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#1414235 - 01.02.20 19:01 Baden-Westalpen-retour
natash
Moderator Übernachtungsnetzwerk
Themenersteller
abwesend abwesend
Beiträge: 6490
Dauer:15 Tage
Zeitraum:13.7.2019 bis 27.7.2019
Entfernung:1500 Kilometer
Bereiste Länder:deDeutschland
frFrankreich
itItalien
chSchweiz

Kleine Sommertour-Baden - Westalpen und retour

ca 1500km ca 18.000 hm

Reisende: Natalie und Micha

Räder: klassische Randonneure aus den 90ger Jahren mit breiten Rennreifen und vollem Campingepäck.

Übernachtung: überwiegend Zelt (2x Hotel/Zimmer)

Karten: diverse (Michelin, IGN für Frankreich (für die entsprechenden Regionen), Maßstab 1:200, 1x Freytag+Bernd Alpenländer sowie digitale Karten fürs Garmin sowie Mapy.cz für das Mobiltelefon (vor allem für Campingplatzsuche hilfreich)





In diesem Jahr haben wir für unseren großen Sommerurlaub nur etwa zwei Wochen Zeit. Grund genug auf das ganze An-und Abreisetheater zu verzichten und direkt daheim loszufahren. Das garantiert Urlaub ab der ersten Minute und das Gefühl des Reisens stellt sich ebenfalls sofort ein, obwohl es zunächst einmal durch gut bekannte Gefilde geht.
Weil wir Berge mögen, planen wir über Elsass und Jura möglich zügig in die französischen Alpen zu gelangen, von dort nach Italien überzusetzten und über den Hinterrheim zum Bodensee zu kommen, von wo wir mit der Schwarzwaldbahn normalerweise einfach und schnell wieder heim gelangen.
Und weil wir am Sonntag im Kaiserstuhl zu einer Weintour geladen sind, fahren wir entgegen unserer üblichen Gewohnheit einmal auf der deutschen Seite des Rheins Richtung Süden.

Karlsruhe (Durlach)-Ettlingen-Durmersheim-Greffern-Kehl-Wyhl-Sasbach-Breisach- L'Ille du Rhin




Das Frühstück fällt für mich eher verhalten aus- ich habe nämlich drei Tage vor Urlaubsbeginn einen Zahn gezogen bekommen und das Loch ist noch immer nicht verheilt, intensivere Kaubewegungen sind nicht so recht möglich und ich ziehe eher flüssige Nahrung vor.
Da ist es recht günstig, dass unsere Reise eben beginnt und sich die Anstrengung in Grenzen hält.
Wie durch ein Wunder schaffen wir es übrigens den ganzen Tag im einzigen regenfreien Streifen der ganzen Umgebung zu fahren, wir bekommen trotz düsterer Wetterprognosen keinen einzigen Tropfen ab.
Wir fahren zu den Rheinauen, ein Weilchen an der Rheinuferstrasse, die sehr gut zu befahren ist, was man vom geschotterten Rheindamm, der, hier geht der offizielle Radweg entlang, nicht zu sagen ist und am Mittag sind wir bereits hinter Kehl.
Ab hier verlassen wir die Rheinnähe, passieren den beliebten Europapark und nachmittags sind wir bereits im Kaiserstuhl.



In Sasbach besuchen wir einen Gasthof mit einladender Aussenbewirtung und genießen ein kühles Bier. Mein nicht mehr vorhandener Zahn macht sich schon seit Stunden mit unangenehmen Schmerzattacken bemerkbar und weil ich mir den Einsatz von Schmerzmitteln lieber für die Nachtruhe aufheben möchte bestelle ich ein einheimisches Zwetschgenwasser.
Während die Bedienung ein volles Glas schwenkt und lautstark ruft, wo denn die Dame mit den Zahnschmerzen säße, ist mir das Mitgefühl aller Anwesenden gewiss. Das ist vielleicht ein wenig peinlich, aber das Heilmittel schmeckt süffig-fruchtig und lässt die Schmerzen deutlich in den Hintergrund treten.
Später in Breisach trödeln wir noch ein wenig herum und als wir den Campingplatz auf der Rheininsel erreichen, hat die Rezeption gerade zugemacht.
Wir melden uns an der Bar an und genießen unser Abendessen mit einem schönen Blick auf Breisach am Rheinufer.




Der nächste Tag führt in netter Gesellschaft durch die schönen Orte des Kaiserstuhls und gehört nicht weiter zu dieser Reise. Wir verbringen einen schönen Tag, der jedoch mit einem Regenguss endet.




L'Ille du Rhin-Ensisheim-Montbéliard-L'Isle-sur-le-Doubs




Am nächsten Tag ist es wieder trocken.
Wir wursteln uns an der Großstadt Mühlhausen vorbei. Mein Zahnloch macht sich immer wieder unangenehm bemerkbar und mein Fläschle mit Salbei-Nelkentinktur ist oft im Einsatz.
Bald sind wir am Rhein-Rhone-Kanal und kommen auf dem bestens ausgebautem Radweg flott voran. Das ist nicht sehr aufregend, aber ich finde es gerade recht angenehm.



Mittags sind wir in der Stadt Montbéliard, wo wir den Kanal verlassen.
Wir irren ein wenig bergan durch Vororte, vermutlich wäre ein Verbleib am Kanal vorteilhafter gewesen und fahren weiter durch das örtliche Hügelland.



Später landen wir jedoch auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit wieder am Kanal und auf dem Zeltplatz in L'Isle-sur-le-Doubs, der mit allerlei Reiseradlern gut gefüllt ist. Hier führt ein europäischer Fernradweg entlang, der offensichtlich sehr beliebt ist, wir verlassen ihn am nächsten Morgen und treffen bis zum ersten höheren Alpenpass keinen einzigen Radreisenden mehr. Dabei ist die Strecke nicht unattraktiv.
Wir schlendern ein wenig durch den Ort, der aus Anlass der vor wenigen Tagen dort durchkommenden Tour de France ansprechend geschmückt ist.





L'Isle-sur-le-Doubs-Gonans-Saules-Ornans-Chantrans- Levier




Heute geht es bei nicht unbeträchtlicher Hitze durch das schöne grüne Hügelland des Jura. Unsere Route führt durch sehr dünn besiedeltes, ländliches Gebiet. Zufälligerweise deckt sich unsere Strecke mit der der Tour de France, so dass unsere Route freundlich dekoriert ist. Gelegentlich werden wir mit beifälligen Rufen bedacht. Da vergesse ich sogar fast, dass meine Mundhöhle noch immer keine Ruhe gibt.



Das juratypische ständige Auf-und Ab erfordert zwar nicht den gleichen Krafteinsatz eines langen Anstiegs, aber ich merke trotzdem, dass ich mich anstrengen muss.



Bei Ornans hat sich der Fluss Loue sehr hübsch durch die Gesteine gegraben, wir machen hier eine längere Pause.


