacht. So fahre ich weiter, bis ich dann am Campingplatz Uskavi eintreffe. Das ist auch wieder so ein durchorganisierter Platz, wie ich sie überhaupt nicht liebe. Auch hier steppt heute der Bär. Ich schaue mich mal auf dem Platz um. Unten tanzt die Jugend oben hinter eine Bodenwelle bekomme ich den Gottesdienst hautnah mit, denn dieser Platz hat eine eigene Kirche und da habe ich das Zelt dicht bei aufgebaut. Kaum bin ich ersten Schlaf versunken, fängt kurz vor Mitternacht die Glocke an zu läuten und es folgt ein weiterer Gottesdienst. Go down, Moses! Ich hätte mein Zelt wohl besser irgendwo im Freien aufbauen sollen. Dann bekomme ich auch noch Bauchkneifen. Ob der Kräutersild nicht mehr so ganz ok war? Danach stoße ich jedenfalls mächtig auf, der kommt vorsichtshalber in die Mülltonne.

22.06.1991

68 km

Das Wetter ist weiter eine Riesenpleite. Während ich noch im Schlafsack liege, tropfen vorsichtig die ersten Vorboten der heutigen Wetters auf das Zeltdach. Gegen 10.30 Uhr bin ich wieder unterwegs, die Regenbekleidung liegt griffbereit auf dem Gepäck. Erst geht es mal wieder bergauf und bergrunter, kurz nach Stora kommt wieder eine Steigung und es beginnt zu regnen. Ab Ramsberg geht es dann weiter auf Sandstraßen etwa 8 km bergauf, bis ich bei ca. 300 m Höhe den Scheitelpunkt erreiche. Dann geht es wieder bergab nach Kloten und dann nach Malingsbro. Auch hier ist man immer noch am Feiern, aber ich bin nass und suche nur noch ein geeignetes Plätzchen. Dann finde ich am Malingsbosjo einen Platz. Bis hierher bin ich heute ohne Pause gefahren. Es ist ein Strandbad und es hat, wie erwartet eine Toilette und Umkleideräume. In einem Umkleideraum lasse ich mich häuslich nieder und hänge meine Sachen zum Trocknen auf. Dann koche ich erst mal Kaffee und später gibt es dann zum Abendessen den Rest vom Vortag. Schnell-, also Snappnudeln mit Wurst, die ich in der Pfanne brate. Der Regen hört zwar auf, aber es ist weiterhin grau. Gegen 19.00 Uhr schaut dann mal die Sonne aus den Wolken. Als ich auf dem Badesteg meinen Teekessel ausspüle, entdecke ich im Wasser mehrere gut 20 – 30 cm lange schwarze Fadenwürmer. Die habe ich noch nie gesehen.

23.06.1991

101 km

Sonntag! Nicht nur dem Namen nach, sondern wirklich ein Sonnentag. Auch wenn es morgens noch nicht danach aussieht und ich meine Regensachen anziehe. Das Zelt hatte ich nicht aufgebaut, sondern ich habe im Umkleideraum geschlafen. Die Sachen sind fast alle trocken. Mittags komme ich in Torrbo bei Smedjebacken an einem neuen Campingplatz vorbei, dort fasse ich erst mal Wasser und rufe dann in Hannover an. Die Kronen klappern nur so durch, aber zu Haus ist alles in Ordnung. Weiter geht es mit einer langen Steigung vor Asmansbro und bei Kallarbo mache ich meine Kaffeepause im Tagebau eines alten Silberberkwerks. Dann geht es weiter in Richtung Torsang. Hier ist mächtig was los, Bootsrennen usw. im Rahmen der Mittsommernachtsfeier. Am Runn(see) hoffe ich endlich einen Platz für das Zelt zu finden, aber da ist nichts. Auch ein Waldweg führt leider nur zu einen Wochenendhaussiedlung. Als ich wieder auf der Straße 266 bin, finde ich an einer alten Schlackenhalde doch noch einen Platz am See. Es ist zwar etwas laut von der Straße her, aber was soll es. Das erste Mal sitze ich abends vor dem Zelt in der Sonne und die ersten Mücken versuchen mich zu „pücken“! Zu Abendessen gibt es Kartoffelbrei und Rindfleisch in Soße. Schrecklich, die ist mit Parika. Egal, der Hunger treibt es rein. Auch der letzte Rest vom Rum muss heute dran glauben.

