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#1334257 - 28.04.18 11:54 Radreise Italien - Der Gargano
Anja Joest
Mitglied
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 37
Dauer:
Zeitraum:
Entfernung:0 Kilometer
Bereiste Länder:
Externe URL:http://https://dasfliegendeklassenzimmer.org/mit-dem-fahrrad-kreuz-und-quer-durch-italien-der-gargano/

Mit dem Fahrrad am Gargano
Den Bericht mit Bildern gibt es hier: https://dasfliegendeklassenzimmer.org/mit-dem-fahrrad-kreuz-und-quer-durch-italien-der-gargano/

Was vorher war
Wie ich  in dem Artikel über die Abruzzen berichtet habe, liegen bereits über 300 Kilometer quer durch die Abruzzen hinter uns, als wir die Weiterfahrt von Marina di Vasto zum Gargano starten.

Von Marina di Vasto nach Torre Mileto
Da heute 93 Kilometer vor uns liegen, brechen wir früh auf. Landschaftlich erwarten wir von der heutigen Tour nichts Besonderes, es geht eher darum Kilometer zu machen und zum Gargano zu kommen.

Die ersten Kilometer begleitet uns eine schöne Küstenlandschaft, doch dann wird es immer gespenstischer. Wir fahren auf einer recht zugemüllten Landstraße durch bereits abgeerntete Tomatenfelder als wir mitten im Nichts plötzlich eine Gruppe von Menschen sehen, die ein Auto anhält und sich an der Beifahrertür zu schaffen macht, als das Auto weiterfährt.

Uns wird irgendwie mulmig, denn wir müssen in jedem Fall an dieser Gruppe vorbei und haben keine Ahnung, was sie im Schilde führen. In unserer Not fahren wir auf die Gegenfahrbahn und nutzen eine Gruppe von Motorradfahrern um so schnell wie möglich an der Gruppe vorbei zu kommen, immer in der Hoffnung, dass der Verkehr sie davon abhält, auf die andere Seite zu kommen. Als wir auf der Höhe der Gruppe sind, muss ich lachen, denn es handelt sich keinesfalls um eine Gruppe von Straßenräubern, die hilflose Radfahrerinnen überfallen wollen, sondern um Prostituierte, die hier ihre Dienste anbieten.

Mit jedem weiteren Kilometer verstärkt sich bei uns das Gefühl, mitten durch die Wüste von Nevada zu radeln.

Es ist heiß, die Felder vertrocknet und die Luft vor uns auf der Straße flimmert. Als wir nach vielen einsamen Kilometern zur Mittagszeit in Lesina einfahren, fühlen wir uns wie in einem Western. Die ganze Stadt ist ausgestorben und es fehlen eigentlich nur noch die Wüstenblumen, die vom Wind, der übrigens auch fehlt, über die Straße geweht werden. Im Stadtzentrum dann ein paar Afrikaner, die im Schatten auf dem Bordstein oder unter Verkaufsständen schlafen. Wir finden eine kleine Bar, in der uns ein alter Herr eine Pizza macht und sich riesig über unseren Besuch freut und so machen wir uns frisch gestärkt wieder auf den Weg.

Auch die nächsten Kilometer geht es durch abgeerntete Felder, wir haben mittlerweile die Straße gegen eine staubige Piste eingetauscht und die einzigen Lebewesen, die uns begegnen, sind Kühe und Hunde. Bei dem Versuch eine der imposanten Kühe aus der Nähe zu fotografieren lenke ich die Aufmerksamkeit eines Schutzhundes auf mich und mir bleibt nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen. Wenige Kilometer versperrt ein weiterer Hund den Weg. Er guckt uns herausfordernd an und ich klicke mich vorsichtshalber aus der Pedale aus, doch statt uns anzugreifen, guckt er uns nur doof an. Vermutlich hat er noch nie zwei so verrückte gesehen, wie uns. Völlig verstaubt und ziemlich abgefahren erreichen wir am späten Nachmittag Torre Mileto, finden einen netten Campingplatz und sogar einen Supermarkt direkt um die Ecke.