Und weil wir in einer Ecke sind, in der zahlreiche Käsereien anzutreffen sind, die vorzüglichen Käse erzeugen, kommen wir am Besuch einer solchen nicht vorbei. Des Zahnes wegen halte ich mich jedoch ein wenig zurück.
Wir kosten ein leckeres Exemplar vor unserem Zelt, während ein junger Eichelhäher um Brotsamen bettelnd um uns herum hüpft.



Beim abendlichen Rundgang in der Umgebung bewundern wir die einheimischen Rindviecher, die ebenso neugierig zurück glotzen.



Levier Montrand-Crotenay-Montigny sur l'Ain-Chancia-Matafelon




Es bleibt weiterhin sehr warm. Bei fast tropischen Temperaturen rollen wir durch eine seenreiche Hügellandschaft durch die sich der Fluss l' Ain wie ein türkisfarbenes Band schlängelt. Dabei wird das Flusstal von imposanten Kalksandsteinfelsen flankiert.




Es geht weiterhin auf und ab in Abwechslung zwischen Flusstal und Hochebenen
Richtung Süden sind stellenweise bereits die Konturen der nahen Alpen zu erkennen.



Am Abend beehren wir den Campingplatz in Matafelon, der über ein schönes Schwimmbecken verfügt, von dem wir ausgiebig Gebrauch machen.



Matafelon-Bellegarde-sur-Valserine-Seyssel-Semelas-Maurin-




Hinter dem Ort Bellegarde-sur-Valserine verlässt man die Hügel des Jura und gelangt an die Rhone, die weiter südlich nach Westen abbiegt, während wir uns dem tiefblauen Lac de Bourget nähern. An seinen Ufern genehmigen wir uns eine ausgiebige Pause, es ist sehr heiß und wir sind uns nicht ganz schlüssig, wie wir weiter fahren wollen. Am Südufer des Sees führt parallel zu einer vielbefahrenen Straße ein Radweg entlang, wir entscheiden uns für das andere Ufer, in der Hoffnung, dass es hier beschaulicher sein möge.
Das ist es und erheblich bergiger ist es auch. Weil wir beschlossen haben oberhalb des Sees einen kleinen Campingplatz zu besuchen, geht es nach einer Weile recht kräftig auf einer engen Strasse bergauf. Das ist sehr hübsch, absolut verkehrsfrei und mit einigen Schweißtropfen verbunden.
Aussicht gibt es auch.



Wir sind bereits in Savoien und befinden uns im Übergang vom Jura in die Alpen, was einen ganz eigenen Reiz hat.
Unser Campingplatz ist urgemütlich, liegt auf einer schönen Hochebene und frisch gezapftes belgisches Bier zu humanen Preisen ist ebenfalls zu haben.





Quinfieux-Billon-Bordeau- Chambery-Moretel-La Chambre-Saint-Jean-de-Maurienne-Saint-Michel-de-Maurienne

Am nächsten Morgen geht es zunächst wieder ergiebig bergauf, wobei man schöne Blicke auf den See genießen kann



Nach rauschender Abfahrt, uns kommen zahlreiche Rennradler und so gut wie keine Autos entgegen, finden wir nach einigem Herumirren einen schönen, breit ausgebauten Radweg, der uns mehrspurig und bequem direkt nach Chambery und in dessen Innenstadt bringt. So dürften sie die Radwege hierzulande auch gerne ausbauen. In Chambery gönnen wir uns mitten auf dem Marktplatz eine Frühstückspause und genießen die lebendige Atmosphäre des Ortes.



Meine Zahnschmerzen sind inzwischen zu einem dumpfen Pochen verblasst, das halte ich für tragbar und bin sehr erleichtert. Ich blicke also frohgemut den Alpen entgegen. Dafür tritt nun ein anderes Problem in den Vordergrund, das ich bisher nur am Rande wahrgenommen habe – ich habe Sitzprobleme, die einem vor der Abfahrt neu montierten Sattel geschuldet sind. Den bin ich zwar auf einer langen Tagestour durch den Schwarzwald Probe gefahren, aber offensichtlich war das nicht ausreichend. Hätte ich bloß den alten drauf gelassen. Ich hoffe aber, dass sich der Sitzcomfort bessert.

Hinter Chambery geht es ins Isère -Tal und durch schöne vom Weinbau geprägte Orte.



Später biegen wir in das Maurienne-Tal ab.

Wir sind kurzzeitig auf einer engen, stark frequentierten Strasse im Tal unterwegs gewesen, was zügiges, aber unerfreuliches Vorankommen verspricht. Spaß macht das jedoch nicht, weshalb wir auf kleine Sträßlein wechseln, die beständig auf und ab gehen.
Dabei passiert mir ein Malheur, das mich schon lange nicht mehr heimgesucht hat und ein echter Anfängerfehler ist - ich fahre mich in den Hungerast.
Ich habe mich aufgrund meiner Zahnprobleme die ganze Zeit kaum getraut etwas zu essen und das rächt sich nun. Nichts geht mehr, meine Beine sind vollkommen kraftlos und ich würde mich am liebsten an den Strassenrand werfen und dort bleiben.
Micha zwingt mich dazu eine Limonade zu trinken und wir pausieren.
Die zuckrige Limonade wirkt tatsächlich nahezu sofort und ich kann kurz darauf fast problemlos weiter fahren.



Abends campieren wir in Saint-Michel-de-Maurienne. Man kommt eigentlich nur auf einer autobahnähnlich ausgebauten Strasse die letzten Kilometer hin. Das macht aber nichts, weil es einen breiten für Radfahrer freigegeben Randstreifen gibt und in den frühen Abendstunden kaum noch Verkehr unterwegs ist.
Zur Feier des Tages testen wir einen einheimischen Wein, den wir heute im Weinanbaugebiet erstanden haben. Er schmeckt ganz fantastisch und lässt mich schnell einschlafen.



Morgen soll es dann auf den Col du Galibier gehen, wo wir spätestens am Mittag eintreffen wollen, es beginnt nämlich das Wochenende.


Saint-Michel-de-Maurienne-Col du Télégraphe-Valloire-Col du Galibier- Col du Lautaret- Briançon

Weil der Tag wieder heiß zu werden verspricht und wir nicht in den größten Ausflugsverkehr zum Wochenende kommen wollen, starten wir heute relativ früh.
Zunächst geht es ziemlich sofort in angenehmen Serpetinen zum Col du Télégraphe dessen namengebende Antennen man bereits von untern gut sehen kann.
Wir sind recht schnell oben, außer uns ist nur noch ein französischer Rennradler unterwegs, wir fotografieren uns gegenseitig vorm Passschild.



Nach einer kurzen, nahezu verkehrslosen Abfahrt gelangten wir in den Touristenort Valloire, wo bereits alles für die in sechs Tagen durchkommende Tour de France geschmückt ist, diesmal ging es vor den Alpen nämlich in die Pyrenäen, so dass wir der Tour im Gegensatz zum Jura diesmal voraus sind. Wir frühstücken kurz und dann geht es weiter.