24.06.1991

74 km

Das Abendrot hat gelogen. Als ich um 8.00 Uhr wach werde, regnet es. Es hört zwar bald wieder auf, aber meine Laune ist mal wieder im Keller. Rechts rüber ist es hell, links rüber ist es dunkel und dunkel bleibt mal wieder der Sieger. Erst mal hat unterwegs jemand mindestens zwei SL Schilder abgebaut, so dass ich beim zweiten fehlenden Schild den falschen Weg wähle, aber die Richtung stimmt und in Svärdsjö bin ich ich wieder auf dem richtigen Weg. Diesmal droht von rechts das schlechte Wetter und rückt langsam näher. Die Straßen heute sind sehr ruhig und führten durch Wälder und an Seen vorbei. Am Bad von Övertänger mach ich erst mal gegen 14.30 Uhr meine Kaffeepause und gleich darauf beginnt es heftig zu regnen. Der Platz wäre nicht schlecht zum Bleiben, aber ein großes Holzwerk in der Nähe macht mir dafür zu viel Lärm. So fahre ich weiter bis nach Svabensverk, wo am Bad ein kostenloser Campingplatz meinen Tatendrang stoppt. Mir tut außerdem heute das Hinterteil weh und etwas Zahnschmerzen habe ich auch. Abends habe ich als Schutz vor Kriebelmücken die Kapuze von der Regenjacke über den Kopf gezogen. Lästig sind sie, diese bissigen Biester. Jetzt nähert sich von Westen her gutes Wetter, traut sich aber nur sehr langsam heran.

25.06.1991

70 km

Beim Aufstehen herrlichstes Wetter, ich traue meinen Augen nicht. Sogar das Zelt bekomme ich ganz trocken. Gleich zum Eingewöhnen kommt erst mal eine gut 5 km lange mäßige Steigung. Mein Ziel ist heute Bollnäs. Von dort wäre ich in etwa drei Tagen in Sundsvall, aber ich traue dem Wetter nicht. Außerdem wäre mal wieder ein Tag Pause angesagt. In Alfta genehmige ich mir ein Eis und wage einen Blick in eine ausliegende Tageszeitung. Oh welche Freude, es ist Regen angesagt. So stehe ich zwei Stunden später in Bollnäs am Bahnhof. Dort buche ich einen Platz im Schlafwagen nach Göteborg und einen Sitzplatz im Zug nach Hamburg. Das Fahrrad und ein Teil des Gepäcks verpackt im Seesack gebe ich auf und steige mit kleinem Gepäck in den Zug.

26.06.1991

Das Schlafwagenabteil habe ich für mich allein gehabt und ich habe relativ gut geschlafen. Morgens in Göteborg ist es das altvertraute Bild, es regnet. So sitze ich im Zug nach Hamburg und schreibe die letzten Zeilen in mein Tagebuch. Abends komme ich dann in Hannover an.