Ideale Voraussetzungen für einen Pausentag, den wir ganz dekadent mit Sonnenschirm, Liege und dezenter Livemusik am Strand verbringen.

Von Torre Mileto nach San Nicola
Da wir heute nur 45 Kilometer vor uns haben lassen wir es ruhig angehen und frühstücken im nächsten Ort erst einmal ausgiebig. Die ersten Kilometer kommen wir zügig voran aber wir trauen dem Braten nicht so ganz, denn mittlerweile wissen wir ja, dass da sicher noch die ein oder andere Hammersteigung kommt, doch vorerst genießen wir noch die herrliche Landschaft.

Wie immer kommt dann der Hammer kurz vor dem Ziel und es wird noch einmal ordentlich steil. Obwohl wir wissen, dass wir morgen alles wieder hoch müssen freuen wir uns doch, als es in einer steilen Abfahrt endlich runter zum Campingplatz geht. Der Campingplatz ist zwar sehr nobel, enttäuscht uns aber dennoch, denn am Strand herrscht Rundumbeschallung mit Technomusik und schlimmer kann es am Ballermann auch nicht sein.

Also trinken wir nur kurz etwas an der Bar und ziehen uns, froh, dass wir hier keine Pause machen, wollten auf unseren Platz zurück. Beim Kochen passiert dann genau das, was ja eigentlich irgendwann mal passieren musste. Statt zur Colaflasche zu greifen, nehme ich die Flasche mit dem Spiritus und ehe ich schalten kann, habe ich schon einen Schluck genommen. Für den Rest des Abends bin ich von Jana dazu verdonnert Unmengen Wasser zu trinken.

Von San Nicola nach Baia di Campi
Wider erwartend habe ich den Schluck Spiritus überlebt und so machen wir uns an den Anstieg, um die 2 Kilometer vom Campingplatz zur Straße hinter uns zu bekommen. Oben angekommen muss ich leider feststellen, dass ich meine tolle Sonnenbrille irgendwo unterwegs verloren habe, allerdings habe ich keine Lust noch einmal runter zu fahren und so heißt es den Rest des Tages die Augen zusammenkneifen. Wir kaufen im Supermarkt etwas zum Frühstück und ich gebe meinem unbändigen trieb nach kalter Milch nach, was eindeutig ein Fehler, wie sich einige Kilometer später herausstellt.

Wir fahren eine fantastische Straße lang, als es in meinem Magen anfängt zu grummeln. Ich schaffe es gerade noch mein Rad in die Ecke zu werfen und mich in einen Graben zu hocken, als Jana nachkommt, um mir etwas Klopapier zu geben fällt sie fast um vor Lachen. Zur Belustigung meiner Tochter wiederholt sich die Situation einige Kilometer später aber dann ist Ruhe und ich genieße die herrliche Landschaft.



Wir sind hin und weg von der Gegend und fahren vor lauter Begeisterung fast an dem Campingplatz vorbei, freuen uns aber, dass wir nicht schon wieder erst ewig den Berg hoch müssen, nur um zum Campingplatz wieder etliche Höhenmeter hinunterzurollen. Am Strand ist es ohne Sonnenschirm viel zu heiß, doch wir finden einen alten ausrangierten Schirm ohne Stange und improvisieren mit einer leeren Wasserflasche.



Von Baia di Campi bis nach Manfredonia

Nach einem Tag Pause lassen wir es ruhig angehen und müssen trotzdem mächtig kämpfen. Wir haben total schwere Beine und haben das Gefühl keinen Meter vorwärtszukommen. Nach etwa 5 Kilometern haben wir uns jedoch eingefahren und sind zusätzlich von der herrlichen Küste abgelenkt.



