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#1047848 - 11.06.14 07:23 USA 2012.Von Astoria nach San Francisco
thojust
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Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 7
Dauer:14 Tage
Zeitraum:26.7.2012 bis 8.8.2012
Entfernung:1250 Kilometer
Bereiste Länder:usVereinigte Staaten von Amerika
Externe URL:http://mallorcaradler.webnode.com/usa-2012/

Bericht USA Rad-Tour 2012

Vom 26.07.2012 bis 08.08.2012

Die Bilder und den genauen Routenverlauf (GPX Datei) findet ihr unter :

http://mallorcaradler.webnode.com/usa-2012/


In den 70er und 80er Jahren haben mich die Serie „Die Straßen von San Francisco“ und die „Dirty Harry“ Reihe wegen ihrer Handlungen im Golden Gate Bridge Bereich und an anderen bekannten Orten in San Francisco wie dem Fisherman’s Warf, dem Presidio Park, Nob Hill oder der Lombard Street fasziniert. Damals war es noch ein schier unerreichbarer Traum einmal in die USA zu reisen. Trotzdem war ich mir sicher, dass ich irgendwann einmal in diese Stadt reisen werde.
15 Jahre später verwirklichte ich meinen Jugendtraum und plante ich mit meiner damaligen Freundin die USA zu besuchen. Der Plan wurde im Jahr 1992 in die Tat umgesetzt. Die Reise dauerte fast 6 Wochen in denen wir Seattle, San Francisco, Los Angeles, San Diego, Las Vegas und zig Nationalparks besuchten. Auch in den Jahren 1993, 1994 und 1995 verbrachten wir unseren Sommerurlaub im Westen der USA. Unter anderem fuhren wir den Highway 101 und No.1 von Seattle nach San Francisco hinunter. Auf diesen 1600 km gab es alles, was sich ein Fahrradfahrerherz so wünscht. Gemütliche Flachetappen, ordentliche Steigungen, Waldgebiete, Steilküste und lange Abschnitte direkt am Meer entlang. In diesem Jahr kam in mir das erste Mal der Gedanke auf, diese Strecke einmal mit dem Rad zurückzulegen.

Es sollten jedoch noch Jahre vergehen, bis der Gedanke in die Tat umgesetzt wird. Zuerst war es die fehlende Erfahrung in der Tourenplanung, die mir einen Strich durch die Rechnung machte. Dann war es mangelnde Fitness bzw. Kondition. Die Geburt meiner Kids und der damit verbunden chronische Geldmangel verhinderten weitere Jahre, dass der Plan in die Tat umgesetzt wurde. Ende der 90er Jahre gab es endlich vernünftige, elektronische Routenplaner. Somit war Ausrede Nr.1 ausgehebelt. Nachdem ich im Jahr 1999 wieder mit dem Rennradfahren und dem Frühjahrsradeln auf Mallorca begonnen hatte, galt auch Ausrede Nr. 2, fehlende Fitness, nicht mehr. Ausrede Nr. 3, der chronische Geldmangel ist auch heute noch ständig akut. Nach dem Motto „jetzt oder nie“ habe ich Anfang 2008 Ausrede Nr. 3 ebenfalls vom Tisch gewischt und die Tour aufs Jahr 2011, in dem auch mein 50ster Geburtstag war, festgelegt. Der USA Urlaub 2008 diente unter anderem dazu, die Tour mit dem PKW abzufahren. So konnte ich die Strecke nochmals auf ihre Befahrbarkeit studieren und Gefahrenpunkte lokalisieren. Auch die Motelplanung konnte grob festgelegt werden. Die ungefähre Routenplanung standen danach fest bis……….die Weltwirtschaftskrise 2009 den Plan wieder zunichte machte und ich aus Geldmangel das Ganze auf 2012 verschieben musste.

Ende 2011, Anfang 2012 begann die Feinplanung. Mit dem elektronischen Routenplaner Microsoft Streets & Trips habe ich die einzelnen Tagesabschnitte geplant. Die Europaversion erwies sich bei meinen zahlreichen Mallorcatouren als absolut zuverlässig. Somit wusste ich, dass ich mich auf die berechneten Kilometer und den Streckenverlauf verlassen konnte. Die täglichen Distanzen sollten sich im Bereich 90-140 km bewegen. Die Tagesziele wurden immer an Orte gelegt an denen es ausreichend Motels gab. Eine weitere nützliche Hilfe war Google Earth. Das visuelle Abfahren der Straßen zeigte dann, dass die Route doch etwas abgeändert werden musste. Einige Straßen in den Oregon Dunes waren verschüttet und existierten nicht mehr. Andere waren mit dem Rennrad einfach nicht befahrbar. Nachdem ich zig Seiten an Kartenmaterial und Roadbooks ausgedruckt hatte, war die Routenplanung im Grunde abgeschlossen. Nach dem Mallorca-Radausflug habe ich aber beschlossen, die Navigation mit dem Garmin Oregon 450 durchzuführen. Thilo hatte das Teil auf Mallorca mit dabei und die Navigation war echt easy mit dem Gerät. Im Internet konnte man auf der Seite www.GPSies.com die Route super genial planen und danach auf das Garmin drauf kopieren. Nachdem ich mit dem Navi in Deutschland mehrere Touren problemlos abgefahren bin, war mir klar, dass es mir die Routenführung deutlich erleichtern würde. Somit kann ich die Strecke noch mehr genießen und muss nicht ständig irgendwelche Karten umständlich aus den Trikottaschen ziehen. Das bereits ausgedruckte Kartenmaterial und die Roadbooks dienten somit nur noch als Backup für den Fall, dass das Navi mal ausfallen sollte. Und auch Regina hat endlich ein neues Navi bekommen. Es ist auch von Garmin. Somit konnte sie dieselben Routen wie ich abfahren und wusste immer wo ich mich ungefähr befinde. Zudem mussten wir nicht noch eine extra Routenplanung für sie machen. Eigentlich wollte ich meinen Bruder Ralf dazu überreden das Servicefahrzeug zu fahren. Nachdem aber Regina bereit war dies zu tun wollte ich ihn nicht diesem langsamen Rumgegurke aussetzen. So stand dem Buchen der Flüge nichts mehr im Weg. Ziel war es innereuropäisch umzusteigen. Das Gepäck würde dann bis Seattle durchgecheckt. Dies war deshalb so wichtig, da wir mit einem Radkoffer, 5 Koffern und 2 Kids unterwegs sein würden. Somit wurde bei Condor die Strecke Stuttgart-Frankfurt-Seattle gebucht. Dieser Flug war zwar etwas teurer, aber deutlich bequemer und stressfreier. Das Fahrrad war bei der Fluggesellschaft als Zusatzgepäck angemeldet. Im Gegensatz zu Delta Air, bei denen das Rad pro Strecke 200 € gekostet hätte, musste ich bei Condor nur 75 € berappen. Somit waren die gröbsten Brocken abgearbeitet. Des Weiteren haben wir in den kleinen den Orten, in denen es nur wenige Motels gibt, Zimmer reserviert. Somit war die Planung eigentlich abgeschlossen. In den letzten Monaten, Wochen und Tagen vor der Abreise wurden die restlichen Punkte der Checkliste abgearbeitet. Das waren Punkte wie Einreiseformulare im Internet ausfüllen, Reisepass- und Kreditkartengültigkeit prüfen, Auslandskrankenversicherung abschließen, Internationalen Führerschein beantragen, Radkoffer organisieren und am Ende dann die Ersatzteile zusammenzustellen.

21.07.2012: Verpacken des Fahrrades

Da ich das erste Mal ein Rennrad in einem Radkoffer im Flugzeug transportiere verpacke ich das Colnago zu Sicherheit schon am Samstag vor der Abreise. Ich hatte keinen blassen Schimmer wie lange das dauert, was ich alles abmontieren muss und was für Probleme auf mich zukommen werden. Einzig die Vorgabe von Condor, dass der Koffer mit Rad maximal 30kg wiegen durfte war bekannt. Ok, Vorder- und Hinterrad mussten entfernt und in speziell dafür vorgesehene Taschen verstaut werden. Auch der Sattel und die Pedale müssen demontiert und in Folie gepackt werden. Der erste Packversuch scheitert. Vorbau mit Lenker passen so nicht in den Koffer. Also Lenker abmontieren. Rahmen + Laufräder passen jetzt in den Koffer. Also alles wieder raus. Für den Schutz der Rahmenteile und er Carbongabel verwende ich speziellen Rohrisolationsschaumgummi aus dem Baumarkt. Das Zeugs wiegt kaum was und schützt perfekt. Der Rest wird in Plastikfolie gewickelt. Nachdem alle Rahmeteile umwickelt sind folgt der zweite Packversuch. Es passt immer noch alles. Jetzt werde alle Lücken mit dem Sattel, den Pedalen, Werkzeug, Radschuhen, große Standluftpumpe, Ersatzteilen und meinen Nahrungsmitteln gefüllt. Der Koffer ist jetzt rammel voll. Der Deckel geht noch problemlos zu. Es folgt der große Moment. Was wiegt das Teil? Punktlandung. 29,5 kg zeigt die Waage an. Nach 3 Stunden ist das Fahrrad für den Transport nach USA verpackt. Die Reise kann beginnen.