Schweden 03.07. - 23. 07. 1994
03.07.1994
43 km
Am 03.07.1994 fahren wir, Frank und ich um 10.49 mit dem Interregio IR 2071 um 10.49 Uhr von Hannover ab. Wir kommen pünktlich in Neumünster an. Das Wetter ist bestens und wir fahren auf Nebenstraßen und Wegen am Einfelder See über Bordesholm in Richtung Kiel. In Bordesholm trinken wir erst mal Kaffee. Gegen 17.30 Uhr erreichen wir die Fähre nach Göteborg. Die Kabinennummer erfahren wir schon an Land und wir bekommen jeder eine Magnetkarte als Türschlüssel. An Bord ist der Zugang zur „1. Sitzung“ des skandinavischen Buffets schon ausgebucht und bevor wir uns zur 2. Sitzung um 20.30 Uhr entschließen, ist die auch ausgebucht. So müssen wir uns mit dem Essen a`la Karte begnügen und sind arg enttäuscht, was man uns da für 50,00 DM pro Person serviert! Anschließend bummeln wir über das Schiff und ein Bier und ein Besuch im Dutyfree runden den Abend ab. Die Doppelkabine mit Dusche und WC ist zweckmäßig und gut.
04.07.1994
90 km
Morgens um 6.15 Uhr ist allgemeines Aufstehen, wir duschen und dann geht es zum Frühstück. Es dauert gut 30 Minuten, bis wir einen Platz bekommen. Dann geht es zu den Rädern und wir können das Schiff verlassen, das um 8.00 Uhr anlegte. Wir folgen der Radwegbeschilderung Cykel-torist vom Hafen in Richtung Zentrum und finden dann die Schilder des „Sverigeleden“ (Schwedenweg) an der Straße in Richtung Oslo. Dann kommt nichts mehr an Schildern und als wir uns erkundigen und ein paar Leute fragen, stellen wir fest, wir sind gut 20 km im Kreis gefahren. Dann endlich finden wir den richtigen Weg. Die ersten 30 km verlaufen auf einer still gelegten Bahnstrecke in Richtung Östad am Mjörn See. Frank meldet erste Ermüdungsprobleme an. Nach einigen Pausen erreichen wir dann nach einen vorher ausgeguckten See mit einem Badestrand. Dort bauen wir nach dem Abendessen unser Zelt auf. Allerdings werden wir bis Mitternacht von einigen Jugendlichen gestört, die da lautstark im Gange sind.
05.07.1994
71 km
Ich habe gut geschlafen, während Frank einige Schwierigkeiten hatte. Das Wetter ist weiterhin sonnig und es ist sehr heiß. Vor 10.00 Uhr verlassen wir den Platz. In Ale-Skövde übersehen wir wohl ein Schild oder es fehlte, jedenfalls machen wir erst mal einen Umweg von 5 km, dann sind wir am Göta Älv. Die Landschaft ist landwirtschaftlich geprägt. Einen schönen Rastplatz am Fluss finden wir nicht und wir haben einige nette Steigungen, die Frank überhaupt nicht gefallen. In Vänersborg fahren wir durch sehr gepflegte Vororte auf ausgeschilderten Radwegrouten in die Innenstadt. Endlich kommt wieder ein Schild Sverige Leden und wir folgen dem Schild rechts abbiegend. Das sind allerdings 2 km Umweg, denn wir hätten links abbiegen müssen. Kurz nach Vänersborg geht es dann rechts ab zum Campingplatz am Ufer des Vänernsees. Zum Abendessen gibt es Erbsensuppe.
06.07.1994
76 km
Abendstille liegt über dem Animmen-See. Nur ein paar Fliegen summen uns herum. Frank sitzt auf einem Stein und schaut in den See, das Abendessen liegt hinter uns. Es gab Cevapcici, Aldi sei Dank. Kurz nach 10.00 Uhr sind wir heute morgen losgefahren. Bis Timmervik, wo wir Kaffee trinken, sind wir immer relativ dicht am Vänern entlang gefahren, nur gesehen haben wir ihn kaum. Kurz danach haben wir den Sverigeleden verlassen und fahren weiter auf dem Daslandsleden bis nach Mellerud und dann weiter auf der Straße 45. Dann biegen wir nach links ab und sind wieder auf dem Daslandsleden. So langsam beginnt die tägliche Suche nach einem Platz für das Zelt. Aber außer jede Menge Steigungen und ab und zu einen Blick auf den See hat die Landschaft nichts zu bieten. Dann endlich am Seeende finden wir nach einer längeren intensiven Suche endlich einen geeigneten Platz im Wald am Seeufer. Das Wetter ist sonnig und sehr warm. Die Gegend hier ist ein Bibergebiet.