Es läuft gerade richtig gut, da meint Jana, dass ihr Rad irgendwie in sich wackelt. Ich befürchte schon einen Rahmenbruch, sehe dann aber, dass es nur ein Platter ist. Es ist zwar lästig in der Hitze den Schlauch zu wechseln und vor allem anschließend wieder aufzupumpen, doch es ist schnell gemacht und weiter geht es entlang dieses sagenhaft schönen Küstenabschnitts.



Und dann müssen wir uns entscheiden, bleiben wir auf der Straße und fahren durch vier Tunnel, die alle offiziell für Fahrräder gesperrt sind, oder nehmen wir den Umweg über die Berge nach Manfredonia.



Es ist schon Nachmittag und wir sind K. o. und so entscheiden wir uns für die Tunnel.

Wir passieren den ersten Tunnel und obwohl ich recht verkrampft auf meinem Rad sitze geht, es besser als gedacht. Der Tunnel ist gut beleuchtet und die wenigen Autofahrer, die uns passieren nehmen nicht nur sehr viel Rücksicht, es regt sich auch niemand auf. Nicht auszudenken welches Hupkonzert wir in Deutschland verursacht hätten. Auch Tunnel zwei und drei gehen problemlos. Ich fühle mich zwar nicht sonderlich wohl und als wir eine kurze Pause machen merke ich, wie angespannt ich bin, doch alles in allem geht es gut und da es in den Tunneln runter geht, sind wir auch immer recht schnell durch. Vor dem letzten Tunnel habe ich allerdings so ein komisches Gefühl, hier gibt es noch einmal die Möglichkeit in die Berge auszuweichen aber wir entscheiden uns gegen diese Variante und gehen den letzten Tunnel an.



Doch schon nach ein paar Metern ist klar, dass es nicht geht. Es ist stellenweise so dunkel, dass ich nicht sehe, wohin ich fahre. Die Wände scheinen jegliches Licht zu schlucken. Mehr oder weniger im Blindflug steuere ich die nächstbeste Haltebucht an und wir beschließen umzudrehen. Nach kurzer zeit schrauben wir uns Serpentine für Serpentine eine wunderschöne Bergstraße hoch und irgendwie scheint das Tunnelerlebnis ohne Ende Adrenalin freigesetzt zu haben, denn ich habe plötzlich wieder richtig Kraft und komme supergut den Berg hoch.



Kurz vor Manfredonia wird es dann so richtig ätzend, denn die Straße wird immer größer und vor allem auch voller und wir sind froh als wir endlich das

Zentrum erreichen. Die Fahrt zieht sich zwar ewig aber hier fahren die Autos nicht mehr so schnell und letztendlich kommen wir gut durch die Stadt. Wir hatten uns einen Campingplatz kurz hinter Manfredonia ausgesucht doch jetzt, wo wir Kilometer um Kilometer durch die Einöde fahren, frage ich mich etwas ängstlich, ob es den Platz auch tatsächlich gibt. Doch es gibt ihn und er ist sogar sehr nett und so bauen wir erschöpft unser Zelt auf, gehen duschen und gönnen uns eine Pizza. Zu unserem großen Erstaunen sind gerade hier mehrere deutsche Camper.


Von Manfredonia nach Barletta und die Weiterreise zur Amalfi Küste

Wir brechen früh auf, da 50 Kilometer durch die Ebene vor uns liegen und wir die nicht gerade in der Mittagshitze durchqueren wollen. Vorbei an Flamingos machen wir vor allem eins, Kilometer, denn wir wollen so schnell wie möglich nach Barletta kommen.