26.07.2012: Flug von Stuttgart - Frankfurt - Seattle

Endlich ist der Tag der Abreise gekommen. Mit dem Taxi geht’s zum Flughafen. Das Einchecken scheint kein Problem zu sein. Weder mein Rad noch der Zusatzkoffer scheinen Probleme zu machen. Der Zusatzkoffer ist sogar kostenlos. Allerdings gibt es um die Kosten des Fahrradkoffers Ärger. Lufthansa will noch mal 70 € extra für den Flug von Stuttgart nach Frankfurt. Und es fehlen 2 Bordkarten für den Flug von Frankfurt nach Seattle. Die für Dennis und mich soll es erst in Frankfurt geben. Ob das gut geht? Nun muss nur noch der Radkoffer beim Sperrgepäck aufgegeben werden. Wegen der Aludosen mit meinem Kohlehydrat- und Recoverypulver muss ich den Koffer nochmal öffnen. Beim Verschließen fällt mir mein Schlüssel zwischen die Rollen des Transportbandes. Es dauert gute 5-6 Minuten bis ich den Schlüssel da wieder rausgefummelt habe. Entsprechend lang war danach auch die Schlange am Schalter. Ihr glaubt gar nicht wie grantig wartende Menschen drein schauen können. Hätte ich das gewusst, dann hätte ich mir noch ein wenig mehr Zeit gelassen. Der Flug startet pünktlich um 11.10 Uhr. In Frankfurt angekommen sehe ich beim Besteigen des Busses gerade noch wie der Radkoffer aus dem Flugzeug geladen wird. Diese Etappe hat er schon mal erfolgreich absolviert. Jetzt müssen wir zum Terminal A. Dort bekommen wir die restlichen beiden Boarding Pässe. Ohne Probleme können wir diese am Self - Check - In ausdrucken. Ab geht’s zum Gate. Dort beginnt dann das totale Chaos. Alle 350 Passagiere müssen den Gatebereich für das Boarding nochmal verlassen………und das dauerte. Beim Boarding muss ich dann zu den bereits bezahlten 70 € bei der Lufthansa noch die 2 mal 75€ für den Radkoffer plus 50 € für Zusatzkoffer von Regina berappen. Also die Lufthansagebühren hole ich mir wieder zurück. Die stehen auch in keinem Verhältnis zu den Condor Gebühren. Da zahle ich für 18.000 km 150 € und bei Lufthanse für 200 km 70 €.
Nachdem auch diese Hürde genommen ist, beginne ich mich zu entspannen. Denn auch der Flug von Frankfurt nach Seattle startet planmäßig. Pünktlich um 14.30 Uhr hebt der Flieger ab. Es beginnen 10 Stunden und 15 Minuten zähes essen, trinken, sitzen und warten und warten und warten……….bis endlich im Landeanflug der Mount Rainer am Horizont auftaucht. Kurz darauf landen wir auch in Seattle-Tacoma. Die Immigration bringen wir geduldig hinter uns. Dann der große Augenblick………..ist der Radkoffer da? JA ! der Koffer steht unbeschädigt neben dem Gepäckband. Der Urlaub ist gerettet. Ab geht’s zur Zollkontrolle. Die ist in weniger als 2 Minuten erledigt. Um vom International Gate zum Empfangsbereich zu kommen müssen wir uns nochmals kurz von unseren Koffern trennen. Die werden über ein Gepäckband zum Empfangsbereich gefahren während wir mit einer Art U-Bahn dort hinkommen. Im Empfangsbereich angekommen werden wir von Lauren und Marlice schon erwartet. Und auch unsere Koffer sind schon da. Nur………der Radkoffer fehlt. Mir treibt es schon Schweißperlen auf die Stirn. Das Teil wird doch nicht auf den letzten paar Metern verloren gegangen sein? Es dauert eine geschlagene halbe Stunde bis ein maximal pigmentierter Flughafenmitarbeiter den Koffer schweißgebadet und atemlos anschleift. Die Fahrt nach Lacey bringen wir in 40 Minuten hinter uns. Zum Abendessen gibt’s noch Pizza mit American Hefeweizen. Und ich kann’s nicht lassen…..das Rad muss noch ausgepackt und zusammen gebaut werden. Alle Teile haben den Flug heil überstanden und nach 45 Minuten ist mein Colnago einsatzbereit. Nach 26 strapaziösen Stunden fallen wir tot ins Bett. Die erste Hürde meiner USA Radtour ist genommen.




27.07.2012: Lacey, Relaxen, Shopping, Biketest

Wie jedes Mal gibt’s bei Frank und Marlice ein gigantisches Willkommen Frühstück. Danach teste ich das Rad. Die Schaltung ist ein wenig verstellt. Aber nach zwei, drei Handgriffen flutschen die Gänge wieder wie gewohnt von Ritzel zu Ritzel. Es juckt mich ja schon ein wenig in den Beinen. Aber die mir selbst verordnete Ruhephase will ich nicht brechen und somit wird das Rad wieder in der Garage geparkt. Ich hab in den Wochen vor der Reise so viel trainiert, dass ein paar Tage Ruhe nicht schaden. Den Nachmittag verbringen wir mit relaxen und shoppen. Die Kinder brauchen Schuhe und ich ein paar kurze Hosen und T-Shirts. Was gibt’s besseres zum Abendessen als Fisch wenn man am Meer wohnt? Natürlich nicht. Gegrillter Lachs und Heilbutt füllen unseren Magen. Rechtzeitig zum Nachtisch besuchen uns noch Reginas Onkel und Tante, Bill und Illy .Von den Reisestrapazen noch ziemlich angeschlagen verschwinden wir recht früh im Bett.





28.07.2012: Lacey, Relaxen, Reisevorbereitungen.

Nach dem Frühstück montieren Frank und ich den Fahrradträger ans Auto. Die Montage ist selbsterklärend und auch der Test, ob das Rad ordentlich befestigt werden kann, verläuft erfolgreich. Nach dem Mittag besuchen wir noch Reginas zweiten Vetter, Mike. Nach einem kurzen Mittagessen fahren wir zurück, um die Koffer für die Fahrt nach SFO vorzubereiten. Da am nächsten Morgen um 8 Uhr Abfahrt ist und wir um 6 Uhr aufstehen müssen, geht es wieder früh zu Bett.

Tag 1, 29.07.2012: Transfer nach Astoria, Fahrt Astoria – Garibaldi

Endlich geht es los. Nach 2 ½ Jahren Planung starte ich zu meiner lang ersehnten Radtour von Astoria nach San Francisco. Zuerst geht es mit dem Auto ca.190km von Lacey nach Astoria. Nach 2,5 Stunden Fahrt kommen wir am Columbia River an. 2 km vor der Columbia Bridge starte ich zu meiner ersten Tagesetappe nach Garibaldi. Es ist stark bewölkt und kühl. Gerade mal 17 Grad zeigt mein Tacho an. Die Fahrt über die imaginäre Startlinie, die 7 km lange Columbia Bridge, ist weniger gefährlich als ich dachte. Der ca. 1 m breite Radweg gibt mir und den Autos genug Platz, um problemlos miteinander die Brücke zu überqueren. Es ist schon ein berauschendes Gefühl nach so vielen Jahren, Tagen und Stunden der Planung endlich auf dem Rad zu sitzen und das ganze in die Tat umzusetzen. Die Fahrt nach Garibaldi ist eher unspektakulär. Kaum Blick aufs Meer. Viel Verkehr auf der Straße und auch der Radweg ist recht holprig, schmutzig und voll mit Glasscherben. Ich bin gespannt wann ich mir den ersten Platten einhandle. Unterwegs treffe ich Regina 2 mal bis wir uns dann endgültig trennen und uns erst wieder in Garibaldi treffen. Nach der Hälfte der Strecke hellt es auf und die Sonne kommt mehr und mehr hinter den Wolken hervor. Es wird wärmer und wärmer und mein Rucksack füllt sich nach und nach mit der Windjacke und den Armlingen. Vorbei geht’s an Canon Beach, Mazanitta, Nehalem und Rockaway Beach. Alle vier sind kleine Städtchen mit netten Wochenendhäusern. Von Portland bis zum Meer sind es nur 90 Minuten Fahrt. Ideal für ein Weekend am Meer. Ich komme, dank Rückenwind, nach weniger als 3 ½ Stunden und 107 km in Garibaldi an. Die Sonne scheint mittlerweile von einem wolkenlosen Himmel herunter. Das Hotel ist echt klasse und nach dem Auspacken der Reisetaschen geht’s auch gleich zum Abendessen. Direkt am Hafen finde ich ein tolles Fischrestaurant. Wir bestellen 4 mal Fish & Chips. Echt lecker. Man schmeckt es: Der Fisch ist frisch. 2 Bier später und einem Verdauungsspaziergang durch den Hafen bin ich reif fürs Bett. Ein wenig ereignisreicher Tag geht mit der Gewissheit zu ende, dass sich die lange Planung mehr als nur gelohnt hat.