07.07.1994
78 km
Morgens hören wir ein Geräusch, als ob jemand einen dicken Stein in das Wasser wirft. Es ist ein Biber, der mit dem Schwanz auf das Wasser schlägt. Wir sehen ihn dann auch etwas weiter entfernt schwimmen. Erst mal gibt es wieder einige Steigungen zum Angewöhnen, aber dann geht es bis Amal gut voran. In Amal treffen wir wieder auf den Sverigeleden. Frank hat unter der Hitze stark zu leiden und ist völlig erschöpft. In Nysäter machen wir eine längere Pause und fahren auf der E 18 an den Sävsjo, wo wir einen Tag Pause einlegen.
08.08.1994
7 km
Das Wetter ist weiter bestens.
09.07.1994
100 km
Das Wetter ist weiterhin super. Gegen 9.00 Uhr fahren wir ab. Auf der E 18 fahren wir bis Karlstadt, wo wir wieder auf den Sverigeleden stoßen. Allerdings ist das ein anderes Teilstück als vorher geplant. Weiter geht es auf dem SL in Richtung Kristinehamn. Mittags ab 13.00 Uhr wird es wieder richtig knackig heiß. Unterwegs trinken wir 2 x Kaffee und gegen 18.00 Uhr treffen wir auf dem Revsands Familjecamping am Vänern ein. Über den See bläst ein starker Wind. Mit 100.00 SKR ist dies der bisher teuerste Platz.
10.07.1994
80 km
Die ganze Nacht über hatten wir starken Wind, morgens ist der Himmel stark bewölkt. Aber das wird bald besser. Auch tagsüber bläst der Wind kräftig, erst von der Seite und als wir dann in Richtung Osten abbiegen von hinten. Zuerst folgen wir dem Sverigeleden, bis wir ihn bei Atorp verlassen und in Richtung Askersund weiterfahren. Unterwegs trinken wir einen Cappuchini, Frank allerdings nur mit spitzen Zähnen und auch nur, weil es der erste Kaffeeshop des Tages ist. Dann fahren wir über Svarta zum nächsten Campingplatz. Kurz davor knallt mir auf dem Hinterrad auf der Zahnkranzseite eine Speiche weg. Ein Reparaturversuch ist vergeblich, trotz Abzieher bekommen wir den Zahnkranz nicht gelöst. Auf diesem Campingplatz war ich vor Jahren schon mal mit Ulla auf unserer Fahrt vom Nordkap. Die Straße geht direkt durch den Platz und auf beiden Seiten ist ein Weg. Auch diesmal sind wieder einige Harley Davidsons auf dem Platz und auch diesmal findet sich eine Ente ein, die gefüttert werden will.
11.07.1994
76 km
Weiterhin scheint die Sonne und es ist sehr warm. Wir fahren erst mal 13 km bis Askersund, suchen und finden dort einen Fahrradhandel mit einer Werkstatt. Zwei Mann kämpfen dort eine gute halbe Stunde mit dickem Werkzeug mit meinem Zahnkranz. Eine Arbeit, die normalerweise keine Minute dauert. Dann knackt es endlich und der Zahkranz gibt nach. Wir können ihn abschrauben und eine neue Speiche einziehen. So was haben die Beiden auch noch nie erlebt, aber ihr Ehrgeiz war geweckt. Weil ich außerdem bei jeder Umdrehung ein Knacken am Rad habe und das auf ein Pedal zurück führe, kaufe ich noch ein paar neue Pedale. Angeschetten, Herr Major, es knackt weiter und jede Knack ist auch deutlich zu spüren. Scheinbar ist das Tretlager der Übeltäter, obwohl kein Spiel festzustellen ist. Beim nächsten Halt lege ich das Rad auf die Seite und kippe etwas Öl an die Nut an der Achse. Siehe da, nach einer zweiten Ölung ist der Spuk vorbei und