Zunächst durch ein langes Hochtal, die Serpentinen kommen wie so oft erst ganz zum Schluss, was dem ganzen eine gewisse Würze verleiht und ein wenig Anstrengung dazu.

Landschaftlich ist es recht ansprechend und der Verkehr hält sich auch in Grenzen. Es ist aber ab 10 Uhr schon ziemlich heiß.


Hier sind jetzt schon dermaßen viele Rennradler unterwegs, dass man sich vorkommt, als wäre man bei einem Radmarathon. Lediglich die Verpflegungsstellen und Startnummern fehlen. Die Stimmung ist gut, der Ergeiz bei vielen groß und nicht jeder mag gerne von einer vollbepackten Reiseradlerin überholt werden. Viele sind das allerdings nicht, ich bin auch eher langsam unterwegs. Mein Mann ist schon längst in weiter Entfernung entschwunden.



Nach einer Weile des von mir geschätzten meditativen Bergauffahrens plagen mich wieder Sitzprobleme und anhand der Kilometersteine handele ich mit mir, wann ich eine kurze Pause machen möchte, um den Hintern zu lüften, nach drei Kilometern, nein, doch lieber nach vier. Ok, diesmal schon nach zweien.
Je weiter ich hochkomme, desto angenehmer wird die Temperatur, aber auch auf 2000m Höhe ist noch immer recht warm.



Weiter oben treffe ich noch ein paar junge Bikepacker mit Bergrädern, dem Zungenschlag nach aus Bayern, die sich im Tempo offenbar übernommen haben und häufig pausieren und dann werde ich kurz vorm Pass von einem Rennradler ein paar Meter aufmunternd geschoben, von der ganzen Gruppe überholt und mit einer aufmunternden Geste und Zurufen bedacht, die eine eindeutig badische Dialektfärbung besitzen. Das Gruppentrikot kommt mir ebenfalls schwer bekannt vor und tatsächlich stammt die Gruppe aus unserer Heimatregion. Oben dürfen wir Ihre Standpumpe ausleihen um unseren Reifen neue Festigkeit zu verleihen.



Am Pass ist es voll, wir gönnen uns bei einem Souvenirladen mit angeschlossener Bar einen Kaffee inmitten gutgelaunter Rennradler, widerstehen der Versuchung, ein Fahradtrikot, eine Trägerhose, ein Galibier-Westchen oder ein Schaffell zu erwerben und machen uns an die Abfahrt.

In den breiteren Serpentinen rüstet man bereits für die Tour. Zahlreiche Wohnmobile stehen bereits an den besten Plätzen, dekoriert mit Fahnen, bestückt mit Klappstühlen, Wimpeln, viel Alkohol und dem Willen jeden vorbeikommendem Radfahrer aufmunternde Rufe zu schenken.



Bei der Abfahrt passieren wir den Col du Lautaret, setzen uns kurz darauf in eine Blumenwiese und vespern ausgiebig.
Am sehr frühen Nachmittag sind wir bereits in Briançon, wo wir einen Laden aufsuchen um für das Abendmahl einzukaufen sowie um Michas bei der Abfahrt verloren gegangenen Zeltplatzlatschen zu ersetzen.
Dann suchen wir einen Zeltplatz auf, der außerhalb der Stadt in einem Nadelwäldchen gelegen ist und verbringen den Nachmittag gemütlich im dortigen Schwimmbad. Den Col d'Izoard muss man Samstags bei dieser Hitze nicht als Nachmittagspass fahren, das langt auch noch am Sonntag am Morgen, wenn die Temperatur gefälliger, die Verkehrsdichte geringer und die Beine ausgeruht sind.




Briançon- Col d'Izoard - Château Queyras- Molines en-Queyras

Diesen Morgen soll es nun auf den Col d'Izoard gehen. Wir kehren zurück nach Briançon, das am Sonntagmorgen relativ ruhig da liegt und folgen weiterhin der Route des Grandes Alpes.
Es sind schon weitere Ausflügler unterwegs, nicht wenige davon mit dem Rad.
Nachdem man aus dem Dunstkreis Briançons heraus geradelt ist, kommt man in einem langgezogenen Nadelwald, der bei der augenblicklichen Hitze ein wunderbares Aroma verströmt.
Ich überhole eine Dame auf dem MTB, die das irgendwie persönlich nimmt, aber das mag täuschen, vielleicht ist ihr auch die Hitze zuviel, ich selbst finde es auch recht kuschelig und dann gönne ich mir alle paar Kilometer einen ausgiebigen Schluck aus den Wasserflaschen. Gelegentlich landet auch ein wenig vom erfrischenden Nass in meinem Gesicht – es ist WIRKLICH heiß, ich mag mir gar nicht vorstellen hier Nachmittags hoch zu radeln, es hat nämlich auch im Waldgebiet nicht allzuviel Schatten.



Bevor es die letzten schön geschwungenen Serpentinen vollends zum Pass hoch geht, erblickt man das Refuge Napoléon, wer will, kann sich hier auch noch einmal erfrischen.



Nach den ausschweifenden und aussichtsreichen Serpentinen gelangt man dann nach oben zum Pass, der in erster Linie aus vegetationsarmen Geröllhalden besteht, die ihren eigenen Charme besitzen.
Wir trinken einen Kaffee in der Passbar und reihen uns zum Gipfelfoto ein, das ein netter Rennfahrer von uns macht

,

dann geht es durch weitere Geröllhalden, die Casse Déserte, die so menschenleer nicht ist, denn auch hier fiebert man der „Tour“ entgegen, bergab, bevor wir ins Flusstal des Guil und in den schmucken Ort Château Queyras abbiegen.



Neben der namengebenden Burg, gibt es noch eine weitere Attraktion- nämlich eine Käserei- und die hat- tata- Sonntags geöffnet schmunzel



Danach biegen wir hinter Ville-Vielle nach Molines en Queras ab. Auf dieser Hochebene, in der mehrere Orte verstreut liegen, die alle zur Gemeinde Molines en-Queras gehören, wollen wir nämlich nächtigen.

Weil die Hitze aber erheblich zugenommen hat und hier ungeschützt auf den Asphalt knallt, habe ich echte Mühe die hier eher einfach zu fahrene Strecke mit milden Steigungsprozenten locker durch zu pedalieren. Ich kippe mir alle paar Kilometer, manchmal auch Meter, Wasser ins Gesicht und an der ersten Dorfkneipe, die eigentlich eine Bäckerei ist, aber kühle Getränke und leckeres Heidelbeereis verkauft, machen wir einen strategischen Halt.

Gut gestärkt und gekühlt können wir dann die restliche Strecke zum Zeltplatz in Angriff nehmen, wo uns ein Stellplatz mitten in der Sonne zu gewiesen wird. Die Schattenplätze sind für länger verweilende Gäste und Wohnmobile reserviert.
Der Platz ist dennoch gemütlich und wir unternehmen einen ausgedehnten Spaziergang entlang des kühl dahinplätschernden Baches.