Tag 2, 30.07.2012: Fahrt Garibaldi – Newport

Der zweite Tag beginnt mit ein paar harmlosen Wolken und kühlen 15 Grad. Dicker Windstopper und Armlinge sind Pflicht. Der Wind weht leicht von hinten. Die 136 km nach Newport werden eher langweilig werden. Wieder kaum Blick aufs Meer. Eigentlich besteht der Tag nur aus km schruppen. Die Tour ist wellig und es kommen immerhin 1200 Hm zustande. Einzige Ausnahme ist der Abstecher zum Cape Lookout hinaus. Hier führt mich die Oregon Coast Bike Route (OCBR) weg vom Highway 101 ins Hinterland. Es geht mächtig der Berg rauf. Durchschnittlich 7-8% Steigung mit einer maximalen Steigung von 12% lassen mir die eine oder andere Schweißperle über die Stirn rinnen. Die Aussicht vom Gipfel aufs Meer hinunter ist dafür aber genial. Und da wo es rauf geht, geht es auch wieder runter. Direkt am Meer liegt Pacific City. Auch hier haben vermutlich die etwas besser betuchten Portländer ein Wochenendhaus. Die netten kleinen Strandhäuser sind wohl nichts für meinen Geldbeutel. Hinter Pacific City biege ich wieder auf den Highway 101 ein. Wie wichtig diese OCBR für den Tourismus ist zeigt das Beispiel meiner ersten Tunneldurchfahrt. Vor Einfahrt in den Tunnel drückt man einen großen Button. Über dem Tunnelportal fangen 4 gelbe Warnleuchten an zu blinken. Das Schild zwischen den Warnlampen weist auf Radfahrer im Tunnel hin. So was hab ich in Deutschland noch nie gesehen. Wie überhaupt Sicherheit für Radfahrer groß geschrieben wird. Teilweise überdimensional breite Radwege machen das Radfahren zu einem echten Erlebnis. Es geht mehrmals mächtig den Berg rauf. Am ersten Berg treffe ich ein Pärchen auf einem Tandem mit voller Ausstattung. Gepäcktaschen an Vorder- und Hinterrad. 200 m weiter überhole ich 2 Mädels. Beide ebenfalls voll bepackt. Mein Rad scheint Eindruck zu hinterlassen. Die eine brüllt mir „nice Bike!“ hinterher. Meinen ersten Stopp mache ich in Lincoln City. Hier sehe ich das zweite Mal an diesem Tag das Meer. Regina ist mit den Kids in die riesige Einkaufsmall abgetaucht. Nach einem kurzen Hallo und Füllen der Trinkflaschen mache ich mich auf die letzten 45 km. Über Lincoln Beach und Depoe Bay fahre ich gen Süden. In Agate Beach mache ich noch einen Abstecher zum Yaquina Head Lighthouse hinaus. Es ist keine Wolke am Himmel zu sehen. Das Panorama um den Leuchtturm herum ist malerisch. Noch 10 km bis zum Hotel. 5 km vor dem Hotel holt mich der Defektteufel ein. Mein Hinterradschlauch hat binnen weniger Sekunden die ganze Luft verloren. Beim Demontieren des Schlauches kann ich aber keine Beschädigungen am Mantel feststellen. Das Teil ist schnell gewechselt und ich pumpe für die letzten paar Kilometer nur ca. 4-5 Bar Luftdruck in den Reifen. Das muss reichen. Den Rest erledige ich mit der großen Standluftpumpe. Ich bin vor Regina im Hotel. Bevor Langeweile einkehrt versuche ich den Schlauch zu retten. Alle Versuche, dem Teil wieder Leben einzuhauchen scheitern aber kläglich. Nach dem 6.ten Loch habe ich aufgehört zu zählen. Der Schlauch war wohl so alt, dass er sich beim Durchfahren eines Schlagloches regelrecht pulverisiert hat. Da ich vermutlich mehrere so alte Hürzeler Schläuche besitze, steht für morgen Fahrradschläuche kaufen auf dem Programm. Den Tag beschließe ich mit meiner Familie in der Pizzeria…….und dem einen oder anderen Weizenbier.





Tag 3, 31.07.2012: Newport – Reedsport

Mein dritter Tag auf dem Rad lässt mein Fahrradfahrerherz wieder höher schlagen. Sonne, aber kühle und windige 18 Grad liegen am Start an. Schon an der ersten Kreuzung ist unter dem OCBR Schild ein Hinweis zum nächsten Radladen angebracht. Mal kurz 4 Ersatzschläuche für 28 $ eingekauft und die Tour kann weitergehen. Über 2 Brücken verlasse ich Newport. Das Knacken in meinem Sattel ignoriere ich zuerst einmal. Geräusche machen die Drahtesel immer wieder mal. Meistens hilft da Schrauben nachziehen. Manchmal hören sie auch von alleine wieder auf. Auch WD40 bzw. Silikonspray lassen in der Regel wieder Stille einkehren. So einfach ist das in dem Fall nicht. Beim ersten Pinkeln (Ja Thilo, ich habe auch in USA diverse Pinkelstellen zertifiziert) muss ich feststellen, dass an meinem 17 Jahre alter Brooks Ledersattel eine Metallstrebe gebrochen ist. Ja ja, ich weiß schon was jetzt kommt. Meine Radlerkollegen werden jetzt sagen, dass ich immer noch zu viele Kilos auf den Rippen hab und der arme Sattel unter meinem Gewicht zusammen gebrochen ist. Für „Nichtinsider“ erkläre ich noch schnell was eine zertifizierte Pinkelstelle ist. Radfahrer in unserer Radgruppe dürfen nur an von Thilo, Gerhard und mir zertifizierten Stellen pinkeln. Kriterien dafür sind: Einfache und gefahrlose Zufahrt, guter Sicht- und Windschutz, Sightseeingfähiger Ausblick.
Der Sattel muss den Tag noch so überstehen. Reparaturmaßnahmen werde ich erst im Hotel in Reedsport ergreifen. Es geht wie fast jeden Tag wellig weiter. Heute ist das Meer deutlich öfter zu sehen. Meistens ist jedoch ein Streifen Wald oder eine Häuserfront zwischen mir und dem Meer. Ein paar Kilometer hinter Yachats mache ich das erste sehenswerte Fotoshooting des Tages. Runter geht’s zum Heceta Lighthouse. Dummerweise wird das gerade renoviert und ist total eingerüstet. Man sieht absolut gar nichts von dem Turm. Werde wohl in meiner Dia-Show ein paar Bilder aus dem Jahr 2008 einbauen müssen. Der Stopp fällt deshalb entsprechend kurz aus. Es geht weiter bergauf durch den zweiten Tunnel der Tour. Kurz den Button gedrückt und schon geht’s sicher durch den Tunnel.


Es ist sau windig und ich halte die Standzeiten an den Aussichtspunkten deshalb ich recht kurz. Ich bewege mich nun fast die ganze Zeit 150-300m über dem Meer. Auch heute treffe ich wieder einige Radfahrer. U.a die beiden Mädels von gestern und zwei Jungs auf Rennrädern. Der eine hat ein cooles gelbes Shirt mit der Aufschrift „FEED THEM“ und zwei großen Pfeilen „Give me room“ an. Doch gleich der erste Pick Up mit Anhänger kann wohl nicht lesen und passiert uns recht knapp. Die Zeichensprache scheint wohl international zu sein. Dem Stinkefinger, dem A…loch Zeichen, folgen noch die Worte fu…you, Ashole……Wow. Das hat gesessen. Ich überhole meinen Mitstreiter mit der Frage: Maybe the guy in the car can’t read your shirt? Die knappe Antwort: „Those drivers pisses me of ….“ oder so ähnlich. Weiter geht’s Richtung Süden. Tolle Wälder, toller Geruch ……..es macht richtig Laune hier zu fahren. Auf den letzten Kilometern fällt mir auf dass immer mehr Sand auf der Straße liegt. In engen Kurven ist das eine nicht zu verachtende Gefahrenquelle. Fast unbemerkt bin ich im Oregon Dunes Nationalpark angenommen. Die Sandhügel werden immer größer bis sie sich zu riesigen Dünen entlang der Straße auftürmen. Im Hinterland hört man die Motorengeräusche der Strandbuggys. Schade dass ich nicht die Zeit habe mir einen Buggy auszuleihen. In Reedsport angekommen ziehe ich mir erst mal ne Pepsi aus dem Automaten. Erstens bin ich schon wieder vor Regina im Hotel und habe Lust auf ein kaltes Getränk und zweitens brauche ich die Aludose, um meinen Sattel zu reparieren. Kurz mal 2 Alustreifen rausgeschnitten, die beiden Streifen überkreuz um die gebrochene Strebe gewickelt und mit Kabelbinder und Klebeband verstärkt. Ich glaube eher bricht das ganze Rad zusammen bevor das nochmal kaputt geht. Das Zimmer ist allerdings der Horror. So etwas schmuddeliges habe ich noch auf keiner USA Reise gesehen. Im Internet bei der Buchung hat das anders ausgesehen. Und die Dame an der Rezeption ist fett, der Bauch quillt unter dem T-Shirt hervor und hängt schlapp über der Hose. An den Armen ist kein Stück Haut, das nicht tätowiert ist. Ich will mir gar nicht vorstellen wo die sonst noch überall Tattoos hat. Meine Güte, in was für einer Absteige sind wir da gelandet. Ich glaube jedes Stundenhotel ist besser als das. Und nicht nur das Zimmer ist zensiert. Der ganze Ort ist ein Dreckloch. Es ist schwer ein vernünftiges Restaurant zu finden. Am Ende der Suche landen wir wieder bei Pizza, Spaghetti und Salat. Da kann fast kein Koch der Welt was falsch machen. Ich bin froh wenn wir den Ort wieder verlassen und wir uns keine Krankheiten geholt haben.