Dort, so der Plan wollen wir mit dem Zug weiter nach Bari fahren und von dort aus ebenfalls mit dem Zug einmal quer rüber nach Salerno. Soweit der Plan, der aber nur bis Bari aufging. In Barletta angekommen geht alles reibungslos und eher wir uns versehen sitzen wir im Zug nach Bari. Dort angekommen streben wir zielstrebig zum Fahrkartenautomaten, um die Tickets für die Weiterfahrt zu ziehen. Doch aus irgendeinem Grund geht das nicht, unser Zug scheint einfach nicht zu existieren. Gemeinsam mit anderen, etwas ratlosen Reisenden, stelle ich mich also am Schalter an. Als ich endlich an der Reihe bin, trifft mich fast der Schlag, denn der nette Herr am Schalter erklärt mir, dass wir mit den Rädern nicht nach Salerno kommen. Genau habe ich es nicht verstanden aber der Zug, den wir uns ausgesucht hatten, fährt wohl nicht. Ich gucke wohl ziemlich verzweifelt, denn er ruft einen Kollegen und gemeinsam suchen sie nach einer Zugverbindung für uns. Nach einer gefühlten Ewigkeit, die die beiden in die Tastatur gehauen haben, gucken sie mich plötzlich lächelnd an, sie sind fündig geworden. Etwas genervt aber erleichtert überrasche ich Jana mit einer Verbindung, die uns zunächst weit in den Süden bringt, nämlich nach Taranto, dann nach Potenza und schließlich nach Salerno, wo wir um 22.59 Uhr ankommen sollen.

Und so machen wir uns auf unsere unerwartete Reise quer durch Italien. In Taranto angekommen haben wir drei Stunden Aufenthalt. Wir machen einen kurzen Bummel durch die Gegend um den Bahnhof, essen etwas und warten auf die Weiterfahrt.

Wir sitzen schon auf dem Bahnsteig, als plötzlich so ein kleines Ding angefahren kommt. Es sieht aus wie eine Lock mit ein paar Sitzplätzen. Wir schenken diesem Gefährt erst einmal keine weitere Beachtung, doch als die Abfahrtszeit unseres Zuges näher rückt und die Leute anfangen ihr Gepäck in dieses Ding zu verladen stellen wir uns auch in die Reihe und unsere Räder passen gerade noch so rein, zusätzliche Waggons scheinen nicht mehr zu kommen. Wir finden einen Sitzplatz und dann setzt sich dieses Ding auch schon in Bewegung, allerdings hört es sich eher so an, als würde der Motor jeden Moment den Geist aufgeben und so sind wir etwas erstaunt als wir tatsächlich pünktlich in Potenza ankommen. Unser Zug nach Salerno steht auf dem Gleis gegenüber und wir können den letzten Teil unserer heutigen Odyssee ganz bequem antreten. Punk 22.59 Uhr erreichen wir Salerno. Im Hotel dürfen wir unsere Räder in die Lobby stellen.

In Salerno tanzt noch der Bär und ich habe große Lust noch etwas durch die Bars zu ziehen, doch die Vernunft siegt, denn morgen liegt mehr oder weniger die gesamte Amalfi Küste vor uns.
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#1334828 - 01.05.18 23:11 Re: Radreise Italien - Der Gargano [Re: Anja Joest]
m.indurain
Mitglied
abwesend abwesend
Beiträge: 1067
Hallo Anja,

schöne Fotos.

In Antwort auf: Anja Joest
Wir passieren den ersten Tunnel und obwohl ich recht verkrampft auf meinem Rad sitze geht, es besser als gedacht. Der Tunnel ist gut beleuchtet und die wenigen Autofahrer, die uns passieren nehmen nicht nur sehr viel Rücksicht, es regt sich auch niemand auf. Nicht auszudenken welches Hupkonzert wir in Deutschland verursacht hätten.


Das ist in der Tat so. Hattet Ihr auch eine Warnwest dabei? Die ist in Italien "offiziell" für Radfahrer im Tunnel Pflicht. Hält sich aber fast niemand dran.

In Italien fahren die Radfahrer an Ampelanlagen mit wenig Verkehr von rechts und links üblicherweise bei rot geradeaus über die Ampel. Habe noch nie erlebt, dass das dort einen Autofahrer gestört hat.
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