Ich mag diese Landschaft mit den ruhigen Hochweiden, aber dass es sogar auf einer Höhe von 1800m um acht Uhr abends noch über 30 ° C heiß sein kann, finde ich wirklich beachtlich.



Molines en-Queyras-Col d'Agnel-Pontechiana-Casteldelfino-Sampeyre-Sant'Anton-Saluzzo- Piobesi Torinese

Nun geht es nach Italien. Vorher jedoch, muss der höchste, wenn auch nicht der schwerste Pass der Tour, der Col d'Agnel der immerhin auf 2746m Höhe kommt, erklommen werden.
Ein sehr schöner und einfach zu fahrener Pass ist es noch dazu.



Man fährt durch karge Hochheiden sanft bergan, kann, der Pass ist weder besonders bekannt noch besonders stark frequentiert, am Morgen Ruhe und Aussicht genießen und an zahlreichen Stellen wird man von neugierigen Murmeltieren beäugt, die hier erstaunlicherweise relativ wenig Scheu besitzen.



Einmal gibt es einen kleinen Stau, weil ein Murmel auf der Straße liegt und sich die Sonne auf den Bauch braten läßt, bevor es aufreizend langsam wieder im Bau verschwindet.



Bald sind wir oben, die Aussicht ist ebenso prächtig wie das Wetter und wir plaudern ein wenig mit zwei Motoradfahrern aus Turin. Mir fällt irgendwann auf, dass ich einen Satz auf Französisch beginne und auf Italienisch beende, was alle sehr erheiternd finden, „Die Frau spricht alle Sprachen“ lacht einer der Turiner und wir lachen mit.
Ein Poserfoto machen Sie von uns auch noch.



Der Ausblick zur italienischen Seite ist recht spektakulär


und die Abfahrt entsprechend steil, was ich beim Abfahren so gar nicht schätze. Passend dazu wird der Asphalt auch noch bröselig. Der Rennfahrer der mir entgegen keucht, hat auf jeden Fall meinen vollen Respekt.
Zur Entlastung von Bremsen und Händen mache ich etliche Pausen und genieße die Aussicht – und schau mal, wo die Strasse noch so entlangführt.



Es kommen bald auch erste Almen in Sicht.

.


Im nächsten Ort gönnen wir uns einen ersten Espresso, es sollen noch viele davon folgen und rollen endlos lang ein langgestrecktes Flusstal bergab. An einem Stausee pausieren wir, ebenso in Casteldelfino, wo ein Openairmuseum für Volksheilige zu unserer spirituellen Bildung beiträgt.



Irgendwann sind wir dann endlich unten angekommen und die feuchte Hitze der Poebene schlägt uns wie ein Dampfbad entgegen.



Die landschaftlichen Reize fallen stark ab, dafür duftet es intensiv nach Früchten, was wenig wundert, weil wir kilometerlang an Pfirsich- und Nektarinenplantagen entlangfahren.



Wir versuchen möglichst elegeant auf kleinen Routen zügig in Richtung Norden zu navigieren und schlagen, nachdem wir beschlossen haben nicht mehr bis Turin durchzufahren einige Haken um einen Übernachtungsplatz zu finden. Freies Zeltes in einem Obsthain erscheint uns weder erfreulich noch sinnvoll, Unterkünfte gibt es, aber scheinbar scheint eine vorherige Buchung bei einem Hotelportal unumgänglich zu sein, auf unserer Klingeln bei verschiedenen Bed & Breakfirst-Stationen öffnet jedenfalls kein Mensch.

In Piobesi Turinesi werden wir fündig, ein Restaurant vermietet auch Hotelzimmer und die Räder finden auch einen geschützen Platz. Im Restaurant essen wir ganz vorzüglich und schlendern abends noch ein wenig durch den Ort. Unser Zimmer protzt mit einem Deckenventilator, was der Nachtruhe ungemein förderlich ist.



Piobesi Torinese-Turin-Livorno Ferraris-Cattinara-Borgomanero

Nach dem Frühstück begeben wir uns nach Turin, was, wir geraten natürlich kurz vor der Stadt in den Berufsverkehr, auf engen, kaputt gefahrenen Straßen ein zweifelhaftes Vergnügen ist und landen beim Prachtstadion von Juventus Turin.
Rund ums Stadion gibt es tolle Radwege, aber spätestens beim benachbarten Einkaufskomplex, man hat hier das Motto Brot und Spiele sehr wörtlich genommen, hat das Ganze ein Ende.
Wir wurschteln uns ein wenig unorthodox über einen Hindernisparcours aus Leitplanken, heruntergekommenen Grundstücken und unbefestigten Feldwegen Richtung Stadt durch.
Die Durchquerung der Stadt dauert dann zwei Stunden und gehört nicht zu den erfreulichsten Dingen unserer Reise.
Man hat hier nämlich zahlreiche Radwege gebaut, auf deren Benutzung von Seiten der motorisierten Verkehrsteilnehmer genauso penetrant gepocht wird, als sei man in einem der unangenehmeren Regionen in Deutschland. Nur sind diese Radwege nicht nur sehr eng und außerdem überfüllt, sondern sie bestehen aus einem Asphaltbelag, der die Vermutung nahe legt, dass man einen sturzbetrunkenen Ackerbautrupp zu deren Bau verpflichtet hat.
Mein Zahnloch findet den Belag ebenso wie sämtliche Plomben auch nicht besonders erfreulich und das Tempo sinkt auf Spaziergeschwindigkeit.
Deshalb weigern wir uns der Stadt Turin auch nur einen einzigen bewundernden Blick zu gönnen, so dass wir sie möglichst schnell verlassen und pausieren erst im Speckgürtel in einem kleineren Ort auf einen Café. Und Bilder mache ich auch keine.

Weiterhin ist es sehr heiß und sehr eben.



In einem Park, wo wir im Schatten an einer Picknickstelle pausieren, treffen wir auf einen sportiven, italienischen Radfahrer mit spärlichem Bikepacking-Aufbau.
Wir teilen unsere Vorräte und er erzählt, dass er am Langstreckenrennen Wien-Barcelona teilnehme und gerade einen Speichenbruch erlitten hätte.
Unsere mitgeführte Speichensammlung ist bei seinem Sytemlaufrad leider vollkommen unbrauchbar und er muss wohl oder übel in Turin einen Radladen aufsuchen.
In Folge treffen wir noch mehrere Teilnehmer des Rennens.
Später kommen wir dann in das berühmte Reisanbaugebiet Norditaliens, wo zwischen den unscheinbaren Reispflanzen Myriaden von Stechmücken nichts anderes zu tun haben, als auf einen harmlos pausierenden Radfahrer zu warten.