Tag 4, 01.08.2012: Reedsport – Port Orford,

Der Tag beginnt wieder mit Sonne, 18 Grad. Kein Hotel haben wir so schnell verlassen wie dieses. Wie ich überhaupt froh bin, dass wir Reedsport verlassen. Den Ort sollte eigentlich eine Planierraupe platt machen. Gleich am Ortsende beginnt ein 3,5 km langer Berg. So kommt der Motor gleich auf Betriebstemperatur. Die Straße ist heute deutlich besser als gestern. Bis North Bend begleiten mich noch die endlos langen, bis zu 10 Meter hohe Sanddünen. Am Ortseingang von North Bend überquere ich wieder mal eine der tollen Brücken. Brücken überqueren lässt den Puls immer etwas ansteigen. Nicht nur weil es da immer steil bergauf geht, sondern weil dort auch die Bikelane fehlt. Wenn man mal so einen niedlichen 45 Tonnen schweren Truck im Rücken spürt, dann steigt die Tachonadel doch immer gleich mal um 5-10 km/h. Auch dieser Tag führt mich zum einen am Meer entlang und zum anderen durch das Landesinnere. In North Bend verlasse ich wieder mal die 101 Richtung Barview und folge der OCBR über eine tolle Hochebene. Es geht moderat aber ständig von 0 Meter auf 300 Meter hoch. Im Hintergrund kann man das Meer erahnen. Ich treffe fast keine Menschenseele. Weder Autos noch Radfahrer sind unterwegs. Ich genieße die Ruhe und entspanne das erste Mal so richtig. Vor Bandon kommt die nächste tolle Brücke. Bandon ist ein kleines, romantisches, am Meer liegendes Örtchen. Der Hafen lädt gerade dazu ein einen Weizenbierstopp einzulegen. Ich setze mich auf eine Bank und verbringe 30 ruhige Minuten. Ich genieße den kurzen Moment und spüre wie der Wind und die Sonne meine Seele entspannen lassen. Ich fahre über eine Nebenstraße an den Villen vorbei durch den Ort hindurch. Schätze mal, dass da keine Hütte unter einer Million zu haben ist. 12 km vor Port Orford wage ich noch einen kleinen Abstecher zum Cape Blanco hinaus. Halleluja….Der Gegenwind schmeißt mich schier vom Rad. Aus meinen 25-40 km auf der Geraden werden nun gerade mal 15 -20km/h. Ich muss den Lenker richtig festhalten, um nicht auf die Gegenfahrbahn geweht zu werden. 8 km kämpfe ich mit dem Wind. Der Ausblick entschädigt aber diese Mühe wieder. Ein geiler Leuchtturm auf einer Klippe erbaut. Es ist aber so windig und kühl, dass ich meinen Windstopper anziehen will. Der Wind bläst die Jacke wie einen Drachen auf und der Parkranger hat sich fast totgelacht als er mich auf dem Boden kniend beobachtet hat, wie ich versuchte in meinen zweiten Ärmel zu schlüpfen. Auf dem Rückweg habe ich wieder Rückenwind der mich ganz entspannt dahin pedalieren lässt…..bis ein Rehbock aus dem Wald springt. 10 Meter vor mir hüpft das Vieh auf den Highway. Das mir entgegenkommende Wohnmobil macht eine Vollbremsung und kann ihm gerade noch ausweichen. Phuu, das war knapp. Das Fahrzeug hatte eine bedenkliche Schräglage. Ich dachte der Fahrer schmeißt den Camper auf die Seite. In Port Orford treffe ich mich mit Regina vor dem Crazy Norwegian‘s Restaurant. Ich habe schon 2 Weizenbier intus als es zum Motel geht. Und das ist echt super. Ca. 100 m über dem Meer ans Kliff rangebaut. Das Zimmer ist sauber und der Besitzer sau nett. Hier lässt es sich aushalten. Zum Abendessen geht’s zurück ins Crazy Norwegian‘s Restaurant. Das Restaurant steht in einigen Reiseführern und wird als eines der besten zwischen SFO und Seattle angepriesen. Wir waren 2008 schon mal dort und wissen also was fischtechnisch auf uns zukommt. Als ich schon wieder ein Bier bestelle lächelt die Bedienung und schaut mich schon etwas erstaunt an. So nach dem Motto: Sicher dass sie noch eins vertragen? Die sollte mal sehen was wir auf Malle wegsaufen. Dann wüsste sie was so ein deutscher Radfahrer verträgt. Die Fisch und Chips sind mal wieder echt perfekt. Müde ab zufrieden verziehe ich mich recht schnell ins Bett.

Tag 5, 02.08.2012: Port Orford – Cresent City

Der Tag beginnt so wie ich es eigentlich nur von Malle gewohnt bin. Mit 20 Grad, Sonne, 0 Wolken. Die Kleiderwahl ist einfach, Doppelkurz + Windstopper. Es weht ein kühler Wind vom Meer her. Es stehen wellige 152 km auf dem Programm. Die Fahrt aus Port Orford heraus fällt mir schwer. Das Motel war super schön und ich hätte den Ruhetag gerne vorgezogen. Aber leider waren die Zimmer schon alle reserviert und somit geht’s also weiter nach Cresent City. Gleich nach dem ersten Anstieg treffe ich auf eine Road Construction. Und die ist absolut notwendig. Die Straße ist in einem dermaßen schlechten Zustand, dass ich Slalom um die Schlaglöcher rum fahren muss. Und das soll die nächsten 40km so weiter gehen. Dafür ist die Aussicht aufs Meer gigantisch. Es reiht sich eine Bucht an die andere und aus dem Meer ragen riesige Felsen heraus. Und so geht es die nächsten 80 km weiter. Vor Gold Beach wechsle ich auf den Old Coast Highway. Die alte Straße führt mich direkt am Meer entlang durch den Ort hindurch. Nach 105 km überquere ich die Grenze nach Kalifornien. Hier endet auch die OCBR und es beginnt die Pacific Coast Bike Route (PCBR). Man sollte glauben das Wetter würde noch besser werden. Denn, „It never rains in southern California“. Denkste. Kurz vor Brookings zog eine Nebelwand vom Meer aufs Land und trübte meinen Blick doch erheblich. Das Ganze dauert aber nur wenige km und schon strample ich wieder in der Sonne dem Tagesziel Cresent City entgegen. An der nächsten Brücke gibt’s ein weiteres Fahrradfahrer Gimmick. Diesmal muss ich keinen Button drücken, damit die Warnlampen angehen, sondern ich darf eine Kontaktschleife überfahren. Da soll noch einer sagen dass das Autofahrer Ami-Land nicht fahrradfahrerfreundlich ist. Nach einem kurzen Abstecher zum Cresent City Knast geht ein weiterer Tag ohne Schäden zuende. Morgen ist Ruhetag. Das bedeutet es ist Halbzeit. Es liegen 660 km mit ca.6000 Höhenmetern hinter mir. Es ist doch nicht so bergig wie es www.GPSies.com berechnet hat. Bei den Tageskilometern lagen sie allerdings auf den Kilometer genau. Der eine Platten und die gebrochene Sattelstrebe haben mir die gute Laune nicht verdorben. Wenn nicht mehr Probleme dazu kommen kann ich gut damit leben






Tag 6, 03.08.2012: Cresent City, Ruhetag

Der Ruhetag beginnt so wie es der Name schon sagt: mit Ruhe. Ausschlafen ist angesagt. Es hat wieder Hochnebel und es sieht richtig trostlos aus. Frühstück gibt’s heute bei Denny's. Danach geht’s zum Hafen. Schon am Vorabend waren wir da, waren aber zu faul, um zum Leuchtturm rüber zu gehen. Hätten wir aber tun sollen. Denn da war Ebbe und der Weg noch nicht überflutet. Jetzt hatte die Flut eingesetzt und alles stand unter Wasser…..Pech gehabt. Wir verbringen den ganzen Vormittag am Hafen. Es ist dort echt schön und wir entdecken doch so einiges was man anschauen kann. Am Nachmittag fahren wir noch an den nördlichen Strand. An Baden ist nicht zu denken. Es hat keine 20 Grad und der Wind bläst mächtig vom Meer aufs Land. Regina und Kids suchen Muscheln während ich den Strand ein wenig entlang laufe. Auf dem Rückweg geht’s wieder an Häusern vorbei die man sich nur leisten kann wenn man kurz ein Milliönchen übrig hat. Abendessen gibt’s am Hafen im Fischrestaurant. Wieder bestellen wir Fisch & Chips. Das muss man den Köchen in der Nähe des Meeres lassen. Die bekommen sie perfekt hin.