ich kann wieder fahren, ohne dass sich bei mir die Haare sträuben. Auf der Straße 50 fahren wir bis kurz vor Motala und dann auch Nebenstraßen über Bona und am Salsten vorbei auf die Straße 34 und folgen der bis nach Borensberg zum Campingplatz. Das letzte Wegstück nach einer Pause ist dann ganz schön anstrengend, die Hitze macht einen fertig. Abends gibt es Kartoffelsalat mit Wurst. Einen Igel füttern wir abends mit Käse. Der Platz gehört mit 105 SKR und 5 SKR für die Dusche zu den teuersten Plätzen auf dieser Fahrt.
12.07.1994
75 km
Von Borensberg fahren wir am Götakanal entlang. Unterwegs kommen wir an mehreren Schleusen vorbei. Kurz vor Berg sind zwei Passagierschiffe von Stockholm nach Göteborg unterwegs. Dann wird das Gebiet wieder landwirtschaftlich geprägt. Durch Linköping fahren wir ohne Irrfahrten und weiter geht es über Bestörp, wo wir einkaufen, bis nach Sätravallen auf den dortigen Campingplatz. Unterwegs haben wir wegen der Hitze einige Pausen eingelegt.
13.07.1994
Wir bleiben einen Tag auf dem Platz und waschen unsere Wäsche. Es ist weiterhin sehr heiß. Abends kommt noch ein junger Radfahrer aus Halle auf dem Platz.
14.07.1994
51 km
Als wir morgens aufstehen, ist der junge Mann schon wieder verschwunden. Auch dieser Tag ist wieder sehr heiß, obwohl ein paar dicke Wolken am Himmel stehen. Die ersten 15 km sind wieder Schotterpiste, dann kommt Asphaltdecke. Zuerst ist die Gegend noch sehr waldig, dann überwiegt der landwirtschaftlich genutzte Teil. Am Asunden machen wir 2 Stunden Pause, dann geht es weiter in der Mittagshitze bis nach Horn auf den Campingplatz.
15.07.1994
56 km
Morgens ist es noch warm, aber es sieht nach einem Wetterumschwung aus. Wir folgen dem Sverigeleden und machen wegen einer unklaren Ausschilderung einem Umweg von 10 km. Der Weg bis Dursdala ist teilweise eine sehr schlechte Sandpiste, dafür führt er aber durch schöne Waldgebiete. Da kommen wir auf die Straße nach Vimmerby, das ist die Heimatstadt von Astrid Lindgren, der „Mutter“ von Pippi Langstrumpf. Am alten Rathaus trinken wir Kaffee. Es ist immer noch heiß, aber in der Ferne blitzt und donnert es. Eine dunkle Wolkenwand zieht rechts und hinter uns auf. In Vena, eigentlich wollten wir bis Hultsfred, kaufen wir ein. Als wir noch im Geschäft sind, beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Über eine Stunde stehen wir vor dem Geschäft unter dem Vordach und warten das Ende des weiterhin heftigen Regens ab. Gleich neben dem Laden ist eine Jugendherberge, da quartieren wir uns gleich für eine Nacht ein. Die Temperatur ist von 30° auf 17° abgesackt.
16.07.1994
96 km
Am Morgen scheint wieder die Sonne, später ist es dann heiter bis wolkig, teilweise ganz bedeckt und es sieht nach Regen aus. Bei Hultsfred biegen wir vom Sverigeleden ab und fahren über Mälilla nach Virserum, wo wir wieder auf den Sverigeleden treffen. Es geht wieder oft bergauf und bergab, bis wir an einem kleinen See an einen idyllischen Parkplatz kommen, der mir gleich bekannt vorkommt. Hier bin ich vor Jahren schon mal gewesen. Das erste Mal kochen wir im Zelt, denn es regnet etwas. Es gibt Nudeln mit Hawaiisosse und kleinen Würstchen. Als wir fertig sind bessert sich das Wetter wieder und es sieht so aus, als ob es auch so bleibt. Allerdings ist es noch relativ kühl und der See ist wärmer, als die Luft.
17.07.1994
93 km