Wir sind jedenfalls nicht böse, als wir in das vom Weinbau geprägte Hügelland der Colli Novaresi gelangen, wo es zwar nicht weniger heiß, aber die Umgebung ansprechender ist.



Wir beenden den Tag in Borgomanero, wo wir abermals in einem Hotel nächtigen. Der Besitzer ist ein in die Jahre gekommener Gigolo und wir einigen uns nach einer charmanten Konversation auf einen angenehmen Preis.
Am Abend flanieren wir durch den Ort und versacken später bei Antipasti und Wein bzw Bier in einem Kiosk am Park, der eine ebenso bunte wie unterhaltsame Belegschaft und Kundschaft besitzt.



Borgomanero-Verbania- Cannobio-Locarno-Bellinzona

Nach einem reichaltigen Frühstückbuffet, wie ich es in Italien noch nie gesehen habe und das an einen Frühstucksmuffel wie mich komplett verschwendet ist, machen wir uns auf den Weg zum Lago Maggiore.
Schon nach kurzer Zeit sehen wir ihn von oben von einer Hügelkuppe unter uns im Dunst liegen und begeben uns an seine Uferstraße.
Diese ist in den Morgenstunden wie ausgestorben und sehr angenehm fahrbar.
Erst später wird es voller, aber nicht so, dass es unangenehm gewesen wäre.
Wir genießen die Ausblicke am See



und auch die Pracht altehrwürdiger Freizeitanlagen für die Betuchten, die einen besonderen, wenn auch mittlerweile leicht bröseligen Charme ausüben.



Es ist nach wie vor sehr heiß und wir pausieren gelegentlich am Wasser, bevor wir nachmittags in Locarno ankommen. Der Schweizer Teil des Lago Maggiore ist etwas betonlastiger und moderner als der italienische, wir überlegen trotzdem kurz in Locarno zu nächtigen, entscheiden uns aber für Bellinzona, das wir über einen gut ausgeschilderten Radweg recht zügig erreichen.
Der örtliche Campingplatz, ein schmaler Wiesenschlauch am Ortsausgang, sprengt preislich alle unseren bisherigen Erfahrungen.
Von einem ebenfalls radreisenden, französischen Ehepaar aus dem Rhonetal, mit dem wir einen unterhaltsamen Abend verbringen, erfahren wir dass der in Locarno noch 20 Franken teurer gewesen wäre. Also sind 45 Franken die Nacht für ein kleines Zelt auf der Wiese scheints als einmaliges Schnäppchen anzusehen.

Bellinzona- San Bernardino- Hinterrhein-Splügen- Sufers-Zillis



Der nächste Morgen beginnt ungewohnt nebelig und sehr schwül.

Wir machen uns an die Anfahrt zum San Bernardino um von hier an den Hinterrhein zu gelangen.

Der San Bernardino ist zwar kein besonders schwerer Pass und es ist auch nicht der höchste unserer Tour, aber man fährt schon von sehr weit unten hoch und die Strecke zieht sich, was durch die drückende Schwüle, ich bin sicher, dass noch ein Gewitter aufziehen wird, nicht besser wird.
Die Strecke ist recht leer, vor allem der motorisierte Verkehr ist sehr zurückhaltend, was kein Nachteil ist und der gelegentlich auf Stelzen sicht-und hörbaren Autobahn zu verdanken ist die hier den Großteil des Verkehrs abzieht.

Weiter oben nimmt die Schwüle etwas ab, dafür fangt es an zu nieseln.



Da sist ein wenig schade, weil die Gegend so ein wenig verhüllt wird, andererseits schafft so ein diesiges Nebelwetter auch immer eine leicht verwunschene Stimmung.
Im überraschend angenehmen Ort San Bernardino, den man noch vor dem Pass erreicht, genehmigen wir uns eine Kaffeepause, ich liebäugele noch kurz mit dem Genuß einer gegrillten Forelle oder ersatzweise einer Pilzpolenta, aber mag jetzt auch nicht mit vollem Magen bergauf fahren und verzichte lieber.
Auf den letzten Metern zum Pass tratsche ich noch ein wenig mit einem Pärchen aus Zürich, das in Splügen eine Ferienwohnung gemietet hat und dann sind wir auch schon oben, wo es leider immer feuchter wird.





Deshalb verweilen wir hier nicht lange, obwohl oben etliche Reiseradler am Restaurant vor ihren Getränken hocken.

Nach einer kurzen Vesperpause im charmanten Hinterrhein



geht es weiter nach Splügen



wo wir kurz in der örtlichen Sennerei Halt machen und unsere Vorräte mit allerlei Köstlichkeiten aufstocken.

Wir fahren dann zügig weiter abwärts weil uns ein gewitter im Nacken hängt, das wir gerne in den Höhen zurück lassen würden.

Zeit genug den jungen, wilden, ungestümen Rhein zu bewundern, der hier durch die Felsen braust, bleibt uns jedoch.



Es ist kaum zu glauben, dass das der gleiche Fluß ist, der bei uns breit, gezähmt und kanalisiert durch ein weites, sumpfiges Tal fließt.



Auf also schöner Route weiter geht es bis wir im Dunstkreis der Via mala einen Campingplatz entdecken auf dem wir uns niederlassen



Der Platz ist überschaubar, angenehm und auch preislich freundlich.

Außer uns sind noch weitere Reiseradler anwesend, wir plaudern ein wenig und genießen vor unserem Zelt ein süffiges Bier in Begleitung eines sagenhaften Bündner Blauschimmelkäses.



Das Gewitter hat uns freundlicherweise umschifft.



HIER GEHTS WEITER

Zillis-Thusis-Chur- Landquart- St Margrethen-Rorschach- Romanshorn-Konstanz-Radolfzell-Engen-Illmendingen

Am nächsten Morgen geht es weiter, durch die schöne Rheinschlucht abwärts.
So einfach und gut ausgebaut die Strecke heute ist, in früheren Zeiten war sie ein abenteuerliches Wagnis und zwar eines das man nur aus gutem Grund, sicherlich aber nicht um des Vergnügen willens auf sich genommen hat.



Das ist heute freilich vollkommen anders. Mit Schwung und Vergnügen durchfahren wir Thusis, später dann, mit mittelmäßig großem Vergnügen Chur. Hier schwillt der Verkehr stark an und der Radweg sagt uns nicht so sehr zu. Wir halten uns an die wellige Straße am östlichen Talrand, die wir hinter Landquart zugunsten des Rheinradwegs verlassen.
Ab hier geht es dann nur noch topfeben und schnurgerade am Fluß entlang.



Das ist sicherlich nicht die aufregendste Passage unserer Tour, aber schnell sind wir, obwohl es ganz furchtbar heiß ist und ich ernsthafte Sitzprobleme habe, die vor allem bei ebenen Strecke zu Tage treten.
Wir verbleiben auf der Schweizer Seite, die andere kennen wir bereits ausreichend und rauschen so an Liechtenstein vorbei, nur zu einer Einkehr in einen Biergarten queren wir später kurz die Brücke nach Östereich, wo wir an einem Fischteich jeder eine kühle Halbe genießen.
Dann geht es weiter.