Tag 7, 04.08.2012: Cresent City – Moonstone Beach (Eureka)

Der Tag beginnt mit Nebel und 16 Grad. Man kann die Sonne zwischen den blauen Flecken zwar schon erahnen aber so richtig durchbrechen will sie noch nicht. Zum bisherigen Sightseeing am Meer gesellen sich heute die Redwoods dazu. Diese riesigen Bäume können einem mit ihrem riesen Umfang schon richtig Angst einflößen. Zuerst geht’s aber mal am Meer entlang. Dann, nach 5km, gleich der erste Berg mit einer Länge von 4,5 km. Der Ruhetag hat gut getan. Die Beine sind wieder locker und es fällt mir leicht den Anstieg zu nehmen Vor mir fährt ein Japaner. Ich schließe recht schnell auf und überhole ihn. Mit einer Trittfrequenz von guten 110 U/min hottet er den Berg hinauf. Nach ungefähr 1 km treffe ich ihn am ersten Aussichtspunkt wieder. Er schnauft wie ein Walross und sitzt völlig fertig auf einer Bank. Hallo, es ist 10.30 Uhr morgens, der Berg und der Tag sind noch lang. Keine Ahnung wie der Samurai das überstehen will. Weiter geht’s Richtung Klamath. Mittlerweile hat die Sonne den Nebel verscheucht und es wird angenehm warm. Es hat gleich mal statt 17° gute 25° Grad. Der Anfang vom Coastal Drive ist super neu geteert. Dann ein Warnschild, dass die Straße geschlossen ist. Ich versuche trotzdem auf der alten Straße weiter zu fahren. Den ersten von 5 km schaffe ich noch recht schnell. Dann wird’s immer holpriger bis ich nach 2,5 km anfangen muss das Rad ab und zu zu tragen. Aus der geteerten Straße ist inzwischen ein mittelmäßiger Feldweg geworden. Dieser ist teilweise Richtung Meer abgerutscht und es gibt Absätze bis zu einem Meter Höhe. Zeitweise geht es nur noch im Schritttempo weiter. Ich brauche eine Ewigkeit bis ich endlich wieder auf einer befestigten Straße mit normalem Tempo fahren kann. Und es sollte noch schneller werden. Plötzlich taucht ein Pärchen mit 2 Hunden vor mir auf. Bevor sie die beiden Köter an die Leine nehmen können machen die schon Jagd auf mich. He Leute, noch nie hab ich mein Rennrad so schnell von fast 0 km auf 60 km/h beschleunigt. Und die beiden Kläffer hinter mir. Zuerst ist die Straße noch eben. Die Hunde immer noch an meinem Hinterrad. Nach der nächsten Kurve geht’s dann auch noch den Berg hoch. Mein Puls ist auf 190 hochgedonnert. Ich trete um mein Leben. Das war echt olympiareif. Ich hätte wohl die Goldmedaille im 1000 Meter Sprint gewonnen. Ihr glaubt gar nicht was euch da für Gedanken durch den Kopf gehen: Hoffentlich reißt die Kette nicht, nur keinen Platten einfahren, bitte lass den Lenker nicht brechen……. Gott sei Dank vergeht den beiden schei.. Kötern endlich die Lust an der Verfolgung. Ich hätte wohl auch keine Minute mehr länger durchgehalten. Meine Oberschenkel glühen. Ich bin so was von fertig. Ich dachte immer für so einen Fall hab ich mein Pfefferspray dabei. Hab mir oft ausgemalt wie ich das lässig aus dem Trikot ziehe, locker auf den Kläffer lossprühe und der sich dann jaulend verkrümelt. Vergesst das alles. In dem Moment hast du nur einen Gedanken und eine Chance……….Flucht, Gas geben was das Zeug hält. Alles andere ist Quatsch. Bis du das Pfefferspray aus der Rückentasche geholt hast hat dich die Bestie schon zerfleischt…. Nach der Panikattacke brauche ist fast 20 Minuten bis ich mich wieder beruhigt habe und mein Puls auf Normalniveau gesunken ist. Das war echt knapp. Ich genieße wieder die Landschaft um mich herum. Die Bäume sind echt riesig.
Ich stelle mein Rad vor so ein Monstrum und mache ein Bild, um mal einen Vergleich zu haben. Dagegen wirkt mein Rad wie ein Playmobil-Spielzeug. Am Ende des Waldes treffe ich am Rest Area Regina und die Kids. Wir machen ein gemeinsames Mittagessen. Ein einfaches Sandwich und ein Cola reichen mir. Weiter geht’s. Es wird immer wärmer und ich komme wieder ans Meer. Es ist ein fantastischer Anblick. Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen Seite die Berge, in denen sich der Nebel verfängt. Bei Sonnenschein fahre ich an der Freshwater-, der Stone- und Big Lagoon entlang. Das sind 3 mit Salzwasser gefüllte Seen. Ein schmaler Strand grenzt die Lagunen vom offenen Meer ab der wohl regelmäßig bei Sturm überflutet wird. Am Patriks Point verlasse ich mal wieder die 101. Entlang dem Patriks Point Drive fahr ich ca.15 km am Rand der Klippen entlang. Die Straße sieht furchteinflößend aus. Überall Risse und an manchen Stellen ist der Fahrbahnbelag doch bedenklich abgerutscht. Normalerweise gehört die Straße für den PKW Verkehr gesperrt. Schätze mal so einer Verordnung ist der Costal Drive zum Opfer gefallen. Es zieht wieder Nebel vom Meer herauf und es wird deutlich kühler. Wir treffen uns heute nicht im Hotel sondern am Moonstone Beach. Die letzten 20 km bis Eureka lege ich im Auto zurück. Ich habe keinen Bock an einem vierspurigen Highway neben den ganzen Autos und Trucks her zu fahren. Wir beschließen den Tag mit Spagetti, Pizza, Cola und natürlich einem Weizenbier.

Tag 8, 05.08.2012: Eureka-Avenue of the Giants-Fort Bragg

Um 6 Uhr weder ich vom Regen geweckt. Aber auch so ein Wetter gehört zum Rad fahren. Als wir um 8 Uhr zum Frühstück fahren hat es aber bereits wieder aufgehört zu regnen und die Straße fängt an abzutrocknen. Die Aussichten sind also gar nicht so schlecht für den Tag. Da die Anfahrt wieder über einen vierspurigen Highway führt fahren wir gemeinsam die 40 km zum Anfang der „Avenue of the Giants“. Denn das möchte ich mir trotz Bikelane nicht antun. Wir sehen zwar den einen oder anderen Radler. Aber richtig glücklich schauen die nicht drein. Dort angekommen steige ich aufs Rad, um die ersten 52 km des Tages in Angriff zu nehmen. Die Wolken haben sich komplett verzogen und ein strahlend blauer Himmel zeigt sich über den Baumwipfeln. Im Nu hat es geile 27°. Allerdings hat es nach dem Regen auch eine Luftfeuchtigkeit von gefühlten 100% und der Schweiß fließt in Strömen. Es ist schon Wahnsinn was das für Riesen sind. Teilweise wird es richtig finster wenn man durch ein dicht bewaldetes Gebiet fährt. Allerdings sieht alles ziemlich gleich aus und nach der Hälfte der Tour reicht es dann auch. Ich bringe die restlichen 25 km schnell hinter mich. Ich steige wieder mit ins Auto. Auch die nächsten 30 km führen über einen vierspurigen Highway bis nach Leggett. Dort beginnt der eigentliche Highway No.1. Die 101 geht weiter durchs Landesinnere über Santa Rosa Richtung SFO. Zuerst geht’s mal 6 km, 300 Höhenmeter den Berg hoch. Dann wieder 10 km runter. Danach noch mal 4 km rauf, bis ich nach einer 25 km langen Abfahrt endlich wieder am Meer bin. Aus sonnigen 27 Grad sind innerhalb der 25 km langen Abfahrt Nebel und 17 Grad geworden. Ich muss mich komplett umziehen, da es „schweinekalt“ geworden ist. Der Blick aufs Meer ist trotz des trüben Blickes wunderschön. Und es geht wellig weiter. Kurze knackige Anstiege, rasante Abfahrten. Dieser Teil der Strecke ist total verwaist. Kaum Häuser, nur ein kleines Örtchen. Westport besteht aus 10 Wohnhäusern, einem Motel und einem Grocery Store. In der Gegend ist echt der Hund begraben. Nach 70 km komme ich in Fort Bragg an. Und natürlich scheint auch wieder die Sonne. 1000 Höhenmeter waren es auf dem letzten 70 km langen Teilstück. Das hatte schon Alb Extrem Niveau. Bin heute recht ko. Freue mich aufs Abendessen und aufs Bett. Schätze mal das Profil morgen ähnelt sehr dem heutigen.