Morgens scheint die Sonne, aber es geht ein kalter Wind. Wir fahren wieder durch viele Waldgebiete, einige kräftige Steigungen bleiben uns nicht erspart. In Harlov machen wir eine längere Pause und dann geht es über Alvesta ohne nenneswerte Steigungen am Salen entlang nach Torne am Asnen. Auch diese Strecke bin ich schon mal gefahren. Allerdings aus der Gegenrichtung. In Torne machen wir dann einen Tag Pause. Auf diesem Platz sind viele Kanuten. Im Fernsehen wird das Weltmeisterschaftendspiel Brasilien – Italien übertragen. Brasilien siegt mit 3 : 2.
18.07.1994
Kein Eintrag im Tagebuch.
19.07.1994
78 km
Morgens haben wir wieder herrliches Wetter, keine Wolke am Himmel. Am Abend vorher war es noch sehr kühl. Von Torne aus fahren wir auf einem alten Bahndamm, einem Teil des Asne-Radrundweges, gut 18 km bis kurz vor Ryd. Dort biegen wir dann ab auf die Straße 119. Es ist eine sehr ruhige Strecke, auf der wir gut voran kommen. In Lönsboda trinken wir Kaffee und treffen einen Radfahrer aus Deutschland. Dann geht es weiter zum Campingplatz bei Immeln. Der Platz ist eine Enttäuschung, er ist sehr klein und es herrscht reger Betrieb. Alles steht eng an eng, für uns ist mal gerade noch ein halber Stellplatz frei. Naja, für eine Nacht geht es. Zum Abendessen gibt es mal wieder Erbsensuppe.
20.07.1994
79 km
Von Immeln geht es gut voran bis kurz hinter Vinslow. Das Wetter ist wieder bestens, morgens haben wir völlig wolkenlosen Himmel. Dann geht es erst mal wieder bergan mit ein paar kräftigen Steigungen. Hinter Äsphult kommen wieder einige Kilometer Sandpiste. In S. Rörum kaufen wir ein und über Fulltofta, wo wir den Sverigeleden endgültig verlassen, gehen wir bei bei Osbyholm am Ö. Ringsjo auf einen Campingplatz. Hier merkt man schon, dass man sich den großen Städten an der Küste nähert, denn auf diesem Platz gibt es viele Dauergäste.
21.07.1994
82 km
Wir fahren bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Trelleborg. Ab mittags wird es wieder brüllend heiß. Unterwegs gibt es keinen Schatten, denn hier gibt es nur landwirtschaftlich genutzte Flächen. Unterwegs machen wir ein paar Pausen, so in einem „Stall-Kaffee“. Ein sehr uriges Restaurant in einem alten Kuhstall. Über den einzelnen Tischen hängen noch die Tafeln mit den Milchleistungen der Kühe, die hier in den Boxen standen. Gegen 16.00 Uhr erreichen wir Trelleborg und fahren erst mal zum Fährhafen, damit wir wissen, wo wir morgen hin müssen. Dann kaufen wir noch etwas ein und fahren zum Campingplatz.
22.07.1994
66 km
Nachts haben wir schlecht geschlafen, die nahe Straße störte doch sehr. Vor 1.00 Uhr war auch keine Ruhe auf dem Platz. Der Wecker ist auf 6.00 Uhr gestellt, allerdings wird Frank schon vorher aktiv. Um 7.00 Uhr sind wir dann am Fährhafen und können sofort an Bord der MF Rostock. Das ist ein relativ kleines Schiff für etwa 400 Passagiere, es ist nur zu ca. 25 % ausgebucht. Um 8.10 Uhr läuft die Fähre aus. Frühstücken können wir an Bord und auch zum Mittag essen wir. Im Duty free kaufen wir etwas ein. Um 13.45 Uhr kommen wir in Rostock an. Wir fahren vom Überseehafen zum Hauptbahnhof, wo ich mich von Frank verabschiede. Er fährt mit dem Zug nach Magdeburg. Ich fahre dann vom Rostock über Satow, wo ich erst mal Kaffee trinke, weiter über teilweise sehr üble Seitenstraßen nach Gnemern und weiter nach Neukloster auf den dortigen Campingplatz. Hier gehe ich dann zum Essen in das Restaurant und liege dann gegen 21.00 Uhr im Zelt auf der Matte. Die Nacht ist wieder sehr unruhig, denn drei angeheiterte Damen sind bis nach Mitternacht sehr lautstark im Gange.