In St. Margrethen finden wir nachmittags einen Campingplatz direkt am Freibad. Der Badeeintritt ist includiert, das Zelt steht mitten im Bad am Spielplatz mit Sitzgelegenheiten und ein Badesee gehört auch dazu.
Wir stürzen uns direkt hinein und als wir wiederkommen, hat eine ebenfalls radelnde Familie aus Sankt Gallen das Zelt neben uns aufgeschlagen. Später trifft noch ein junges französiches Pärchen ein.
Nachts kommt dann das Gewitter heran, das eine Zeltnachbarin in den Duschräumen verbringt, weil ie in ihrem abgedunkelten Anti-Hitze-Zelt von Platzangst geplagt wird, wie sie uns am nächsten Morgen gesteht. Zur Aufmunterung spendieren wir da einen Kaffee aus unserem Vorrat.



Von St Margrethen geht es dann entlang ausreichend frequentierter Straßen zum Bodensee.



Wir sind noch vor dem Mittag in Konstanz am Bahnhof, wo wir in die Schwarzwaldbahn zu springen gedenken um zügig und problemlos heim zu kommen.
Die aber fährt wegen Schienenarbeiten nicht. Mitten in den Sommerferien von Baden-Württemberg, hat man dessen beliebtestes Ausflugsziel vom Bahnverkehr abgehängt, der Schienenersatzverkehr, nimmt selbstredend keine Fahrräder mit. Ich reagiere nicht sehr erfreut, als mir alternativ eine Verbindung über Basel angeboten wird.
Immerhin erfahre ich, dass der Zug ab Immendingen im Donautal wieder verkehrt, da radeln wir nun also hin. Das sind etwa 50km zusätzlich, die uns die vorher eingekauften Köstlichenkeiten (Käse und Schokolade) sehr übel nehmen, es ist weiterhin sehr heiß und mit einer frappierenden Formveränderung quittieren.
Bei steigender Schwüle arbeiten wir uns also über die grünen Hügel des Hegau und als wir am Bahnhof in Immendigen einfahren, bricht auch schon das Gewitter mit vollem Getöse los.




Das war also unsere kleine Sommertour durch nicht allzu heimatferne Gefilde.
Auch wenn ich beispielsweise die Ebene rund um Turin nicht dringend als touristisches Ziel empfehlen würde, so gehört die Durchquerung nicht ganz so attraktiver Ecken zu einer Radreise eben auch dazu. Für mich jedenfalls. Man kann natürlich auch in den Zug ausweichen (auf genau dieser Strecke jedoch nicht). Bevor ich mich jedoch freiwillig stundenlang im Zug (bzw den oft undurchsichtigen Radmitnahmemodalitäten) herumärgere, bevorzuge ich eine schnelle Fahrt durch die Ebene. Das ist auch ein Vorteil des Rheintals - als Transitstrecke ist es eine flotte Alternative zu einem anderen Verkehrsmittel und es finden sich auch gelegentlich nette Anblicke, so dass eine zügige Fahrt hier durchaus auch Spaß machen kann, zumindest einen halben oder auch ganzen Tag lang.
Das Hüggelland des Franche-Comté und des Jura mag ich immer wieder gerne, weshalb ich dort auch häufiger toure. Die wellige grüne Landschaft mit den tief eingeschnitten Flußtälern wirkt beruhigend und die örtlichen Milchprodukte sind über jeden Zweifel erhaben. Auch finde ich es angenehm, mich langsam den Alpen entgegen zu arbeiten.
Dort war es dann, Ausflugsverkehr hin oder her, ebenfalls wunderbar, die Temperaturen haben zwar manche Schweißperle extra gefordert, aber die Abfahrten dafür zu einem besonderen Vergnügen gemacht, sogar für mich, obwohl ich Abfahrten generell nicht viel abgewinnen kann.
Auf die Zahnprobleme hätte ich gerne verzichtet, aber wie bemerkte mein Gatte so schön: Irgendwas ist immer.

Ansonsten: Es gibt natürlich XXX verschiedenen Variationsmöglichkeiten unserer Tour, probierts einfach aus und berichtet davon.

Gruß

Nat






Geändert von natash (02.10.20 07:50)
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#1414306 - 02.02.20 09:46 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: natash]
Juergen
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Eure Jura-Etappe trieb mir beim Lesen die Tränen in die Augen. Selten habe ich das Gefühl, dass ein Jahr ohne gescheite Radreise, kein gescheites Jahr mehr ist.

Danke für den Bericht und danke dafür, dass ich dadurch ne Menge Erinnerungen rauskramen durfte. zwinker

Lieben Gruß auch an den Gemahl
Jürgen
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
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#1414316 - 02.02.20 10:41 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: natash]
wattkopfradler
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Schöner Bericht, schöne Gegend. Ich liebe Fronkreisch und eure Tour ist mir Ansporn dieses Jahr sowas mal selbst wieder in Angriff zu nehmen.
In diesem Sinne - merci beaucoup bravo
__________________________________________________
Freund der leisen Fortbewegung
https://goo.gl/photos/anunwfQyc615NPTV7
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#1414347 - 02.02.20 15:24 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: natash]
max saikels
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In Antwort auf: natash



Taubergießen?
Grüße, Stephan
Autumn Leaves
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#1414359 - 02.02.20 17:22 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: max saikels]
natash
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Nein- Plittersdorf, also noch fast bei mir zu Hause schmunzel Es könnte aber fast überall in den Rheinauen sein. Ich sehe es als exemplarisches Bild.
Ein Tag hängt übrigens wieder dran an unserer kleinen Tour.
Man braucht also von uns daheim, bis zum Col du Galibier ziemlich genau eine Woche. Das passte uns sehr gut, immerhin war das in etwa die Halbzeit unserer Tour.

Gruß

Nat
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Off-topic #1414462 - 03.02.20 15:06 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: Juergen]
veloträumer
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In Antwort auf: Juergen
Eure Jura-Etappe trieb mir beim Lesen die Tränen in die Augen. Selten habe ich das Gefühl, dass ein Jahr ohne gescheite Radreise, kein gescheites Jahr mehr ist.

Da sagst du was Wahres... traurig
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1414465 - 03.02.20 15:27 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: natash]
veloträumer
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In Antwort auf: natash



So einsam kann ich mir den Galibier gar nicht vorstellen: grins



Schön in Bildern eingefangen. Die Perspektive oberhalb des Lac de Bourget gefällt mir besonders gut - dort mal die andere Uferseite zu nutzen. Insgesamt rollen mir die Räder mal wieder zu schnell vorbei, aber es bringt ja alle Erinnerungen nach oben. Wenn ich das richtig sehe, habt ihr sogar die Source de la Loue um Haaresbreite im Windschatten liegen lassen?
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1414468 - 03.02.20 15:41 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: veloträumer]
indomex
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In Antwort auf: veloträumer
Wenn ich das richtig sehe, habt ihr sogar die Source de la Loue um Haaresbreite im Windschatten liegen lassen?