Tag 9, 06.08.2012: Fort Bragg – Point Arena

Auch dieser Tag beginnt fast wie immer am Meer. Mit Hochnebel. Man sieht die Nebelschwaden über den Horizont fliegen. Dazwischen verirren sich einzelne blaue Flecken. Man ahnt es schon, dass es bald aufreißen wird und die Sonne wieder runter knallt. Allerdings beginnt die heutige Tour mit einer Ehrenrunde. Nach dem Beladen des Toyotas vergesse ich Regina die Autoschlüssel zurück zu geben. Nach 3 Km klingelt das Handy. Regina klingt leicht angesäuert und bittet mich höflich, aber bestimmt dass ich doch zurückkommen möge damit sie die Fahrzeug starten und in Bewegung setzten kann. Ziemlich kleinlaut und schuldbewusst biege ich nach 3 km wieder auf den Parkplatz des Motels ein. Der zweite Start gelingt dann. Das Höhenprofil sieht heute ziemlich wellig aus. Ich fahre den ganzen Tag in Blickweite zum Meer die No.1 hinunter Richtung Süden. Das erste Highlight des Tages ist Mendocino. Unzählige Songs und Geschichten gibt’s um und über den Ort. Wolken lassen den Ort aber trüb erscheinen und irgendwie fehlt die rechte Stimmung um so richtig Begeisterung aufkommen zu lassen. Ich fahre weiter. Es gibt kaum ein ebenes, gerades Stück. Die Straße schlängelt sich mal links, mal rechts dann rauf dann wieder runter um die kleinen Buchten herum. Im Norden haben sie noch Brücken gebaut. Den Luxus hat man sich hier gespart. Ich treffe wieder viele Radfahrer. Alle mit einem voll gepackten Rad. Ich kann mich echt glücklich schätzen über den tollen Begleitfahrzeugservice. Da es nur gute 100 km sind bin ich spät gestartet. Trotzdem erreiche ich schon um 14.30 das Point Arena Lighthouse. Regina und die Kids sind schon da. Ich mache die Tour auf den Turm auch noch mit. Von dort oben kann man Grauwale beobachten. Echt spektakulär wie diese Riesen auf und abtauchen und mit gigantischen Wasserfontänen die Luft aus ihren Lungen pressen. Unser heutiges Quartier ist der Hammer. Eine Luxussuite mit Kamin, direkt über dem Hafen mit Blick aufs Meer. Wir sitzen noch gute 2 Stunden auf dem Balkon und genießen die Sonne bevor diese hinter den Bäumen verschwindet. Zum Abendessen gehen wir in ein kleines Restaurant zum Hafen hinunter. Und wieder gibt es ……….. Fisch. Der ist hier wieder richtig gut. Da kann man einfach nichts anders essen. Naja, So viel anderes können die Amis auch nicht kochen. Außer Pizza, Hotdogs und Hamburger hat man nicht viel zur Auswahl. Allerdings wissen die auch was das für ein toller Ausblick ist und entsprechend teuer ist das Abendessen.




Tag 10, 07.08.2012: Point Arena – Bodega Bay

Heute beginnt die vorletzte Etappe meiner Tour. Ich will es jetzt schon einmal vorwegnehmen. Das war der Hammer Tag. Gleich nach dem Start hat sich der Nebel verzogen und ich fahre seit der ersten Minute schon in der prallen Sonne. Ich bin heute noch öfters direkt am Meer als gestern. Aber, es ist noch mal hügeliger als am Vortag. Über Gualala fahre ich nach Fort Ross. Vor Jenner geht’s höllisch den Berg rauf. Ich schwitze echt die letzten Tropfen Flüssigkeit raus. Kurz vor dem Gipfel will ich noch ein Foto machen. Da gibt die schei.. Kamera ihren Geist auf. Na super. Alle Wiederbelebungsversuche scheitern. Ich verliere kurzeitig die Beherrschung und feuere das Teil in die Leitplanke. Das hat ihr den letzten Funken Leben ausgehaucht. Somit ist meine Action Cam die letzte Möglichkeit den Rest der Reise zu dokumentieren. Zum Glück habe ich den USB Akkupack für die Action Cam dabei und kann die dafür die ganze Zeit mitlaufen lassen. Die Abfahrt ist echt genial. Es geht über zig Serpentinen von ca. 300 m auf Meereshöhe runter. Beim Weizenbierstopp in Jenner treffe ich 2 Radler aus Deutschland. Der eine kommt aus Hamburg. Der andere aus Göppingen. Der Hamburger meint, dass es hier ganz schön bergig ist. Ich muss schon ein wenig schmunzeln. Berge sehen anders aus. Das hier sind höchstens höhere Bodenwellen oder maximal Hügel. Allerdings haben die Hügel hier Steigungen von 8-10%. Wer aber nur die Köhlbrandbrücke als einzige Anhöhe in Hamburg kennt, für den ist alles was höher als 54 m ist ein Berg. Nach einem kurzen Smalltalk fahre ich weiter. An einer Road Construction treffe ich 2 Amis ohne Gepäck auf dem Rennrad. Die scheinen ihre Feierabendrunde zu drehen. Als wir da so stehen sprechen sie mich an, dass ich ein cooles Rennrad habe und stellen aber schnell fest: Oh you are not from this Country. No, I am from Germany, antworte ich. Er darauf: Oh, you know Jürgen Klinsmann? Als ich ihm dann sage, dass ich aus dem Stadtteil komme, in dem seine Eltern eine Bäckerei haben, macht er vor Begeisterung gleich ein Bild zusammen von seiner Freundin und mir. Nach einer kurzen Unterhaltung fahre ich weiter. Ich bin nun 85 km unterwegs. Davon bin ich bestimmt 70 km am Meer bei Sonne und 23 Grad entlang gefahren. Die letzten 15 km radle ich mit der Gewissheit herunter, dass dieser Tag jeden Cent wert war, den ich in diesen Urlaub investiert hab. Das heutige Hotel ist wieder ein Volltreffer. Alles ist sauber und wir haben einen tollen Blick aufs Meer. Nach dem Duschen mache ich mit der Family noch einen Abstecher zum Drehort des Films von Alfred Hitchcock „die Vögel“. Schon witzig, wenn man an so einem Originaldrehort mit dem Schulgebäude und der Kirche steht. Regina fährt morgen noch an den Leuchtturm am Point Reyes raus. Dort wurde der Film „The Fog, Nebel des Grauens“ gedreht.

Tag 11, 08.08.2012: Bodega Bay – San Francisco.