23.07.1994
68 km
Morgens ist es wieder sehr heiß, das Thermometer zeigt 35° an. Ich fahre von Neukloster über Jesendorf und Ventschow. Mein Tagesziel ist Neu-Darchau an der Elbe, aber ich bin von der Hitze so geschafft, dass ich nach Bad Kleinen abbiege, in der Hoffnung, dort einen Zug in Richtung Hamburg zu bekommen. Um 12.00 Uhr fährt dann auch ein IC, aber die 8 Fahrradplätze sind voll. So entscheide ich mich für einen Nahverkehrszug nach Lübeck, von wo ich mit dem Zug über Lüneburg nach Hannover weiter fahren will. Im Zug erhole ich mich dann aber so weit, dass ich dann in Herrnburg aussteige und am Ratzeburger See entlang bis Ratzeburg und dann weiter bis Gudow zum Campingplatz fahre. Der Platz verfügt über viele Dauerplätze, hat aber an einem Hang schöne kleine Plätze für Zelte.

24.07.1994
50 km
Von Gudow fahre ich über Lauenburg nach Lüneburg, von wo ich dann mit dem Zug nach Hannover fahre.

Etwa 1200 km liegen hinter mir.

Geändert von mgabri (13.06.11 19:08)
Änderungsgrund: Screenshots von Google Earth bitte als Link
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#736129 - 01.07.11 16:59 Re: Aus meinen Tagebüchern, Schweden bis 1994 [Re: mha]
Falk
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Mann, ein verdammt dicker Happen! Für einmal deutlich zu groß. Ich werde alles rauskopieren und zu einem Officedokument zusammenbauen müssen.

Interessant, dass der Fahrradtransport in Schweden noch Mitte der Achtziger recht gut funktioniert haben muss. Wie lange hat es eigentlich damit bis Narvik gedauert? Zwölf Jahre später haben sich SJ und NSB für den Transport von Malmö nach Oslo drei Tage genehmigt, ca. 1998 war damit ganz Schluss – und dass Schweden das erste Land war, dass die FIP-Übereinkommen einseitig und ziemlich kurzfristig gekündigt hat, habe ich 2001 als sehr ärgerlich empfunden.

Dass die Kollegen mit den FIP-Fahrscheinheften umso weniger anfangen können, je weiter man von Mitteleuropa wegkommt, war aus meiner Sicht bis zuletzt so. Dass sie selber drauf Anspruch haben, wissen sie meist auch nicht. Eine internationale Fahrradkarte, die man mir in Malmö nur bis Berlin ausstellen wollte, habe ich 1998 (letztmalig mit einem nichtfaltbaren Rahmen) eigenhändig auf Rom geändert. Der Preis war schließlich derselbe. Gestört hat es damals keinen.
Falk, SchwLAbt
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#739275 - 13.07.11 16:18 Re: Aus meinen Tagebüchern, Schweden bis 1994 [Re: Falk]
mha
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Beiträge: 2
Na, so drei Tage hat der Radtransport damals in etwa gedauert!
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#742773 - 25.07.11 13:31 Re: Aus meinen Tagebüchern, Schweden bis 1994 [Re: mha]
Falk
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Auch nicht so richtig überzeugend, insbesondere nicht bei einer Urlaubsdauer von einer bis zwei Wochen.
Falk, SchwLAbt
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