Das hat mich auch erstaunt.

Ansonsten jedoch mal wieder ein toller Bericht: Ich freue mich auf die Fortsetzung!
Leben und leben lassen
Liebe Grüße, Peter
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#1414486 - 03.02.20 18:16 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: indomex]
natash
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In Antwort auf: indomex
In Antwort auf: veloträumer
Wenn ich das richtig sehe, habt ihr sogar die Source de la Loue um Haaresbreite im Windschatten liegen lassen?

Das hat mich auch erstaunt.

Ansonsten jedoch mal wieder ein toller Bericht: Ich freue mich auf die Fortsetzung!

das passte nicht so recht rein, wir haben wegen meiner verminderten Leistungsfähigkeit ohnehin ein wenig umimprovisiert, in unserem nur vage vorgeplantem Urlaub.Das ist ja das schöne am daheim losfahren - man braucht im Grunde keinerlei Vorbereitung und schaut einfach einmal wies so läuft. Nach anderthalb extrem stressigen Jahren war das genau richtig.
Aber wir waren schon so oft im Jura und kommen sicherlich noch häufiger hin, da läuft nichts weg, man ist ja schnell dort.
Uns gehts ja ohnehin in erster Linie ums Radfahren in ansprechender Umgebung.
Gruß
Nat
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#1414488 - 03.02.20 18:39 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: natash]
Juergen
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Nicht nur die Quelle der Loue habt ihr links liegen lassen, sondern auch das Bahnhofscafé Chez Nat in La Chaux-des-Crotenay. grins
° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
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#1414489 - 03.02.20 18:52 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: Juergen]
natash
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In Antwort auf: Juergen
Nicht nur die Quelle der Loue habt ihr links liegen lassen, sondern auch das Bahnhofscafé Chez Nat in La Chaux-des-Crotenay. grins

DAS ist ein echter Fauxpas!
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#1414552 - 04.02.20 11:53 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: natash]
Keine Ahnung
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Ich wohne eindeutig am falschen Ende Deutschlands zwinker

Danke, dass Du die schönen Bergaufnahmen mit uns teilst.
Gruß, Arnulf

"Ein Leben ohne Radfahren ist möglich, aber sinnlos" (frei nach Loriot)
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#1415075 - 09.02.20 13:49 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: Keine Ahnung]
Britta
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In Antwort auf: Keine Ahnung
Ich wohne eindeutig am falschen Ende Deutschlands zwinker


Da ist was dran - schon nicht schlecht, wenn man solch eine Landschaft vor der Haustür hat.
Ich bin ein bisschen neidisch... weinend - danke Nat für's Berichten - ich freu mich auf die Fortsetzung! schmunzel

viele Grüße
Britta
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#1415788 - 14.02.20 16:49 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: natash]
sanntos
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Hallo natash,
ich bin ganz inspiriert von eurer Reise.
Dank meinerZeitschriften-Flatrate sämtlicher Rad-Magazine, bekomme ich ja immer wieder einblicke in Atemberaubende Routen
aber was mich von euren Fotos wirklich überrascht hat war der Fluss l' Ain.
Ich dachte, so farbintensive Flüsse gäbe es nur in Neuseeland.
Liebe Grüße sanntos

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#1415792 - 14.02.20 17:20 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: sanntos]
Juergen
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In Antwort auf: sanntos

aber was mich von euren Fotos wirklich überrascht hat war der Fluss l' Ain.
Ich dachte, so farbintensive Flüsse gäbe es nur in Neuseeland.
Bilder ab der Crème brûlée grins und im zweiten Teil Jura oder "Zwei Patriarchen im Intensivkurs" (Reiseberichte)
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#1415816 - 14.02.20 21:13 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: Juergen]
natash
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Es geht wieder ein bissele weiter, leider habe ich gerade nicht genug Zeit für mehr.
Ich hoffe es ist Euch auch so recht.

Gruß

Nat
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#1415818 - 14.02.20 21:28 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: sanntos]
natash
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Flüsse dieser farbe kommen auch in Europa ziemlich oft vor, meist in gebirgigen Regionen, es gibt sie sogar in Deutschland.
Sogar der noch junge, ungestüme Rhein, dem wir auf unserer Tour auch noch begegenen werden, wartet mit einem ähnlichen Farbton auf.

Gruß

Nat
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#1415928 - 15.02.20 22:47 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: sanntos]
veloträumer
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In Antwort auf: sanntos

aber was mich von euren Fotos wirklich überrascht hat war der Fluss l' Ain.
Ich dachte, so farbintensive Flüsse gäbe es nur in Neuseeland.

Sedimente. Normalerweise wird in reinem Wasser mehr blaues Licht reflektiert als sonstige Farbe. Dazu muss das Wasser aber auch tief genug sein, sonst ist es klar und der Steinuntergrund bestimmt die Farbe. Durch Kalkpartikel wird das blaue Licht noch mehr gestreut, wird ggf. bei vielen Kalkpartikeln milchig und intensiviert bzw. konserviert das Blau sogar bei schlechtem Licht (Wolken usw.). Geht es ins Grüne (Smaragdfarben), sind Mikrororganismen (Algen) mitbeteiligt. Auch können Algen durch die photosynthetische Aufnahme von CO2 Kalkpartikel ausscheiden, sodass blaue Farbe auftaucht (dann aber eher in Seen).

Typischerweise wird in den Alpen und im Jura (Karsterscheinungen!) viel Kalkgestein ausgespült, weil da früher oft Meer war (Muschelkalk). Im Idealfall kommt es dann zu den blauen Erscheinungen, besonders bei noch nicht verunreinigten Flussteilen. Der bekannteste Fluss, der zwischen Blau und grünlichen Smaragdtönen changiert, ist die Soca (Slowenien). Er gilt sogar weltweit zu den Flüssen, die über die längste Strecke das Blau halten. Wie von natash aber bereits erwähnt, auch in Deutschland (besonders Isar) oder aber auch recht intensiv in den Alpen der Tagliamento (Friaul), aber auch im Westen Durance usw. Gemessen am vielen Kalkgestein ist die Blautönung im Jura sogar kurioserweise selten. Der Jura ist also doppelt mysteriös.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1421306 - 21.03.20 16:05 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: veloträumer]
natash
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Ich habe es mal wieder geschafft ein Stückele weiter zu schreiben und hoffe Euch gefällts.

Die Tatsache dass die Regionen Norditaliens nun unter der vollen Wucht der Corona-Epidemie zu leiden haben hinterläßt ein unbestimmt schales Gefühl.

Diese Reise, so unscheinbar sie auch sein mag, ist in nächste Zeit in dieser Form also gar nicht möglich - und was danach sein wird, das weiß man noch nicht.