Heute ist der letzte Tag der Tour. Kein Nebel. Pure Sonne……Kaiserwetter. Ich starte um 10 Uhr bei 20° C. Ich fürchte das wird ein heißer Tag. Auch heute weht der Wind von hinten und ich komme schnell vorwärts. Ein paar km geht’s noch am Meer entlang. Dann fahre ich 25 km im Landesinneren herum. Schnell steigt das Thermometer auf 31°C-37°C. Das ist mit Abstand der heißeste Tag auf meiner Tour. Auf diesem Teil sind die Straßen wieder hundsmiserabel. Ich fahre wieder Slalom um die Schlaglöcher herum. Je näher ich nach SFO komme umso mehr Radler treffe ich. Endlich bin ich wieder am Wasser. Die Tomales Bay zieht sich ab Marshall in einer Art Bodden ca. 16 km bis Point Reyes durch das Landesinnere. Plötzlich sind die Straßen wieder tipptopp. Und es ist nochmal hügeliger geworden. Am Ende des Tages sollen es dann auf den 122 km 1595 hm gewesen sein. Und das bei der Hitze. Dann treffe ich wieder auf die Pazifikküste mit dem Blick aufs offene, schier endlos scheinende Meer. Den ersten langen Berg gibt’s hinter dem Stinson Beach. Steile Rampen führen mich über ca. 6 km den Berg hoch. Ich fahre eine kurze Zeit gute 250 Meter über dem Meer Richtung SFO. Es folgt eine lange Abfahrt. Im Hintergrund erkenne ich schon den Funkturm von SFO. Das Ziel ist also nahe und ich merke wie das Glücksgefühl in der Magengegend zunimmt. Auf Meereshöhe angekommen hat es wieder deutlich abgekühlt. Es hat die gewohnten 18-22°. Die machen das Radeln wieder erträglich. Ich finde aber kaum Ruhe. Es geht ständig rauf und runter. Die letzte Herausforderung kommt ca. 25 km vor SFO. Nochmal geht es 6 km hoch. Beim Blick nach hinten entdecke ich einen weiteren Rennradler, der näher kommt. Mich packt der Ehrgeiz. So kurz vor dem Ziel will ich mich nicht überholen lassen und lege in der Trittfrequenz zu. Ein Gang runter geschaltet und der Tacho geht gleich mal 2-3 km hoch. Ich kann den Abstand halten und bin zuerst am Gipfel des Berges angekommen. Es folgt die letzte lange Abfahrt. Am Fuße des Berges liegt Sausolito. Durch Sausolito durch fahre ich meinem großen Ziel, der „Golden Gate Bridge“, entgegen. Der Blick auf SFO ist genial. Ich stoppe unzählige Male um das Panorama zu genießen. Es geht um gefühlte 100 Kurven herum bis……….ja bis sie endlich auftaucht……DIE GOLDEN GATE BRIDGE. Kaum zu glauben, das Ziel ist fast erreicht. Das Teil ist riesig. Ich habe die Brücke zwar schon 4 Mal aus der Nähe gesehen, aber wenn man dann wieder davor steht, kommt sie einem noch mal größer vor. Ich lasse einen lauten Brüller raus ……JAAAAAAA…..schallt es Richtung Ziel. Schätze mal den Schrei müsste man auch noch in Stuttgart gehört haben. Ein paar Kurven später führen die letzten Serpentinen unter der Brücke hindurch hoch zum Parkplatz an der Conzelman Street, wo Regina schon auf mich wartet. Das Gefühl, es geschafft zu haben, ist gigantisch. Nach einer kurzen Fotosession mache ich mich auf, um auf die Aussichtspunkte entlang der Conzelman Street hoch zu fahren. Ich habe mal wieder das typische Thomas Urlaubswetter nach dem Motto: ThomaS Urlaub = Sonne. Die Brücke erscheint in der prallen Sonne. Kein für SFO üblicher Nebel ist zu sehen. Ich will es schon mal vorweg nehmen. Es wird der einzige der 3 Tage, die wir in SFO waren, bleiben, an dem die Brücke nicht in Nebel gehüllt war. Das nennt man echten Dusel. Ich glaube jeder, der diese Bilder sieht, denkt sich „WAAAAAHNSINNNNNNN“. Aber glaubt mir, wenn ihr die Wärme, den Wind und die Geräusche um euch herum wahrnehmt, dann läuft euch ein eiskalter Schauer den Rücken runter. Ich habe fast eine Stunde dort oben verbracht. Nicht nur weil es dort so wunderschön war. Nein. Der Rest der Familie, Frank, Marlice, Lauren und Chris haben den Weg nicht gefunden. Aber ihr glaubt es nicht, wer sie zu uns gebracht hat. The Fire Department of San Francisco! Das Navi konnte die Straße nicht finden. Frank fragte den nächstbesten Menschen, und das war nun mal ein Feuerwehrmann, nach dem Weg. Der sagte nur kurz: „Follow me“. Das nenne ich Service. Da hat der Feuerwehrmann mal kurz die 4 von der Nähe des Fisherman’s Warf über die Golden Gate Bridge zur Conzelman Street, und das waren gute 20 km, begleitet. Um das Ganze perfekt zu machen hätte nur noch Blaulicht und Sirene gefehlt. Los geht’s zum großen Finale. Noch war meine Tour ja nicht beendet. Die Ziellinie, die Golden Gate Bridge, musste noch überquert werden. Die Conzelman Street runter lasse ich es locker rollen. Der Blick auf die Brücke lässt einen einfach nicht los. Am Ende noch eine scharfe Rechtskurve und schon bin auf der Anfahrt zur Brücke. Mir fällt das Lied von den Toten Hosen: An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit ……… ein. Genau das wünsche ich mir jetzt: UNENDLICHKEIT. Das Gefühl es endlich (oder leider schon) geschafft zu haben ist unbeschreiblich. Mein Countdown begann mal vor über 750 Tagen. Und nun bin ich am Ziel. Mir fehlen irgendwie die Worte. Beim Blick nach links sehe ich die Häuser SFO’s in der Nachmittagssonne glitzern, nach rechts geht der Blick aufs Meer mit der tief stehenden Sonne hinaus. In der Ferne erscheinen die Umrisse eines Containerfrachters. Es bläst ein kühler Wind vom Meer herüber. Tausende von Radfahrern überqueren die Brücke. Rücksichtsvoll und gemütlich geht es zu. Ich schleiche mit 20km/h dahin. Ich genieße jede Sekunde. Wahrscheinlich wird es das einzige Mal in meinem Leben sein, dass ich das mit meinem eigenen Rennrad, dem heißgeliebten Colnago, tun werde. Die Fahrt über die Brücke vergeht trotz Schneckentempo viel zu schnell. Auf der anderen Seite angekommen fahre ich am Ufer der Bay Area durch den Presidio Park Richtung Lombard Street weiter. Ich stoppe bestimmt 20 mal. Die Brücke verändert sich mit jedem km, den ich Richtung Lombard Street fahre. Ich hab mir Reginas Kamera ausgeliehen und mache noch zig Bilder von der Brücke und dem Park, durch den ich fahre. Wow, vierspurige Radwege. Da soll mir noch einmal einer sagen das Autoland USA wäre nichts für Radfahrer. Nach ein paar Querstraßen bin ich am Surf Motel, unserem letzten Hotel und dem endgültigen Ziel der Radtour angekommen. Zufrieden und mit einer (oder auch zwei ;-) ) Träne(n) in den Augen sitze ich mit einem amerikanischen Hefeweizen neben meinem Rad vor dem Zimmer auf einer Bank und kann es kaum glauben, dass es geschafft ist. Diese letzten Kilometer und Eindrücke werde ich wohl in meinem ganzen Leben nicht vergessen. DAS WAR MEIN PRESÖNLICHER SIEG. Das Glücksgefühl in der Magengegend lässt mich den ganzen Abend nicht mehr los. Der Pizza bei Amicis und einem Glas Rotwein aus dem Nappa Valley folgen noch drei Weizenbier. Ich hatte bei den 37° Grad eine Menge Flüssigkeit verloren. Da muss man viel trinken. Trotzdem kann ich nicht schlafen. Die Eindrücke des Tages und der Rückblick auf die letzten 11 Tage wühlen mich so auf, dass ich noch ewig wach im Bett liege, bis ich dann doch irgendwann mal in meinen wohlverdienten Schlaf falle.
Nach 1225,25 km, 13 327 Höhenmetern und einer Fahrzeit von 48 Stunden 32 Minuten und 19 Sekunden hab ich mir einen kleinen Fahrradfahrertraum erfüllt. Ich bin meine persönliche Traumstraße, den Highway 101 und No.1, von Astoria (Oregon) nach San Francisco (Kalifornien) hinunter gefahren. Der Start erfolgte noch in Bundesstaat Washington. Somit bin ich durch 3 Bundesstaaten (Washington, Oregon und Kalifornien) gefahren. Ich hatte Temperaturen von 15°C am Anfang, bis zu 37°C kurz vor SFO. Das heißt vom dicken Windstopper + Windjacke bis doppelkurz hab ich alle Radklamotten benötigt. Vom Regen bin ich verschont geblieben. Der kurze Regenschauer um 6 Uhr morgens in Eureka hat mich nicht getroffen. Und pünktlich zum Start an der „Avenue of the Giants“ hat die Sonne die Wolken vertrieben. Dass ich morgens gelegentlich leichten Nebel hatte, störte mich nicht weiter. Spätestens um 12 bzw. 12.30 Uhr war der verbrannt und ich hatte das schönste Radelwetter. Nur ein platter Reifen, eigentlich ein Wunder. Ich bin durch so viel Schotter und Glasscherben gefahren, da hatte ich deutlich mehr Probleme erwartet. Die Mäntel haben kaum einen Kratzer abbekommen. Ein großes Dankeschön an Continental und die Entwickler des Conti Grand Prix 4000. Und mein gebrochenes „Ledersofa“, der gute alte Brooks Ledersattel, wird einen Ehrenplatz in meinem Radfundus erhalten. Nach 17 Jahren treuen Diensten wird er wohl einem neuen Platz machen müssen. Mein Navigationsgerät Garmin Oregon 450 hat mich zielsicher in jeden von mir geplanten Winkel der Tour manövriert. Dass ich mein Rad am Tag 7 mehrmals tragen musste, lag nicht an ihm, sondern einfach daran, dass die Straße keine Straße, sondern nur noch ein mittelmäßiger Waldweg war. Die Google Street View Aufnahmen aus dem Jahr 2007 zeigten, dass die Straße damals schon ziemlich in Mitleidenschaft gezogen war. Schon zu der Zeit gab es nur noch eine halbwegs befahrbare Spur. Das war aber auch das einzige Mal, das mich die Kartenversion von „Open Street Map“ hinters Licht geführt hat. Die restlichen Straßen waren alle so befahrbar, wie ich es mir für eine Rennradtour vorgestellt habe. Und wenn die Videos, die ich mit der Action Cam gemacht habe, genauso spektakulär sind wie die von Mallorca, dann wird mein DIA und Filmvortag ein echter Hit. Nicht unerwähnt soll auch mein Radladen „Radschlag“ und das Team von Norbert und Jack bleiben. Das dort gekaufte Rad hat mir treue Dienste geleistet und hat nach der letzten Inspektion tipptopp funktioniert. Den gebrochenen Sattel habe auch ich nicht erwartet. Einen so kleinen Riss hätte wohl niemand so einfach entdeckt.
Der größte Dank aber gilt meiner Frau Regina und meinen Kinder Dennis und Sara. Ohne sie und das Servicefahrzeug wäre die ganze Tour deutlich schwieriger oder sogar unmöglich gewesen bzw. nicht so entspannt abgelaufen. Die Räder der beiden Jungs aus Hamburg und Göppingen, die ich in Jenner getroffen habe, hatten mit Gepäck und allem „drum und Dran“ gute 50 kg gewogen. Das ist mir erspart geblieben. Mein Rad wird mit vollen Trinkflaschen, Navi, Werkzeug, Ersatzschläuchen, Action Cam, Photo und den ganzen Klamotten maximal 12 kg gewogen haben. Und vielen Dank Dennis für deine tolle Aufmunterung wenn ihr mich überholt habt (Papa, hopp hopp). Meine Kids haben das Schleichen mit dem Auto beinahe heroisch ertragen. Natürlich nicht ganz ohne Gegenleistung. Die 4 Tage in den Universal Studios bzw. Disneyland Los Angeles haben meine Urlaubskasse nicht gerade entspannt. Wenn mich jetzt jemand fragt, war das nicht gefährlich auf den amerikanischen Straßen Rennrad zu fahren? dann kommt ganz klar die Antwort: NEIN. Natürlich hab ich wie in Deutschland täglich mein persönliches „A….loch des Tages“ gekürt. Aber Idioten, die absichtlich dicht an einem vorbeifahren, gibt’s auf der ganzen Welt. Aber hier waren es deutlich weniger als in Deutschland. Nach dem Radeln auf Mallorca kommt ganz klar USA auf Platz 2 des entspannten Rennradfahrens. Das Verkehrsaufkommen war ähnlich wie in Deutschland. In der Nähe von Städten oder größeren Ortschaften war mehr los, fernab der Städte und Ortschaften wurde es ruhiger. Was mich aber wunderte, auf dem Highway No.1 von Leggett bis San Francisco nahm der Verkehr deutlich ab. Das einzige was wirklich nervig war, waren die Nebelhörner an den Leuchttürmen. Wenn wir in der Nähe eines Leuchtturmes übernachtet haben, dann hatten wir die ganze Nacht das rhythmische Tröten in den Ohren. Würde ich die Tour nochmal fahren? JA! Eventuell würde ich weiter südlich starten. Der nördliche Teil Oregons war landschaftlich zwar schön, bestand aber größtenteils aus Kilometer fressen. Im Geiste spiele ich ja schon mit einer weiteren Tour. Der Highway No1. geht ja noch weiter. Von SFO über Monterrey, Carmel, Big Sur, LA bis nach San Diego führt die Traumstraße hinunter bis zur mexikanischen Grenze. Im Hochsommer kann man das aber nicht fahren. In und um Los Angeles herum hatten wir jeden Tag 35-47 Grad. Da fällt man nach 3-4 Stunden tot vom Rad. Somit ist also nach der Tour vor der Tour. Wann das Ganze stattfinden soll weiß ich noch nicht, frühestens aber in 4 Jahren. Bis dahin hab ich wieder genug Geld beisammen, um wieder ein so teures Event auf die Beine zu stellen. Vorher aber gibt’s noch meine DIA Show und etwas später den dazu gehörigen Film. Evtl. kann ich ja ein paar weiteren Radverrückten etwas Appetit machen und es kommen noch 1,2 oder 3 weitere Mitstreiter zur nächsten Tour mit.

Bis dahin wünsche ich allen Radlern immer genug Luft in den Reifen……....

Euer Thomas.

Nachtrag:

Am Samstag, den 25.08. bin ich das erste Mal seit meiner Ankunft in SFO wieder aufs Rad gestiegen. Ich habe die 120 Km von Lacey zum Mt. Rainer in Angriff genommen. Der Mt. Rainer ist ein Berg der zu einer Kette von schlafenden Vulkanen gehört. Dazu gehören u.a. der Mt. Hood, Mt. Adams, Mt. Baker sowie der Mt. St. Helens. Der Mt. St. Helens ist 1980 ausgebrochen. Die Explosion hatte eine Sprengkraft von 1600 Hiroshima Atombomben. Dabei verlor der Berg 400 m an Höhe. Ich hoffe mal dass heute kein Vulkan ausbricht und ich heil vom Mt. Rainer zurückkomme. Ich starte um 8 Uhr. Schätzungsweise brauche ich für die von www.GPSies.com berechnete Strecke von 117 km und 1570 Höhenmetern ca. 5 Stunden. Somit treffe ich Regina um ca.13 Uhr am Paradise Inn, am Gipfel des Berges. Gestartet wird bei gerade mal 8 Grad. Da es Samstagmorgen ist sind wenig Autos unterwegs. Der erste Ort durch den ich fahre ist Yelm. Der Mt. Rainer ist ca. 4400 Meter hoch und als einziger höherer Berg im Umkreis von 70 km kaum zu übersehen. Mit ständigem Blickkontakt zum ihm fahre ich Richtung Elbe. Kurz vor Elbe gibt‘s eine Baustelle und ich muss einen 20 km Umweg fahren. Nach 90 km komme ich in Elbe an. Es ist recht wellig und ich hab schon 800 Höhenmeter hinter mir. Dabei fehlt noch der Hauptanstieg zum Paradise Inn. Vom Parkeingang geht’s von ca. 600 Meter über ungefähr 25km hoch auf ungefähr 1600 Meter. Irgendwas stimmt da mit der Höhenangabe bei GPSies.com nicht. Mittlerweilen fahre ich in Doppelkurz. Es hat knackige 30° Grad. Zum Glück führt mich die Strecke durch etliche Waldgebiete hindurch und bin somit nicht ständig der Sonne und den hohen Temperaturen ausgesetzt. Am Parkeingang angekommen habe ich 107 km und 1200 Höhenmeter auf dem Tacho stehen. Und es kommt ja noch er Hauptanstieg mit 1000 Hm. Zuerst gibt’s aber mal einen Einlauf von der Parkrangerin weil ich die Autos auf dem Seitenstreifen überholt hab und mich nicht am Ende der 2,5 km langen Schlange angestellt hab. Was für ein Quatsch. Kein einziger Motorradfahrer hat sich hinten angestellt. Zur Strafe lässt sie mich erst mal 5 Minuten warten. Als sie aber merkt dass mir das a.) nichts ausmacht und ich die Zeit zum Essen und Trinken nutze und b.) sich jeder Motorradfahrer nach vorne mogelt, lässt sie mich weiter fahren. Los geht’s zur letzten Etappe. Die ersten 10 km geht es moderat im Schatten der Bäume, mit maximal 3-4 % Steigung nach oben. Dann wird’s deutlich steiler. Rampen mit 8-10% schlängeln sich den Berg hinauf. Ich habe kaum noch Schatten. Inzwischen hat mich Regina überholt. Treffpunkt ist der Parkplatz am Gipfel. Wir haben ausgemacht, dass sie, wenn dieser wegen Überfüllung geschlossen ist, so lange weiter fährt bis sie einen freien Parkplatz findet. Nach 25km ist es geschafft. Es stehen 131 km und 2200 Hm auf dem Tacho. Der Parkplatz ist tatsächlich wegen Überfüllung geschlossen. Also fahre ich wie ausgemacht weiter. Es geht wieder runter. 5 km fahre ich über eine Schleife zur Hauptstraße zurück abwärts. Aber an keinem der Parkplätze finde ich Regina. Unten angekommen muss ich also wieder 5 km plus 200 Hm zum Paradise Inn hoch strampeln. Nun stehen 142 km und 2395 Hm auf dem Tacho. Ich fahre zum Visiter Center wo Regina auf mich wartet. Sie ist tatsächlich runter, dann wieder hochgefahren und hat kurz vor dem Gipfel an einem Picknick Area ein Parkplatz ergattert. Somit aus meiner gemütliche Tagestour mit ca. 120 km und ca. 1500 Hm eine anspruchsvolle Tour mit 142km und fast 2400 Höhenmetern geworden. Für den 20 km Umweg mit konnte ich nichts. Allerdings hätte ich die Kartenanweisungen in www.GPSies.com besser lesen sollen. Da standen nämlich die 2200 Hm drin. Was ich gelesen hab war die Max. Höhe von 1570 Metern. Eine Zeile weiter unten standen dann die gesamt Höhenmeter. Normalerweise ist so eine Tour kein Problem. Da aber mein Getränke- und Verpflegungsvorrat nur für 120 km und 1200 Höhenmeter ausgelegt war, gingen mir am Ende echt die Kräfte aus. Ich habe mich dann bei der geplanten Wanderung ausgeklinkt. Dennis und Regina sind alleine noch ein paar Trails abgelaufen, während ich im Auto die Rückenlehne nach unten gestellt hab um mich ein wenig zu erholen. Somit ging auch meine letzte Radtour ohne große Probleme zu ende.
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#1048041 - 11.06.14 18:02 Re: USA 2012.Von Astoria nach San Francisco [Re: thojust]
asfriendsrust
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Beiträge: 323
Über deine Internetseite bin ich zufälligerweise vor ein paar Tagen schon gestoßen. Was ich mich da schon gefragt habe: Was zur Hölle hast du 2,5 Jahre geplant?!
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#1048167 - 12.06.14 06:06 Re: USA 2012.Von Astoria nach San Francisco [Re: asfriendsrust]
thojust
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Beiträge: 7
Keine Sorge,ich bin da keine 2,5 Jahre jeden Abend am PC gesessen. Da ich wusste dass ich entweder 2011 oder 2012 diese Reise unternehmen werde habe ich die Strecke einfach Stück für Stück so wie ich Lust ,Laune und Zeit hatte zusammengestellt......

Geändert von thojust (12.06.14 06:06)
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