Gruß

Nat



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#1445349 - 29.09.20 21:30 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: natash]
natash
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Servus zusammen,

leider habe ich für diesen Bericht elends lange gebraucht. Mir fehlte einfach die Zeit und und auch die Muße zur Fertigstellung.
Aber nun ist es vollbracht.
Danke für Eure Geduld, ich hoffe es hat dennoch der ein oder die andere Spaß daran hier weiter zu lesen.

Gruß
Nat
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#1445351 - 29.09.20 21:46 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: natash]
Biotom
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Schöner Bericht einer tollen Tour - vielen Dank fürs Teilen!
I never go for a walk without my bike.

Link auf Biotoms Tourberichte
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#1445468 - 01.10.20 13:07 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: natash]
veloträumer
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Hallo Natalie,
danke für den Rest eurer Vorjahrestour mit Via Mala und Alpenrhein!

Der San Bernardino stand auch mal ganz am Anfang meiner Alpenreisen als Finale auf dem Programm, das dann ähnlich flott über Alpenrhein und Schweizer Bodenseeufer verlief, derweil ich noch einen Freund in Allensbach besuchte. Auch schon wieder 18 Jahre her.

Das Camping-Paradies bei der Via Mala ist wohl die bessere Wahl gegenüber Thusis (etwas spröder Schattenplatz) und Chur (recht teurer Platz). Auf beiden Campings hatte ich allerdings auch kein Wetterglück, in diesem Jahr bin ich in Thusis hingegen fast zerschmolzen, war aber och nicht Etappenende. Ich hatte auch noch kurz erwogen die Via-Mala-Radroute noch mitzunehmen und die Ereinnerung aufzufrischen, was ich aber dann doch ausschlug (kenne nur die Straße).

Chur ist allerdings superschön mit viel pittoresken Fassaden, Torbögen, Nischenplätzen, Lebensflair, Kneipen, Cafés, Restaurants etc. (So mich wundert, dass du Thusis als "schön" bezeichnest, dass ich von funktionalen Bauten bestimmt kenne mit sehr kleinem alten Kern.) Man muss aber in die Altstadt rein, Verkehr ist eben außenrum, ist schließlich vieler Hinsicht das Zentrum Graubündens. Die Einfahrten von Süden sind auch ganz anders als die auf der Rheinschiene. Dort genießt man Panoramablicke von steil abfallenden Berghängen samt Weinbergen auf die gesamte Stadt.

Ich nehme an, du hast oben als Rückfahrtort Immendingen an der Donau gemeint?

Bzgl. Alpenrhein und Zugtransfer noch ein paar Anmerkungen, weil sich das so alternativlos anhört. Sicherlich muss man nicht unbedingt mit einem Ausfall der Schwarzwaldbahn rechnen, weil doch eher selten. Abgekoppelt muss man aber nicht sein, dafür gibt es zuviel Varianten. Eine probate Alternative - wenn auch aus Karlsruher Sicht nicht so optimal wie aus Stuttgarter - ist Lindau (bis Stuttgart 3 h). Vorteil von Lindau ist, dass man vom Rheindelta schneller in Lindau ist als in Konstanz und zudem noch mit BaWü-Ticket fahren kann. Ich würde also bei einer solchen Tour immer am Rheindelta prüfen, ob auf einer der Fahrstrecken Probleme angekündigt sind, um die richtige Wahl zu treffen.

Im Alpenrheintal muss man ab Landquart nicht durchgehend flach fahren, übrigens zu beiden Seiten nicht. In diesem Jahr wurde ich von einem Zöllner (FL/A) gefragt, warum ich nicht unten am Rhein fahren würde, das wäre extra für Radfahrer. Ich habe ihm dann geantwortet, dass ich den Rheindamm nicht interessant fände, sondern da und dort die Berge am Rand hochfahren würde, was ihn etwas irritierte und ich mich leicht verdächtig machte. Das zeigt schon, wie festgelegt das Gros der (Reise-)Radler auf den Rheinradweg ist. Auf der Schweizer Seite liegt die schönste Variante an den Berghängen entlang via Bad Ragaz, Sargans, Buchs, Altstätten samt pittoresker Ortsbilder, einige auch mit Burgen. Das geht hügelig wie flach.

Sofern noch Power in den Beinen, wäre die Querung des Appenzellerlandes und Bodenseehinterlandes die reizvollere Alternative zum eher bescheidenen Schweizer Bodenseeufer. Ab Altstätten z.B. über Trogen, St. Gallen, Amriswil. Möchte man evtl. aber nicht mehr nach eine fetten Bergtour.

Vielleicht nicht sofort ersichtlich, aber verkehrsmäßig wie landschaftlich richtig gut sind die Varianten von Sargans über Walensee (der ist eine Reise wert). Ich wundere mich, wie selten das von Reiseradlern genutzt wird, zumal das ziemlich einfach machbar ist. Weiter dann entweder via Rickenpass Richtung Frauenfeld und Schaffhausen. Das verbessert auch die Bahnanschlüsse gegenüber Konstanz, auch über Basel ist dann nicht mehr so umwegig. Noch klüger ist aber wohl Rückfahrort Zürich. Kann man via Zürichsee flach, hügelig bis bergig über den Ufern oder per flotter S-Bahn ansteuern. Da sind dann die Bahnoptionen über Singen oder Basel etwa gleichwertig.
Liebe Grüße! Ciao! Salut! Saludos! Greetings!
Matthias
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#1445483 - 01.10.20 16:44 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: natash]
indomex
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Sehe, sehr schön. Das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt. Vielen Dank dafür! bravo
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Liebe Grüße, Peter
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#1445527 - 02.10.20 08:00 Re: Baden-Westalpen-retour [Re: veloträumer]
natash
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Lieber Matthias,
ich weiß doch,dass man im Rheinbereich nicht flach fahren muss, aber bei einer schnellen Transitstrecke, die eine Zugfahrt ersetzen soll, ist es sinnvoll, weil man da sehr gut sehr schnell durchrauschen kann, wenn man das möchte.
Der Genuß bezog sich dann natürlich auch nicht auf die Schönheit der Städte, sondern die Möglichkeiten der Durchfahrt. Intensive Stadtbesichtigungen hebe ich mir für Zeiten auf, in denen Radeln nicht mehr so intensiv klappt oder in denen mehr Freizeit zu Verfügung steht.
Zur Zugfahrt. Ich wäre gleich nach Basel geradelt, wenn ich vom Ausfall der Schwarzwaldbahn gewusst hätte. Da hätte nämlich zusätzlich zum Zug auch die Möglichkeit bestanden, in einem Tag heimzuradeln (Rheintal halt schmunzel ).
Die Schwarzwaldbahn ist dennoch eine prima Verbindung, ich nutze sie gerne mal.
Wieder daheim erwartete mich übrigens eine Feigenschwemme, der ich nur durch verschärfte Marmeladenproduktion Herr werden konnte.
Gruß
Nat
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